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Donnerstag, 12. Mai 2016

Israel - Weißrussland - Serbien

Israel
Hovi Star
Made Of Stars

Meine Güte, was für eine Ballade. Pathos! 
Hovi singt hervorragend, das hat man auch in Russland, Israel und den Niederlanden gemerkt, und es setzt sich in den Proben zum Semi fort.
Der Auftritt ist reduziert auf das Wesentliche.

Ich tippe ihn in die Top 10 des gesamten ESC 2016.

Jaja, Balladen dieser Art haben wir schon oft gehört... aber man nie genug davon bekommen, oder?!

9/10

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Weißrussland
Ivan
Help You Fly

Was gab es für ein aufgeregtes Geschnatter unter den Eingeweihten und Fans. NACKT? :o mit WÖLFEN auf der Bühne??? Schockschwerenot! Skandal!
Gute Publicity ist alles, gell?!
Und er hat es glatt geschafft, der Schlingel.

Der Song ist in seiner Schlichtheit genial, er rockt schön. Ivan singt gut. Etwas viel Selbstbeweihräucherung, aber es sei ihm vergönnt.
Könnte man den Weißrussen bitte einmal sagen, dass lange blonde Zotteln seit den 90ern in Westeuropa verboten sind? Scherzerl.

Schade, dass Europa dieses mitreissende Lied nicht ins Finale hieven wird. Aber wir wollen ohnehin nicht nach Minsk... 

9/10

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Serbien
Sanja Vučič ZAA
Goodbye

Sanja hat eine interessante Stimme, aber nichts Gewinnendes. Das Herumgefuchtel geht mir rasch auf die Nerven.
Jetzt müsste es eigentlich das Lied rausreissen, doch spätestens beim Refrain fängt die Komposition zu schwächeln an.
Natürlich ist der Song modern und bringt auch die so gern gehörten Balkaneinflüsse mit, ob jedoch genügend Stimmen für den Finaleinzug zusammenkommen bleibt abzuwarten.

Mir reicht das jedenfalls nicht um dafür anzurufen.

5/10

Donnerstag, 15. Mai 2014

Die Ausscheider des zweiten Semis

Israel
Es scheint wohl ein allgültiges kosmisches ESC-Gesetz zu geben, dass es jedes Jahr irgendwen schrägt, wo kein Mensch damit rechnet. Dieses Jahr waren es sogar zwei; im ersten Semi wurde Belgien eigentlich immer recht hoch gehandelt und im zweiten Israel. Während das Ausscheiden Belgiens in weiten ESC-Fan-Kreisen mit merklicher Erleichterung aufgenommen wurde, löste Israels Ausscheiden kollektive Bestürzung aus. Auch bei mir. Dabei war Mei so großartig. Ihre Stimme passt perfekt zu dem rotzigen Song, der natürlich genau meinen Geschmack trifft und die Halle gerockt hat! Möglicherweise kamen sie und ihre Backings alles in allem dann doch zu amazonenhaft rüber, dazu das sehr kurze Röckchen. Nicht jedermanns Sache. Auch die Mimik passte nicht immer. Aber Himmel, da hatten andere doch ganz andere Probleme! Ansonsten kann ich es mir wirklich nur noch durch die ungünstige Startnummer erklären, und wenn sich 11 Länder ums Weiterkommen balgen, zieht halt einer den Kürzeren. Schade, dass das Israel war.

Georgien
Mit manchen Beiträgen ist es wie mit richtig gutem Wein (jetzt sagt mal, das ist doch ein prima Bezug zur georgischen Postkarte, gell?): Man muss sie mehrmals genießen, um sie wirklich zu schätzen. So geht es mir beim georgischen Beitrag. Am Anfang braucht man erstmal eine Weile, um sich auf diese musikalische Tour de Force einzulassen, schließlich hat der Beitrag ja ungefähr so viele Akkorde wie alle anderen Beiträge zusammen. Aber je öfter man ihn hört, desto besser wird er. Witzigerweise haben sie, sobald Mariko anfängt zu singen, eine 4-Chord-Sequenz drin - wohl eine Konzession an den europäischen Standardgeschmack ;-) . Der Auftritt im Semi war sehr gut, und die durchaus abgefahrene (oder sollte ich besser schreiben: abgespacete) Bühnenshow passte bestens zu Song und Thema. Leider war trotzdem von vornherein klar, dass das zu heftig für Europa war.
Sido, der ja im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest 2014 weiß Gott genug Scheiße gebaut hat, hat Georgien im Semifinale auf Platz 1 gesetzt und damit zumindest nicht vollkommen danebengehauen. Ich bin also geneigt, von den etwa 10.000.000 Antipathiepunkten, die er seit etwa einer Woche bei mir gesammelt hat, 12 wieder abzuziehen und auf den Rest von Europa zu verteilen, der dieses grandiose Stück Musik auf dem letzten Platz in diesem Semi hat verenden lassen. Hört Euch das bitte alle nochmal an, gehet in Euch und bereuet!

Litauen
Was soll man dazu sagen? Furchtbarer Song, entsetzliche Outfits (der Sieg beim Barbara-Dex-Award dürfte wohl sicher sein), mehr als seltsame Bühnenshow - zum Beispiel tanzten Vilija und ihr Tänzer am Anfang eingehakt. Seltsame, sehr seltsame Bewegungen der Tanzenden. Und dann guckt auf einmal aus nem Loch im Tutu so ne Hand raus - Angriff der Killerhände... Da wurde beim Outfit aber an alles gedacht. Vilija hat dann auch noch ein Zwinkerchen und ein Küsschen in die Kamera verteilt, und ich hab die ganze Zeit drauf gewartet, dass von oben ein 100-Tonnen-Gewicht auf mich drauf fällt und mich von meinem Leiden erlöst.
Drei Minuten können wirklich sehr, sehr lang sein. Übrigens, falls jemand noch nicht beim Barbara Dex Award gewertet hat und das gern tun möchte, bitte hier klicken. Bis Sonntag, 19.5. kann noch gewertet werden.

Irland
Und gleich noch eine Kandidatin, die beim Barbara-Dex-Award Punkte sammeln wird. An diesem Beitrag war alles mittelmäßig: Gesang mittelmäßig, Song mittelmäßig, Klamotte bis auf den grauenhaften Kragen mittelmäßig, Ähnlichkeit zu einer von Krassimir Avramovs Chorsängerinnen mehr als mittelmäßig. Dafür war das Bühnenbild sehr schön, und die Tanzschrittchen sollten wohl an Riverdance erinnern - ist das jetzt schon wieder 20 Jahre her? Kurze Rede, kurzer Sinn: Manche Beiträge sind so schwächlich, dass klar ist, dass sie, egal was während der drei Minuten passiert, auf jeden Fall rausfliegen. Und was hier passierte, war halt eben nur (sagte ich es bereits?) mittelmäßig.

Mazedonien
Der mazedonische Beitrag dagegen hat sein Ausscheiden vor alllem der Optik zu verdanken, soooo schlecht ist der Song nämlich auch wieder nicht. Aber Tijana, eine etwa 3 Meter große Naturtranse, die sich von Laura Voutilainen den Make-Up-Artisten ausgeborgt hat und sich von der genannten Dame nur durch den seltsamen Seitenspoiler unterschied, dürfte viele Zuseher auf den ersten Blick dermaßen verschreckt haben, dass kein Mensch mehr auf den Song gehört hat. Nachdem die erste Songhälfte noch halbwegs ordentlich ablief, kam dann in der zweiten alles, was auf der Bühne war, zum Ballett zusammen und tanzte im Gleichschritt marsch... Und da ging dann gar nix mehr. Ich weiß nach wie vor nicht, wie man einen Typ wie Tijana bestmöglich auf die Bühne bringt. Eine der schlechteren Möglichkeiten haben wir hier gesehen. Tja, Maze. Seit der Einführung des zweiten Semis ist bei Euch irgendwie der Wurm drin...

Dienstag, 1. April 2014

ESC 2014 Gesamtbetrachtung Teil 4

Und gleich noch ein Semi hinterher:

1. Malta: Firelight - Coming home

Also erstmal: Es gibt nur EIN coming home! Und das stand vor drei Jahren in Düsseldorf auf der Bühne und wurde daselbst unter Wert geschlagen! Das wollen wir hier mal festhalten! Na, das geht ja gut los, Gitarrengeschrammel und Schweinesexten. Bisschen Klavier, bisschen Mundharmonika. Ich liebe ja handgemachte Musik, hab selber in meiner wilden Jugend auch das eine oder andere Mal schon Straßenmusi gemacht, aber: Beim ESC? Mal ganz abgesehen davon, dass mir der lettische Beitrag da deutlich besser gefällt. Das Liedje ist ja ganz nett, aber halt eben nur nett. Anhand des Videos sieht man, dass es ein Lied für Kriegsheimkehrer ist. Ach ja. So hehr die Absicht, das wahre Coming Home geht dennoch "I can't wait for tomorrow to say the things I wanna say, your smile will always lead my way..." *RIESENSEUFZER*
Chancen aufs Finale: Das hängt vom Rest ab, es wird jedenfalls recht eng.
Valletta 2015: Wieder kein Freiluft-ESC nächstes Jahr.
6/10

2. Israel: Mei Feingold - Same heart
Hier hab ich mal wieder das offizielle Video. Mei stolziert sich da in seltsamer Kleidung durchs Video, der Song kracht von Anfang an ganz gut rein. Die Lady verfügt über eine Hammerstimme, hoffentlich auch live. Sie hat was leicht dreckiges in der Stimme, gefällt mir sehr gut. Und nachher muss ich mir unbedingt den Text anschauen, man versteht mal wieder nicht viel, aber das bisschen, was ich verstehe: Huiuiui. Oder sind das wieder die üblichen Fabianschen Verhörer? Egal, das hier hat was und tritt am Samstag nochmal an. Aber Mei: Der Badeanzug bleibt bitte zuhause! Mit so einer Klamotte ist schon Magdalena Tul auf die Nase gefallen. OK, nicht nur mit der Klamotte, aber trotzdem.
Chancen aufs Finale: Drin.
Jerusalem 2015: Nein.
8/10


3. Norwegen: Carl Espen - Silent storm

Letztes Jahr haben mich die Norweger ja bekanntlich aus dem Sekundenschlaf wieder aufgeweckt mit ihrem Kracher, dafür schicken sie in diesem Jahr eine Ballade. Aber was für eine! Ich ziehe unwillkürlich den Vergleich zum Belgier und frage mich, warum mich ersterer so kalt lässt, während mich das hier wirklich berührt. Muss wohl daran liegen, dass Carl Espen mehr daran gelegen ist, seine Botschaft rüberzubringen als seine Stimme zu zeigen. Außerdem ist seine Stimme nicht ganz so perfekt, was aber dem Song noch mehr Eindringlichkeit verleiht. Ich kann das ganze jetzt nur aufgrund des Lyric-Videos beurteilen, da aber hat es mich gepackt! Wunderschön!
Chancen aufs Finale: Aber hoffentlich doch wohl!
Oslo 2015: Könnte eventuell ein Überraschungssieger werden.
10/10


4. Georgien: Mariko Ebralidze & The Shin - Three minutes to earth

Ich möchte ja den Komponisten dieses Beitrags gerne mal befragen, welche Drogen er genommen hat, als er diesen Beitrag geschrieben hat. Immer dann, wenn man denkt, jetzt ist der Beitrag im Fluss, vergreift Gitarrist sich im Akkord und die Sänger singen synchron dazu verkehrt, so dass es wieder passt. Das wäre mal was für ne Abschlussarbeit in Gehörbildung, die Harmonien von diesem Song in der richtigen Reihenfolge sauber aufzuschreiben. Da setz ich mich einmal daheim auf die Klaviertastatur, dann krieg ich das auch. Allerdings wirkt das ganze längst nicht so daneben, wie man nach dieser Beschreibung glauben sollte. Jedenfalls hab ich allen Respekt davor, dass die sich die ganzen Tonfolgen merken können, ohne zu straucheln. Könnt ich nicht. Ich möchte das gerne mal bekifft hören.
Chancen aufs Finale: Uuuh...ööh... weiß nicht. Frag mich nochmal, wenn ich was eingeworfen hab.
Tblissi 2015: Oh nee oh nee...
5/10


5. Polen: Donatan and Cleo – My slowianie

Puh, polnisch klingt ja wirklich heftig... Und da es sonst nix gibt, muss ich mir wieder das bei youtube extrem beliebte Offizielle Video anschauen. Gehört der Alphornschrei auch dazu? Und singen die live auch so schief? Das ist alles laut, schrill, vulgär und im wesentlichen Geschrei von einer Frau im Mini, während drumherum die Dorfmädels in Trachten stehen und klatschen. Die Trachten zeigen übrigens ziemlich viel von den Reizen ihrer Trägerinnen, und ich frage mich, ob sie das in Kopenhagen wohl auch so auf die Bühne bringen wollen. Ich finds grauenhaft, aber es wird sicher seine Fans haben.
Chancen aufs Finale: Wahrscheinlich schon, ja.
Warschau 2015: Bitte nicht!
1/10

Sonntag, 25. März 2012

Frau Fabian testet die Bundesliga 2012, Teil 2

07 Schweiz

Und gleich der nächste 4-Chord-Song hinterher. UNfassbar, wie einem das auffällt, wenn man mal drauf achtet. Die Strophen erinnern mich viel zu sehr an die von mir leidenschaftlich gehassten U2, und wenn man aus dem Tessin (!) kommt, dann hat man gefälligst italienisch zu singen. Vor allem, wenn man kein englisch kann. Nee, dat is nix Besonderes. Und Schnuckelpunkte gibts auch keine.

Chancen aufs Finale? Die sind nur marginal....
Zürich 2013? No no never
5/10


08 Belgien

Kräftige Stimme hat sie ja, aber dieses "Kippen" in der Stimme sollte sie lieber lassen. Auch ansonsten kommt da für mich gar nix rüber, das wirkt auf mich wie ne Castingshowtusse beim Recall. Auch an Garderobe und der Frisur sollte nochmal gearbeitet werden. Sorry, Belgien, Ihr wisst, ich liebe Eure Beiträge üblicherweise, aber das hier ist nicht muh und nicht mäh. Berührt mich so gar nicht. :-(

Chancen aufs Finale? Keine. Da kommen mit Sicherheit noch bessere Balladen.
Brüssel 2013? Nein
6/10


09 Finnland

Hanna! Lordi! Teräsbetoni? Wo SEIIIID Ihr? Seit Ihr weg seid, ist Finnland irgendwie ins Trudeln geraten bei seinen Eurovisionsbeiträgen. Da reiht sich der dieesjährige nahtlos ein, wüsste ich nicht, dass das Finnland ist und das Schweden üblicherweise lieber Schwedenschlagerscheiße schickt, würde ich das für den schwedischen Beitrag halten. Frau in komischem Kleid (üblicherweise macht man aus solchen Stoffen Schaufensterdeko und kein Kleid!) und mit komischer Frisur singt lahme Ballade im Dreivierteltakt. Lässt mich völ-lig kalt! UNd Finnland: Nächstes Jahr bittschön wieder die Radaufraktion an die Front, haben wir uns verstanden?

Chancen aufs Finale? Mir doch egal. Nein.
Helsinki 2013? Au nich.
5/10


Mann mann mann ist das alles LANGWEILIG! Vielleicht sollte ich einfach mal mehr trinken?



10 Israel

Hab ich eben geschrieben, dass mir langweilig ist? Jetzt ist mir nicht mehr langweilig. Ich grinse grad und habs lustig. Das hier ist wunderbar schräg und durchgeknallt und genau das, was man nach der Schweiz, Belgien und Finnland braucht. Könnte an der Jury scheitern, aber wehe, wehe, wenn!! Leider weiß ic hauch nicht, wie sie live singen, aber wenn sie nicht total daneben hauen, ist das eigentlich ziemlich egal!

Chancen aufs Finale? Siehe oben - wenn es sowas wie Gerechtigkeit gibt, sind sie weiter! Die Startnummer ist jedenfalls super!
Jerusalem 2013? Nein, dafür ist es zu schräg
8/10


11 San Marino

SChau mal an, Ralphie hat die Synthesizer-Funktionen entdeckt. Wie immer bis zur Unkenntlichkeit auf Hip getrimmt und so jenseits von gut und böse, dass es sich nicht mal lohnt, kübelweise Häme darüber auszugießen. Wenn ich mir diese Scheiße anschaue und dann an das großartige Debüt dieses Landes denke.... Mi DISPIACE!

Chancen aufs Finale? Eigentlich nicht, uneigentlich... Mann, das wär mal ein Schocker.
Seravalle 2013? Sod the fuck off!
1/10 (weil ich beim Anblick von dem Mädel nicht ausmachen muss. Alles andere ist indiskutabel!)


12 Zypern

War San Marino billig und schlecht, so ist das hier ebenfalls billig, aber gut billig. Das Liedje ist einfach gestrickt, aber super-eingängig und hat Sommerhitpotenzial. Ivi sieht gut aus, kann einigermaßen singen (zumindest in dem Video, das ich gesehen hab) und verkauft den Song gut. Natürlich ist das nix für zuhause, aber ich hab heute abend schon Schlimmeres gehört.

Chancen aufs Finale? Das hängt entscheidend von ihrer Liveperformance ab. Wenn sie gut singt, ist sie drin.
Nikosia 2013? Natürlich nicht.
6/10

Mittwoch, 29. Juni 2011

Frau Fabians ESC-Nachlese, Teil 6

Irland

Die sechs Minuten Jedward waren ohne jede Frage die unterhaltsamsten aller Teilnehmer des Jahrgangs 2011. Gut, ok, singen konnten sie wirklich nicht, aber du meine Güte, hat DAS einen Spaß gemacht!!! Im Finale neben Lena der Hallenbörner schlechthin, und ich hätte die beiden viel, viel lieber in der Top 5 gehabt als Aserbaidschan, Schweden, Ukraine und Dänemark. Ich hatte sie eigentlich auch fest als Sieger des zweiten Semis auf der Rechnung, und auch das hätten sie viel eher verdient gehabt als Schweden. So kann man sich leider täuschen... wobei die Finalplatzierung wohl auch auf das Konto der Startnummer geht, die schlechter kaum hätte sein können. Dennoch, ein gutes Zeichen, wenn Irland endlich in der Jetztzeit angekommen ist und damit die beste Platzierung seit 2000 eingefahren hat. Macht bitte weiter so!

Israel

Es ist immer irgendwie tragisch, wenn frühere Sieger nochmal als Abglanz ihrer selbst auf die Bühne treten. Aber in diesem Falle ist es nachgerade schockierend. Der Song: Dudeldudeldumplingpling. Die Stimme: Wie eh und je, keine Überraschungen, insbesonere keine positiven. Das Kleid: Dana, da hat Dich der Schohpohl aber nach Strich und Faden aufs Kreuz gelegt. Der optische Eindruck: Verlebt. Halt ein Schatten ihrer selbst. Viva la Diva? Wohl eher: Minn hinsti dans. Völlig zu Recht nicht im Finale dabei.

Island

Hach, Kinnersch, wisst Ihr was: Ich liebe diesen Beitrag. Wenn Ihr das bisher noch nicht tut, dann tut Buße und Abbitte und was weiß ich. Im Semi außerordentlich überzeugend, was der knuddelige Matthias und seine fünf Kumpane da machten, und ich war ja vor der Bekanntgabe der Umschläge zu 100% überzeugt, dass wir sie im Finale wiedersehen, nach Malta, San Marino und Kroatien hätten sie schon sehr sehr schlecht sein müssen, wenn das hätte schiefgehen sollen. Und dann ist da nur noch ein Umschlag, und Türkei, Armenien und Norwegen alle drei noch im Topf.....ich hab auf youtube ein Video gefunden mit dem Öffnen der Umschläge, untermalt von der isländischen Kommentatorin – mei, hat die in dem Moment einen Brüll losgelassen! Und zu Recht! Leider verlor das ganze im Finale dramatisch, keine Ahnung warum. Mit Platz 20 leider trotzdem hoffnungslos zu schlecht bewertet.

Wer sich den erwähnten Brüll mal anschauen will:

http://www.youtube.com/watch?v=P3hODOEYg00

(bei 8:30 kommts!)

Italien

Ich bekenne mich schuldig: Auch ich gehörte zur Fraktion derer, die vor der Veranstaltung keine Gelegenheit ausließen, gegen den italienischen Beitrag zu stänkern, die Forderung nach der Arschbombe stammt sogar originär von mir. Aber dann, am 14. Mai abends um kurz nach zehn in der Düsseldorfer Esprit-Arena, da wurde ich von der Saula zur Paula. Ich kann halt doch meine Wurzeln nicht verleugnen, da kam dann nämlich die Musikerin in mir und trat der Trash-Else einmal gepflegt in den Allerwertesten. Raphael Gualazzi hat mehr kompositorische Brillanz und Musikalität in sich als der gesamte Rest der Teilnehmer dieser seiner im Grunde unwürdigen Veranstaltung zusammengenommen. Und was er da auf der Klaviatur veranstaltet hat - WOOOOOOW! DOPPEL-WOOOOOW! Auch wenn es "nur" zum (an und für sich höchst erfreulichen) Platz zwei reichte: Italiens Rückkehr geriet zur Demütigung für den Rest des Teilnehmerfeldes. Raphael, ich verneige mich vor Dir. In Ehrfurcht.

Dienstag, 31. Mai 2011

Der ESC 2011 im Nachtritt. Teil 3: Die Verlierer des zweiten Semifinales

Mittlerweile schon einen festen Platz unter den Nichtqualifikanten haben die Niederlande, die es auch heuer mit den drei Jotten (vulgo: 3Js) nicht schafften mit ihrem zwar dudelfunkkompatiblen, aber sterbenslangweilig dargebotenen Beitrag. Besonders peinlich: Bei einer Veranstaltung, die von einem Haarkosmetik-Hersteller finanziell unterstützt wird, mit einer Frisur aufzutauchen, als ließe man sie sich im benachbarten Belgien in der Frittenbude einfetten wie der Sänger der drei Jotte Jan Dulles, sollte allein schon Anlaß genug sein, vor Scham im Boden zu versinken. Doch dafür sorgten dann im Verein Zuschauer und Juries: Letzter Platz für die Fettfrisur.


Auch Nachbar Belgien schlug dieses Jahr wieder gewohnte Pfade ein und qualifizierte sich wie schon 2005 bis 2009 nicht, das aber denkbar knapp mit einem undankbaren elften Platz und nur einem Punkt Rückstand zum zehntplazierten Moldawien. Das war vor allem den Juries geschuldet, die Belgien gerne im Finale gesehen hätten, weniger den Zuschauern, die Belgien aber auch nicht auf dem letzten Platz sahen, was schon mal ein Riesensprung für einen wallonischen Beitrag ist, wenn man die Beiträge von 2007 (14 Punkte, davon 12 aus Georgien) oder 2009 (2 Punkte, alle aus Armenien) zum Vergleich heranzieht. Stimmlich gibt es am Auftritt von Witloof Bay nichts auszusetzen und daß man bei einer Acapellanummer nicht atemraubend umeinanderhüpfen soll, kann und darf, ist auch geschenkt. Aber, liebe Belgier: Die Drei-Minuten-Regel besagt nicht, daß ein Lied drei Minuten lang sein muß, sondern sein darf. Denn leider fing diese Nummer schon nach der Hälfte der Zeit gewaltig zu nerven an.


Wenn ein findiger Kaffeemühlenhersteller oder auch eine Bügelbrettfirma eine passende Musikuntermalung für die mit bzw. an ihren Produkten ausgeführten Tätigkeiten braucht, so sollte das betreffende Unternehmen zum heurigen ESC-Beitrag der Slowakei greifen: Drei Minuten stetig wiederholte Perkussions- und Melodiemotive, deren Umfang im Refrain wirklich nicht mehr als drei Töne überstieg, zu einer Choreographie, die man sich bei den schon für uns äußerst erfolglosen No Angels abgeschaut hat, gesungen von zwei Damen, die schon 2008 für Tschechien im Hintergrundchor mitwirkten und da auch nichts zu reißen wußten. Das Semi-Aus überrascht hier weniger als der Umstand, daß die Juries diese gesungenen Baldriantropfen gerne im Finale gesehen hätten.


Mittlerweile schon tragisch zu nennen ist das Schicksal Zyperns beim eurovisionären Liederbewerbe: Jahr um Jahr schickt die geteilte Mittelmeerinsel den besseren griechischen Beitrag und darf doch damit nicht ins Finale, derweil die Festlandgriechen selbst mit unerträglichem Gejaule und Gewinsel aus den oberen Zehn gar nicht mehr wegzukriegen sind. Was also lief falsch bei Christos Mylordos? War es der verstörende Auftritt mit der singenden Hammerwerferin, der die Zuschauer vergrätzte? War es die nicht-anglophone, nicht-dudelfunkkompatible Komposition, die die Juries erschauern ließ? Man weiß es nicht, aber der vorletzte Platz Zyperns ist wieder ein Beispiel dafür, wie man eigentlich alles richtig macht, aber hinterher ein grundfalsches Ergebnis dafür erhält.


Noch ein Dauerabonnent auf einen Platz außerhalb des Finales ist Bulgarien, das eigentlich auch alles richtig gemacht hat, aber dennoch auf keinen grünen Zweig zu kommen imstande ist. Poli Genova sang stimmgewaltig und fehlerfrei einen leidlich eingängigen Rockpopfetzen, verzichtete auf überflüssige Kinkerlitzchen, und doch fehlten am Ende ein halbes Dutzend Punkte für den Finaleinzug.


Seit der Trennung der Semis hat es auch Mazedonien kein einziges Mal mehr geschafft, ins Finale einzuziehen. Der heurige Beitrag von Vlatko Ilievski bildet da keine Ausnahme, wobei er auch mehr Angriffsfläche bot als die vorhergehenden Beiträge mit der markant-rotzigen Stimme des Sängers und der ganz auf Trinklied hinkomponierten Melodie. Es war ein Risikobeitrag, der voll einschlagen oder aber auf ganzer Linie fehlgehen konnte. Letzteres war der Fall.


Endlich wieder ein Beitrag, der sein Ausscheiden voll und ganz verdient hat, nämlich der aus Israel. Dana International ist nicht nur die Siegerin von 1998, auch sonst scheint sie ganz in dieser Zeit stehengeblieben zu sein, sich sogar musikalisch vollkommen zurückentwickelt zu haben. Ein Lied, wie es schon vor 15 Jahren belächelt worden wäre, dargeboten von einer hüftsteifen Schminkpuppe in einem greulichen Fummel im Flechtkörbchendesign von einem sogenannten Spitzencouturier (was Frauen dazu bewegt, so viel Geld auszugeben, nur um rundum scheiße auszusehen, ist wohl etwas, was man als modisch gänzlich unbewegter Mann nie wird verstehen können). Immerhin sang Dana nicht so schief, wie man es sonst von ihr gewohnt ist, und auch das Laufen scheint sie im Laufe des vergangenen Jahrzehnts gelernt zu haben; jedenfalls gelang ihr der Gang zur Satellitenbühne und retour ohne Zwischen- oder gar Hinfälle. Jedenfalls konnten wir auch hier einmal mehr einen Sieger sehen, der sich selbst demontierte und sich damit nahtlos in eine Reihe mit Charlotte Botoxxon oder Niamh „Guinness“ Kavanagh stellen kann.


Ganz verzweifelt scheint man mittlerweile in Weißrußland zu sein: Nachdem die albernen Butterfliegen nur ins Finale kamen, um vom Vereinigten Königreiche vor dem letzten Platz gerettet zu werden, wollte uns Anastasia Vinnikova von der Schönheit ihres Landes kundtun, der Sage nach mit dem Segen des letzten verbliebenen Tyrannosaurus Europas. Aber schon von Anfang an lief alles schief: Der ursprünglich vorgesehene Beitrag „Born in B(y)elarussia“ wurde schon Monate vor dem Stichtag öffentlich dargeboten, und nachdem der Komponist einsehen mußte, daß es nicht genügt, in diesem Falle einfach den Text zu ändern („I Am Belarussian“), wurde halt flugs am Rechner etwas Neues komponiert, und heraus kam „I Love Belarus“. Die Zuschauer konnten mit diesem masochistischen Liebesbeweis offenbar mehr anfangen als die Juries, die letztlich dafür sorgten, daß an Anastasias Stelle Estland ins Finale einziehen durfte. So läuft es eben, wenn die ekelerregende Demokratie von der Oligarchie übertrumpft wird…


Wäre es nach die Juries gegangen, Lettland hätte heuer seinen dritten letzten Platz im Semi hintereinander kassiert, und wer diesen rundum mißlungenen Auftritt der lettischen Ausgabe von Dick & Doof gesehen hat, weiß auch, warum: Tönetreffen scheint für Musiqq ein Glücksspiel zu sein, und aus lauter Verzweiflung heraus verfielen sie dann auf dieselbe schlechte Idee wie schon zwei Tage zuvor Magdalena Tul aus Polen: Einfach mal ein paar falsche, aber laute Töne hinausquaken, damit keiner merkt, daß man sich von der Melodie schon längst verabschiedet hat. Wie sagt das Sprichwort: Si tacuisses, musicus mansisses.


Dienstag, 10. Mai 2011

Nur noch ein wenig mehr als 2 Stunden bis zum 1.Semifinale

Spannender als im heurigen Jahr kann es eigentlich nicht sein. Ich habe so gar keine Idee wer heute ins Finale rutscht und ich denke, dass das ein 'gutes' Gefühl ist. Endlich wieder einmal mitzittern können, kein eingeschränkter Favoritenkreis (und wer glaubt schon den Wettquaoten?).

Ich habe aber vorher noch eine klitzekleine Aufgabe zu erledigen...

Slowakei - TWiiNS - I'm Still Alive

Viel zu braver Radiopopsong ohne Tiefgang, gesungen von zwei hübschen Schwesten. Das reißt es leider auch nicht raus.



Frankreich - Amaury Vassili - Sognu

Junger Tenor versucht sich an pseudointellektueller Popnummer. Ja, das könnte tatsächlich funktionieren. Keine Frage: dieser Mann kann singen. Alles andere als ein Top 5-Platz wäre 'Unsinn'.



Israel - Dana International - Ding Dong

Verwelkter Ruhm einer einst gefeierten Edeltranse 'Diva'. Warum hat er/sie sich das überhaupt angetan? Das Lied ist das mit Abstand schlechteste des ganzen Wettbewerbs und Dana konnte noch nie singen. Es wird ein Fiasko. Pressekonferenzen zu schmeissen ist zudem auch nicht hilfreich. 



Ungarn - Kati Wolf - What About My Dreams 

Ich habe keine Ahnung was an diesem 0815-Werk toll sein soll, aber es wird tatsächlich als Mitfavorit gehandelt. Klingt fast genauso wie das kroatische Lied. Dass Frau Wolf nicht gerade eine Naturschönheit ist tut nichts zur Sache. Ich seh's nicht im Finale, nicht zuletzt weil ihr Auftritt in den Proben zu statisch war.



Vereinigtes Königreich - Blue -  I Can

Anfangs war ich etwas enttäuscht, aber das ist ein fieser kleiner Ohrwurm. Zudem finde ich die Burschen von Mal zu Mal (sie kommen ja auch oft genug in den Videos vor) sympathischer. Wird 'Großbritannien' endlich wieder einmal Zweiter?

 

Sonntag, 20. März 2011

2011 im Test - Teil 5

8 Schweden - Eric Saade - Popular

Auch Schweden ist nach einer vierjährigen Durststrecke auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Der Junge ist lecker, der Song modern und kickt ohne Ende. Mein Fall ist beides trotzdem nicht zu 110%, sondern nur zu, sagen wir, 70%, aber ich kann verstehen, dass sich alle überschlagen, und es wird abräumen ohne Ende, auch wenn in Düsseldorf keine Scheiben zu Bruch gehen sollten - die Nummer ist auch so stark genug.
Chancen aufs Finale: Wird wahrscheinlich dieses Semi gewinnen.
Stockholm 2012: Spielt ganz oben mit, ja.
7/10


9 Zypern - Christos Mylordos - San aggelos s'agapisa

Alle bisherigen Balladen mit Ausnahme von Finnland haben mich ja nach Kräften gelangweilt bzw. gar abgeschreckt, aber das hier ist ganz anders. VOm Aufbau her erinnert es etwas an Slowenien 2005, ist aber noch ein wenig mehr gegen den Strich gebürstet, somit alles andere als langweilig und wird hoffentlich auch belohnt werden! Leider weiß ich nicht, ob Mylord Christos auch live singen kann. Aber das werden wir ja dann sehen.
Chancen aufs Finale: Wird knapp, aber ich hoffe, er schafft es.
Nikosia 2012: Nein
8/10


10 Bulgarien - Poli Genova - Na inat

Mit der Choreographie am Anfang ist doch die tolle Michelle Courtens auch schon gescheitert. Das ist wieder mal soooo typisch für Bulgarien (sollte sich mal umtaufen in Buh-garien): Gekreische und Gejaule, ein nicht so besonderer Song gesungen von ner Frau mit scheußlicher Frisur und ebensolchem Make-Up, der auf der Eurovisionsbühne dann endgültig beerdigt wird. Also alles wie immer. Herrje, was SCHREIT denn die Frau da so? Soll das so?
Chancen aufs Finale: Null
SOfia 2012: Sofia ist in Deutschland immer noch ein beliebter VOrname, allerdings nur mit "ph" geschrieben.
1/10


11 Mazedonien - Vlatko Ilievski - Rusinka

Musika! Musika! Musika! Ja, ist das denn zu fassen? Ein lustiger, guter Song aus Mazedonien? Das ist wunderbar charmant-schräg, sicherlich nicht jedermanns Sache, vor allem nicht, wenn man nüchtern ist, aber es macht wirklich riesig Spaß! Und da der ESC nun mal eine Unterhaltungssendung ist, möchte ich dort auch gefälligst unterhalten werden!
Chancen aufs Finale: Hmmmmmm...es müsste eigentlich langen.
Skopje 2012: Nein.
9/10


12 Israel - Dana International - Ding Dong

Hm, wie nähert man sich denn DIESEM Beitrag? Sagen wir mal so: Es gibt verschiedene Arten von Mut. Manche stürzen sich mit nem Seil von ner Brücke oder machen Wildwasserschwimmen. Andere retten Leute aus brennenden Häusern. Wieder andere trauen sich Dinge zu sagen, die sich sonst keiner zu sagen traut. Aber es ist schon eine spezielle Art von Mut, als Siegerin nicht nur irgendeines, sondern eines historisch besonders bedeutsamen Eurovision Song Contests mit einem dermaßen beliebigen Liedchen zur Titelverteidigung (hahaha, as if!) anzutreten. Man könnte auch sagen: Mut ist nur dann gut, wenn die Klugheit mit am Steuer sitzt.
Chancen aufs Finale: Tja, liebe Dana-Fans, Ihr müsst jetzt sehr stark sein: Es wird ENG für Eure Liebste! Sehr sehr SEHR eng!
Jerusalem 2012: Noch stärker sein! Das wird nix!
4/10


13 Slowenien - Maja Keuc - No One

Das ist mal wieder slowenische Düsternis pur, aber die ganz dunkelschwarze Sorte. Und keine wirklich schöne Sorte. Die Dame is pleasing on the eye, aber ihre Klamotten nicht so wirklcih. Dazu führen zwei Tänzer eine Tanzroutine auf, die eigentlich zu einem ganz anderen Stück gehört. Das Lied hat interessante Passagen, ist mir persönlich aber alles in allem zu anstrengend. Und Mädle, ist ja schön, dass man deine Stelzen sieht, wenn die Windmaschine angeht, aber zieh dir in Düsseldorf um Gottes Willen einen Schlüpper an! Und nicht nachlassen, am Schluss ging nämlich auch die Tontreffquote dramatisch nach unten..... Ts...
Chancen aufs Finale: Damit? Nie im Leben.
Ljubljana 2012: Schon wieder nicht.
3/10


14 Rumänien - Hotel FM - Change

Wieder so eine Seltsamkeit, aber keine, die ich jetzt grottenübel finde. Das liegt vor allem am Klavierpart. Beim Rest frage ich mich, wann das denn wohl mal modern war? Das Outfit des Sängers mit Fliege und Hosenträgern tut ein übriges, mich zu verwirren, wie übrigens auch die beiden Backgroundhanseln mit den Trompeten. Und ich überlege immer noch, wo außer bei der Eurovision man diese Art Musik denn wohl sonst noch hört. Mir fällts aber nicht ein. Zweckdienliche Hinweise bitte an mich.
Chancen fürs Finale: Puh... schwierig zu sagen. Die Rumänen hat es bisher noch nie geschrägt, aber es gibt keinen zwingenden Grund, für die Nummer anzurufen. Es gibt aber auch keinen dagegen.
Bukarest 2012: Nein.
6/10

Donnerstag, 10. März 2011

Aus der Reihe: Was uns vorenthalten wurde. 2011er-Spezialausgabe Teil 3

Munter weiter im traurigen Vorspiel zum Grand Prix in Düsseldorf:

Israel geht wie Deutschland auf Nummer sicher und entsendet eine ehemalige Siegerin nach Düsseldorf: Die erschreckend gealterte und nur noch durch kiloweise Spachtelmasse zusammengehaltene Dana International (bekannt durch ihren 98er Sieg mit „Diva“ sowie so ziemlich sämtliche großstädtische CSD danach) darf uns im Mai mit „Ding Dong“ (bekannt durch die EAV) beglücken, und der debile Titel hält wirklich, was Dana verspricht. Nun erwartet niemand, daß aus der schon damals reichlich stimmlabilen Dana plötzlich über Nacht eine Soulröhre erster Kajüte herangewachsen wäre, ebenso wenig wie man irgendwelche stimmlichen Maßstäbe konservativer Art einer Lena oder Jedward anlegen darf. Jedoch paßt man einer Lena eben entsprechend das Liedgut an ihre wie auch immer gelagerten Fähigkeiten an und verpaßt Jedward kräftige Chorknaben, damit man wenigstens erahnen kann, wie das Lied klingen soll, aber für Dana trifft weder das eine noch das andere so richtig zu: Zwar ist ihr Lied ein schäbiger 90er-Jahre-Billigstampfer und somit bestens geeignet, von Nichtstimmchen geträllert zu werden, aber selbst das bißchen, was sie hatte, hat sich die großenteils 39jährige weggeraucht. Und Unterstützung vom immerhin fünfköpfigen aber erschreckend schwachstimmigen Chor hat sie auch nicht zu erwarten. Aber was soll es, die „Sieger will ich immer wieder“-Fraktion unter den ESC-Fans darf ihrem Kulte weiterfrönen, derweil der Rest der Menschheit feststellen darf, daß Dana eines der schwächsten Lieder eines ohnehin schon schwachen Kdam hatte.
Eine schöne Alternative wäre dagegen der zottelfrisurige Michael Greylsummer nebst Gattin Shimrit gewesen, deren Titel „Tu du du“ auf den ersten Blick zwar genauso schwachmatisch daherkommt wie Danas Dingdong, sich aber dann als ein überraschend angenehmes Stück Weltmusik in einer Mischung aus Französisch und Hebräisch herausstellt. Wen das offenkundige Unvermögen israelischer Tontechniker nicht schrecken kann, drücke nun auf den Startknopf:





Immer mindestens eines folgender drei Dinge läßt sich in schöner Regelmäßigkeit bei den Siegern der Vorentscheide in Litauen feststellen:
1. Litauer können nicht singen
2. Litauer können kein Englisch
3. Litauer können keine Musik
Dieses Jahr waren es mal wieder Punkte zwei und drei, denn Evelina Sašenko kann durchaus singen, nur leider ist es ein sterbenslangweiliger Musical-B-Seiten-Song, der auch durch seine neckische französische Titelzeile „C’est ma vie“ (Das ist mein Leben) nicht darüber hinwegtäuschen kann, daß für diesen Schmachtfetzen kein anständiger Musicalautor je ein Notenblatt befleckt hätte. Folglich steht Litauen einmal mehr schon bei den Wettquoten am unteren Ende, und man möchte schadenfroh zurufen: „Selber schuld!“ Denn es gibt durchaus Beiträge in litauischen Vorentscheiden, wo es nur an Punkt zwei hapert, und selbst das müßte nicht sein, denn schließlich werden Litauer nicht gezwungen, Englisch zu singen, nicht so wie früher, als man sie noch zwang, Russisch zu parlieren. Aber andererseits haben mangelnde Englischkenntnisse auch Länder wie die Ukraine oder Rußland nicht am Sieg gehindert.
Ein schönes Beispiel für verpaßte Chancen der Litauer ist ein Dauergast der dortigen Vorentscheide namens Mino. Dieses Jahr reichte er seine durchaus ansprechende Single „Angelai“ (Engel) ein, die er leider für den Wettbewerb verenglischte und daraus „Don’t Go“ (Geh nicht) machte. Die Darbietung mit Violinensaiten auf dem Rücken weißgewandeter, wohlgeformter Damen war schon beinahe eurovisionsreif, nur leider sind es die Litauer nicht, die den Barden gleich in der ersten von drei Vorrunden auf Platz 7 von 14 aus dem Rennen werfen. Nun denn, wir können uns auf ein weiteres litauenfreies Finale freuen und so lange Minos Auftritt genießen:



Ein abschreckendes Beispiel, was dabei herauskommt, wenn Juryhörigkeit, Englischgläubigkeit, Generation Klingelton sowie Abstimmung allein nach landsmannschaftlichen Gesichtspunkten zusammentreffen, hat heuer Österreich geliefert. In Nadine Beilers melodiefreier Gruselschmonzette „The Secret is Love“ vereinen sich so ziemlich alle Attribute, für die der ESC belächelt und verspottet wird, und das mit Recht: „Ballade“ in sog. „Englisch“ von irgendeiner noch frisch im Gedächtnis haftender Castingmaus aus einem Bundesland, das mit Vorliebe sich selbst und alle seine Ausgeburten für am besten hält (Tirol, so eine Art Bayern Österreichs). Ja, natürlich ist das im Vergleich zu den Poiers und Global Kryners der jüngsten Vergangenheit der „würdigere“ (oder halt langweiligere) Beitrag, aber seit wann geht Österreich beim ESC den Weg des geringsten Widerstandes? Zumal im Superfinale zwei überaus chancenreiche Alternativen waren.
Da wären zum einen Klimmstein aus der Steiermark, die sich für ihren eindeutig mehrdeutigen Titel „Paris Paris“ internationale Verstärkung in Form von Joe Sumner (Sohn von Heulboje Sting) holten und in drei Sprachen (Englisch, Steirisch, versuchtes Französisch) drauflosrockten sowie den größten Favoriten, den Trackshittaz, die im oberösterreichischem Dialekt zum Tanzen aufforderten. Und während Nadine sich im Semifinale erst mal an der direkten Konkurrenz aus der Slowakei (moderner), Ukraine (ostiger) und Slowenien (attraktiver) abarbeiten muß, können wir weiterhin darüber fabulieren, wo die Schluchtenscheißer mit den konkurrenzfreien Tonspurscheißern gelandet wären:



Donnerstag, 10. Februar 2011

Kampf der Siegerinnen


Willst du nicht zu nah dich bücken, mußt du auf das Bildlein drücken!

Donnerstag, 27. Januar 2011

Freitag, 5. November 2010

ESC-Nachlese, zehnte Runde

19. Rumänien
Der Song ist und bleibt Quark, aber der Auftritt war noch weitaus stärker als im Semi. Die hatten ja unglaublich viel Spaß auf der Bühne und machten das perfekt. Na ja gut, fast - der Chor patzte an der Stelle, wo er alleine singen sollte, und Paulas hohe Note war ein klein bisschen daneben, aber schietegal! Da bleibt wirklich nur das Prädikat super. Platz 3 dennoch überraschend, aber mal ehrlich: Wen hätte man denn da oben sehen wollen?

20. Russland
Ha, endlich sah man mal, was auf diesem Zettel drauf war. Leider verstand man den Text, wo er mit seinem Gitarristen im Wechsel sang / sprach, immer noch nicht, schade, das war ja eigentlich das witzigste am Lied. Ansonsten immer wieder gerne gesehen: Der Moment, als die Windmaschine anging und den guten Peter unversehens entfernte Ähnlichkeit mit seinem Namensvetter P. Volkmann (ja, genau, der Leadsänger von Relax) haben ließ. Das verhinderte die Punkte aus Deutschland dann schon sehr zuverlässig.

21. Armenien
Ach menno, warum haben sie der Guten denn immer noch nix Gescheites angezogen? Geschickt dagegen der Fokus auf ihre Doppelpoller am Anfang, das dürfte für jede Menge Stimmen gesorgt haben. Die europäischen Hetero-Männer sind ja schließlich auch nicht blind, zumal sie im Finale auch deutlich besser sang als im Semi, nur nach der Rückung, da wollte sie einfach zuviel. Aus dem Kreis der Siegesfavoriten hatte sie sich aber da schon längst rauskatapultiert.

23. Portugal
Nach Lenas Auftritt hatte die genauso dröge wie im Semi wirkende Filipa natürlich keine Schnitte. Wenn ich zwei hübsche Mädels habe, von denen eine nicht wirklich singen kann, aber eine Hammerausstrahlung hat, während die andere zwar stimmtechnisch beschlagen ist, aber erstens keine schöne Stimme hat und zweitens ausstrahlungstechnisch eher mit einem Wassereimer vergleichbar ist, für wen ruft man dann wohl an? Genau.

24. Israel
So, nun kann ich verstehen, warum ihn die Jurys im Semi auf Platz 4 gewählt haben. Das war um Lichtjahre besser als der Auftritt, den er uns im Semi zugemutet hat. Zwar waren nach der Rückung nochmal ein paar deutlich schiefe Töne drin, und er fing dann beim zweiten Refrain auch wieder das Gegrinse an, aber alles in allem eine Steigerung um mindestens 350 % gegenüber dem Semi. Die reichte allerdings noch nicht. Irgendwie hat er es nämlich dennoch nicht geschafft, das Leid in dieser Schmerzensballade glaubhaft rüberzubringen. Schade um den wunderschönen Song.

25. Dänemark
Ich liebe Dänemark. Doch, wirklich. Aber es gibt eine Sache an Dänemark, die ich im allgemeinen überhaupt nicht mag, und das sind ihre Eurovisionsbeiträge, und dieser ist keine Ausnahme. Ok, die Chemie stimmte dieses Mal ansatzweise, aber Platz 4? PLATZ 4????? Hatte außer mir noch jemand ein Schockerlebnis, als die 12 rumänischen Punkte am Anfang nicht an Moldawien, sondern an Dänemark gingen? Das da soll besser gewesen sein als Belgien? Schleicht Euch!

Montag, 18. Oktober 2010

ESC-Nachlese, vierte Runde

Uuuuund - weiter mit dem zweiten Semi! Wir wollen ja zu Potte kommen, bevor Düsseldorf losgeht!

01. Litauen
Solche Auftritte wie der aus Litauen lassen mich schmerzlich merken, dass ich irgendwie auch nach fast 30 Jahren ESC-Gucken doch noch nicht so richtig in der ESC-Welt angekommen bin. Wir haben: Sprechgesang, einen seltsamen Refrain, fünf hässliche Jungens, die sich ihre braunkarierten (!) Hosen vom Leib reißen, um danach in silbernen Pailettenschlüppern und weißen Socken seltsam auf der Bühne rumzuhampeln. Hab ich noch was vergessen? Ach ja, die aufblasbaren Instrumente. Sollte so doof sein, dass es schon wieder gut ist, war aber nur so doof, dass es immer noch doof ist und kein bisschen gut. Bäh. Liebe Schwuppen, ich werde Euch nie verstehen - was zum Teufel war denn DARAN toll???

02. Armenien
Hui jui jui, hier wurde ja wirklich alles aufgefahren, um von Evas mehr als mäßiger Stimmleistung abzulenken. Nette Idee mit dem Baum, allerdings kam er für meinen Geschmack zu früh aus dem Kern. Außerdem passierte immer zu viel auf der Bühne, und bittschön: Wer hat denn die Eva eingekleidet??? Wenn ich ein 1,95 m großes Model mit DIESER Optik habe, dann muss doch wohl ein kurzer Rock her! Jedenfalls keine Jeans und ein seltsames apricotfarbenes Flatterdings, das beim Tanzen irgendwie schon sehr merkwürdig aussah. Im übrigen wüsste ich gerne, woher man solche Extensions bekommt, but alas! Ich bin ja nur einen Meter siebzig und kann das demzufolge in der Länge nicht tragen. Nichtsdestotrotz geht der Finaleinzug in Ordnung, andere sangen noch schlechter an diesem Abend (kamen aber dennoch ins Finale, wie wir gleich sehen werden).

03. Israel
Zum Beispiel Harek Skaat, genauso hübsch wie Eva, ungefähr halb so groß und mindestens doppelt so nervös. Leider hatte er keine Choreo mitgebracht, die von seiner Sangesleistung ablenkte. Am Anfang gings ja noch, da saßen die Töne, allerdings fragte ich mich, ob er seine Stimme in Israel vergessen hatte. Nach der Modulation fuhr er die Karre mit Volldampf vor die Wand. Obendrein grinste er vor lauter Nervosität strahlend in die Kamera, was zu seinem todtraurigen Liedle ja nu so gar nicht passte. Wie ein Blick auf die Einzelergebnisse zeigt, muss er in der Generalprobe deutlich besser gewesen sein, die Jurys hatten ihn nämlich auf Platz 4. Die Televoter dagegen hätten ihn an diesem Abend rausgeschmissen. In der Fußballsprache nennt man einen solchen Finaleinzug wohl glücklich (aber nur, weil man das Wort unverdient für Siege so gut wie nie benutzt und weil ich außerdem den Song von Harel immer noch sehr, sehr schön finde!) Übrigens, singt der da an einer Stelle "Scharlach"? Bring mich nicht auf dumme Ideen, Junge!

04. Dänemark
Oh je, schwieriges Thema. Nach Harel hatten die beiden eigentlich einen ganz guten Stand. Das Lied ist natürlich einigermaßen indiskutabel, aber war gut gesungen, und die Regie im Hintergrund hat bei den Pyros und der Windmaschine auch alles richtig gemacht. Außerdem war es gut, dass Frau Chanel nicht wieder das entsetzliche Kleid aus der VE anhatte. Aber, und da schließe ich mich dem unendlichen Chor der Kritikaster an: Das waren zwei Leute, die das gleiche Lied gesungen haben, aber das war kein Duett. Chemie? Zusammenspiel? Null.

05. Schweiz
In Zusammenhang mit dem Schweizer Beitrag hab ich übrigens eine Wette gewonnen. Mein Wettkontrahent wettete nämlich, dies sei ein Nullpointer gewesen. Es waren dann aber doch noch zwei Pünktlis, was eigentlich zu wenig war für diesen Beitrag war. Da gab es schon schlechtere Beiträge. Allerdings muss man zugeben, dass auch eine ganze Menge Dinge störten: Sei es der komische Schal um Michaels Hals, seien es die seltsamen Flatterdinger an den Armen seiner Chorsängerinnen, die unpassend zum Titel nicht in Gold gewandet waren (die Sängerinnen, nicht die Flatterdinger). Am schlimmsten jedoch waren Michaels Versuche, an den Stellen, wo der Refrain beginnt, unbedingt in die Höhe zu gehen und auch an einigen anderen Stellen unangemessen hoch zu singen (unangemessen = das Stimmvolumen überschreitend). Dass er teilweise auch Chorpassagen mitgesungen hat, die nicht seine waren, ist ein absolutes No-Go. Glücklicherweise trotzdem keine Null, denn der Michi ist schon ein totaaaal Süßer. In diesem Sinne: Pröschtli!

Donnerstag, 10. Juni 2010

Der ESC 2010 im Nachtritt. Teil 6

Israel: Meine Güte, was war denn das? Da trägt der Herr Skaat ein todtrauriges Lied vor und grinst von einem Ohr zum andern? Statt uns seine Sangeskünste zu zeigen, zeigt er uns lieber, wie artig er jeden Tag seine Zähne geputzt und den Kieferorthopäden besucht hat? Nach diesem verheerenden Auftritt im Semifinale war ich eigentlich sicher, daß Harel sich selbst ins Aus katapultiert hätte, aber eine schlecht gesungene Ballade war im zweiten Semi offenbar der Geheimtip. Im Finale war es dann sowohl stimmlich als auch grinslich besser. Dennoch, liebe Israelis: An eurer „schlechten“ Plazierung ist kein Stimmblock schuld, sondern nur euer hundsmiserabler Auftritt.

Kroatien: Noch so ein Skandal, daß sich die „drei Gratien auch Kroazien“ (so oder so ähnlich Peter „Ichweißzwarnichtwasichhierredeaberichbekommegelddafür“ Urban) nicht qualifiziert haben. Dabei war der Auftritt perfekt (auch wenn Grazie Nummer eins irgendwann mal ihren Einsatz verpaßte, weil das Playback aus dem Takt geraten war) – oder war er vielleicht zu perfekt? Wenn ich jemanden heuer sicher im Finale gesehen hätte (neben den Finninnen), dann waren es die kroatischen Maiden. Aber die Eurovision hat nun mal ihre eigenen Gesetze…

Lettland: Schon erstaunlich, daß Aisha tatsächlich ein paar Töne getroffen hat, aber mit ihrem gerafften Leichensack um die damit noch breiter wirkenden Hüften und ihrer Leichenbittermiene vermasselte sie einfach wie befürchtet alles. Und nicht mal die Waschfrauen, die für (unfreiwillige) Komik gesorgt hätten, durften mit auf die Bühne. Wieder einmal die rote Latrine für Letztland, schon zum zweiten Male hintereinander – das haben nicht mal Tschechen geschafft!

Freitag, 2. April 2010

2. Semifinale, Teil 1

Und nun das 2. Semi:

1. Litauen - East European funk - InCulto
Huch!?! Lettland 2006 meets Litauen 2006, und aus beiden Beiträgen wird das schlechteste rausgezogen. Ganz schwierig einzuschätzen, wie das wohl ankommt. Es fehlt ihnen allerdings die Professionalität ihrer beiden Vorbilder, außerdem ist der Song nicht wirklich griffig. Und ob Lobhudelei von was Eastern Europeanigem reicht, um Punkte aus besungener Region einzukassieren, wag ich mal zu bezweifeln. Huch, die Tänzer von Silvia Night haben sie sich auch noch zum Vorbild genommen. Auch das nicht zum Vorteil des Acts. Nackte Männerbeine in Pailettenshorts (!) und SOCKEN erfreuen das Auge NICHT! Aus drei Beiträgen zusammengequirlt und noch nicht mal lustig - vergess mers!
Chancen aufs Finale: Eher weniger.
Vilnius 2011: Eher noch weniger.
0/10


2. Armenien - Apricot stone - Eva Rivas
Huch, der Tod spielt Flöte! Wieder mal ne sehr hübsche Frau aus Armenien mit nem tollen Kleidle. Das Liedle? Der Anfang ist ok, dann geht wieder das übliche Turbogestampfe los. Seufz. Armenische Eurovisionsbeiträge und ich werden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr werden, obwohl mir dieser hier schon besser gefällt als die aus 2006, 2008 und 2009. Aber was heißt das schon... Und dass sie das armenische Nationalobst besingt, ist zwar ne nette Idee, aber verstehen tut man, wie inzwischen üblich, NIX davon.
Chancen aufs Finale: Es ist Armenien! Natürlich kommen die weiter.
Eriwan 2011: Sie werden wohl die Top Ten auch dieses Mal knacken, einen Sieg kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen.
5/10


3. Israel - Milim - Harel Skaat
Hui, der ist aber hübsch. Da würd ich zumindest kurz überlegen, bevor ich ihn von der Bettkante schubse - nur müsste er da erst mal sitzen, was er nicht tut. Und singen tut er eine Ballade, die instrumentaltechnisch sehr zurückgenommen ist und dadurch nur umso intensiver wirkt. Da hat mal wirklich jemand nachgedacht und ein gutes Arrangement gebaut! Es gibt ja gute Balladen und schlechte, dieses hier ist: Eine sehr gute. Und der Harel singt das mit einer Leidenschaft, dass es einfach toll ist, vor allem, wenn dann nach der Bridge der letzte Refrain kommt und seine Stimme bei den hohen Tönen ins Kratzige abgleitet.... klasse!
Chancen aufs Finale: ja.
Jerusalem 2011: Wenn er alles gibt und nicht patzt, ist das nicht vollkommen ausgeschlossen.
9/10


4. Dänemark - In a moment like this - Chanée & N'Evergreen
Wer bitte hat den Song geschrieben? War das Sting? Jedenfalls erinnert die Musik zumindest am Anfang schon ziemlich heftig an "Every breath you take". Im Refrain wirds dann eher schlagerhaft. Hoffentlich zieht die Dame bis Oslo noch was anderes an, das Outfit ist ja entsetzlich. Das ist mal wieder ein typisch dänischer Beitrag: Die beiden können singen, singen sich die Seele aus dem Hals, das Liedle ist eher kein Spitzenknaller - und das ganze wird wieder solide platziert sein.
Chancen aufs Finale: Ja, sicher!
Kopenhagen 2011: Nein. So viel Seichtigkeit setzt sich dann doch nicht durch.
6/10


5. Schweiz - Il pleut de l'or - Michael von der Heide
Diese Segelöhrchen sind ja mal was putzig. Die Schweiz hat ja bekanntlich in den letzten drei Jahren drei außerordentlich aussichtsreiche Beiträge am Start gehabt (letztes Jahr sogar den eindeutig besten Song des Jahrgangs) und diese durch grottige Performances jeweils direkt im Semi versenkt. Der Song ist dieses Mal bei weitem nicht so stark wie die letzten beiden Jahre, aber dafür könnte Michael über die Performance einiges rausreißen. Man sieht jedenfalls, dass er es kann. Ist halt die Frage (und auch wenns nicht politisch korrekt ist: Man muss sie stellen!), ob Europa auf Segelohren steht oder eher nicht. Allerdings der erste nicht englischsprachige Beitrag in diesem Semi, sticht dadurch jedenfalls mal raus.
Chancen aufs Finale: Chancen ja, aber obs reicht?
Zürich 2011: Das kann ich mir nicht vorstellen.
5/10


6. Schweden - This is my life - Anna Bergendahl
ARGS! Jetzt werden nicht mehr nur Titelzeilen aus einschlägigen Chartstiteln kopiert, sondern auch aus alten ESC-Songs - ein Blick auf den Rest des Semis zeigt, dass mit Angel si ti und Shine noch zwei von der Sorte kommen. Alles nur geklaut, sagen die Prinzen, und ich sags auch. Und dies hier kann mit dem Namensvetter aus 2008 in keinster Weise mithalten; ein recht beliebiges Ballädchen, gesungen von einer Dame, die wie die schwedische Jungausgabe von Marilyn Monroe mit längeren Haaren aussieht (oder nicht? An irgendwen erinnert die mich jedenfalls!), dafür aber immerhin eine erstaunlich kräftige Stimme hat. Trotzdem ist der Song schon während des Hörens wieder vergessen. Nicht wirklich schlecht, aber eben sehr, sehr langweilig.
Chancen aufs Finale: Schweden hat nun mal einen Abo-Platz.
Stockholm 2011: Ah wa!
5/10

Dienstag, 23. März 2010

Israel: הראל סכעת (Harel Skaat) – מילים (Milim)


Israel debütierte 1973 in Luxemburg, nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Geiselnahme der olympischen Mannschaft Israels in München, nach dem Motto: Jetzt erst recht! Im Gegensatz zu München waren in Luxemburg jedoch die Sicherheitsvorkehrungen um ein vielfaches stärker (bzw. überhaupt vorhanden), vielleicht sogar etwas übertrieben. So wurde dem Publikum beispielsweise eingebleut, doch bitteschön von spontanen stehenden Ovationen abzusehen, um nicht etwa als mutmaßlicher Attentäter erschossen zu werden. Offenbar führten diese Warnungen auch auf Seiten der Teilnehmer zu Übernervosität, oder wie sollte man sich sonst diesen legendären Volle-Hosen-Tanz eines Cliff Richard erklären?
Wie dem auch sei, der 73er Bewerb ging ohne Todesopfer über die Bühne, und Israel brachte neben seinem Debüt auch die zweite Frau am Dirigentenpult mit (die erste schwang kurz zuvor für Schweden den Taktstock und wurde dafür von den Sängern des schwedischen Beitrages im Liede mit dem zweifelhaften Kompliment bedacht, Brüste wie Schwalbennester zu haben) und nahm dazu noch den vierten Platz mit heim. Bis heute hat Israel dreimal gewonnen und konnte bislang den letzten Platz erfolgreich meiden. Seit dem letzten Sieg 1998 läuft es für das Land nicht mehr ganz so rund: Spitzenplazierungen waren nur noch rar gesät (zuletzt ein vierter Platz für Shiri Maimon im Jahre 2005), dafür aber hintere Plazierungen und gar Semi-Blamagen en masse. Nachdem das friedenspendende Damen-Duo Noa und Mira Awad nur dank den Juries dem letzten Platz entging, setzt der israelische Rundfunk heuer wieder auf männliche Sangeskraft und rein auf die Landessprache.
Harel Skaat, 28 Jahre alt und wie schon sein Vor-Vorgänger Boaz Mauda Gewinner der israelischen Castingshow „כוכב נולד“ (Kochav nolad/Ein Stern ist geboren), durfte im israelischen Vorentscheid vier Lieder singen. Das heißt, eigentlich war es nur eins, das nur unter vier verschiedenen Titeln firmierte. Welches daher siegreich sich hervortun würde, war somit eigentlich egal. Gewonnen hat schließlich Liedvariation Nummer vier, „מילים“ (Milim/Worte).
Abgesehen davon, daß dies mal wieder eine weitere langweilige Ballade für das Jahr 2010 ist, besticht sie doch erstens durch die Tatsache, daß sie komplett auf Hebräisch gesungen wird (was auch hoffentlich so bleiben wird, die Israelis verwässern ihre Lieder schließlich nur zu gerne mit müden englischen Übersetzungen) und zweitens dadurch, daß Harel einer der wenigen Sänger ist, der es auch schafft, sein Lied live so vorzutragen, wie es die Studioaufnahme verspricht. (Eigentlich schon schlimm, daß man so was eigens erwähnen muß, aber im Zeitalter von Verkas, Hadises und hyperaktiven Waldorfschülerinnen ist das nun mal eine Besonderheit.)
Somit schafft Harel es wenigstens, ein bißchen Leben in das ansonsten sterbenslangweilige Lied zu bringen. Das Finale dürfte kein Problem sein, vor allem, wenn man bedenkt, daß er gleich hinter der stimmlich eher zweifelhaften Eva Rivas startet, die außer einem dicken Polster im Dekolletee und an Diasporastimmen kaum etwas zu bieten hat. Im Finale, wenn wohl so einige der Balladen auf der Strecke geblieben sind, könnte dann sogar einmal mehr eine gute bis sehr gute Plazierung für die Israelis herausspringen.


IL - Harel Skaat - Milim

Wozu hat Israel eigentlich einen Vorentscheid veranstaltet wenn doch von vornherein sonnenklar war welches Lied Harel Skaat in Oslo darbieten wird? Jury, Publikum, Sender - alle waren sich einig.
Na Hauptsache eine Show.

Das internationale 'Publikum' (also die Online-Foren-Schreiber)  war sich zumeist einig, dass der Titel Le'an weitaus besser geeignet wäre die Farben Israels zu vertreten als das langweilig dahinplätschernde Milim. Nun gut, die Israelis werden schon wissen was sie tun.

Harel ist ein sehr guter Sänger, kein Zweifel. Leider neigt er bei lauten Sequenzen zum Schreien statt Singen, und da vergeht einem schnell die Lust auf längeres Zuhören. Und gerade das ist das große Problem des Liedes. Am Anfang ist es zum Einschlafen fad, ab dem zweiten Drittel plötzlich laute langgezogene Töne und am Ende plärrt er nur noch.

Schade, da wäre mehr drin gewesen. So kann man ein Talent vergeuden.
Die Jury wird Harel ins Finale hieven wo er dann im hinteren Drittel plaziert sein wird. Von den Televotern darf Israel heuer punktetechnisch nichts erwarten.