So, Semifinalisten haben wir, schauen wir doch mal, was im Finale passiert ist. Und wie immer, wenn man es spannend machen will, rollt man das Feld von hinten auf. Nicht, dass da noch was spannend wäre, Ihr kennt ja alle die Ergebnisse. Wommer ma kucken?
25. Vereinigtes Königreich (1 Punkt (Jury: 1 Punkt (Platz 24), Televoting: 0 Punkte (Platz 25)))
Na, da bin ich ja mal gespannt, ob die BBC ein kleines Dankeschön in die Ukraine geschickt hat. Eigentlich war ich nach dem Auftritt (und dem im Semi) fest von einer Doppel-Null ausgegangen, aber der Kelch ist ja an LMNC doch nochmal vorübergegangen. In sämtlichen Nuller-Paraden ist er jetzt trotzdem. Man muss sich das mal vorstellen: Das Juneited Kingkong hat zum letzten Mal in 2023 Televotingpunkte bekommen. Wollt Ihr daran denn noch mal irgendwas ändern? Ich würde mal sagen: Nein. Und dass allen Ernstes Thomas Stengaard im Songschreiberteam war, kann doch nur ein Feigenblatt sein. Denn alles, alles, ALLES an diesem Beitrag, vom schweinchenrosa Einteiler von LMNC über die Tänzer mit den Computermonitoren überm Kopf, die sich im Laufe der Performance in giftgrüne Kuschelcomputer verwandelten bis zu den 14 (!) Sekunden Publikumsanimation wirkte wie ein ausgestreckter Mittelfinger des Mutterlands des Pop in Richtung Rest-Eurovisionland. Falls es einer sein sollte: Herzlichen Glückwunsch, DAS habt Ihr aber sowas von hingekriegt. Falls nicht: Umso schlimmer. Umso schlimmer!
24. Österreich (6 Punkte (Jury: 1 Punkt (Platz 25), Televoting: 5 Punkte (Platz 22)))
Irgendwann muss mir mal irgendwer erzählen, warum der ESC eine solche Anziehungskraft auf Zahnärzte ausübt. Cosmó ist jetzt schon der fünfte aus der Reihe, der mir auf Anhieb einfällt, und bestimmt gibt es noch mehr. Anyway, to business. "Tanzschein" ist, wenn es sowas gibt, ein typischer Heimbeitrag, ein Beitrag, der sich und anderen nichts mehr beweisen muss und das auch nicht tut. Das Ganze ist natürlich immer noch schräg bis zum Gehtnichtmehr und auch durchaus gewagt, aber letztendlich geht es hier vor allem um den Spaß - und den hatten wir! Cosmó war wirklich super und hatte erkennbar Spaß auf der Bühne, auch wenn die Inszenierung vielleicht eher nicht in der oberen Hälfte des Feldes anzusiedeln ist. Aber der Spaß hat sich auf jeden Fall übertragen. Ich geh jetzt die Choreo üben, wer weiß, wann man das noch mal brauchen kann. Und hat irgendjemand von der geneigten Leserschaft, der beim ESC vor Ort war, einen Tanzschein ergattern können? Soweit ich weiß, wurden welche ausgegeben. Leider war der Spaß am Text aufs deutschsprachige Publikum beschränkt, aber egal: Das war cool.
23. Deutschland (12 Punkte (Jury: 12 Punkte (Platz 22), Televoting: 0 Punkte (Platz 23)))
Ich glaub, Schland ist mir einen eigenen Artikel wert. Wird vermutlich ein Rant. Darauf muss ich mich geistig und moralisch gründlich vorbereiten. Deshalb machen wir jetzt erstmal weiter mit
22. Litauen (22 Punkte (Jury: 10 Punkte (Platz 23), Televoting: 12 Punkte (Platz 19)), im Semi: Platz 8, 101 Punkte (Jury: 46 Punkte (Platz 10), Televoting: 55 Punkte (Platz 8)))
Es ist ja gerade bei Wackelkandidat*innen gern mal so, dass die Semiauftritte signifikant besser sind als die Finalauftritte. Das war hier nicht so. Im Semi hat Lion gegen Ende doch schon bedenklich geschrieen, im Finale hat er seine ganze beträchtliche Stimmgewalt zur Entfaltung gebracht, ohne zu schreien. Warum hat es trotzdem nicht funktioniert? Nun, im Finale wurde am Anfang nur ein kleiner Teil seines Gesichtes eingeblendet, keine Ahnung, ob das Absicht war. Es wirkte jedenfalls genauso befremdlich wie die Tränenspur, die er im Finale im Gesicht hatte. Ich weiß nicht, was die erkennbare Linie vom linken Auge zum unteren Ende des Gesichts sonst gewesen sein soll. Insgesamt war mir das Ganze viel zu düster, zu kalt und zu artsy. Der Song ist gut, aber ich kann mit der Inszenierung und der Kunstfigur Lion Ceccah leider gar nix anfangen. Offensichtlich ging es Resteuropa ähnlich, denn im Televoting haben ihn nur die zwölf Punkte aus Lettland davor gerettet, dem Club der Nullpointer beizutreten.
21. Belgien (36 Punkte (Jury: 36 Punkte (Platz 20), Televoting: 0 Punkte (Platz 24)), im Semi: Platz 10, 91 Punkte (Jury: 81 Punkte (Platz 6), Televoting: 10 Punkte (Platz 14)))
In diesem Club befindet sich inzwischen auch der belgische Beitrag aus diesem Jahr, und das ist eigentlich ein bisschen schade. Andererseits war das genau wie Litauen im Semi schon ein Wackelkandidat, und vermutlich sind beide froh, dass sie es überhaupt ins Finale geschafft haben. Wenn mir vorher einer gesagt hätte, dass Belgien von den deutschsprachigen Ländern am besten abschneidet, hätte ich demjenigen wahrscheinlich einen Vogel gezeigt. Aber man hat hier beim Staging alles richtig gemacht und mit sehr wenigen Mitteln sehr viel rausgeholt. Essyla war insbesondere im Semi am Anfang erkeinnbar aufgeregt, hat sich aber schnell gefangen und ihren Beitrag ordentlich performt. Dass es am Ende im Televoting doch nicht für Punkte gereicht hat, lag vermutlich an der schlechten Startnummer und dass es dann insgesamt wohl doch zu unauffällig war. Dennoch: Das Finale ist für diesen Beitrag auf jeden Fall ein Achtungserfolg!


