Oh what a night!
Herzlichen Glückwunsch, liebe DARA! Herzlichen Glückwunsch, Bulgarien!
Ich warne Euch vor: Seit heute Nacht, ca 2:40 hab ich Blutdruck. Und Puls. Und BRAST. Im Überfluss.
Seit etwa dieser Uhrzeit ist die Startreihenfolge bekannt, und so richtig eingekriegt darüber hab ich mich immer noch nicht. Eine Frage an die Produktion: HABT IHR EIGENTLICH LACK GESOFFEN? Wer auch immer daran beteiligt war: Ich wünsche Euch für die nächsten 48 Stunden einen harmlosen, aber nervigen Juckreiz an einer Stelle, wo Ihr Euch nicht kratzen könnt!
"Ein guter Beitrag kann von überall aus gewinnen" wurde mir heute Nacht auf meinen dortigen Rant im entsprechenden Beitrag bei ESC kompakt mitgeteilt. Das Problem hier ist nur: Wir HABEN heuer keine guten Beiträge. Wir haben kein "Fairytale". Kein "Euphoria". Kein "Amar pelos dois". Kein "Arcade". Nix dergleichen in Sicht. Umso wichtiger wäre es gewesen, die Startnummern mit Sorgfalt zu verteilen.
Schauen wir uns das Elend mal an, und ich geb Euch zusätzlich den aktuellen Wettquotenstand (zum Zeitpunkt, als ich den Artikel angefangen habe, inzwischen hat sich schon wieder einiges bewegt, die von mir beschriebenen Tendenzen gelten aber weiterhin).
Gleich bei Startnummer 1 geht mein Blutdruck in bedenkliche Höhen. Dänemark eröffnet nämlich, und obwohl der Beitrag allgemein sehr hoch gehandelt wurde und ihm auch eine gewisse Siegchance zugeschrieben wurde, raubt man ihm damit sämtliche Chancen. In den Wettquoten fällt er natürlich gerade wie ein Stein; hatte er vor der Startreihenfolge noch 10% Siegeschance als Vierter, liegt er Stand jetzt (11:05 Uhr) auf Platz 6 mit lediglich 4%, und die Talfahrt dürfte noch nicht zu Ende sein.
Auf Startplatz 2 kommt Schland. Damit müssen wir leben, wir haben an 68 der restlichen 69 Song Contests teilgenommen und sind noch nie auf dem Todesslot gestartet. Wir waren wohl einfach mal dran; mit dem Sieg werden wir eh nix zu tun haben. Hoffentlich gibt es trotzdem eine anständige Platzierung, auch wenn das zwischen Dänemark und Israel völlig untergehen könnte.
Israel hat Startplatz 3. Joo. Es wird in diesem Falle egal sein. In den Wetten jetzt auf Platz 4 mit 7% Siegeswahrscheinlichkeit. Wenn es so kommt, bin ich einigermaßen fein damit, nur als Gewinner wäre das ziemlich problematisch.
Auf Platz 4 kommt Belgien, auch das war zu erwarten. Ist ein guter Kontrast zu den beiden Beiträgen drumherum, das ist okay. Bei den Bookies auf Platz 24, aber ich denke, sie werden etwas besser abschneiden und sind wahrscheinlich einfach erst mal froh darüber, das Finale geknackt zu haben.
An Startplatz 5 haben wir Albanien, das vermutlich das erste Ausrufezeichen des Abends setzen wird. Wenn man die 1 ausnimmt, haben wir bis hierher zumindest noch eine gewisse Logik. Das ändert sich gleich. Alis liegt bei den Bookies auf Platz 17, dürfte aber leicht besser abschneiden.
Der nächste, der mich total aufregt, ist Griechenland auf Startplatz 6. Für einen Mitfavoriten ist das wirklich nicht gut. Es ist zwar ein Kontrast zu Albanien direkt davor und der Ukraine danach, kommt aber viel zu früh! Auch er befindet sich auf Talfahrt. Ist zwar bei den Bookies bislang noch auf Platz 3, aber die Siegeswahrscheinlichkeit liegt nur noch bei 7%. Am Montag waren es noch 21%.
Ukraine besagtermaßen auf Startplatz 7, und das ist auch okay. Bei den Bookies auf Platz 12, könnte aber die Top Ten noch knacken.
Startplatz 8 geht an Australien, und das ist für mich der nächste Aufreger. Ja, die 8 hat in der Vergangenheit einige Sieger hervorgebracht, aber das ist fast 30 Jahre her. Auch hier: Viel zu früh. Liegt bei den Bookies auf Platz 2 mit immerhin noch 15% und bleibt da auch stabil, aber wirklich helfen tut das jetzt nicht. Ich prophezeie trotzdem: Das gewinnt.
Nachdem bei Australien der Kontrast nach vorne nicht funktioniert hat, funktioniert er wenigstens nach hinten. Auf Startplatz 9 kommt nämlich Serbien. Die sind bei den Bookies auf Platz 19 und werden auch etwa so einlaufen.
Auf der 10 startet Malta. Kommt nach Serbien maximal gut. Auf Platz 10 liegt er auch bei den Bookies, aber ich denke fast, das ist etwas zu hoch gegriffen. Linke Seite könnte aber klappen.
Nicht nur bei der Startnummer, sondern auch bei den Bookies liegt Tschechien auf Platz 11. Wenn es so kommt, wäre ich überglücklich, ich bin aber noch skeptisch.
Auf Startnummer 12 dann wieder etwas Schnelleres, Lauteres, nämlich der Bangaranga aus Bulgarien. Die haben sich gestern bei den Bookies nach oben gearbeitet. Liegen derzeit auf Platz 8, aber ich denke, es könnte noch höher gehen.
Die letzte Startnummer der ersten Hälfte haben die Kroatinnen, die man im Grunde überall hätte platzieren können, wäre ein Kontrast zu jedem gewesen. Liegen bei den Bookies auf Platz 15 und werden auch vermutlich irgendwo in der Gegend einlaufen.
Die zweite Hälfte wird auf Startplatz 14 eröffnet vom Vereinigten Königreich, und wenn der schon zweite Hälfte gezogen hat, gehört er genau da hin. Liegt bei den Bookies auf Platz 20, weil die Briten halt nun mal gerne wetten, aber alles andere als ein letzter Platz wäre für mich schon eine große Überraschung.
Und prompt der nächste Aufreger, denn mit Startplatz 15 hat man die Französin ebenfalls versenkt. Auch bei ihr gehen die Quoten runter, sie liegt Stand jetzt auf Platz 9 (sie war auch schon mal zweite), und ich bin gespannt, ob es dabei bleibt oder noch weiter runtergeht.
Startplatz 16 hat noch nie gewonnen, und das wird auch so bleiben, obwohl Moldau im Semi wirklich überzeugt hat. Liegt bei den Bookies auf Rang 13, könnte aber an der Top Ten kratzen.
Vor 20 Jahren gewann von Startplatz 17 aus ein Haufen wild grölender Monster (bis heute einer meiner Lieblingssieger!). Heuer hat man ihre Landsleute, mit 43% Siegeswahrscheinlichkeit seit vielen Wochen Top-Favorit der Bookies, dort hin platziert. Ja, ich weiß, die 17 hat mehr Sieger hervorgebracht als jede andere Startnummer, aber ich bin trotzdem nicht glücklich damit, weil seit der händischen Startnummernvergabe alle Sieger bis auf Emmelie in ihrer jeweiligen Starthälfte unter den letzten fünf Startern waren. Mal sehen, ob es dabei bleibt (dann bleibt nur noch ein Top-Favorit übrig) oder ob die Finnen das Gesetz heuer brechen.
Auf Startplatz 18 hinter den Finnen ist für Polen nix zu holen. Aber das wäre es von keinem Startplatz aus, da kann die Stimme noch so toll sein. Bei den Bookies auf Platz 21, und viel mehr wird es auch in der Endabrechnung nicht werden.
Einen Platz dahinter in der Reihenfolge und bei den Bookies liegt Litauen. Zwei langsamere Songs hintereinander, kann man machen, wenn es nicht ab Platz 20 noch mal so richtig rundgehen würde.
Ab jetzt wird es nämlich wild. Auf Startplatz 20 der Kirmestechno aus Schweden. Bei den Bookies steht das auf Platz 14, befindet sich ebenfalls im freien Fall, und in diesem Falle ist das auch gut so.
Noch nicht so ganz im freien Fall, warum auch immer, haben wir auf Startplatz 21 Zypern. Bei den Bookies ist sie noch auf Platz 16, warum auch immer. Wenn es Gerechtigkeit auf der Welt gibt, dann schafft sie das nicht!
Auf der 22 sitzt Italien als einziger nicht ganz so wilder Song in den letzten sechs Startplätzen. So viel zum Thema Dramaturgie. Es wird Sal nicht schaden, zwischen zwei eher mäßigen Beiträgen anzutreten. Vielleicht geht ja doch noch was für Italien? Bei den Wetten auf Platz 7, es geht aber tendenziell eher runter als hoch. Hiermit auf Platz 7 zu kommen wäre ja auch schon eine Leistung.
Nach Italien kommt auf der 23 Norwegen, wieder so ein Beitrag, den ich im Finale absolut nicht gebraucht hätte. Bei den Bookies liegt er auf einem recht schmeichelhaften 18. Platz, und er kann froh sein, wenn er den erreicht, denn:
Danach kommt endlich mal ein Top-Favorit, der eine anständige Startnummer bekommen hat, nämlich Rumänien. Die sind seitdem richtig im Aufwind, bei den Bookies derzeit auf Platz 5, und das wird es in der Endabrechnung auch MINDESTENS. Kann das gewinnen? Durchaus, wenn sich die Leute nicht von der umstrittenen Titelzeile abschrecken lassen. Ja, ich weiß, da lag ich mit meiner Ersteinschätzung komplett daneben. Na und?
Den Abschluss macht, wie ausgelost, Österreich. Auch bei den Bookies. Sehr weit nach oben wird es nicht gehen, aber ich denke, Letzter werden sie nicht, dazu macht die Nummer auch zu viel Spaß.
Normalerweise kann ich eine Startreihenfolge eigentlich ganz gut lesen, aber hier weiß ich, dass ich nichts weiß. Aber das Schöne ist: Wir wissen alle nix. In etwa 35 Stunden sind wir schlauer.
Bis dahin: Genießt die Zeit, bis es morgen dann wirklich ernst wird. Liebe Sarah, lieber Cosmo: Wir drücken Euch alle Daumen, die wir haben, und die großen Zehen noch dazu. Macht das Beste daraus!
Ich glaube. ich sollte das mit dem Tippen einfach drangeben. Ganze sieben Richtige, obwohl ich, hätte ich mich an meine Erstprognose gehalten, neun hätte haben können. Hätte ich mich an die Bookies gehalten, wären es zehn gewesen. 40 getippte Semis und nicht ein einziges Mal 10/10, das müsst Ihr mir erst mal nachmachen!
Aber ansonsten war das zweite Semi weitaus pläsierlicher als das erste, wenn auch das Ergebnis einigen Diskussionsstoff lieferte. Auf das Drumherum möchte ich gar nicht weiter eingehen, Moderation war immer noch ausbaufähig, die Bühne immer noch wunderschön, das Pausenprogramm eher übersichtlich spannend - mit einer sehr deutlichen Ausnahme, nämlich dem neuen Song von JJ. Der hat uns richtig, richtig gut gefallen, und ich freu mich schon auf seinen Auftritt am Samstag.
Schauen wir auf die Beiträge.
Bulgarien war ein Opener nach Maß, die haben mächtig Rabbatz gemacht. Es ist immer noch nicht mein Song, aber das war ein überzeugender Auftritt, und das Finale geht natürlich völlig in Ordnung. Wird vom Producer platziert.
Genauso in Ordnung geht der Rausschmiss von Aserbaidschan, der wohl niemanden überrascht haben dürfte. Die Blut-Tränen sollten das Thema wohl unterstreichen, wirkten aber zusätzlich zum langweiligen Song und uninspirierten Auftritt aber einfach nur merkwürdig.
Rumänien war besser als alle Beiträge des ersten Semis zusammen. Der Auftritt war mal echt eine Ansage - und das ganz ohne große Props! Merkwürdigerweise gaben die Wetten danach leicht nach, warum auch immer. Egal, wird am Samstag vom Producer platziert.
Luxemburg - ja, Gott, sie lächelt wirklich sehr süß, aber gesanglich war das nicht besonders gut. Wenn man ohnehin keine Chance hat, ist man gut beraten, diese minimale Chance auch zu nutzen. Das hat Eva leider nicht geschafft.
Boah, da muss man warten und zittern bis zum letzten Moment! Tschechien hat es ja eh immer ein bisschen schwerer, aber ich wäre schockiert gewesen, wenn es dieses Jahr schon wieder nicht geklappt hätte. Aber es hat ja geklappt, und diesbezüglich ist zumindest meineeine sehr happy. Startet in Hälfte 1.
Armenien - ja gut, ein dreiminütiges Radaufestival. Ich hätte gedacht, dass das nach Frankreich etwas besser ankommt. Aber gut - war dann wohl nicht so.
Für die Schweiz hat es mir ein bisschen leid getan. Das war sehr gut gesungen und auch gut und überzeugend präsentiert, aber der Song war wohl zu nischig.
So, und jetzt muss ich durchatmen. Bittschön, liebe Zyprer, das war kein Gesang, das war ja fast schon Arbeitsverweigerung! Ich muss echt überlegen, wann ich mal über eine Qualifikation so verstimmt war. 2005 bei Martin Vucic vermutlich. Und dann kriegt sie auch noch Hälfte 2.
Und das alles auf Kosten eines besseren Beitrags. Lettland zum Beispiel. Trauerfall in diesem Semi. Makellos gesungen und doch nicht weitergekommen. Ewig schade, ich hätte es diesem berührenden Song sehr gegönnt, am Samstag noch mal dargeboten zu werden.
Dargeboten wird aber auf jeden Fall Dänemark. Auch wenn mich der Song immer noch nicht sonderlich toucht: Das war schon sehr, sehr gut. Startet in Hälfte 1.
Und dann zumindest für mich persönlich der absolute Höhepunkt dieses Semis. Delta kam, sang und wird vermutlich gesiegt haben. Möglicherweise auch am Samstag. Gell, EBU, Ihr überlegt schon, wo der ESC im Falle eines australischen Sieges stattfindet? In 48 Stunden könnte die Frage, wenn es nach mir geht, relativ dringlich werden! Australien startet in Hälfte 1.
Auch die Ukraine war zumindest in den ersten knapp zweieinhalb Minuten überzeugend, auch wenn ich das Styling aus der Vorentscheidung besser fand. Leider ist Leleka beim hohen Ton die Luft ausgegangen, und dann kam das auch noch im SDL! Aber egal, es hat dennoch geklappt mit dem Finale. Sie wird vom Producer platziert.
Albanien hatte ich eigentlich als Ausscheider auf dem Zettel, und zumindest inszenatorisch fand ich es auch durchaus problematisch. Aber dieser Anfang pustet einen dermaßen weg, dass man über die Inszenierung hinwegsieht. Und dann zieht Alis auch noch die Brille ab - mei, ist das ein hübscher Kerl! Warum nicht generell ohne? Wird vom Producer platziert.
Bei Malta hat man unmittelbar vor dem Start gesehen, was diese riesigen Props bewirken, nämlich: Umbaupausen, Umbaupausen, Umbaupausen. Aber das hat der Aidan gut weggesteckt. Der Song ist zwar nah am Kitsch, und irgendwie hab ich auch die Rosenblätter vermisst - war das die Kamera, meine Unaufmerksamkeit, oder waren sie nicht da? Egal. Aidan wird vom Producer platziert.
Zum Schluss dann noch mal ein Cringefest der Extraklasse. Ich hätte Norwegen im Finale wirklich nicht gebraucht, das war einfach nur eine Zumutung für die Augen (audio geht's). Trotzdem müssen wir da am Samstag noch mal durch. Startet in Hälfte zwei.
Drei Fixstarter gab es auch noch:
Monroe sang sich für Frankreich die Seele aus dem Leib, und das ist auch wirklich gut, aber es ist meiner Meinung nach kein Sieger. Die Top 10 sollte sich aber ausgehen, die Top 5 wahrscheinlich auch.
Der österreichische Tanzschein sorgt bei mir immer für eine gewisse Erheiterung. Der Text ist wirklich schon sehr cool. Man merkt den Österreichern aber an, dass sie das nicht noch mal gewinnen wollen, zumal das Ganze ohne Textverständnis auch nicht wirkt. Müssen sie sich aber auch keine Gedanken drum machen. Ist halt ein typischer Heimbeitrag.
Letzter werden sie trotzdem nicht, sondern Letzter wird wahrscheinlich mal wieder das United Kingkong. Sorry, das war ja förmlich ein Betteln um den letzten Platz. LMNC hat eigentlich die ganze Zeit nur rumgeschrien. Startet in Hälfte 2, aber das wird ihm vermutlich nicht so wirklich helfen.
So, das wars mit den Semis. Die Startreihenfolge fürs Finale kam soeben rein, dazu mach ich dann hier morgen früh noch einen Artikel. (Edit: Diesen Satz habe ich geschrieben, bevor ich einen Blick darauf geworfen habe. Jetzt muss ich mich erst mal fertig aufregen.)
Schlaft schön!
Nach dem ersten Semi ist vor dem zweiten Semi, und wenn ich auch immer noch mit der Qualität des ersten Semis in seiner Ansichichkeit über Kreuz bin, hab ich doch die Hoffnung, dass das alles oder zumindest so ziemlich alles im zweiten Semi besser wird. Und dass ich nicht wieder so ein lausiges Tippergebnis einfahre (und ja, acht Punkte sind in diesem Falle lausig, vor allem, wenn man beim ersten Durchhören schon neun richtig hatte!).
In diesem Semi habe ich einen sicheren Ausscheider und sechs sichere Weiterkommer, alle anderen liegen irgendwo dazwischen. Durch die Wiedereinsetzung der Jurys in den Semis bekommt das Ganze eine ganz andere Dynamik als in den letzten drei Jahren, dem versuche ich hier auch Rechnung zu tragen.
Fangen wir mal an mit dem sicheren Ausscheider. Das ist Aserbaidschan. Ich weiß nicht, ob die Azeris keinen Bock mehr haben, ob sie es nicht mehr können oder ob sie einfach keine Kohle mehr locker machen wollen. Fest steht: Das hier ist ein heißer Kandidat für null Punkte im Televoting. Sie singt das zwar gut, aber es gibt in diesem Semi eine ganze Reihe sehr starker Stimmen, die allesamt bessere Songs haben, so dass es auch bei den Jurys nicht reichen wird.
Zum Beispiel Australien. Die ist für mich nicht nur Top-Favoritin für den Semisieg (Dänemark zum Trotze), sondern auch auf den Gesamtsieg. Mark my words, you read it here first. Sind natürlich beide durch, genau wie Rumänien, das in Sachen Gesamt-Top-5 auch noch ein Wörtchen mitzureden haben dürfte. Ach ja, da war ja noch ein dritter Rückkehrer. Bulgarien kommt ebenfalls durch.
Bombensicher im Finale ist natürlich auch die Ukraine, weil die Ukraine ja immer ins Finale kommt und weil sie in diesem Semi nur fünf Beiträge schlagen muss, was ihr natürlich ohne Probleme gelingt. Weil: Der Song ist gut (wenn auch nicht gut genug für den Sieg im Semi) und die Dame singt gut.
Der sechste sichere Finalist ist für mich Malta. Die profitieren natürlich ohne Ende von der Rückkehr der Jurys, aber ich wage mal zu behaupten, dass das auch bei reinem Televoting durchkäme. Werden wir ja dann Samstagnacht sehen.
Tschechien müsste es eigentlich auch schaffen. Sie haben es beim Televoting generell ein bisschen schwerer, aber die Jurys müssten das eigentlich lieben, zumal er fantastisch singt und das wohl auch gestern im Juryfinale wieder gezeigt hat. Und der Song ist nun auch nicht gerade was, wofür die Songwriter sich schämen müssten.
Ich fürchte, die Ukraine ist nach diesem Semi wieder der einzige Immer-Qualifizierer, denn Luxemburg wird es zwischen Rumänien und Tschechien extrem schwer haben. Sie ist zwar süß und singt das auch ganz ordentlich, aber ich sehe nicht, wie sie das schaffen soll. Ich hoffe, dass ich mich da täusche.
Bleiben noch Albanien, Armenien, Lettland, Norwegen, die Schweiz und Zypern. Jetzt wirds knackig.
Zypern muss im gestrigen Jurysemi wohl nicht schlecht, sondern absolut katastrophal gewesen sein. Dass Antigonis stimmliche Fähigkeiten sich nicht mit denen von Alexandra Capitanescu oder Delta Goodrem messen können - geschenkt. Dass man einen Partysong nicht pitch perfect auf die Bühne bringen muss - auch geschenkt. Wenn aber alle Beobachter nach dem Auftritt nur noch damit beschäftigt sind, ihr Entsetzen über das soeben Gesehene und vor allem Gehörte kund zu tun, dann muss es schon sehr heftig gewesen sein. Da auch der Probensnippet keinen Anlass zur Euphorie gibt und auch der Televoter schiefe Töne im Überfluss nicht verzeiht, hat die zyprische Delegation am Samstag wohl (leider) Fernsehabend. Zumal das im Schnelldurchlauf zwischen zwei der besten Sängerinnen des Abends kommt. Autsch.
Albanien ist ein schwieriger Fall. Zwischen der Ukraine und Malta ist jetzt auch nicht der günstigste Startplatz, allerdings denke ich, dass der Song die Jurys schon beeindrucken dürfte, und stimmlich ist Alis ja auch nicht gerade der Klassenletzte. Ich weiß aber nicht, ob die Inszenierung wirklich so super ist.
Armenien ist so ziemlich das Gegenteil davon und hat obendrein noch Frankreich direkt vor sich als maximalen Kontrast. Ich bin mir relativ sicher, dass das bei der Jury glatt durchfällt, vom Televoter aber knapp weitergelassen würde. Frage ist: Reicht das in Summe? Wir stellen die beiden jetzt noch mal kurz zurück.
Lettland kommt direkt nach Österreich, von dem ich nach wie vor überzeugt bin, dass es sich mit UK um den letzten Platz im Finale kloppt. Das ist für die Letten kein Nachteil. Dass Atvara nicht nur stimmlich brilliert, sondern auch einen der anspruchsvollsten Songs im Wettbewerb hat, ist ebenfalls keiner. Das ist zwar auf lettisch, berührt aber trotzdem und wird vermutlich von der Jury gestern gefeiert worden sein. Da sich vermutlich auch viele Televoter davon berühren lassen (und ich hoffe, das die Kommentator*innen denen auch vorher sagen, worum es im Song eigentlich geht), sehe ich Lettland weiter.
Norwegen - ja, er hat Rybak rausgehauen, ja, er hat den letzten Startplatz, das isses dann aber auch. Gerade nach der ziemlich hochwertigen Inszenierung aus Malta dürfte das so trashig rüberkommen, dass der Televoter sich mit Grausen abwendet. Der Juror tat das gestern Abend vermutlich ohnehin. Das heißt: Rybak steht am Samstag auf der ESC-Bühne. Jonas nicht.
Bleibt noch die Schweiz. Ja, der Song ist tatsächlich nicht unbedingt ESC-kompatibel, aber was heißt das schon? Der Song ist gut. Und er wird seine Liebhaber finden. Wenn die Jurys ihren Job ordentlich machen, müsste er eigentlich auch bei ihnen zünden. Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und sage, Veronica schafft es als Zehnte ganz knapp ins Finale.
Herrgott, was mach ich jetzt mit dem doppelten A? Ene mene miste? Schnick schnack schnuck? Mein Bauchgefühl sagt, dass die albanische Inszenierung dem Song eher schadet und der armenische Radau nach Frankreich eigentlich ziemlich gut kommt. Ich glaube, im Finale ist auch Platz für zwei Krawallsongs. Also lehne ich mich noch mal aus dem Fenster und sage, Armenien kommt weiter.
That makes folgende Weiterkommer in order of appearance:
May the best ones weiterkommen and may alle tolle Auftritte haben! Ich drücke allen die Daumen - Australien und Tschechien noch ein bisschen mehr, und wenn mir Albanien wie schon so oft den Tipp zerschießt, bin ich auch nicht böse.
Ach ja: Um mit meinem in diesem Falle doch recht mittelmäßigen Tippergebnis anzugeben. Acht von zehn, das ist in diesem Falle wohl eher nicht so gut. Aber, was mich tröstet: Der Herr Sixtus hat mir vorhin per WhatsApp seinen Tipp geschickt und hat auch nur acht. Immer hin drei mehr, als wenn man nur fünf richtig hätte. Aber ich wette, heuer gibts viele mit zehn Richtigen.
Edit: Da war ja mein Tipp nach dem ersten Anhören noch besser, da hatte ich nämlich neun. Wenn es schon mal blöd läuft ...
Was? Ach so, das Semi. Nun, die Bühne ist eine absolute Augenweide, eine der schönsten der letzten Jahre, gefällt mir supergut. Jetzt wäre es noch gut, wenn diese tolle Bühne auch mit entsprechend hoher Qualität bespielt worden wäre. Ist das denn passiert? Nuuuuuuun ...
Die Moderation zumindest hat noch viel Luft nach oben. Das wirkte doch alles sehr hölzern und auswendig gelernt, da nehmen sich die beiden nichts. Die letzte österreichische Moderation hat mich da weitaus mehr abgeholt. Aber da kann sich ja bis zum Finale noch was tun.
Beim Drumherum hat man sich sehr viel Mühe gegeben, wenn auch nicht alles gelungen war. Besonders gefallen haben mir die Eröffnung mit unter anderem Vicky Leandros sowie der Film, wo die verschiedenen Leute sagen, was ihnen der ESC bedeutet. Die Prater-/Akrobatiknummer war toll gemacht. hier hab ich aber zugegebenermaßen nur mit halbem Auge zugeguckt. Und dann kam Go-Jo und das Austrialia-Mini-Musical. I am very sorry, und ich sehe auch das Bemühen, aber: Das war nur ein müder Abklatsch von "Made in Switzerland" und dem, was Petra und Måns 2016 auf die Beine und die Bühne gestellt haben. Außerdem: Ein Känguru ohne Schnapspralinen?!?
Hab ich noch was vergessen? Ach ja, Beiträge gab es ja auch noch. Und das sag ich jetzt einfach jetzt und hier mal klipp und klar: Das ist so ziemlich das schwächste Semi, an das ich mich erinnern kann. Ich hätte zehn Stimmen rausballern können, hab mir das aber geschenkt. So richtig überzeugt hat mich nämlich keiner der siebzehn Kombattanden. Machen wir mal Einzelkritik:
Moldau war einer der besseren Beiträge des Abends, war aber alles wild, viel, bunt. Kann man machen, hat ja auch funktioniert. Im Finale werden sie vom Producer platziert.
Eins muss man den Schweden ja lassen: Sie wissen ganz genau, was man in den Schnelldurchlauf packen muss, damit es besonders gut wirkt. Ansonsten fand ich die Stimme schlimm und die Gesangsleistung übersichtlich, das Lied ist, was es ist. Aber wenn Leute Laser mögen, stimmen sie halt für sowas ab. Startet im Finale in Hälfte 2.
Bei den Kroatinnen hatte ich besagtermaßen etwas Muffensausen, da das wohl gestern im Juryfinale nicht pitch perfect war (heute schon!). Und dann kommt auch zu allem Überfluss auch noch in beiden Schnelldurchläufen eine Stelle, wo das halbe Bild von einer Flagge verdeckt ist ... puh ... aber ist ja gutgegangen. Das war einer der beiden Beiträge, von dem ich unbedingt wollte, dass er ins Finale kommt. Wird vom Producer platziert.
Griechenland hatte ja nach der ersten Generalprobe einen ziemlichen Höhenflug, dafür war das Ganze dann doch ein wenig enttäuschend. Irgendwie hätte ich erwartet, dass mich das mehr packt, obwohl ich mit dem Song nichts anfangen kann. Die Kamera hat es leider auch nicht so richtig geschafft, in der Bridge die Botschaft auf dem Backdrop einzufangen. Generell fand ich bei einigen Auftritten die Kameraführung nicht gerade glücklich, wie immer viel zu viele Totalen. Aber bei Griechenland war es egal, darf am Samstag in der ersten Hälfte ran - und die Quoten verschlechtern sich gerade wieder.
Jedes Semi hat seinen Trauerfall, diese Regel gilt jetzt und immerdar. In diesem Semi ist es Portugal, die ich eigentlich fest weitergesehen habe, zumal nach diesem sehr zurückgenommenen, schnörkellosen Auftritt. Es hat nicht sollen sein. Da bin ich wirklich auf das Ergebnis im Nachhinein gespannt.
Bei Georgien war allerdings schon nach Auftauchen des ersten Probensnippets klar, dass das nichts werden kann, und ich würde mich auch nicht wundern, wenn sie in diesem Semi Letzte geworden sind. Da stimmte so ziemlich gar nichts. Vor allem war hier auch die Kameraführung wirklich eine Katastrophe. Wenn ich so eine lustige Handographie habe, dann muss die auch gezeigt werden! Davon ab war der Gesang der Damen der Sache auch nicht wirklich zuträglich, und die Cyborgs im Backdrop sind zumindest bei mir völlig untergegangen.
Und dann: Finnland. Man erwartete viel, und ja, das war auch schon gut, aber war es so überragend gut, dass es wirklich den Gesamtsieg davontragen kann? Ich bezweifle das immer noch. Natürlich ist das weiter und wird am Samstag vom Producer platziert.
Montenegros Ausscheiden tut mir wirklich leid, sie hatten einen guten Song und hätten das Weiterkommen wirklich verdient gehabt. Tamara hat mich ein bisschen an Justyna Steczkowska erinnert, und es ist eigentlich nicht einzusehen, warum es bei der letztes Jahr geklappt hat und bei Tamara nicht. Fehlte wohl die Akrobatik. Schade ist es jedenfalls, und ich hoffe, sie verlieren nicht wieder die Lust.
Ich finde es ja immer ein bisschen schwierig, wenn Songs einen Titel haben, dessen Versprechen sie nicht einhalten können. "That sounds good to me" war damals so ein Fall, und "Too epic to be true" fällt in dieselbe Schiene. Gesanglich war Lenna wieder top und die beiden anderen nicht, inszenatorisch ... meeeeh. War irgendwie klar, dass Estland es nicht schafft, aber man hat es ja nicht mal versucht!
Bei Israel hab ich vor allem gezittert, dass die drei Minuten einigermaßen störungsfrei über die Bühne gingen. Taten sie auch, aber leider nur einigermaßen. Irgendein Knallkopp im Publikum brüllte die ganze Zeit irgendwelche Parolen (wie wir inzwischen wissen, wurde er aus der Halle entfernt - wie blöd kann man sein?!): Noam war stimmlich einwandfrei und hat sich nicht beirren lassen. Mit der Inszenierung kann ich absolut nichts anfangen, aber der Finaleinzug geht schon in Ordnung. Wird vom Producer platziert.
Belgien ist in Sachen Weiterkommen oder nicht irgendwie eine ganz besondere Art von Wundertüte. Ich glaube, kein Land hat so viele "sichere Weiterkommer", die dann doch rausgeflogen sind und "das kommt nie ins Finale"-Beiträge, die es dann doch geschafft habe. Hier haben wir dann mal wieder einen solchen. Beim Staging haben sie alles rausgeholt, was ging, Essyla hat toll gesungen. Auch wenn mir Lied und Ausstrahlung nach wie vor nicht zusagen: Das ist eine große Überraschung, aber verdient! Herzlichen Glückwunsch! Startet in Hälfte 1 im Finale.
Bel Litauen war ich mir eigentlich sicher, dass das in meinem Tipp kein Rohrkrepierer wird, dazu war es für meinen Geschmack einfach zu düster, zu kalt und zu unnahbar. Aber es hat seine Liebhaber gefunden, zum Beispiel Kind 1, die sich über das Weiterkommen sehr gefreut hat. Man muss ihm auch zugute halten, dass er sehr gut gesungen hat, auch wenn es am Ende stellenweise bedenklich in Richtung Schreien ging. Darf am Samstag in Hälfte 2 ran.
So viel Trash auf einen Haufen, wie uns San Marino hier präsentiert hat, das muss man auch erst mal schaffen. Ach, Senhit, hättest Du doch einfach zu Deinen beträchtlichen stimmlichen Fähigkeiten irgendwann mal einen adäquaten Song! Diesen Carcrash hat dann auch Boy George nicht mehr gerettet, im Gegenteil, seine Anwesenheit war komplett überflüssig und hat dem Ganzen eher geschadet. Nicht, dass da irgendwas zu holen gewesen wäre ...
Bei derart vielen stimmlichen Grenzgängern hatte Alicja aus Polen natürlich leichtes Spiel. Da fiel weder der Song noch die Klamotte ins Gewicht, gut dargebotene Stimmakrobatik bleibt eben das, da kann der Song noch so grottig sein. Startet am Samstag in Hälfte 2.
Serbien bedient ja in diesem Jahr eine ganz eigene Nische. Das ist schon gut gemacht, aber leider kam bei uns zu wenig rüber. Ich hab die ganze Zeit darauf gewartet, dass er endlich anfängt zu growlen. Insgesamt hat mich der Auftritt ein wenig unterwältigt. Ich hoffe, das wird bis Samstag noch besser.
Schauen wir noch auf die beiden fixen Finalisten in diesem Semi, die beide für Samstag vom Producer platziert werden:
Italien - du lieber Himmel, was bitte war das denn? Das war ja von vorn bis hinten seltsam. Man konnte nicht wegschauen, aber trotzdem war es fifty shades of schlimm. Und doch gehe ich davon aus, dass sie es wieder irgendwie schaffen, die Stimmen an sich zu ziehen. Für mich trotzdem der schwächste italienische Beitrag seit der Wiederkehr.
Und schlussendlich Sarah Engels für Deutschland - auch da war ich leider unterwältigt, was vor allem mit der stimmlichen Leistung zusammenhing und damit, dass sie stellenweise außer Puste war (und damit meinen Artikel von neulich komplett Lügen gestraft hat!). Ich hoffe, sie hat sich nur geschont für die Shows, wo es dann wirklich drauf ankommt. Dass sie sich vom Würfel hat fallen lassen, konnte man aufgrund der Kamera nur erkennen, wenn man es wusste. Da ist für Samstag dann doch noch ein bisschen Luft nach oben.
Alles in allem muss ich sagen: Es kann (und sollte!!) im zweiten Semi nur besser werden.
Bis dahin, erholt Euch gut!
PS: Völlig off topic, is aber egal: Lieber Alexander Rybak, alles Liebe und Gute zu Deinem 40.!
Das Juryfinale des ersten Semis ist vor ein paar Minuten zu Ende gegangen. Jetzt gibts keine Ausreden mehr. Es muss getippt werden. Und ich hab doch dieses Jahr sowas von GAR keine Ahnung ...
Aber das hatte ich die letzten 38 Semis auch nicht, und ich fürchte, es wird auch beim 39. Semi der Contestgeschichte für mich wieder keine zehn Richtige geben. Neun hatte ich schon einige Male, aber noch nie zehn. Immerhin hat man mindestens fünf Richtige, egal was kommt.
Fangen wir wie immer mit den einfachen Sachen an. Finnland und Griechenland sind beide durch, ohne Wenn und Aber. Einer von den beiden wird dieses Semi gewinnen, der andere wird Zweiter.
Ebenfalls durchkommen werden wohl Moldau und Israel.
Portugal dürfte direkt nach Griechenland für all diejenigen eine Wohltat sein, die mit dem griechischen Krach nichts anfangen können. Und da es wieder mal makellos gesungen wurde, dürfte es auch die Jurys bestechen. Ich sage: Portugal sehen wir am Samstag wieder.
Bei drei Beiträgen bin ich mir sicher, dass sie rausfliegen, nämlich San Marino (da kann Senhit noch so viele Boy Georges anschleppen, this is a mess), Estland (Lenna kann super singen, die beiden anderen leider nicht so, und sie tun es auch nicht) und Georgien (hatte ich eigentlich als sicheren Weiterkommer auf dem Zettel, bis ich den Probensnippet gesehen habe).
Für Belgien dürfte es ebenfalls schwer werden. Das Staging sieht zwar viel besser aus als erwartet, aber der Song ist halt einfach meh und Essyla zumindest für mich alles andere als eine Sympathieträgerin. Das wird sehr eng. Und da ich die restlichen sechs, die noch im Topf sind, alle als stärker ansehe, sage ich jetzt und hier, dass Belgien es nicht schaffen wird.
So, guck mal, neun haben wir schon abgefrühstückt, bleiben noch sechs, aus denen wir einen rausschmeißen müssen. Und diese Liste hat es aus verschiedenen Gründen in sich:
Schweden, Kroatien, Montenegro, Litauen, Polen, Serbien.
Das größte Augenreiben dürfte allgemein wohl auslösen, dass Schweden überhaupt in dieser Liste zu finden ist und von mir nicht direkt als sicherer Qualifikant gesehen wird. Aber mal ehrlich: Jedes andere Land, dass diesen Beitrag schicken würde, wäre sofort auf der Ausscheiderliste. Ich hab ein Déjà-vu zu 2010, als alle Anna Bergendahl weitergesehen haben, weil sie eben aus Schweden kommt. Felicia trägt Corona-Maske (oder was auch immer), ihre Stimme ist unangenehm, ihr Song ist ein abgestandener Kirmestechno aus den 90ern, und da glauben die, mit ein bisschen Lasershow und einer Riesen-Felicia im Backdrop durchzukommen? Come on!
Kroatien, Montenegro und Serbien retten einander vermutlich im Televoting gegenseitig, aber jeder von denen hat so seine eigenen Probleme. Kroatien war für mich eigentlich ein sicherer Weiterkommer, allerdings ist die Jury-Performance vorhin wohl nicht ganz so super gelaufen wie erhofft. Montenegro war von Anfang an auf der Grenze, aber es ist einer ihrer besten Beiträge. Ich fand den Probensnippet viel, viel besser als er überall gemacht wurde. Serbien - puh, am schwierigsten von den dreien. Das ist gut gemacht und hat auch eine günstige Startnummer, hat aber die kleinste Zielgruppe von allen Beiträgen dieses Jahr.
Obwohl, die Zielgruppe für Litauen ist noch kleiner. Die Silberbronze ist auch nicht für jeden. Aber der Song ist gut, der Effekt mit der Jacke ist gut, und vor allem singt Lion wirklich super. Allerdings hab ich da heute aus der Juryshow so Sachen gelesen ... puh.
Bleibt Polen. Der Song in seiner Ansichichkeit ist nach wie vor eine zusammenhanglose Ansammlung von Tönen, die eigentlich nur darauf ausgerichtet ist, Alicja einen Boden für ihre Stimmakrobatik zu geben. Allerdings funktioniert die Stimmakrobatik. Und das ist speziell im Juryfinale mehr, als man von einigen anderen sagen kann. Dazu kommt, dass mit Deutschland, Belgien und Litauen drei Länder in diesem Semi abstimmen, die Polen sehr gern mal sehr viele Punkte geben.
Obwohl ich mich diebisch freuen würde, wenn es Schweden oder Polen hier schrägen würde, fürchte ich, dass am Ende dann doch Litauen das Nachsehen haben wird.
That makes folgende Weiterkommer in order of appearance:
Und das war das leichtere Semi? UFFFFFF ... ob ich recht hab oder nicht und ob es mehr als fünf Richtige werden, sehen wir dann morgen Abend. Bis dahin eine gute Zeit, gehabt Euch wohl, und morgen ein tolles erstes Semi!
Angesichts dieser Überschrift wird sich der eine oder die andere von Euch wahrscheinlich verwundert die Augen reiben. Häää? Wieso soll ich der die Daumen drücken? Ich find den Song meh! Und Frau Fabian findet den Song doch auch meh! Frau Fabian wollte doch wavvyboi! Also wieso? Nur weil das der deutsche Beitrag ist? Und vorschreiben lass ich mir sowieso nix!!!!!11!111einself!!
Erklär ich Euch.
Für den Hardcore-ESC-Fan ist ja diese Zeit nicht nur die Zeit großer (Vor-)Freude, sondern unmittelbar vor und nach dem ESC auch die Zeit des großen Augenrollens. Wir kennen es doch alle: Man muss sich immer wieder dafür rechtfertigen, dass man diese Veranstaltung nicht nur schaut, sondern von ganzem Herzen liebt, und immer wieder muss man versuchen, falsche Wahrnehmungen zurechtzurücken. Das fängt bei "ist Deutschland mal wieder verdient Letzter geworden" an und hört bei "Ist doch eh alles Trash und die Wertung ist nur reine Politik" noch lange nicht auf. Es ist unglaublich ermüdend, sich das jedes Jahr aufs Neue wieder anzutun. Womöglich noch ermüdender ist vor und nach dem Event der Blick in die deutsche Presse.
Wer auf ESC kompakt unterwegs ist, hat sicher vor ein paar Tagen auch Douze Points Kommentar zu einem ESC-Artikel aus der Rheinischen Post gelesen. Es ist ja nun nix Ungewöhnliches, dass hierzulande nach Kräften auf dem ESC rumgehackt wird, bringt Klicks, geht leicht und man kann sich sicher sein, vielen Leuten nach dem Mund zu reden. Differenzierte Auseinandersetzung ist normalerweise (nicht immer!!) Fehlanzeige, vermutlich haben die Schreiberlinge [sic!] weder Zeit noch Lust, sich mit ihrem Sujet mal wirklich auseinanderzusetzen. Der Fairness halber muss man sagen, dass einem das in Deutschland auch verhältnismäßig schwer gemacht wird, speziell in diesem Jahr. Die deutschen Vorentscheidungen bieten in der Regel eher unterwältigende Beiträge, von denen ein großer Teil schlicht und einfach international nicht wettbewerbsfähig ist. Und dazu kommt noch, dass 2026 aus meiner Sicht generell ein eher schwacher Jahrgang ist.
Auch unser deutscher Song in diesem Jahr reiht sich da leider ein, "Fire" erfindet das Rad nicht neu, ist sozusagen songgewordene Nummer Sicher. Warum soll man dann trotzdem die Daumen halten? Zwei Worte als Antwort: Sarah Engels.
Sarah kann was. Sie kann singen, sie sieht toll aus, sie kann sich bewegen, sie hat eine Bombenausstrahlung und zumindest ich persönlich finde sie supersympathisch. Alles mal mindestens keine Nachteile. Sie will das hier unbedingt und hängt sich in das Projekt ESC voll rein. Sie setzt sich damit auseinander, sie ist selbstkritisch, offen für Kritik von außen, arbeitet an sich und ihrem Auftritt und tut, soweit ich weiß, alles dafür, aus ihrem Auftritt das Maximum rauszuholen. Sie geht mit unglaublich viel Energie und Freude in den ESC. Dass das alles vor allem in dieser Kombination nicht selbstverständlich ist, hatten wir in den vergangenen Jahren weiß Gott oft genug. Allein dafür gebührt ihr Dank.
Dazu kommt: Sie ist in Deutschland kein No-Name, vermutlich der bekannteste Act seit Cascada. Ja, ich weiß, sie kam aus einer Castingshow, ja, der Boulevard berichtet gern mal über sie, aber ganz blöde Frage: Wieso ist das ein Nachteil? Glaubt Ihr, das ist bei den ganzen schwedischen Mello-Acts so viel anders? Was sie mitbringt, ist ohne Ende Bühnen- und Fernseherfahrung, bei ihr muss man keine Angst haben, dass sie die Töne nicht trifft oder dass ihr am Ende die Puste ausgeht (hallo Jendrik!). Sie weiß ganz genau, was sie kann und was nicht und setzt das auch gezielt ein. Auch das ist mit Sicherheit kein Nachteil. Ich traue ihr zu, dass sie aus dieser Performance wirklich alles rausholt und über den leider wirklich nur mediokren Song hinaus daraus was Gutes macht. Paradebeispiel für einen solchen Vorgang ist für mich immer noch "Show me your love" (Ukraine 2006), was rein vom Song her eigentlich kein Song, sondern Arbeitsverweigerung war. Man hat es aber geschafft, durch ein cleveres Staging und vor allem durch Tina Karol selbst das Ganze auf Platz 7 zu hieven.
Man kann diese Bekanntheit ja auch an Sarahs Followerzahl von 1,8 Mio auf Insta sehen - weitaus mehr als jeder andere Act dieses Jahr und mehr als doppelt so viele wie der zweitplatzierte Boy George (!). Und auf dieser großen Reichweite teilt sie alles über das Projekt ESC, ihre Freude daran, wie sehr sie gerade dafür brennt und was das für ein tolles Event ist.
Leute, das ist doch das Beste, was uns deutschen ESC-Fans passieren kann! Vielleicht schafft Sarah es ja wirklich, mit ihrer Begeisterung und einer ordentlichen Platzierung (damit meine ich Top 15, was ich angesichts der Konkurrenz nach wie vor für absolut realistisch halte) da ein Umdenken in Gang zu bringen:
- dass sich bei den Deutschen in den Kopf setzt, dass das nicht nur ein Trashevent ist (was es in Teilen zugegebenermaßen ist, aber eben nicht nur!), sondern was viel Größeres,
- dass sich ein Großteil der deutschen Presse nicht immer benimmt, als sei das Berichten über den Wettbewerb eine lästige Pflichterfüllung, sondern etwas, worüber sich lohnt zu berichten
- und vor allem: Dass der Wettbewerb auch zunehmend wieder größere Namen anzieht und nicht nur Nischenbekanntheiten. Und dass der federführende Sender diese größeren Namen dann auch in den Vorentscheid lässt. Gerne auch mit mehreren Vorrunden. Dass diese größeren Namen auch sehen, dass man mit einer ordentlich geplanten Teilnahme am Wettbewerb und einem guten Song nicht verliert, sondern immer gewinnt, egal wie man abschneidet. Wievielte wurde Rosa Linn noch gleich? Finanziell geschadet hat ihr das auf keinen Fall! Allerdings muss man es ernst nehmen. Irgendwelchen Daddelkram da hinschicken, die Performance nicht durchdenken und dann hoffen, dass man ernstgenommen wird, wird nach wie vor nicht funktionieren. Aber das hat man ja selbst in der Hand.
Die Chance, dass dieses Umdenken einsetzen könnte, ist in diesem Jahr so groß wie selten zuvor. Und alleine aus diesem Grund werde ich Sarah die Daumen noch ein bisschen fester drücken.
Liebe Sarah, genieße Deine Zeit in Wien, hoffentlich auch mit schnell wieder aufgetauchtem Koffer! Mach was tolles draus! Hab auf jeden Fall heute eine supertolle erste Probe! Amaze us und bleib so offen und dem ESC zugewandt, wie Du die ganze Zeit schon warst! Danke für Deine Begeisterung!
So, nun sind wir so ziemlich durch mit allem, womit man jury-und televotingbezüglich in den Semis 2010-2022 so durch sein kann. Was bleibt denn festzuhalten? Ist es denn nun gut, dass die Jurys in den Semis zurückkommen?
Nuuun ...
Wie mein Leser Lucas schon schrieb: Jeder ESC-Fan hat ein ambivalentes Verhältnis zum Juryvoting. Okay, nicht JEDER, ich kenne mindestens eine sehr bekannte Ausnahme (hallo Oliver, Grüße gehen raus!). Aber wir haben jetzt über die Jahre ziemlich viele Varianten gesehen, wie es nicht geht. Dreimal in Folge Jurys raus aus den Semis, dreimal in Folge gewinnt der Jurysieger das Finale. Von gewissen Wettbewerbsverzerrungen durch die Jurys (nicht über alle wurde sich beschwert) will ich hier gar nicht anfangen.
Wenn man mal auf die Listen 4a und 4b schaut, kommt man dann doch ziemlich ins Grübeln. Wer gegen den Televoter-Willen weitergelassen wurde, hatte im Finale üblicherweise nicht so wirklich gute Karten. Anders sah es bei denjenigen aus, denen das Televoting den Hintern gerettet hat. Da finden sich dann doch etliche wieder, die am Ende in der Top Ten gelandet sind. Das spricht nicht für das Urteilsvermögen der Jurys!
Apropos: Consi saß ja 2021 in der deutschen Jury und hat später im Interview mit Alina und Stefan ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. War sehr interessant. Die Juror*innen bekommen nämlich tatsächlich einen Bewertungskatalog an die Hand, mit dessen Hilfe sie die Beiträge abklopfen sollen, und das ist offensichtlich gar nicht so einfach. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das auch nicht jedem bei jedem Beitrag so gelingt, wie es wünschenswert wäre. Hier wäre es ganz gut, wenn den Juror*innen ein bisschen mehr auf die Finger geschaut würde, wie auch immer das gehen soll.
Was auch ganz gut wäre: Den Einfluss der Jurys grundsätzlich ein wenig zu reduzieren. Die letzten drei Jahre waren in Sachen Finalergebnis absolut verheerend, sowas sollte sich nicht wiederholen. Warum keine 40/60-Lösung? Oder gern auch 25/75? (Fürs Protokoll: Der albanische Zahnarzt wäre in beiden Fällen ins Finale gekommen, das ist also keine Ausrede!) Wenn man schon will, dass wir unsere sauer verdienten Penunzen fürs Televoting rauskloppen, dann soll das auch eine Auswirkung haben. Wenn ein Televotingsieger über 100 Punkte mehr hat als der Jurysieger und es für den Sieg trotzdem nicht reicht, dann läuft einfach gewaltig was schief.
In diesem Jahr wird diese Schieflage so nicht mehr entstehen. Stattdessen dürfen wir uns dann später wieder drüber ärgern, welche aussichtsreichen Beiträge die Jurys im Semi rausgekickt haben :) Im Ernst: Es wäre überaus wünschenswert, dass auch mal wieder der Televotingsieger die Nase vorn hat - und das schreibe ich in dem Bewusstsein, dass meine Top 4 in diesem Jahr aus Australien, Frankreich, Kroatien und Tschechien besteht und zumindest die beiden Erstgenannten ganz gute Chancen auf den Jurysieg haben. Ach, wie de's machs, machse's doch verkehrt.
Und während ich dies hier schreibe, sind in Wien schon die Proben gestartet. Ich wünsche allen Teilnehmer*innen nur das Allerbeste, zeigt uns, was Ihr drauf habt! Und uns allen wünsche ich ein tolles Saisonfinale mit einem würdigen Sieger! Genießt die nächsten beiden Wochen! Wir lesen uns hier spätestens wieder, wenn es in anderthalb Wochen an die toten Servietten geht.
Wenn man sich die Listen in den vorangegangenen Artikeln so anschaut, dann könnte man ganz vielleicht und eventuell auf die Idee kommen, dass da manche Länder und Jahrgänge öfter in den Listen der Abschnitte 4 und 5 auftauchen als andere.
Stimmt.
Vorab: Es gibt kein einziges Semifinale zwischen 2010 und 2022, das nicht an irgendeiner Stelle in diesen Listen auftaucht. Allerdings gibt es, wie in den Artikeln vorher schon angedeutet, Semis, wo weitestgehend Einigkeit herrschte, und solche, wo das nicht der Fall war.
Das kontroverseste Semi war das erste Semi 2011, wo sich Jurys und Televoter über mehr als die Hälfte der Semifinalisten uneinig waren. Bei sage und schreibe 10 von 19 Beiträgen lag man in der Bewertung "Weiterkommer oder nicht" auseinander. Am wenigsten kontrovers war das zweite Semi 2021, wo man sich bei 15 der 17 Beiträge einig war. Nach Jahren beurteilt waren 2011 und 2013 die kontroversesten Jahre, wo man sich jeweils bei ca. 42% der Beiträge uneinig war. 2021 dagegen war mit nur 18% Uneinigkeit das am wenigsten kontroverse Jahr.
Generell geht der Trend aufgrund der in den letzten Jahren tendenziell kleiner werdenden Semis zu mehr Einigkeit bei Jurys und Televotern; je weniger Beiträge so ein Semi hat, desto weniger weit können Jurys und Televoter auseinander liegen. Bei 19 zu bewertenden Beiträgen müssten sie theoretisch nur bei einem Beitrag übereinstimmen, sind aber nur 15 im Semi, wären es schon fünf. So gesehen war 2013 aufgrund der kleineren Anzahl Semifinalisten das kontroverseste Jahr aus der Liste, da es hier im Vergleich zu 2011 weniger Möglichkeiten zur Uneinigkeit gab.
(Das ist übrigens wie mit der Trefferquote in den Semis: Wenn ich nur 15 Semifinalisten habe, habe ich auf jeden Fall 5 Weiterkommer richtig. Bei 19 Semifinalisten wäre es nur einer. Bei 20 könnte ich alle falsch haben.)
Es gibt auch kein einziges Land, das zwischen 2010 und 2022 an mindestens einem Semifinale teilgenommen hat und nicht in einer dieser Listen zu finden ist. So gesehen hat es jeden mal irgendwann erwischt. Australien, Griechenland, Island, Lettland, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Schweden, die Ukraine und Zypern tauchen nur jeweils einmal auf, während es Malta auf satte sieben Einträge bringt, Rumänien, Polen und die Schweiz stehen sechs mal in der Liste. Der Rest liegt irgendwo dazwischen.
So weit, so uninteressant. Uneinigkeit per se heißt ja noch gar nichts. Viel interessanter ist doch: Gibt es Länder, die sich freuen sollten, dass die Jurys zurückkehren? Und gibt es auf der anderen Seite welche, die schon bibbern, weil bei den Jurys für sie nichts zu holen ist?
Dafür hab ich mir mal angeschaut, wer in den "Uneinigkeits-Listen" vor allem von der Jury und wer vor allem vom Televoting bevorzugt wurde. Und da ergibt sich dann folgendes Bild:
Wer genau mitgezählt hat, dem wird auffallen, dass da ein Beitrag fehlt. Dieser Beitrag ist ein Sonderfall und als solcher einer, den es meiner Meinung nach gar nicht geben dürfte (also den Sonderfall, nicht den Beitrag). Und zwar geht es um
Kroatien 2021: Albina - Tick Tock.
Obwohl Sofi Marinova seinerzeit die gleiche Punktzahl hatte wie Tooji und nur deshalb nicht ins Finale gekommen ist, weil sie in der Jury-/Televoting-Kombi nur von zehn Ländern Punkte bekommen hat und der Norweger von elf, ist Albina für mich die tragischste Ausscheiderin aller bisherigen Semifinals. Denn: Die Jury hatte sie auf Platz 10. Die Televoter gar auf Platz 9. Trotzdem hat das in der Gesamtabrechnung nur für Platz 11 gereicht, eine, wie ich finde, überaus unglückliche Verwerfung. Wenn dich beide weiterwollen, dann solltest du doch auch weiterkommen!
Glücklicherweise hatten wir das bisher nur einmal, auch wenn das schon ein Mal zu viel ist. Die Frage ist aber: Kann sowas öfter vorkommen? Und wenn ja, in welchem Ausmaß?
Ich hab mal ein bisschen rumgespielt und muss Euch leider sagen: Ja, das kann vorkommen. Auch in größerem Ausmaß. Bisher hatten wir (Albina ausgenommen) wohl einfach Glück.
Nehmen wir einfach mal die Situation an, die wir im ersten Semi haben, sprich, 15 Länder nehmen teil, dazu zwei Fixstarter, die dort voten dürfen, plus Rest of the world im Televoting. Und dann schaut Euch mal folgende Grafik an:
Nun wirds Zeit für Eure Blutdrucktabletten. Und meine.
Die Jurys haben gegen den Willen der Televoter folgende Beiträge rausgekegelt:
Finnland 2010: Kuunkuiskaajat - Työlki ellää
Litauen 2010: InCulto - East European Funk
Schweden 2010: Anna Bergendahl - This Is My Life
Norwegen 2011: Stella Mwangi - Haba haba
Armenien 2011: Emmy - Boom Boom
Türkei 2011: Yüksek Sadakat - Live It Up
Belarus 2011: Anastasia Vinnikova - I Love Belarus
Schweiz 2012: Sinplus - Unbreakable
Niederlande 2012: Joan Franka - You and Me
Bulgarien 2012: Sofi Marinova - Love Unlimited
Kroatien 2013: Klapa s mora - Mižerja
Montenegro 2013: Who See ft. Nina Žižić - Igranka (lag im Televoting auf Platz 4!)
Bulgarien 2013: Elitsa Todorova und Stoyan Yankulov - Samo shampioni
Schweiz 2013: Takasa - You and Me (lag im Televoting auf Platz 5!)
Portugal 2014: Suzy - Quero ser tua
Irland 2014: Can-Linn feat. Kasey Smith - Heartbeat
Finnland 2015: Pertti Kurikan Nimipäivät - Aina mun pitää
Tschechien 2015: Marta Jandová u. Václav Noid Bárta - Hope Never Dies
Bosnien und Herzegowina 2016: Dalal & Deen feat. Ana Rucner & Jala - Ljubav je…
Belarus 2016: Ivan - Help You Fly
Mazedonien 2016: Kaliopi - Dona
Finnland 2017: Norma John - Blackbird
Schweiz 2017: Timebelle - Apollo
Estland 2017: Koit Toome & Laura - Verona
Griechenland 2018: Gianna Terzi - Oniro Mou
Polen 2018: Gromee feat. Lukas Meijer - Light Me Up
Polen 2019: Tulia - Fire of Love (Pali się)
Litauen 2019: Jurij Veklenko - Run with the Lions
Dänemark 2021: Fyr og Flamme - Øve os på hinanden
Albanien 2022: Ronela Hajati - Sekret
Zypern 2022: Andromache - Ela
Na, noch wer Schnappatmung angesichts dieser Liste? Da weiß man echt gar nicht, wo man anfangen soll. Deshalb fang ich lieber auch gar nicht an damit, sondern beschränke mich auf einige generelle Anmerkungen.
Der krasseste Fall in dieser Liste ist ohne Frage Montenegro 2013, gefolgt von der Schweiz 2013. Wer auf Platz 4 im Televoting liegt und trotzdem rausfliegt, hat ein ganz besch!")(/§$() Votingsystem erwischt. Eigentlich dürfte es sowas gar nicht geben. Uneigentlich auch nicht. Für die Schweiz 2013 mit Platz 5 im Televoting gilt dasselbe. Man kann von denen halten, was man will, aber was Recht ist, muss Recht bleiben.
Natürlich gibt es auch in dieser Liste welche, wo die Jury dann doch ausgleichendes Korrektiv war. Türkei und Armenien 2011 kommen da als erstes in den Sinn. Und was Schweden 2010 angeht: Ich kann mich noch erinnern, dass viele damals gesagt haben, dass sie es eigentlich draußen sehen, aber is ja Schweden. Nun, mit reinem Televoting lägen die Schweden noch heute bei 100% (und die Ukraine nicht). So ändern sich die Zeiten.
Aber genug davon. Ein Semibeitrag fehlt nämlich noch, aber dessen Schicksal ist so tragisch, dass mir das einen eigenen Beitrag wert ist.
So, heute können wir uns noch ein bisschen aufregen. Denn die Televoter haben die Tür zum Finale für folgende Beiträge zugesperrt, die die Jurys drin haben wollten:
Estland 2010: Malcolm Lincoln & Manpower 4 - Siren
Malta 2010: Thea Garrett - My Dream
Mazedonien 2010: Gjoko Taneski - Jas ja imam silata
Malta 2011: Glen Vella - One Life
San Marino 2011: Senit - Stand By
Belgien 2011: Witloof Bay - With Love Baby
Slowakei 2011: Twiins - I’m Still Alive
Israel 2012: Izabo - Time
Kroatien 2012: Nina Badrić - Nebo
Georgien 2012: Anri Jokhadse - I’m a Joker
Österreich 2013: Natália Kelly - Shine (Platz 5 bei den Jurys!)
San Marino 2013: Valentina Monetta - Crisalide (Vola)
Israel 2013: Moran Mazor - Rak bishvilo
Estland 2014: Tanja - Amazing
Albanien 2014: Hersi - One Night’s Anger
Mazedonien 2014: Tijana Dapčević - To the Sky
Niederlande 2015: Trijntje Oosterhuis - Walk Along
Belarus 2015: Uzari u. Maimuna - Time
Irland 2015: Molly Sterling - Playing with Numbers
Malta 2015: Amber - Warrior
Montenegro 2016: Highway - The Real Thing
Slowenien 2016: ManuElla - Blue and Red
Georgien 2017: Tamara Gachechiladze - Keep the Faith
Tschechien 2017: Martina Barta - My Turn
Serbien 2017: Tijana Bogićević - In Too Deep
Malta 2017: Claudia Faniello - Breathlessly (0 Punkte vom Televoting!)
Belgien 2018: Sennek - A Matter of Time
Schweiz 2018: ZiBBZ - Stones
Rumänien 2018: The Humans - Goodbye
Malta 2018: Christabelle - Taboo (Platz 5 bei den Jurys!)
Lettland 2018: Laura Rizzotto - Funny Girl
Ungarn 2019: Joci Pápai - Az én apám
Moldau 2019: Anna Odobescu - Stay
Rumänien 2019: Ester Peony - On a Sunday
Rumänien 2021: Roxen - Amnesia
Kroatien 2022: Mia Dimšić - Guilty Pleasure
Nordmazedonien 2022: Andrea - Circles
Habt Ihr alle Eure Beruhigungsmittel im Anschlag? Könnte sein, dass ihr sie hier braucht!
Die Televoter haben folgenden Beiträgen gegen den Willen der jeweiligen Semi-Jurys ins Finale verholfen:
Moldau 2010: SunStroke Project & Olia Tira - Run Away
Russland 2010: Peter Nalitch & Friends - Lost and Forgotten
Belarus 2010: 3+2 feat. Robert Wells - Butterflies
Russland 2011: Alex Sparrow - Get You
Georgien 2011: Eldrine - One More Day
Bosnien und Herzegowina 2011: Dino Merlin - Love in Rewind
Moldau 2011: Zdob și Zdub - So Lucky
Island 2012: Greta Salóme & Jónsi - Never Forget
Türkei 2012: Can Bonomo - Love Me Back
Norwegen 2012: Tooji - Stay
Litauen 2013: Andrius Pojavis - Something
Ungarn 2013: ByeAlex - Kedvesem (Zoohacker Remix)
Rumänien 2013: Cezar - It’s My Life (Platz 1 im Televoting!)
Russland 2014: Tolmachevy Sisters - Shine
San Marino 2014: Valentina Monetta - Maybe
Polen 2014: Donatan & Cleo - My Słowianie (We Are Slavic)
Armenien 2015: Genealogy - Face the Shadow
Serbien 2015: Bojana Stamenov - Beauty Never Lies
Montenegro 2015: Knez - Adio
Polen 2015: Monika Kuszyńska - In the Name of Love
Österreich 2016: ZOË - Loin d’ici
Polen 2016: Michał Szpak - Color of Your Life
Belgien 2017: Blanche - City Lights
Polen 2017: Kasia Moś - Flashlight
Rumänien 2017: Ilinca feat. Alex Florea - Yodel It!
Kroatien 2017: Jacques Houdek - My Friend
Litauen 2018: Ieva Zasimauskaitė - When We’re Old
Finnland 2018: Saara Aalto - Monsters
Serbien 2018: Sanja Ilić & Balkanika - Nova deca
Dänemark 2018: Rasmussen - Higher Ground (Platz 1 im Televoting!)
Ungarn 2018: AWS - Viszlát Nyár
San Marino 2019: Serhat - Say Na Na Na
Albanien 2019: Jonida Maliqi - Ktheju Tokës
Norwegen 2019: KEiiNO - Spirit in the Sky (Platz 1 im Televoting!)
Norwegen 2021: TIX - Fallen Angel
Aserbaidschan 2021: Efendi - Mata Hari
Moldau 2022: Zdob și Zdub & Advahov Brothers - Trenulețul
Rumänien 2022: WRS - Llámame
So, jetzt kommen endlich die spannenden Sachen!
Heute schauen wir, wer seinen Finaleinzug den Jurys zu verdanken hat und wen die Televoter rausgekickt hätten. Als da wären:
Bosnien und Herzegowina 2010: Vukašin Brajić - Thunder and Lightning
Israel 2010: Harel Skaat - Milim
Irland 2010: Niamh Kavanagh - It’s for You
Serbien 2011: Nina - Čaroban
Schweiz 2011: Anna Rossinelli - In Love for a While
Litauen 2011: Evelina Sašenko - C’est ma vie (Jurysieger im Semi!)
Estland 2011: Getter Jaani - Rockefeller Street
Ungarn 2012: Compact Disco - Sound of Our Hearts
Malta 2012: Kurt Calleja - This Is the Night
Ukraine 2012: Gaitana - Be My Guest
Estland 2013: Birgit - Et uus saaks alguse
Moldau 2013: Aliona Moon - O mie
Armenien 2013: Dorians - Lonely Planet
Georgien 2013: Nodi Tatishvili und Sopho Gelovani - Waterfall
Aserbaidschan 2014: Dilara Kazimova - Start a Fire
Malta 2014: Firelight - Coming Home
Ungarn 2015: Boggie - Wars for Nothing
Aserbaidschan 2015: Elnur Huseynov - Hour of the Wolf
Tschechien 2016: Gabriela Gunčíková - I Stand
Israel 2016: Hovi Star - Made of Stars
Georgien 2016: Nika Kocharov & Young Georgian Lolitaz - Midnight Gold
Australien 2017: Isaiah - Don’t Come Easy
Österreich 2017: Nathan Trent - Running on Air
Dänemark 2017: Anja Nissen - Where I Am
Albanien 2018: Eugent Bushpepa - Mall
Niederlande 2018: Waylon - Outlaw in ’Em
Belarus 2019: ZENA - Like It
Dänemark 2019: Leonora - Love Is Forever
Belgien 2021: Hooverphonic - The Wrong Place
Albanien 2021: Anxhela Peristeri - Karma
Schweiz 2022: Marius Bear - Boys Do Cry
Aserbaidschan 2022: Nadir Rüstəmli - Fade to Black (0 Punkte beim Televoting im Semi!)
So, jetzt noch das letzte Paket Rausflieger, bevor endlich die wirklich interessanten Sachen kommen.
Erstes Semi 2018:
Zweites Semi 2018:
Erstes Semi 2019:
Zweites Semi 2019:
Erstes Semi 2021:
Zweites Semi 2021:
Erstes Semi 2022:
Zweites Semi 2022:
Weiter gehts mit dem nächsten Vierjahrespackerl:
Erstes Semi 2014
Zweites Semi 2014
Erstes Semi 2015
Zweites Semi 2015
Erstes Semi 2016
Zweites Semi 2016
Erstes Semi 2017
Zweites Semi 2017
Na, könnt Ihr noch? War viel Statistik für überschaubares Ergebnis, ich weiß. Bei den Weiterkommern gab es, wie wir gesehen habe, viel Einigkeit zwischen Jurys und Televotern. Gleiches gilt natürlich auch für die Rausflieger bei beiden Gruppen. Auch hier sind es zu viele für ein Posting, deshalb teile ich es auf drei auf. Mal sehen, ob was Interessantes dabei ist:
Erstes Semi 2010:
Zweites Semi 2010:
Erstes Semi 2011:
Zweites Semi 2011:
Erstes Semi 2012
Zweites Semi 2012
Erstes Semi 2013
Zweites Semi 2013
Und die letzten drei Jahre - wir erinnern uns, da war ja was in 2020. Oder vielmehr: Nix.
Erstes Semi 2019:
Zweites Semi 2019:
Erstes Semi 2021:
Zweites Semi 2021:
Erstes Semi 2022:
Zweites Semi 2022:
Weiter gehts mit der dritten Packung, mal sehen, ob wir da spannende Sachen finden und wenn ja was:
Erstes Semi 2016:
Zweites Semi 2016:
Erstes Semi 2017:
Zweites Semi 2017:
Erstes Semi 2018:
Zweites Semi 2018:
2016 kauf ich alles so. 2017 hat zwei kleinere Überraschungen, nämlich Griechenland und Israel. Da hätte ich bei beiden vorher gedacht, dass sie mehr kämpfen müssen. Dafür hat 2018 zwei große Überraschungen, nämlich Slowenien, wo wohl vorher auch keiner mit dem Durchwinken beider Gruppen gerechnet hätte (hier hat mich besonders die Jury überrascht) und Irland. Das im Vorfeld völlig unerwartete Weiterkommen von "Together" hat mir bekanntlich einen meiner schönsten Eurovisionsmomente ever beschert. Ich weiß, dass sich viele darüber heute noch wundern, aber wie Ihr seht: Das waren nicht nur die Jurys, die Televoter hat es ebenfalls überzeugt!
Interessant auch noch, dass sowohl die Ukraine 2018 als auch Schweden 2018 in dieser Liste auftauchen. Wenn Ihr Euch erinnert: Im Finale sind die Ukraine bei der Jury und Schweden beim Televoting ja bekanntlich gnadenlos abgeschmiert. Es kann sich also vom Semi bis zum Finale noch einiges verschieben. Spoiler: Es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir sowas feststellen.
Ab 2013 gab es ja eine Änderung, die durch die gleichzeitige Startreihenfolgenfestlegungfestlegung ein bisschen untergegangen ist, aber letztlich die gravierendere der beiden Änderungen war. Ab 2013 wurden nämlich die Beiträge komplett durchgerankt. Es gab nicht mehr die Plätze 1-10 und alles dahinter ist Platz 11, sondern die Plätze 11 bis 26 wurden ebenfalls ermittelt - mit gewaltigen Folgen, wie wir später noch sehen werden.
In den Jahren 2013 bis 2015 wurden folgende Beiträge von beiden Gruppen durchgelassen:
Erstes Semi 2013:
Zweites Semi 2013:
Erstes Semi 2014:
Zweites Semi 2014:
Erstes Semi 2015:
Zweites Semi 2015:
So, hier sieht es doch schon mal gleich spannender aus. Da hätten wir zum Beispiel Bobby Prettypink aus Belgien 2013, den vorher kein Mensch im Finale erwartet hätte. Auch dass der Käsekuchen aus Belarus sowie das Märchenkleid aus Slowenien 2014 von beiden Gruppen das Go bekommen haben, war nicht unbedingt abzusehen. 2015 überrascht hingegen wenig, am ehesten vielleicht noch Griechenland.
Insgesamt waren sich Jurys und Televoter vor allem 2014 relativ einig - je mehr Beiträge hier aufgeführt sind, desto einiger waren sie sich. Natürlich schauen wir am Ende auch darauf, wo sie sich am einigsten waren und wo die größten Verwerfungen waren.