Freitag, 15. Mai 2026

Startnummernanalyse und aktueller Wettquotenstand

Ich warne Euch vor: Seit heute Nacht, ca 2:40 hab ich Blutdruck. Und Puls. Und BRAST. Im Überfluss.

Seit etwa dieser Uhrzeit ist die Startreihenfolge bekannt, und so richtig eingekriegt darüber hab ich mich immer noch nicht. Eine Frage an die Produktion: HABT IHR EIGENTLICH LACK GESOFFEN? Wer auch immer daran beteiligt war: Ich wünsche Euch für die nächsten 48 Stunden einen harmlosen, aber nervigen Juckreiz an einer Stelle, wo Ihr Euch nicht kratzen könnt!

"Ein guter Beitrag kann von überall aus gewinnen" wurde mir heute Nacht auf meinen dortigen Rant im entsprechenden Beitrag bei ESC kompakt mitgeteilt. Das Problem hier ist nur: Wir HABEN heuer keine guten Beiträge. Wir haben kein "Fairytale". Kein "Euphoria". Kein "Amar pelos dois". Kein "Arcade". Nix dergleichen in Sicht. Umso wichtiger wäre es gewesen, die Startnummern mit Sorgfalt zu verteilen.

Schauen wir uns das Elend mal an, und ich geb Euch zusätzlich den aktuellen Wettquotenstand (zum Zeitpunkt, als ich den Artikel angefangen habe, inzwischen hat sich schon wieder einiges bewegt, die von mir beschriebenen Tendenzen gelten aber weiterhin).

Gleich bei Startnummer 1 geht mein Blutdruck in bedenkliche Höhen. Dänemark eröffnet nämlich, und obwohl der Beitrag allgemein sehr hoch gehandelt wurde und ihm auch eine gewisse Siegchance zugeschrieben wurde, raubt man ihm damit sämtliche Chancen. In den Wettquoten fällt er natürlich gerade wie ein Stein; hatte er vor der Startreihenfolge noch 10% Siegeschance als Vierter, liegt er Stand jetzt (11:05 Uhr) auf Platz 6 mit lediglich 4%, und die Talfahrt dürfte noch nicht zu Ende sein. 

Auf Startplatz 2 kommt Schland. Damit müssen wir leben, wir haben an 68 der restlichen 69 Song Contests teilgenommen und sind noch nie auf dem Todesslot gestartet. Wir waren wohl einfach mal dran; mit dem Sieg werden wir eh nix zu tun haben. Hoffentlich gibt es trotzdem eine anständige Platzierung, auch wenn das zwischen Dänemark und Israel völlig untergehen könnte.

Israel hat Startplatz 3. Joo. Es wird in diesem Falle egal sein. In den Wetten jetzt auf Platz 4 mit  7% Siegeswahrscheinlichkeit. Wenn es so kommt, bin ich einigermaßen fein damit, nur als Gewinner wäre das ziemlich problematisch.

Auf Platz 4 kommt Belgien, auch das war zu erwarten. Ist ein guter Kontrast zu den beiden Beiträgen drumherum, das ist okay. Bei den Bookies auf Platz 24, aber ich denke, sie werden etwas besser abschneiden und sind wahrscheinlich einfach erst mal froh darüber, das Finale geknackt zu haben.

An Startplatz 5 haben wir Albanien, das vermutlich das erste Ausrufezeichen des Abends setzen wird. Wenn man die 1 ausnimmt, haben wir bis hierher zumindest noch eine gewisse Logik. Das ändert sich gleich. Alis liegt bei den Bookies auf Platz 17, dürfte aber leicht besser abschneiden.

Der nächste, der mich total aufregt, ist Griechenland auf Startplatz 6. Für einen Mitfavoriten ist das wirklich nicht gut. Es ist zwar ein Kontrast zu Albanien direkt davor und der Ukraine danach, kommt aber viel zu früh! Auch er befindet sich auf Talfahrt. Ist zwar bei den Bookies bislang noch auf Platz 3, aber die Siegeswahrscheinlichkeit liegt nur noch bei 7%. Am Montag waren es noch 21%.

Ukraine besagtermaßen auf Startplatz 7, und das ist auch okay. Bei den Bookies auf Platz 12, könnte aber die Top Ten noch knacken.

Startplatz 8 geht an Australien, und das ist für mich der nächste Aufreger. Ja, die 8 hat in der Vergangenheit einige Sieger hervorgebracht, aber das ist fast 30 Jahre her. Auch hier: Viel zu früh. Liegt bei den Bookies auf Platz 2 mit immerhin noch 15% und bleibt da auch stabil, aber wirklich helfen tut das jetzt nicht. Ich prophezeie trotzdem: Das gewinnt.

Nachdem bei Australien der Kontrast nach vorne nicht funktioniert hat, funktioniert er wenigstens nach hinten. Auf Startplatz 9 kommt nämlich Serbien. Die sind bei den Bookies auf Platz 19 und werden auch etwa so einlaufen.

Auf der 10 startet Malta. Kommt nach Serbien maximal gut. Auf Platz 10 liegt er auch bei den Bookies, aber ich denke fast, das ist etwas zu hoch gegriffen. Linke Seite könnte aber klappen.

Nicht nur bei der Startnummer, sondern auch bei den Bookies liegt Tschechien auf Platz 11. Wenn es so kommt, wäre ich überglücklich, ich bin aber noch skeptisch.

Auf Startnummer 12 dann wieder etwas Schnelleres, Lauteres, nämlich der Bangaranga aus Bulgarien. Die haben sich gestern bei den Bookies nach oben gearbeitet. Liegen derzeit auf Platz 8, aber ich denke, es könnte noch höher gehen.

Die letzte Startnummer der ersten Hälfte haben die Kroatinnen, die man im Grunde überall hätte platzieren können, wäre ein Kontrast zu jedem gewesen. Liegen bei den Bookies auf Platz 15 und werden auch vermutlich irgendwo in der Gegend einlaufen.

Die zweite Hälfte wird auf Startplatz 14 eröffnet vom Vereinigten Königreich, und wenn der schon zweite Hälfte gezogen hat, gehört er genau da hin. Liegt bei den Bookies auf Platz 20, weil die Briten halt nun mal gerne wetten, aber alles andere als ein letzter Platz wäre für mich schon eine große Überraschung.

Und prompt der nächste Aufreger, denn mit Startplatz 15 hat man die Französin ebenfalls versenkt. Auch bei ihr gehen die Quoten runter, sie liegt Stand jetzt auf Platz 9 (sie war auch schon mal zweite), und ich bin gespannt, ob es dabei bleibt oder noch weiter runtergeht.

Startplatz 16 hat noch nie gewonnen, und das wird auch so bleiben, obwohl Moldau im Semi wirklich überzeugt hat. Liegt bei den Bookies auf Rang 13, könnte aber an der Top Ten kratzen.

Vor 20 Jahren gewann von Startplatz 17 aus ein Haufen wild grölender Monster (bis heute einer meiner Lieblingssieger!). Heuer hat man ihre Landsleute, mit 43% Siegeswahrscheinlichkeit seit vielen Wochen Top-Favorit der Bookies, dort hin platziert. Ja, ich weiß, die 17 hat mehr Sieger hervorgebracht als jede andere Startnummer, aber ich bin trotzdem nicht glücklich damit, weil seit der händischen Startnummernvergabe alle Sieger bis auf Emmelie in ihrer jeweiligen Starthälfte unter den letzten fünf Startern waren. Mal sehen, ob es dabei bleibt (dann bleibt nur noch ein Top-Favorit übrig) oder ob die Finnen das Gesetz heuer brechen.

Auf Startplatz 18 hinter den Finnen ist für Polen nix zu holen. Aber das wäre es von keinem Startplatz aus, da kann die Stimme noch so toll sein. Bei den Bookies auf Platz 21, und viel mehr wird es auch in der Endabrechnung nicht werden.

Einen Platz dahinter in der Reihenfolge und bei den Bookies liegt Litauen. Zwei langsamere Songs hintereinander, kann man machen, wenn es nicht ab Platz 20 noch mal so richtig rundgehen würde.

Ab jetzt wird es nämlich wild. Auf Startplatz 20 der Kirmestechno aus Schweden. Bei den Bookies steht das auf Platz 14, befindet sich ebenfalls im freien Fall, und in diesem Falle ist das auch gut so.

Noch nicht so ganz im freien Fall, warum auch immer, haben wir auf Startplatz 21 Zypern. Bei den Bookies ist sie noch auf Platz 16, warum auch immer. Wenn es Gerechtigkeit auf der Welt gibt, dann schafft sie das nicht!

Auf der 22 sitzt Italien als einziger nicht ganz so wilder Song in den letzten sechs Startplätzen. So viel zum Thema Dramaturgie. Es wird Sal nicht schaden, zwischen zwei eher mäßigen Beiträgen anzutreten. Vielleicht geht ja doch noch was für Italien? Bei den Wetten auf Platz 7, es geht aber tendenziell eher runter als hoch. Hiermit auf Platz 7 zu kommen wäre ja auch schon eine Leistung.

Nach Italien kommt auf der 23 Norwegen, wieder so ein Beitrag, den ich im Finale absolut nicht gebraucht hätte. Bei den Bookies liegt er auf einem recht schmeichelhaften 18. Platz, und er kann froh sein, wenn er den erreicht, denn:

Danach kommt endlich mal ein Top-Favorit, der eine anständige Startnummer bekommen hat, nämlich Rumänien. Die sind seitdem richtig im Aufwind, bei den Bookies derzeit auf Platz 5, und das wird es in der Endabrechnung auch MINDESTENS. Kann das gewinnen? Durchaus, wenn sich die Leute nicht von der umstrittenen Titelzeile abschrecken lassen. Ja, ich weiß, da lag ich mit meiner Ersteinschätzung komplett daneben. Na und?

Den Abschluss macht, wie ausgelost, Österreich. Auch bei den Bookies. Sehr weit nach oben wird es nicht gehen, aber ich denke, Letzter werden sie nicht, dazu macht die Nummer auch zu viel Spaß.

Normalerweise kann ich eine Startreihenfolge eigentlich ganz gut lesen, aber hier weiß ich, dass ich nichts weiß. Aber das Schöne ist: Wir wissen alle nix. In etwa 35 Stunden sind wir schlauer.

Bis dahin: Genießt die Zeit, bis es morgen dann wirklich ernst wird. Liebe Sarah, lieber Cosmo: Wir drücken Euch alle Daumen, die wir haben, und die großen Zehen noch dazu. Macht das Beste daraus!

Blitznachlese Semi 2

Ich glaube. ich sollte das mit dem Tippen einfach drangeben. Ganze sieben Richtige, obwohl ich, hätte ich mich an meine Erstprognose gehalten, neun hätte haben können. Hätte ich mich an die Bookies gehalten, wären es zehn gewesen. 40 getippte Semis und nicht ein einziges Mal 10/10, das müsst Ihr mir erst mal nachmachen!

Aber ansonsten war das zweite Semi weitaus pläsierlicher als das erste, wenn auch das Ergebnis einigen Diskussionsstoff lieferte. Auf das Drumherum möchte ich gar nicht weiter eingehen, Moderation war immer noch ausbaufähig, die Bühne immer noch wunderschön, das Pausenprogramm eher übersichtlich spannend - mit einer sehr deutlichen Ausnahme, nämlich dem neuen Song von JJ. Der hat uns richtig, richtig gut gefallen, und ich freu mich schon auf seinen Auftritt am Samstag.

Schauen wir auf die Beiträge.

Bulgarien war ein Opener nach Maß, die haben mächtig Rabbatz gemacht. Es ist immer noch nicht mein Song, aber das war ein überzeugender Auftritt, und das Finale geht natürlich völlig in Ordnung. Wird vom Producer platziert.

Genauso in Ordnung geht der Rausschmiss von Aserbaidschan, der wohl niemanden überrascht haben dürfte. Die Blut-Tränen sollten das Thema wohl unterstreichen, wirkten aber zusätzlich zum langweiligen Song und uninspirierten Auftritt aber einfach nur merkwürdig.

Rumänien war besser als alle Beiträge des ersten Semis zusammen. Der Auftritt war mal echt eine Ansage - und das ganz ohne große Props! Merkwürdigerweise gaben die Wetten danach leicht nach, warum auch immer. Egal, wird am Samstag vom Producer platziert.

Luxemburg - ja, Gott, sie lächelt wirklich sehr süß, aber gesanglich war das nicht besonders gut. Wenn man ohnehin keine Chance hat, ist man gut beraten, diese minimale Chance auch zu nutzen. Das hat Eva leider nicht geschafft.

Boah, da muss man warten und zittern bis zum letzten Moment! Tschechien hat es ja eh immer ein bisschen schwerer, aber ich wäre schockiert gewesen, wenn es dieses Jahr schon wieder nicht geklappt hätte. Aber es hat ja geklappt, und diesbezüglich ist zumindest meineeine sehr happy. Startet in Hälfte 1.

Armenien - ja gut, ein dreiminütiges Radaufestival. Ich hätte gedacht, dass das nach Frankreich etwas besser ankommt. Aber gut - war dann wohl nicht so.

Für die Schweiz hat es mir ein bisschen leid getan. Das war sehr gut gesungen und auch gut und überzeugend präsentiert, aber der Song war wohl zu nischig.

So, und jetzt muss ich durchatmen. Bittschön, liebe Zyprer, das war kein Gesang, das war ja fast schon Arbeitsverweigerung! Ich muss echt überlegen, wann ich mal über eine Qualifikation so verstimmt war. 2005 bei Martin Vucic vermutlich. Und dann kriegt sie auch noch Hälfte 2.

Und das alles auf Kosten eines besseren Beitrags. Lettland zum Beispiel. Trauerfall in diesem Semi. Makellos gesungen und doch nicht weitergekommen. Ewig schade, ich hätte es diesem berührenden Song sehr gegönnt, am Samstag noch mal dargeboten zu werden.

Dargeboten wird aber auf jeden Fall Dänemark. Auch wenn mich der Song immer noch nicht sonderlich toucht: Das war schon sehr, sehr gut. Startet in Hälfte 1.

Und dann zumindest für mich persönlich der absolute Höhepunkt dieses Semis. Delta kam, sang und wird vermutlich gesiegt haben. Möglicherweise auch am Samstag. Gell, EBU, Ihr überlegt schon, wo der ESC im Falle eines australischen Sieges stattfindet? In 48 Stunden könnte die Frage, wenn es nach mir geht, relativ dringlich werden! Australien startet in Hälfte 1.

Auch die Ukraine war zumindest in den ersten knapp zweieinhalb Minuten überzeugend, auch wenn ich das Styling aus der Vorentscheidung besser fand. Leider ist Leleka beim hohen Ton die Luft ausgegangen, und dann kam das auch noch im SDL! Aber egal, es hat dennoch geklappt mit dem Finale. Sie wird vom Producer platziert.

Albanien hatte ich eigentlich als Ausscheider auf dem Zettel, und zumindest inszenatorisch fand ich es auch durchaus problematisch. Aber dieser Anfang pustet einen dermaßen weg, dass man über die Inszenierung hinwegsieht. Und dann zieht Alis auch noch die Brille ab - mei, ist das ein hübscher Kerl! Warum nicht generell ohne? Wird vom Producer platziert.

Bei Malta hat man unmittelbar vor dem Start gesehen, was diese riesigen Props bewirken, nämlich: Umbaupausen, Umbaupausen, Umbaupausen. Aber das hat der Aidan gut weggesteckt. Der Song ist zwar nah am Kitsch, und irgendwie hab ich auch die Rosenblätter vermisst - war das die Kamera, meine Unaufmerksamkeit, oder waren sie nicht da? Egal. Aidan wird vom Producer platziert.

Zum Schluss dann noch mal ein Cringefest der Extraklasse. Ich hätte Norwegen im Finale wirklich nicht gebraucht, das war einfach nur eine Zumutung für die Augen (audio geht's). Trotzdem müssen wir da am Samstag noch mal durch. Startet in Hälfte zwei.

Drei Fixstarter gab es auch noch:

Monroe sang sich für Frankreich die Seele aus dem Leib, und das ist auch wirklich gut, aber es ist meiner Meinung nach kein Sieger. Die Top 10 sollte sich aber ausgehen, die Top 5 wahrscheinlich auch.

Der österreichische Tanzschein sorgt bei mir immer für eine gewisse Erheiterung. Der Text ist wirklich schon sehr cool. Man merkt den Österreichern aber an, dass sie das nicht noch mal gewinnen wollen, zumal das Ganze ohne Textverständnis auch nicht wirkt. Müssen sie sich aber auch keine Gedanken drum machen. Ist halt ein typischer Heimbeitrag.

Letzter werden sie trotzdem nicht, sondern Letzter wird wahrscheinlich mal wieder das United Kingkong. Sorry, das war ja förmlich ein Betteln um den letzten Platz. LMNC hat eigentlich die ganze Zeit nur rumgeschrien. Startet in Hälfte 2, aber das wird ihm vermutlich nicht so wirklich helfen.

So, das wars mit den Semis. Die Startreihenfolge fürs Finale kam soeben rein, dazu mach ich dann hier morgen früh noch einen Artikel. (Edit: Diesen Satz habe ich geschrieben, bevor ich einen Blick darauf geworfen habe. Jetzt muss ich mich erst mal fertig aufregen.)

Schlaft schön!


Donnerstag, 14. Mai 2026

Tote Serviette, Semi 2

Nach dem ersten Semi ist vor dem zweiten Semi, und wenn ich auch immer noch mit der Qualität des ersten Semis in seiner Ansichichkeit über Kreuz bin, hab ich doch die Hoffnung, dass das alles oder zumindest so ziemlich alles im zweiten Semi besser wird. Und dass ich nicht wieder so ein lausiges Tippergebnis einfahre (und ja, acht Punkte sind in diesem Falle lausig, vor allem, wenn man beim ersten Durchhören schon neun richtig hatte!).

In diesem Semi habe ich einen sicheren Ausscheider und sechs sichere Weiterkommer, alle anderen liegen irgendwo dazwischen. Durch die Wiedereinsetzung der Jurys in den Semis bekommt das Ganze eine ganz andere Dynamik als in den letzten drei Jahren, dem versuche ich hier auch Rechnung zu tragen. 

Fangen wir mal an mit dem sicheren Ausscheider. Das ist Aserbaidschan. Ich weiß nicht, ob die Azeris keinen Bock mehr haben, ob sie es nicht mehr können oder ob sie einfach keine Kohle mehr locker machen wollen. Fest steht: Das hier ist ein heißer Kandidat für null Punkte im Televoting. Sie singt das zwar gut, aber es gibt in diesem Semi eine ganze Reihe sehr starker Stimmen, die allesamt bessere Songs haben, so dass es auch bei den Jurys nicht reichen wird.

Zum Beispiel Australien. Die ist für mich nicht nur Top-Favoritin für den Semisieg (Dänemark zum Trotze), sondern auch auf den Gesamtsieg. Mark my words, you read it here first. Sind natürlich beide durch, genau wie Rumänien, das in Sachen Gesamt-Top-5 auch noch ein Wörtchen mitzureden haben dürfte. Ach ja, da war ja noch ein dritter Rückkehrer. Bulgarien kommt ebenfalls durch.

Bombensicher im Finale ist natürlich auch die Ukraine, weil die Ukraine ja immer ins Finale kommt und weil sie in diesem Semi nur fünf Beiträge schlagen muss, was ihr natürlich ohne Probleme gelingt. Weil: Der Song ist gut (wenn auch nicht gut genug für den Sieg im Semi) und die Dame singt gut.

Der sechste sichere Finalist ist für mich Malta. Die profitieren natürlich ohne Ende von der Rückkehr der Jurys, aber ich wage mal zu behaupten, dass das auch bei reinem Televoting durchkäme. Werden wir ja dann Samstagnacht sehen.

Tschechien müsste es eigentlich auch schaffen. Sie haben es beim Televoting generell ein bisschen schwerer, aber die Jurys müssten das eigentlich lieben, zumal er fantastisch singt und das wohl auch gestern im Juryfinale wieder gezeigt hat. Und der Song ist nun auch nicht gerade was, wofür die Songwriter sich schämen müssten.

Ich fürchte, die Ukraine ist nach diesem Semi wieder der einzige Immer-Qualifizierer, denn Luxemburg wird es zwischen Rumänien und Tschechien extrem schwer haben. Sie ist zwar süß und singt das auch ganz ordentlich, aber ich sehe nicht, wie sie das schaffen soll. Ich hoffe, dass ich mich da täusche.

Bleiben noch Albanien, Armenien, Lettland, Norwegen, die Schweiz und Zypern. Jetzt wirds knackig.

Zypern muss im gestrigen Jurysemi wohl nicht schlecht, sondern absolut katastrophal gewesen sein. Dass Antigonis stimmliche Fähigkeiten sich nicht mit denen von Alexandra Capitanescu oder Delta Goodrem messen können - geschenkt. Dass man einen Partysong nicht pitch perfect auf die Bühne bringen muss - auch geschenkt. Wenn aber alle Beobachter nach dem Auftritt nur noch damit beschäftigt sind, ihr Entsetzen über das soeben Gesehene und vor allem Gehörte kund zu tun, dann muss es schon sehr heftig gewesen sein. Da auch der Probensnippet keinen Anlass zur Euphorie gibt und auch der Televoter schiefe Töne im Überfluss nicht verzeiht, hat die zyprische Delegation am Samstag wohl (leider) Fernsehabend. Zumal das im Schnelldurchlauf zwischen zwei der besten Sängerinnen des Abends kommt. Autsch.

Albanien ist ein schwieriger Fall. Zwischen der Ukraine und Malta ist jetzt auch nicht der günstigste Startplatz, allerdings denke ich, dass der Song die Jurys schon beeindrucken dürfte, und stimmlich ist Alis ja auch nicht gerade der Klassenletzte. Ich weiß aber nicht, ob die Inszenierung wirklich so super ist. 

Armenien ist so ziemlich das Gegenteil davon und hat obendrein noch Frankreich direkt vor sich als maximalen Kontrast. Ich bin mir relativ sicher, dass das bei der Jury glatt durchfällt, vom Televoter aber knapp weitergelassen würde. Frage ist: Reicht das in Summe? Wir stellen die beiden jetzt noch mal kurz zurück.

Lettland kommt direkt nach Österreich, von dem ich nach wie vor überzeugt bin, dass es sich mit UK um den letzten Platz im Finale kloppt. Das ist für die Letten kein Nachteil. Dass Atvara nicht nur stimmlich brilliert, sondern auch einen der anspruchsvollsten Songs im Wettbewerb hat, ist ebenfalls keiner. Das ist zwar auf lettisch, berührt aber trotzdem und wird vermutlich von der Jury gestern gefeiert worden sein. Da sich vermutlich auch viele Televoter davon berühren lassen (und ich hoffe, das die Kommentator*innen denen auch vorher sagen, worum es im Song eigentlich geht), sehe ich Lettland weiter.

Norwegen - ja, er hat Rybak rausgehauen, ja, er hat den letzten Startplatz, das isses dann aber auch. Gerade nach der ziemlich hochwertigen Inszenierung aus Malta dürfte das so trashig rüberkommen, dass der Televoter sich mit Grausen abwendet. Der Juror tat das gestern Abend vermutlich ohnehin. Das heißt: Rybak steht am Samstag auf der ESC-Bühne. Jonas nicht.

Bleibt noch die Schweiz. Ja, der Song ist tatsächlich nicht unbedingt ESC-kompatibel, aber was heißt das schon? Der Song ist gut. Und er wird seine Liebhaber finden. Wenn die Jurys ihren Job ordentlich machen, müsste er eigentlich auch bei ihnen zünden. Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und sage, Veronica schafft es als Zehnte ganz knapp ins Finale.

Herrgott, was mach ich jetzt mit dem doppelten A? Ene mene miste? Schnick schnack schnuck? Mein Bauchgefühl sagt, dass die albanische Inszenierung dem Song eher schadet und der armenische Radau nach Frankreich eigentlich ziemlich gut kommt. Ich glaube, im Finale ist auch Platz für zwei Krawallsongs. Also lehne ich mich noch mal aus dem Fenster und sage, Armenien kommt weiter.

That makes folgende Weiterkommer in order of appearance:

Bulgarien
Rumänien
Tschechien
Armenien
Schweiz
Lettland
Dänemark
Australien
Ukraine
Malta

May the best ones weiterkommen and may alle tolle Auftritte haben! Ich drücke allen die Daumen  - Australien und Tschechien noch ein bisschen mehr, und wenn mir Albanien wie schon so oft den Tipp zerschießt, bin ich auch nicht böse.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Blitznachlese Semi 1

Das erste Semi 2026 ist seit etwa drei Stunden Geschichte, und ich sitze hier und frage mich, was zur Hölle ich da eigentlich gesehen habe. Warum wollte ich eigentlich immer eine Blitznachlese machen?

Ach ja: Um mit meinem in diesem Falle doch recht mittelmäßigen Tippergebnis anzugeben. Acht von zehn, das ist in diesem Falle wohl eher nicht so gut. Aber, was mich tröstet: Der Herr Sixtus hat mir vorhin per WhatsApp seinen Tipp geschickt und hat auch nur acht. Immer hin drei mehr, als wenn man nur fünf richtig hätte. Aber ich wette, heuer gibts viele mit zehn Richtigen.

Edit: Da war ja mein Tipp nach dem ersten Anhören noch besser, da hatte ich nämlich neun. Wenn es schon mal blöd läuft ...

Was? Ach so, das Semi. Nun, die Bühne ist eine absolute Augenweide, eine der schönsten der letzten Jahre, gefällt mir supergut. Jetzt wäre es noch gut, wenn diese tolle Bühne auch mit entsprechend hoher Qualität bespielt worden wäre. Ist das denn passiert? Nuuuuuuun ...

Die Moderation zumindest hat noch viel Luft nach oben. Das wirkte doch alles sehr hölzern und auswendig gelernt, da nehmen sich die beiden nichts. Die letzte österreichische Moderation hat mich da weitaus mehr abgeholt. Aber da kann sich ja bis zum Finale noch was tun. 

Beim Drumherum hat man sich sehr viel Mühe gegeben, wenn auch nicht alles gelungen war. Besonders gefallen haben mir die Eröffnung mit unter anderem Vicky Leandros sowie der Film, wo die verschiedenen Leute sagen, was ihnen der ESC bedeutet. Die Prater-/Akrobatiknummer war toll gemacht. hier hab ich aber zugegebenermaßen nur mit halbem Auge zugeguckt. Und dann kam Go-Jo und das Austrialia-Mini-Musical. I am very sorry, und ich sehe auch das Bemühen, aber: Das war nur ein müder Abklatsch von "Made in Switzerland" und dem, was Petra und Måns 2016 auf die Beine und die Bühne gestellt haben. Außerdem: Ein Känguru ohne Schnapspralinen?!?

Hab ich noch was vergessen? Ach ja, Beiträge gab es ja auch noch. Und das sag ich jetzt einfach jetzt und hier mal klipp und klar: Das ist so ziemlich das schwächste Semi, an das ich mich erinnern kann. Ich hätte zehn Stimmen rausballern können, hab mir das aber geschenkt. So richtig überzeugt hat mich nämlich keiner der siebzehn Kombattanden. Machen wir mal Einzelkritik:

Moldau war einer der besseren Beiträge des Abends, war aber alles wild, viel, bunt. Kann man machen, hat ja auch funktioniert. Im Finale werden sie vom Producer platziert.

Eins muss man den Schweden ja lassen: Sie wissen ganz genau, was man in den Schnelldurchlauf packen muss, damit es besonders gut wirkt. Ansonsten fand ich die Stimme schlimm und die Gesangsleistung übersichtlich, das Lied ist, was es ist. Aber wenn Leute Laser mögen, stimmen sie halt für sowas ab. Startet im Finale in Hälfte 2.

Bei den Kroatinnen hatte ich besagtermaßen etwas Muffensausen, da das wohl gestern im Juryfinale nicht pitch perfect war (heute schon!). Und dann kommt auch zu allem Überfluss auch noch in beiden Schnelldurchläufen eine Stelle, wo das halbe Bild von einer Flagge verdeckt ist ... puh ... aber ist ja gutgegangen. Das war einer der beiden Beiträge, von dem ich unbedingt wollte, dass er ins Finale kommt. Wird vom Producer platziert.

Griechenland hatte ja nach der ersten Generalprobe einen ziemlichen Höhenflug, dafür war das Ganze dann doch ein wenig enttäuschend. Irgendwie hätte ich erwartet, dass mich das mehr packt, obwohl ich mit dem Song nichts anfangen kann. Die Kamera hat es leider auch nicht so richtig geschafft, in der Bridge die Botschaft auf dem Backdrop einzufangen. Generell fand ich bei einigen Auftritten die Kameraführung nicht gerade glücklich, wie immer viel zu viele Totalen. Aber bei Griechenland war es egal, darf am Samstag in der ersten Hälfte ran - und die Quoten verschlechtern sich gerade wieder.

Jedes Semi hat seinen Trauerfall, diese Regel gilt jetzt und immerdar. In diesem Semi ist es Portugal, die ich eigentlich fest weitergesehen habe, zumal nach diesem sehr zurückgenommenen, schnörkellosen Auftritt. Es hat nicht sollen sein. Da bin ich wirklich auf das Ergebnis im Nachhinein gespannt.

Bei Georgien war allerdings schon nach Auftauchen des ersten Probensnippets klar, dass das nichts werden kann, und ich würde mich auch nicht wundern, wenn sie in diesem Semi Letzte geworden sind. Da stimmte so ziemlich gar nichts. Vor allem war hier auch die Kameraführung wirklich eine Katastrophe. Wenn ich so eine lustige Handographie habe, dann muss die auch gezeigt werden! Davon ab war der Gesang der Damen der Sache auch nicht wirklich zuträglich, und die Cyborgs im Backdrop sind zumindest bei mir völlig untergegangen.

Und dann: Finnland. Man erwartete viel, und ja, das war auch schon gut, aber war es so überragend gut, dass es wirklich den Gesamtsieg davontragen kann? Ich bezweifle das immer noch. Natürlich ist das weiter und wird am Samstag vom Producer platziert.

Montenegros Ausscheiden tut mir wirklich leid, sie hatten einen guten Song und hätten das Weiterkommen wirklich verdient gehabt. Tamara hat mich ein bisschen an Justyna Steczkowska erinnert, und es ist eigentlich nicht einzusehen, warum es bei der letztes Jahr geklappt hat und bei Tamara nicht. Fehlte wohl die Akrobatik. Schade ist es jedenfalls, und ich hoffe, sie verlieren nicht wieder die Lust.

Ich finde es ja immer ein bisschen schwierig, wenn Songs einen Titel haben, dessen Versprechen sie nicht einhalten können. "That sounds good to me" war damals so ein Fall, und "Too epic to be true" fällt in dieselbe Schiene. Gesanglich war Lenna wieder top und die beiden anderen nicht, inszenatorisch ... meeeeh. War irgendwie klar, dass Estland es nicht schafft, aber man hat es ja nicht mal versucht!

Bei Israel hab ich vor allem gezittert, dass die drei Minuten einigermaßen störungsfrei über die Bühne gingen. Taten sie auch, aber leider nur einigermaßen. Irgendein Knallkopp im Publikum brüllte die ganze Zeit irgendwelche Parolen (wie wir inzwischen wissen, wurde er aus der Halle entfernt - wie blöd kann man sein?!): Noam war stimmlich einwandfrei und hat sich nicht beirren lassen. Mit der Inszenierung kann ich absolut nichts anfangen, aber der Finaleinzug geht schon in Ordnung. Wird vom Producer platziert.

Belgien ist in Sachen Weiterkommen oder nicht irgendwie eine ganz besondere Art von Wundertüte. Ich glaube, kein Land hat so viele "sichere Weiterkommer", die dann doch rausgeflogen sind und "das kommt nie ins Finale"-Beiträge, die es dann doch geschafft habe. Hier haben wir dann mal wieder einen solchen. Beim Staging haben sie alles rausgeholt, was ging, Essyla hat toll gesungen. Auch wenn mir Lied und Ausstrahlung nach wie vor nicht zusagen: Das ist eine große Überraschung, aber verdient! Herzlichen Glückwunsch! Startet in Hälfte 1 im Finale.

Bel Litauen war ich mir eigentlich sicher, dass das in meinem Tipp kein Rohrkrepierer wird, dazu war es für meinen Geschmack einfach zu düster, zu kalt und zu unnahbar. Aber es hat seine Liebhaber gefunden, zum Beispiel Kind 1, die sich über das Weiterkommen sehr gefreut hat. Man muss ihm auch zugute halten, dass er sehr gut gesungen hat, auch wenn es am Ende stellenweise bedenklich in Richtung Schreien ging. Darf am Samstag in Hälfte 2 ran.

So viel Trash auf einen Haufen, wie uns San Marino hier präsentiert hat, das muss man auch erst mal schaffen. Ach, Senhit, hättest Du doch einfach zu Deinen beträchtlichen stimmlichen Fähigkeiten irgendwann mal einen adäquaten Song! Diesen Carcrash hat dann auch Boy George nicht mehr gerettet, im Gegenteil, seine Anwesenheit war komplett überflüssig und hat dem Ganzen eher geschadet. Nicht, dass da irgendwas zu holen gewesen wäre ...

Bei derart vielen stimmlichen Grenzgängern hatte Alicja aus Polen natürlich leichtes Spiel. Da fiel weder der Song noch die Klamotte ins Gewicht, gut dargebotene Stimmakrobatik bleibt eben das, da kann der Song noch so grottig sein. Startet am Samstag in Hälfte 2.

Serbien bedient ja in diesem Jahr eine ganz eigene Nische. Das ist schon gut gemacht, aber leider kam bei uns zu wenig rüber. Ich hab die ganze Zeit darauf gewartet, dass er endlich anfängt zu growlen. Insgesamt hat mich der Auftritt ein wenig unterwältigt. Ich hoffe, das wird bis Samstag noch besser.

Schauen wir noch auf die beiden fixen Finalisten in diesem Semi, die beide für Samstag vom Producer platziert werden:

Italien - du lieber Himmel, was bitte war das denn? Das war ja von vorn bis hinten seltsam. Man konnte nicht wegschauen, aber trotzdem war es fifty shades of schlimm. Und doch gehe ich davon aus, dass sie es wieder irgendwie schaffen, die Stimmen an sich zu ziehen. Für mich trotzdem der schwächste italienische Beitrag seit der Wiederkehr.

Und schlussendlich Sarah Engels für Deutschland - auch da war ich leider unterwältigt, was vor allem mit der stimmlichen Leistung zusammenhing und damit, dass sie stellenweise außer Puste war (und damit meinen Artikel von neulich komplett Lügen gestraft hat!). Ich hoffe, sie hat sich nur geschont für die Shows, wo es dann wirklich drauf ankommt. Dass sie sich vom Würfel hat fallen lassen, konnte man aufgrund der Kamera nur erkennen, wenn man es wusste. Da ist für Samstag dann doch noch ein bisschen Luft nach oben.

Alles in allem muss ich sagen: Es kann (und sollte!!) im zweiten Semi nur besser werden.

Bis dahin, erholt Euch gut!

PS: Völlig off topic, is aber egal: Lieber Alexander Rybak, alles Liebe und Gute zu Deinem 40.! 

Dienstag, 12. Mai 2026

Tote Serviette, Semi 1

Das Juryfinale des ersten Semis ist vor ein paar Minuten zu Ende gegangen. Jetzt gibts keine Ausreden mehr. Es muss getippt werden. Und ich hab doch dieses Jahr sowas von GAR keine Ahnung ... 

Aber das hatte ich die letzten 38 Semis auch nicht, und ich fürchte, es wird auch beim 39. Semi der Contestgeschichte für mich wieder keine zehn Richtige geben. Neun hatte ich schon einige Male, aber noch nie zehn. Immerhin hat man mindestens fünf Richtige, egal was kommt.

Fangen wir wie immer mit den einfachen Sachen an. Finnland und Griechenland sind beide durch, ohne Wenn und Aber. Einer von den beiden wird dieses Semi gewinnen, der andere wird Zweiter.

Ebenfalls durchkommen werden wohl Moldau und Israel

Portugal dürfte direkt nach Griechenland für all diejenigen eine Wohltat sein, die mit dem griechischen Krach nichts anfangen können. Und da es wieder mal makellos gesungen wurde, dürfte es auch die Jurys bestechen. Ich sage: Portugal sehen wir am Samstag wieder.

Bei drei Beiträgen bin ich mir sicher, dass sie rausfliegen, nämlich San Marino (da kann Senhit noch so viele Boy Georges anschleppen, this is a mess), Estland (Lenna kann super singen, die beiden anderen leider nicht so, und sie tun es auch nicht) und Georgien (hatte ich eigentlich als sicheren Weiterkommer auf dem Zettel, bis ich den Probensnippet gesehen habe).

Für Belgien dürfte es ebenfalls schwer werden. Das Staging sieht zwar viel besser aus als erwartet, aber der Song ist halt einfach meh und Essyla zumindest für mich alles andere als eine Sympathieträgerin. Das wird sehr eng. Und da ich die restlichen sechs, die noch im Topf sind, alle als stärker ansehe, sage ich jetzt und hier, dass Belgien es nicht schaffen wird.

So, guck mal, neun haben wir schon abgefrühstückt, bleiben noch sechs, aus denen wir einen rausschmeißen müssen. Und diese Liste hat es aus verschiedenen Gründen in sich:

Schweden, Kroatien, Montenegro, Litauen, Polen, Serbien.

Das größte Augenreiben dürfte allgemein wohl auslösen, dass Schweden überhaupt in dieser Liste zu finden ist und von mir nicht direkt als sicherer Qualifikant gesehen wird. Aber mal ehrlich: Jedes andere Land, dass diesen Beitrag schicken würde, wäre sofort auf der Ausscheiderliste. Ich hab ein Déjà-vu zu 2010, als alle Anna Bergendahl weitergesehen haben, weil sie eben aus Schweden kommt. Felicia trägt Corona-Maske (oder was auch immer), ihre Stimme ist unangenehm, ihr Song ist ein abgestandener Kirmestechno aus den 90ern, und da glauben die, mit ein bisschen Lasershow und einer Riesen-Felicia im Backdrop durchzukommen? Come on!

Kroatien, Montenegro und Serbien retten einander vermutlich im Televoting gegenseitig, aber jeder von denen hat so seine eigenen Probleme. Kroatien war für mich eigentlich ein sicherer Weiterkommer, allerdings ist die Jury-Performance vorhin wohl nicht ganz so super gelaufen wie erhofft. Montenegro war von Anfang an auf der Grenze, aber es ist einer ihrer besten Beiträge. Ich fand den Probensnippet viel, viel besser als er überall gemacht wurde. Serbien - puh, am schwierigsten von den dreien. Das ist gut gemacht und hat auch eine günstige Startnummer, hat aber die kleinste Zielgruppe von allen Beiträgen dieses Jahr. 

Obwohl, die Zielgruppe für Litauen ist noch kleiner. Die Silberbronze ist auch nicht für jeden. Aber der Song ist gut, der Effekt mit der Jacke ist gut, und vor allem singt Lion wirklich super. Allerdings hab ich da heute aus der Juryshow so Sachen gelesen ... puh.

Bleibt Polen. Der Song in seiner Ansichichkeit ist nach wie vor eine zusammenhanglose Ansammlung von Tönen, die eigentlich nur darauf ausgerichtet ist, Alicja einen Boden für ihre Stimmakrobatik zu geben. Allerdings funktioniert die Stimmakrobatik. Und das ist speziell im Juryfinale mehr, als man von einigen anderen sagen kann. Dazu kommt, dass mit Deutschland, Belgien und Litauen drei Länder in diesem Semi abstimmen, die Polen sehr gern mal sehr viele Punkte geben.

Obwohl ich mich diebisch freuen würde, wenn es Schweden oder Polen hier schrägen würde, fürchte ich, dass am Ende dann doch Litauen das Nachsehen haben wird.

That makes folgende Weiterkommer in order of appearance: 

Moldau
Schweden
Kroatien
Griechenland
Portugal
Finnland
Montenegro
Israel
Polen
Serbien

Und  das war das leichtere Semi? UFFFFFF ... ob ich recht hab oder nicht und ob es mehr als fünf Richtige werden, sehen wir dann morgen Abend. Bis dahin eine gute Zeit, gehabt Euch wohl, und morgen ein tolles erstes Semi!

Donnerstag, 7. Mai 2026

Warum ich Sarah Engels ganz fest die Daumen drücke (und warum wir das alle tun sollten!)

Angesichts dieser Überschrift wird sich der eine oder die andere von Euch wahrscheinlich verwundert die Augen reiben. Häää? Wieso soll ich der die Daumen drücken? Ich find den Song meh! Und Frau Fabian findet den Song doch auch meh! Frau Fabian wollte doch wavvyboi! Also wieso? Nur weil das der deutsche Beitrag ist? Und vorschreiben lass ich mir sowieso nix!!!!!11!111einself!!

Erklär ich Euch.

Für den Hardcore-ESC-Fan ist ja diese Zeit nicht nur die Zeit großer (Vor-)Freude, sondern unmittelbar vor und nach dem ESC auch die Zeit des großen Augenrollens. Wir kennen es doch alle: Man muss sich immer wieder dafür rechtfertigen, dass man diese Veranstaltung nicht nur schaut, sondern von ganzem Herzen liebt, und immer wieder muss man versuchen, falsche Wahrnehmungen zurechtzurücken. Das fängt bei "ist Deutschland mal wieder verdient Letzter geworden" an und hört bei "Ist doch eh alles Trash und die Wertung ist nur reine Politik" noch lange nicht auf. Es ist unglaublich ermüdend, sich das jedes Jahr aufs Neue wieder anzutun. Womöglich noch ermüdender ist vor und nach dem Event der Blick in die deutsche Presse.

Wer auf ESC kompakt unterwegs ist, hat sicher vor ein paar Tagen auch Douze Points Kommentar zu einem ESC-Artikel aus der Rheinischen Post gelesen. Es ist ja nun nix Ungewöhnliches, dass hierzulande nach Kräften auf dem ESC rumgehackt wird, bringt Klicks, geht leicht und man kann sich sicher sein, vielen Leuten nach dem Mund zu reden. Differenzierte Auseinandersetzung ist normalerweise (nicht immer!!) Fehlanzeige, vermutlich haben die Schreiberlinge [sic!] weder Zeit noch Lust, sich mit ihrem Sujet mal wirklich auseinanderzusetzen. Der Fairness halber muss man sagen, dass einem das in Deutschland auch verhältnismäßig schwer gemacht wird, speziell in diesem Jahr. Die deutschen Vorentscheidungen bieten in der Regel eher unterwältigende Beiträge, von denen ein großer Teil schlicht und einfach international nicht wettbewerbsfähig ist. Und dazu kommt noch, dass 2026 aus meiner Sicht generell ein eher schwacher Jahrgang ist.

Auch unser deutscher Song in diesem Jahr reiht sich da leider ein, "Fire" erfindet das Rad nicht neu, ist sozusagen songgewordene Nummer Sicher. Warum soll man dann trotzdem die Daumen halten? Zwei Worte als Antwort: Sarah Engels.

Sarah kann was. Sie kann singen, sie sieht toll aus, sie kann sich bewegen, sie hat eine Bombenausstrahlung und zumindest ich persönlich finde sie supersympathisch. Alles mal mindestens keine Nachteile. Sie will das hier unbedingt und hängt sich in das Projekt ESC voll rein. Sie setzt sich damit auseinander, sie ist selbstkritisch, offen für Kritik von außen, arbeitet an sich und ihrem Auftritt und tut, soweit ich weiß, alles dafür, aus ihrem Auftritt das Maximum rauszuholen. Sie geht mit unglaublich viel Energie und Freude in den ESC. Dass das alles vor allem in dieser Kombination nicht selbstverständlich ist, hatten wir in den vergangenen Jahren weiß Gott oft genug. Allein dafür gebührt ihr Dank.

Dazu kommt: Sie ist in Deutschland kein No-Name, vermutlich der bekannteste Act seit Cascada. Ja, ich weiß, sie kam aus einer Castingshow, ja, der Boulevard berichtet gern mal über sie, aber ganz blöde Frage: Wieso ist das ein Nachteil? Glaubt Ihr, das ist bei den ganzen schwedischen Mello-Acts so viel anders? Was sie mitbringt, ist ohne Ende Bühnen- und Fernseherfahrung, bei ihr muss man keine Angst haben, dass sie die Töne nicht trifft oder dass ihr am Ende die Puste ausgeht (hallo Jendrik!). Sie weiß ganz genau, was sie kann und was nicht und setzt das auch gezielt ein. Auch das ist mit Sicherheit kein Nachteil. Ich traue ihr zu, dass sie aus dieser Performance wirklich alles rausholt und über den leider wirklich nur mediokren Song hinaus daraus was Gutes macht. Paradebeispiel für einen solchen Vorgang ist für mich immer noch "Show me your love" (Ukraine 2006), was rein vom Song her eigentlich kein Song, sondern Arbeitsverweigerung war. Man hat es aber geschafft, durch ein cleveres Staging und vor allem durch Tina Karol selbst das Ganze auf Platz 7 zu hieven. 

Man kann diese Bekanntheit ja auch an Sarahs Followerzahl von 1,8 Mio auf Insta sehen - weitaus mehr als jeder andere Act dieses Jahr und mehr als doppelt so viele wie der zweitplatzierte Boy George (!). Und auf dieser großen Reichweite teilt sie alles über das Projekt ESC, ihre Freude daran, wie sehr sie gerade dafür brennt und was das für ein tolles Event ist. 

Leute, das ist doch das Beste, was uns deutschen ESC-Fans passieren kann! Vielleicht schafft Sarah es ja wirklich, mit ihrer Begeisterung und einer ordentlichen Platzierung (damit meine ich Top 15, was ich angesichts der Konkurrenz nach wie vor für absolut realistisch halte) da ein Umdenken in Gang zu bringen:

- dass sich bei den Deutschen in den Kopf setzt, dass das nicht nur ein Trashevent ist (was es in Teilen zugegebenermaßen ist, aber eben nicht nur!), sondern was viel Größeres,

- dass sich ein Großteil der deutschen Presse nicht immer benimmt, als sei das Berichten über den Wettbewerb eine lästige Pflichterfüllung, sondern etwas, worüber sich lohnt zu berichten 

- und vor allem: Dass der Wettbewerb auch zunehmend wieder größere Namen anzieht und nicht nur Nischenbekanntheiten. Und dass der federführende Sender diese größeren Namen dann auch in den Vorentscheid lässt. Gerne auch mit mehreren Vorrunden. Dass diese größeren Namen auch sehen, dass man mit einer ordentlich geplanten Teilnahme am Wettbewerb und einem guten Song nicht verliert, sondern immer gewinnt, egal wie man abschneidet. Wievielte wurde Rosa Linn noch gleich? Finanziell geschadet hat ihr das auf keinen Fall! Allerdings muss man es ernst nehmen. Irgendwelchen Daddelkram da hinschicken, die Performance nicht durchdenken und dann hoffen, dass man ernstgenommen wird, wird nach wie vor nicht funktionieren. Aber das hat man ja selbst in der Hand.

Die Chance, dass dieses Umdenken einsetzen könnte, ist in diesem Jahr so groß wie selten zuvor. Und alleine aus diesem Grund werde ich Sarah die Daumen noch ein bisschen fester drücken.

Liebe Sarah, genieße Deine Zeit in Wien, hoffentlich auch mit schnell wieder aufgetauchtem Koffer! Mach was tolles draus! Hab auf jeden Fall heute eine supertolle erste Probe! Amaze us und bleib so offen und dem ESC zugewandt, wie Du die ganze Zeit schon warst! Danke für Deine Begeisterung!

Samstag, 2. Mai 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 8. Fazit

So, nun sind wir so ziemlich durch mit allem, womit man jury-und televotingbezüglich in den Semis 2010-2022 so durch sein kann. Was bleibt denn festzuhalten? Ist es denn nun gut, dass die Jurys in den Semis zurückkommen?

Nuuun ...

Wie mein Leser Lucas schon schrieb: Jeder ESC-Fan hat ein ambivalentes Verhältnis zum Juryvoting. Okay, nicht JEDER, ich kenne mindestens eine sehr bekannte Ausnahme (hallo Oliver, Grüße gehen raus!). Aber wir haben jetzt über die Jahre ziemlich viele Varianten gesehen, wie es nicht geht. Dreimal in Folge Jurys raus aus den Semis, dreimal in Folge gewinnt der Jurysieger das Finale. Von gewissen Wettbewerbsverzerrungen durch die Jurys (nicht über alle wurde sich beschwert) will ich hier gar nicht anfangen. 

Wenn man mal auf die Listen 4a und 4b schaut, kommt man dann doch ziemlich ins Grübeln. Wer gegen den Televoter-Willen weitergelassen wurde, hatte im Finale üblicherweise nicht so wirklich gute Karten. Anders sah es bei denjenigen aus, denen das Televoting den Hintern gerettet hat. Da finden sich dann doch etliche wieder, die am Ende in der Top Ten gelandet sind. Das spricht nicht für das Urteilsvermögen der Jurys!

Apropos: Consi saß ja 2021 in der deutschen Jury und hat später im Interview mit Alina und Stefan ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. War sehr interessant. Die Juror*innen bekommen nämlich tatsächlich einen Bewertungskatalog an die Hand, mit dessen Hilfe sie die Beiträge abklopfen sollen, und das ist offensichtlich gar nicht so einfach. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das auch nicht jedem bei jedem Beitrag so gelingt, wie es wünschenswert wäre. Hier wäre es ganz gut, wenn den Juror*innen ein bisschen mehr auf die Finger geschaut würde, wie auch immer das gehen soll.

Was auch ganz gut wäre: Den Einfluss der Jurys grundsätzlich ein wenig zu reduzieren. Die letzten drei Jahre waren in Sachen Finalergebnis absolut verheerend, sowas sollte sich nicht wiederholen. Warum keine 40/60-Lösung? Oder gern auch 25/75? (Fürs Protokoll: Der albanische Zahnarzt wäre in beiden Fällen ins Finale gekommen, das ist also keine Ausrede!) Wenn man schon will, dass wir unsere sauer verdienten Penunzen fürs Televoting rauskloppen, dann soll das auch eine Auswirkung haben. Wenn ein Televotingsieger über 100 Punkte mehr hat als der Jurysieger und es für den Sieg trotzdem nicht reicht, dann läuft einfach gewaltig was schief.

In diesem Jahr wird diese Schieflage so nicht mehr entstehen. Stattdessen dürfen wir uns dann später wieder drüber ärgern, welche aussichtsreichen Beiträge die Jurys im Semi rausgekickt haben :) Im Ernst: Es wäre überaus wünschenswert, dass auch mal wieder der Televotingsieger die Nase vorn hat - und das schreibe ich in dem Bewusstsein, dass meine Top 4 in diesem Jahr aus Australien, Frankreich, Kroatien und Tschechien besteht und zumindest die beiden Erstgenannten ganz gute Chancen auf den Jurysieg haben. Ach, wie de's machs, machse's doch verkehrt.

Und während ich dies hier schreibe, sind in Wien schon die Proben gestartet. Ich wünsche allen Teilnehmer*innen nur das Allerbeste, zeigt uns, was Ihr drauf habt! Und uns allen wünsche ich ein tolles Saisonfinale mit einem würdigen Sieger! Genießt die nächsten beiden Wochen! Wir lesen uns hier spätestens wieder, wenn es in anderthalb Wochen an die toten Servietten geht.

Freitag, 1. Mai 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 7: Länderspezifisches und Jahrgangsrekorde

Wenn man sich die Listen in den vorangegangenen Artikeln so anschaut, dann könnte man ganz vielleicht und eventuell auf die Idee kommen, dass da manche Länder und Jahrgänge öfter in den Listen der Abschnitte 4 und 5 auftauchen als andere.

Stimmt.

Vorab: Es gibt kein einziges Semifinale zwischen 2010 und 2022, das nicht an irgendeiner Stelle in diesen Listen auftaucht. Allerdings gibt es, wie in den Artikeln vorher schon angedeutet, Semis, wo weitestgehend Einigkeit herrschte, und solche, wo das nicht der Fall war.

Das kontroverseste Semi war das erste Semi 2011, wo sich Jurys und Televoter über mehr als die Hälfte der Semifinalisten uneinig waren. Bei sage und schreibe 10 von 19 Beiträgen lag man in der Bewertung "Weiterkommer oder nicht" auseinander. Am wenigsten kontrovers war das zweite Semi 2021, wo man sich bei 15 der 17 Beiträge einig war. Nach Jahren beurteilt waren 2011 und 2013 die kontroversesten Jahre, wo man sich jeweils bei ca. 42% der Beiträge uneinig war. 2021 dagegen war mit nur 18% Uneinigkeit das am wenigsten kontroverse Jahr. 

Generell geht der Trend aufgrund der in den letzten Jahren tendenziell kleiner werdenden Semis zu mehr Einigkeit bei Jurys und Televotern; je weniger Beiträge so ein Semi hat, desto weniger weit können Jurys und Televoter auseinander liegen. Bei 19 zu bewertenden Beiträgen müssten sie theoretisch nur bei einem Beitrag übereinstimmen, sind aber nur 15 im Semi, wären es schon fünf. So gesehen war 2013 aufgrund der kleineren Anzahl Semifinalisten das kontroverseste Jahr aus der Liste, da es hier im Vergleich zu 2011 weniger Möglichkeiten zur Uneinigkeit gab.

(Das ist übrigens wie mit der Trefferquote in den Semis: Wenn ich nur 15 Semifinalisten habe, habe ich auf jeden Fall 5 Weiterkommer richtig. Bei 19 Semifinalisten wäre es nur einer. Bei 20 könnte ich alle falsch haben.) 

Es gibt auch kein einziges Land, das zwischen 2010 und 2022 an mindestens einem Semifinale teilgenommen hat und nicht in einer dieser Listen zu finden ist. So gesehen hat es jeden mal irgendwann erwischt. Australien, Griechenland, Island, Lettland, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Schweden, die Ukraine und Zypern tauchen nur jeweils einmal auf, während es Malta auf satte sieben Einträge bringt, Rumänien, Polen und die Schweiz stehen sechs mal in der Liste. Der Rest liegt irgendwo dazwischen.

So weit, so uninteressant. Uneinigkeit per se heißt ja noch gar nichts. Viel interessanter ist doch: Gibt es Länder, die sich freuen sollten, dass die Jurys zurückkehren? Und gibt es auf der anderen Seite welche, die schon bibbern, weil bei den Jurys für sie nichts zu holen ist?

Dafür hab ich mir mal angeschaut, wer in den "Uneinigkeits-Listen" vor allem von der Jury und wer vor allem vom Televoting bevorzugt wurde. Und da ergibt sich dann folgendes Bild: 


Zur Erläuterung: Die Spalte "Jury" zählt, wie oft die Jurys einen Beitrag aus dem entsprechenden Land weitergelassen hätten und das Televoting nicht, unabhängig davon, ob der jeweilige Beitrag auch tatsächlich weitergekommen ist. Die Spalte "Televote" zählt das Umgekehrte entsprechend. Die Differenzspalte betrachtet den entsprechenden Unterschied.

Und da sehen wir: Estland, Georgien, Israel und vor allem Malta sind bei den Jurys beliebt (wobei ich das im Falle Israels in diesem Jahr aus bekannten Gründen eher nicht vermute), wohingegen Litauen, Russland, Finnland, Norwegen und vor allem Polen eher im Televoting punkten können. Nicht immer hat das bekanntlich für den Finaleinzug gereicht.

Die Polen sind sowieso ein ganz besonderer Fall. In den Jahren 2010 bis 2022 wurden sie genau EINMAL von der Jury ins Finale gelassen, das war 2022. Besonders pikant: Im Jahr 2022 gab es ja diesen Votingskandal im Semi 2, in den auch die Polen verwickelt waren ... ich glaube aber, dass die Jurys dieses eine Mal die Polen auch ohne illegale Schützenhilfe ins Finale gelassen hätten. Für dieses Jahr sehe ich beim polnischen Beitrag allerdings nicht nur fürs Juryvoting dunkelschwarz.

Die Malteser dagegen können und sollten sich freuen. Nicht nur, dass sie endlich mal wieder einen okayen Beitrag am Start haben, er kommt auch genau zur richtigen Zeit. Fairerweise muss man aber sagen, dass Malta anders als Polen nicht nur Jurypunkte bekommen hat, sondern zumindest in 2013, 2016, 2019 und 2021 auch bei reinem Televoting ins Finale gekommen wären. Die Verachtung der Polen durch die Jurys ist so gesehen einzigartig. Hoffen wir, dass sich das in der Zukunft noch ändert.

Donnerstag, 30. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 6: Wenn es trotzdem nicht reicht.

Wer genau mitgezählt hat, dem wird auffallen, dass da ein Beitrag fehlt. Dieser Beitrag ist ein Sonderfall und als solcher einer, den es meiner Meinung nach gar nicht geben dürfte (also den Sonderfall, nicht den Beitrag). Und zwar geht es um

Kroatien 2021: Albina - Tick Tock.

Obwohl Sofi Marinova seinerzeit die gleiche Punktzahl hatte wie Tooji und nur deshalb nicht ins Finale gekommen ist, weil sie in der Jury-/Televoting-Kombi nur von zehn Ländern Punkte bekommen hat und der Norweger von elf, ist Albina für mich die tragischste Ausscheiderin aller bisherigen Semifinals. Denn: Die Jury hatte sie auf Platz 10. Die Televoter gar auf Platz 9. Trotzdem hat das in der Gesamtabrechnung nur für Platz 11 gereicht, eine, wie ich finde, überaus unglückliche Verwerfung. Wenn dich beide weiterwollen, dann solltest du doch auch weiterkommen!

Glücklicherweise hatten wir das bisher nur einmal, auch wenn das schon ein Mal zu viel ist. Die Frage ist aber: Kann sowas öfter vorkommen? Und wenn ja, in welchem Ausmaß?

Ich hab mal ein bisschen rumgespielt und muss Euch leider sagen: Ja, das kann vorkommen. Auch in größerem Ausmaß. Bisher hatten wir (Albina ausgenommen) wohl einfach Glück.

Nehmen wir einfach mal die Situation an, die wir im ersten Semi haben, sprich, 15 Länder nehmen teil, dazu zwei Fixstarter, die dort voten dürfen, plus Rest of the world im Televoting. Und dann schaut Euch mal folgende Grafik an:


Wir sehen: Die Länder 1-10 kommen weiter, die Länder 11-15 fliegen raus. Wir sehen aber auch: Die Länder 11-15 sind allesamt sowohl bei der Jury als auch im Televoting in der Top Ten.

Nun muss man natürlich zugeben, dass solche Verwerfungen im realen Leben höchst unwahrscheinlich sind, weil sich Jurys und Televoting selten so uneinig sind. Aber dennoch kann es vorkommen, und wir hatten, wie gesagt, bis dato lediglich Glück.

Mindestens genauso interessant: Gibt es theoretisch denn auch den anderen Fall, sprich, ein Land kommt weder bei der Jury noch beim Televoting in die Top Ten und schafft es trotzdem weiter? Die schlechte Nachricht ist: Ja. Die gute: Das ist bedeutend schwieriger zu bewerkstelligen als der andere Fall. Schaut mal hier:


Land 11 liegt sowohl bei den Jurys als auch beim Televoting auf Rang 11. Insgesamt kommt es aber auf einen komfortablen 7. Platz! Allerdings hab ich es beim Spielen nicht hinbekommen, dass diese Konstellation in der gleichen Ballung auftritt wie beim anderen Beispiel.

Sicher lässt sich mit den Zahlen noch trefflich rumspielen, dass das Ganze etwas realistischer aussieht, aber festzuhalten bleibt: Möglich ist alles. Und es ist bis dato einfach reines Glück, dass uns sowas wie der untere Fall bisher noch nicht begegnet ist.

Den oberen Fall hatten wir besagtermaßen schon, und es tut mir für Albina nach wie vor unendlich leid. Sie hat zwar damit in gewisser Hinsicht ESC-Geschichte geschrieben, aber will man das wirklich auf diese Weise tun?

Mittwoch, 29. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 5b: Wen die Jurys auf dem Gewissen haben

Nun wirds Zeit für Eure Blutdrucktabletten. Und meine.

Die Jurys haben gegen den Willen der Televoter folgende Beiträge rausgekegelt:


Finnland 2010: Kuunkuiskaajat - Työlki ellää

Litauen 2010: InCulto - East European Funk

Schweden 2010: Anna Bergendahl - This Is My Life

Norwegen 2011: Stella Mwangi - Haba haba

Armenien 2011: Emmy - Boom Boom

Türkei 2011: Yüksek Sadakat - Live It Up

Belarus 2011: Anastasia Vinnikova - I Love Belarus

Schweiz 2012: Sinplus - Unbreakable

Niederlande 2012: Joan Franka - You and Me

Bulgarien 2012: Sofi Marinova - Love Unlimited

Kroatien 2013: Klapa s mora - Mižerja

Montenegro 2013: Who See ft. Nina Žižić - Igranka (lag im Televoting auf Platz 4!)

Bulgarien 2013: Elitsa Todorova und Stoyan Yankulov - Samo shampioni

Schweiz 2013: Takasa - You and Me (lag im Televoting auf Platz 5!)

Portugal 2014: Suzy - Quero ser tua

Irland 2014: Can-Linn feat. Kasey Smith - Heartbeat

Finnland 2015: Pertti Kurikan Nimipäivät - Aina mun pitää

Tschechien 2015: Marta Jandová u. Václav Noid Bárta - Hope Never Dies

Bosnien und Herzegowina 2016: Dalal & Deen feat. Ana Rucner & Jala - Ljubav je…

Belarus 2016: Ivan - Help You Fly

Mazedonien 2016: Kaliopi - Dona

Finnland 2017: Norma John - Blackbird

Schweiz 2017: Timebelle - Apollo

Estland 2017: Koit Toome & Laura - Verona

Griechenland 2018: Gianna Terzi - Oniro Mou

Polen 2018: Gromee feat. Lukas Meijer - Light Me Up

Polen 2019: Tulia - Fire of Love (Pali się)

Litauen 2019: Jurij Veklenko - Run with the Lions

Dänemark 2021: Fyr og Flamme - Øve os på hinanden

Albanien 2022: Ronela Hajati - Sekret

Zypern 2022: Andromache - Ela

 

Na, noch wer Schnappatmung angesichts dieser Liste? Da weiß man echt gar nicht, wo man anfangen soll. Deshalb fang ich lieber auch gar nicht an damit, sondern beschränke mich auf einige generelle Anmerkungen.

Der krasseste Fall in dieser Liste ist ohne Frage Montenegro 2013, gefolgt von der Schweiz 2013. Wer auf Platz 4 im Televoting liegt und trotzdem rausfliegt, hat ein ganz besch!")(/§$() Votingsystem erwischt. Eigentlich dürfte es sowas gar nicht geben. Uneigentlich auch nicht. Für die Schweiz 2013 mit Platz 5 im Televoting gilt dasselbe. Man kann von denen halten, was man will, aber was Recht ist, muss Recht bleiben.

Natürlich gibt es auch in dieser Liste welche, wo die Jury dann doch ausgleichendes Korrektiv war. Türkei und Armenien 2011 kommen da als erstes in den Sinn. Und was Schweden 2010 angeht: Ich kann mich noch erinnern, dass viele damals gesagt haben, dass sie es eigentlich draußen sehen, aber is ja Schweden. Nun, mit reinem Televoting lägen die Schweden noch heute bei 100% (und die Ukraine nicht). So ändern sich die Zeiten.

Aber genug davon. Ein Semibeitrag fehlt nämlich noch, aber dessen Schicksal ist so tragisch, dass mir das einen eigenen Beitrag wert ist.

Dienstag, 28. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 5a: Wen die Televoter auf dem Gewissen haben

So, heute können wir uns noch ein bisschen aufregen. Denn die Televoter haben die Tür zum Finale für folgende Beiträge zugesperrt, die die Jurys drin haben wollten:


Estland 2010: Malcolm Lincoln & Manpower 4 - Siren

Malta 2010: Thea Garrett - My Dream

Mazedonien 2010: Gjoko Taneski - Jas ja imam silata

Malta 2011: Glen Vella - One Life

San Marino 2011: Senit - Stand By

Belgien 2011: Witloof Bay - With Love Baby

Slowakei 2011: Twiins - I’m Still Alive

Israel 2012: Izabo - Time

Kroatien 2012: Nina Badrić - Nebo

Georgien 2012: Anri Jokhadse - I’m a Joker

Österreich 2013: Natália Kelly - Shine (Platz 5 bei den Jurys!)

San Marino 2013: Valentina Monetta - Crisalide (Vola)

Israel 2013: Moran Mazor - Rak bishvilo

Estland 2014: Tanja - Amazing

Albanien 2014: Hersi - One Night’s Anger

Mazedonien 2014: Tijana Dapčević - To the Sky

Niederlande 2015: Trijntje Oosterhuis - Walk Along

Belarus 2015: Uzari u. Maimuna - Time

Irland 2015: Molly Sterling - Playing with Numbers

Malta 2015: Amber - Warrior

Montenegro 2016: Highway - The Real Thing

Slowenien 2016: ManuElla - Blue and Red

Georgien 2017: Tamara Gachechiladze - Keep the Faith

Tschechien 2017: Martina Barta - My Turn

Serbien 2017: Tijana Bogićević - In Too Deep

Malta 2017: Claudia Faniello - Breathlessly (0 Punkte vom Televoting!)

Belgien 2018: Sennek - A Matter of Time

Schweiz 2018: ZiBBZ - Stones

Rumänien 2018: The Humans - Goodbye

Malta 2018: Christabelle - Taboo (Platz 5 bei den Jurys!)

Lettland 2018: Laura Rizzotto - Funny Girl

Ungarn 2019: Joci Pápai - Az én apám

Moldau 2019: Anna Odobescu - Stay

Rumänien 2019: Ester Peony - On a Sunday

Rumänien 2021: Roxen - Amnesia

Kroatien 2022: Mia Dimšić - Guilty Pleasure

Nordmazedonien 2022: Andrea - Circles


Okay. Okay. Ich wollte mich eigentlich aufregen. Aber so richtig aufregen kann ich mich da eigentlich gar nicht, denn man kann die Rauswürfe in jedem einzelnen Fall vertreten bzw nachvollziehen, wie es dazu kam- mit einer Ausnahme. Valentina Monetta hatte nach Meinung der Schreiberin dieser Zeilen 2013 den mit Abstand besten ihrer vier Eurovisionsbeiträge und hätte damit ins Finale gehört und nicht etwa ein Jahr später, wo sie kurioserweise die Televoter gegen den Willen der Jurys ins Finale gelassen haben. Auch Estland 2010 ist sehr schade, war aber wohl insgesamt zu experimentell. Auch Israel 2013 hätte ich sehr gern im Finale gehabt.

Hier finden sich insbesondere im Jahr 2015 so einige Beiträge, wo hinterher das Geschrei groß war (ich sag nur FFF) - tja, hättet Ihr sie halt mal selbst weitergewählt.

Beim einen oder anderen Beitrag kann man auch nur mit dem Kopf schütteln, so frage ich mich beispielsweise, was die Jurys dazu gebracht hat, Malta 2017 allen Ernstes ins Finale lassen zu wollen. Die Televoter hatten da eine unwesentlich andere Meinung. Und ich bleibe dabei: Wer vom Televoting null Punkte bekommt, hat nichts im Finale zu suchen. Auch über so Beiträge wie San Marino oder Slowakei 2011 kann man sich nur wundern. 

Am meisten gilt das aber für Georgien 2012 - okay, Anri ist ein wirklich toller Musiker, aber bittschön: Diesen songgewordenen ausgestreckten Mittelfinger wolltet Ihr allen Ernstes im Finale haben? Was kommt als Nächstes? Wenn die irische Trute noch mal antritt, winkt Ihr die dann auch durch?

Reden müssen wir allerdings auch noch über Österreich 2013 und über Malta 2018. Beide waren in der Jurywertung Top 5. Beim Auswertungssystem, das von 2010 bis 2012 Bestand hatte, wären beide im Finale gewesen. Dass man seit 2013 jemanden komplett versenken kann (Televoting) bzw gezielt rausvoten kann (Jurys), halte ich nach wie vor nicht für gut. Aber dazu später noch mehr.

Montag, 27. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 4b: Wen die Televoter gerettet haben

Habt Ihr alle Eure Beruhigungsmittel im Anschlag? Könnte sein, dass ihr sie hier braucht!

Die Televoter haben folgenden Beiträgen gegen den Willen der jeweiligen Semi-Jurys ins Finale verholfen:


Moldau 2010: SunStroke Project & Olia Tira - Run Away

Russland 2010: Peter Nalitch & Friends - Lost and Forgotten

Belarus 2010: 3+2 feat. Robert Wells - Butterflies

Russland 2011: Alex Sparrow - Get You

Georgien 2011: Eldrine - One More Day

Bosnien und Herzegowina 2011: Dino Merlin - Love in Rewind

Moldau 2011: Zdob și Zdub - So Lucky

Island 2012: Greta Salóme & Jónsi - Never Forget

Türkei 2012: Can Bonomo - Love Me Back

Norwegen 2012: Tooji - Stay

Litauen 2013: Andrius Pojavis - Something

Ungarn 2013: ByeAlex - Kedvesem (Zoohacker Remix)

Rumänien 2013: Cezar - It’s My Life (Platz 1 im Televoting!)

Russland 2014: Tolmachevy Sisters - Shine

San Marino 2014: Valentina Monetta - Maybe

Polen 2014: Donatan & Cleo - My Słowianie (We Are Slavic)

Armenien 2015: Genealogy - Face the Shadow

Serbien 2015: Bojana Stamenov - Beauty Never Lies

Montenegro 2015: Knez - Adio

Polen 2015: Monika Kuszyńska - In the Name of Love

Österreich 2016: ZOË - Loin d’ici

Polen 2016: Michał Szpak - Color of Your Life

Belgien 2017: Blanche - City Lights

Polen 2017: Kasia Moś - Flashlight

Rumänien 2017: Ilinca feat. Alex Florea - Yodel It!

Kroatien 2017: Jacques Houdek - My Friend

Litauen 2018: Ieva Zasimauskaitė - When We’re Old

Finnland 2018: Saara Aalto - Monsters

Serbien 2018: Sanja Ilić & Balkanika - Nova deca 

Dänemark 2018: Rasmussen - Higher Ground (Platz 1 im Televoting!)

Ungarn 2018: AWS - Viszlát Nyár

San Marino 2019: Serhat - Say Na Na Na

Albanien 2019: Jonida Maliqi - Ktheju Tokës

Norwegen 2019: KEiiNO - Spirit in the Sky (Platz 1 im Televoting!)

Norwegen 2021: TIX - Fallen Angel

Aserbaidschan 2021: Efendi - Mata Hari

Moldau 2022: Zdob și Zdub & Advahov Brothers - Trenulețul

Rumänien 2022: WRS - Llámame


Ich hatte mir eigentlich nach dem Beitrag von heute Morgen vorgenommen, das Jurybashing bis auf Weiteres einzustellen. Na, DER Vorsatz hat ja mal lange angehalten ... da möchte man doch mindestens bei jedem zweiten Beitrag zu den Jurys gehen und klatschen, aber keinen Beifall! Da finden sich gleich eine ganze Reihe von dem, was die Wiwis "Crime" nennen (und was mit Verbrechen zu übersetzen ich mich dennoch weigere. It's still only a song contest!). 

Fangen wir mit dem schlimmsten und unerklärlichsten Crime an: Wenn es nach den Jurys gegangen wäre, wäre "City Lights" 2017 nicht ins Finale gekommen. Ja, ich weiß, der Auftritt war nicht optimal, aber: Herrschaften, Euer Auftrag ist es, die Qualität der Songs zu bewerten! Habt Ihr beim Hören geschlafen oder Drogen konsumiert? Wie kann man einen der besten und spannendsten Songs der Eurovisionsgeschichte nicht ins Finale lassen?!? I am sorry, aber wer seinen Job so dermaßen versemmelt, hat eigentlich keine Daseinsberechtigung mehr. Belgien 2017 ist auch derjenige Beitrag aus dieser Liste, der im Finale die höchste Platzierung geholt hat, er wurde Vierter. Spannenderweise haben sich die Jurys im Finale dann wieder daran erinnert, was ihr Job ist, denn dort landete Blanche bei den Jurys auf Platz 9. Himmisakra!

Auch sonst ist diese Liste kein Ruhmesblatt, es gibt über die Jahre noch ELF weitere Beiträge, die ebenfalls die Final-Top-Ten geknackt haben. Als da wären (in order of appearance and in the Klammern the Platzierung): Georgien 2011 (9.), Bosnien und Herzegowina 2011 (6.), Türkei 2012 (7.), Ungarn 2013 (10.), Russland 2014 (7.), Serbien 2015 (10.), Polen 2016 (8. mit der wohl größten prozentualen Diskrepanz aus Jury- und Televotingstimmen ever), Rumänien 2017 (7.), Dänemark 2018 (9.), Norwegen 2019 (6.) und Moldau 2022 (7.). Nicht nur diese Liste macht beim Durchlesen schon ziemlich sauer. Und gleich DREI Semi-Televotinggewinner sollten nicht ins Finale einziehen?!

Ganz nebenbei hätten wir auch den Epic Sax Guy nicht im Finale gehabt. Schämt Euch, Jurys!

Sogar der große Zeljko Joksimovic hat es nicht geschafft, die Jurys mit all seinen Beiträgen zu überzeugen. Dass es Montenegro 2015 seinen Finaleinzug allein dem Televoting zu verdanken hat, ist schon wirklich heftig.

Andererseits gibt es natürlich auch den einen oder anderen Beitrag, den man in dieser Liste irgendwie erwartet hat; so wäre zum Beispiel der gute Serhat 2019 mit reiner Jurywertung natürlich niemals ins Finale gekommen.

Nun gut. Das war der harmlose Teil. Morgen könnt Ihr Euch dann WIRKLICH aufregen. Geht lieber noch mal kurz in die Apotheke und holt Blutdruckmittel.


Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 4a: Wen die Jurys gerettet haben

So, jetzt kommen endlich die spannenden Sachen!

Heute schauen wir, wer seinen Finaleinzug den Jurys zu verdanken hat und wen die Televoter rausgekickt hätten. Als da wären:


Bosnien und Herzegowina 2010: Vukašin Brajić - Thunder and Lightning

Israel 2010: Harel Skaat - Milim

Irland 2010: Niamh Kavanagh - It’s for You

Serbien 2011: Nina - Čaroban

Schweiz 2011: Anna Rossinelli - In Love for a While

Litauen 2011: Evelina Sašenko - C’est ma vie (Jurysieger im Semi!)

Estland 2011: Getter Jaani - Rockefeller Street

Ungarn 2012: Compact Disco - Sound of Our Hearts

Malta 2012: Kurt Calleja - This Is the Night

Ukraine 2012: Gaitana - Be My Guest

Estland 2013: Birgit - Et uus saaks alguse

Moldau 2013: Aliona Moon - O mie

Armenien 2013: Dorians - Lonely Planet

Georgien 2013: Nodi Tatishvili und Sopho Gelovani - Waterfall

Aserbaidschan 2014: Dilara Kazimova - Start a Fire

Malta 2014: Firelight - Coming Home

Ungarn 2015: Boggie - Wars for Nothing

Aserbaidschan 2015: Elnur Huseynov - Hour of the Wolf

Tschechien 2016: Gabriela Gunčíková - I Stand

Israel 2016: Hovi Star - Made of Stars

Georgien 2016: Nika Kocharov & Young Georgian Lolitaz - Midnight Gold

Australien 2017: Isaiah - Don’t Come Easy

Österreich 2017: Nathan Trent - Running on Air

Dänemark 2017: Anja Nissen - Where I Am

Albanien 2018: Eugent Bushpepa - Mall

Niederlande 2018: Waylon - Outlaw in ’Em

Belarus 2019: ZENA - Like It

Dänemark 2019: Leonora - Love Is Forever

Belgien 2021: Hooverphonic - The Wrong Place

Albanien 2021: Anxhela Peristeri - Karma

Schweiz 2022: Marius Bear - Boys Do Cry

Aserbaidschan 2022: Nadir Rüstəmli - Fade to Black (0 Punkte beim Televoting im Semi!)


Da haben wir den Jurys ja doch die eine oder andere Rettungstat zu verdanken. Für mich persönlich der größte Schocker, wenn auch nicht komplett unerwartet: Wir hätten "Mall" nicht im Finale gehabt und damit einen der besten männlichen Sänger der Contestgeschichte. Damit ich jetzt nicht mit Jury-Lobliedern anfange: Sie haben auch "Wars for Nothing" durchgelassen. Die beiden Beiträge liegen in meinem persönlichen Ranking auf Antipodenplätzen, sprich, Mall ist meine All-Time-Nummer 2, Wars for Nothing inzwischen seit 2023 "nur" noch All-Time-Vorletzter. Das hebt sich für mich also ungefähr auf. Gleiches gilt für das Retten von Österreich 2017 und das Durchwinken der Ukraine 2012 (Jurys, you had ONE job!). Also, wir sehen schon, ein sehr zweischneidiges Schwert. Vielleicht sollte ich das mit dem Jurybashing doch mal sein lassen.

Interessant auch noch die Fälle Israel und Irland 2010, auf dem Papier eigentlich beide sichere Weiterkommer. Im jeweiligen Semi die Auftritte komplett versemmelt. Aber dass es keinen Früherer-Sieger-Bonus gibt, musste ja ein Jahr später auch Dana International erfahren. Auf der anderen Seite haben wir beispielsweise Georgien 2016, was im Vorfeld eigentlich als chancenlos galt, aber im Finale für einen tollen Farbtupfer gesorgt hat.

Ein Geschmäckle haben für mich die 2019er in dieser Liste (wir erinnern uns an das Jurychaos damals, tun wir nicht?) und vor allem Aserbaidschan 2022. Mit null Punkten bei einer der Gruppen sollte es nicht möglich sein, dass einen die andere Gruppe ins Finale hievt.

Letztlich hat es ihnen allen von der Jury Geretteten aber nur bedingt viel genützt, auch der von der Jury im Semi sogar auf Platz 1 gesetzten Evelina Sasenko - wobei man da allerdings berücksichtigen muss, dass die beiden Auftritte im Semi und im Finale einen deutlichen Qualitätsunterschied hatten. War das im Semi noch wirklich bestechend gut, so kam der Finalauftritt längst nicht mehr so fokussiert und konzentriert und stellenweise fast schon ein bisschen schlampig rüber. Ich könnte mir vorstellen, dass das in den jeweiligen Juryshows ähnlich gelaufen ist.

Der im Finale höchstplatzierte Beitrag aus dieser Gruppe ist Australien 2017 mit Platz 9, alle anderen konnten die Top Ten im Finale nicht knacken. Wie wir alle wissen, war dieser Platz 9 ein sehr schmeichelhafter Platz 9. (Das ein gewisser albanischer Zahnarzt 2018 mit Platz 11 im Finale sträflich unterbewertet war, bleibt dennoch ein Skandal!)


Sonntag, 26. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 3c: Rausflieger Jury + Televoting 2018-2022

So, jetzt noch das letzte Paket Rausflieger, bevor endlich die wirklich interessanten Sachen kommen.


Erstes Semi 2018:

Aserbaidschan: Aisel - X My Heart
Island: Ari Ólafsson - Our Choice
Belarus: ALEKSEEV - Forever
Mazedonien: Eye Cue - Lost and Found
Kroatien: Franka - Crazy
Armenien: Sevak - Qami

Zweites Semi 2018:

San Marino: Jessika feat. Jenifer Brening - Who We Are
Russland: Julia Samoylova - I Won’t Break
Georgien: Iriao - For You
Montenegro: Vanja Radovanović - Inje

Erstes Semi 2019:

Montenegro: D mol - Heaven
Finnland: Darude feat. Sebastian Rejman - Look Away
Belgien: Eliot - Wake Up
Georgien: Oto Nemsadze - Keep On Going
Portugal: Conan Osíris - Telemóveis

Zweites Semi 2019:

Armenien: Srbuk - Walking Out
Irland: Sarah McTernan - 22
Lettland: Carousel - That Night
Österreich: PÆNDA - Limits
Kroatien: Roko - The Dream

Erstes Semi 2021:

Slowenien: Ana Soklič - Amen
Australien: Montaigne - Technicolour
Nordmazedonien: Vasil - Here I Stand
Irland: Lesley Roy - Maps

Zweites Semi 2021:

Estland: Uku Suviste - The Lucky One
Tschechien: Benny Cristo - omaga
Österreich: Vincent Bueno - Amen
Polen: Rafał - The Ride
Georgien: Tornike Kipiani - You
Lettland: Samanta Tīna - The Moon Is Rising

Erstes Semi 2022:

Lettland: Citi Zēni - Eat Your Salad
Slowenien: LPS - Disko
Bulgarien: Intelligent Music Project - Intention
Dänemark: REDDI - The Show
Österreich: LUM!X feat. Pia Maria - Halo

Zweites Semi 2022:

Israel: Michael Ben David - I.M
Georgien: Circus Mircus - Lock Me In
Malta: Emma Muscat - I Am What I Am
San Marino: Achille Lauro - Stripper
Irland: Brooke - That’s Rich
Montenegro: Vladana - Breathe

Okay, große Überraschungen sind in diesem Paket tatsächlich nicht drin, zumindest dann nicht, wenn man die Auftritte kennt (hallo Österreich 2022! Hallo Portugal 2019!). Allerdings kann ich mich einer gewissen Schadenfreude nicht erwehren, wenn ich auf das zweite Semi 2018 schaue und an den Vulkan (oder was auch immer das war) denke ... bah, Frau Fabian, Sie sind schäbbich. Jawoll. Bin ich. Und ab morgen gehen wir ans Eingemachte!

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 3b: Rausflieger Jury + Televoting 2014-2017

Weiter gehts mit dem nächsten Vierjahrespackerl:


Erstes Semi 2014

Lettland: Aarzemnieki - Cake to Bake
Belgien: Axel Hirsoux - Mother
Moldau: Cristina Scarlat - Wild Soul
 

Zweites Semi 2014

Israel: Mei Feingold - Same Heart
Georgien: The Shin & Mariko - Three Minutes to Earth
Litauen: Vilija Matačiūnaitė - Attention

Erstes Semi 2015

Moldau: Eduard Romanyuta - I Want Your Love
Mazedonien: Daniel Kajmakoski - Autumn Leaves
Dänemark: Anti Social Media - The Way You Are

Zweites Semi 2015

San Marino: Anita Simoncini u. Michele Perniola - Chain of Lights
Portugal: Leonor Andrade - Há um mar que nos separa
Island: María Ólafs - Unbroken
Schweiz: Mélanie René - Time to Shine
 

Erstes Semi 2016

Finnland: Sandhja - Sing It Away
Griechenland: Argo - Utopian Land
Moldau: Lidia Isac - Falling Stars
San Marino: Serhat - I Didn’t Know
Estland: Jüri Pootsmann - Play
Island: Greta Salóme - Hear Them Calling
 

Zweites Semi 2016

Schweiz: Rykka - The Last of Our Kind
Irland: Nicky Byrne - Sunlight
Dänemark: Lighthouse X - Soldiers of Love
Norwegen: Agnete - Icebreaker
Albanien: Eneda Tarifa - Fairytale
 

Erstes Semi 2017

Albanien: Lindita Halimi - World
Montenegro: Slavko Kalezić - Space
Island: Svala - Paper
Slowenien: Omar Naber - On My Way
Lettland: Triana Park - Line

Zweites Semi 2017

Mazedonien: Jana Burčeska - Dance Alone
Irland: Brendan Murray - Dying to Try
San Marino: Valentina Monetta & Jimmie Wilson - Spirit of the Night
Litauen: Fusedmarc - Rain of Revolution


Hier sind es vor allem drei, die sofort ins Auge springen, nämlich Belgien 2014, Israel 2014 und Island 2016. Alle drei wurden im Vorfeld hochgewettet inklusive durchaus vorhandener Siegchancen. Wie wir sehen, hatten wir Unrecht. Auch Moldau 2015, Norwegen 2016, Lettland 2017 und Mazedonien 2017 waren vermutlich für den einen oder anderen Fan eine Negativüberraschung, und um Montenegro 2017 trauern ja bis heute noch ganz viele.

Freitag, 24. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 3a: Rausflieger Jury + Televoting 2010-2013

Na, könnt Ihr noch? War viel Statistik für überschaubares Ergebnis, ich weiß. Bei den Weiterkommern gab es, wie wir gesehen habe, viel Einigkeit zwischen Jurys und Televotern. Gleiches gilt natürlich auch für die Rausflieger bei beiden Gruppen. Auch hier sind es zu viele für ein Posting, deshalb teile ich es auf drei auf. Mal sehen, ob was Interessantes dabei ist:


Erstes Semi 2010:

Slowakei: Kristina - Horehronie
Lettland: Aisha - What For?
Polen: Marcin Mroziński - Legenda

Zweites Semi 2010:

Schweiz: Michael von der Heide - Il pleut de l’or
Niederlande: Sieneke - Ik ben verliefd (Sha-la-lie)
Slowenien: Roka Žlindre & Kalamari - Narodnozabavni rock
Bulgarien: Miro - Angel si ti
Kroatien: Feminnem - Lako je sve

Erstes Semi 2011:

Polen: Magdalena Tul - Jestem
Albanien: Aurela Gaçe - Feel the Passion
Kroatien: Daria Kinzer - Celebrate
Portugal: Homens da Luta - Luta é alegria

Zweites Semi 2011:

Niederlande: 3JS - Never Alone
Zypern: Christos Mylordos - San Angelos S’Agapisa
Bulgarien: Poli Genova - Na inat
Mazedonien: Vlatko Ilievski - Rusinka
Israel: Dana International - Ding Dong
Lettland: Musiqq - Angel in Disguise


Erstes Semi 2012

Montenegro: Rambo Amadeus - Euro Neuro
Lettland: Anmary - Beautiful Song
Belgien: Iris - Would You?
Finnland: Pernilla Karlsson - När jag blundar
San Marino: Valentina Monetta - The Social Network Song (OH OH–Uh-OH OH)
Österreich: Trackshittaz - Woki mit deim Popo

Zweites Semi 2012

Belarus: Litesound - We Are the Heroes
Portugal: Filipa Sousa - Vida minha
Slowenien: Eva Boto - Verjamem
Slowakei: Max Jason Mai - Don’t Close Your Eyes

Erstes Semi 2013

Slowenien: Hannah - Straight into Love
Zypern: Despina Olympiou - An me thimase
Serbien: Moje 3 - Ljubav je svuda

Zweites Semi 2013

Lettland: PeR - Here We Go
Mazedonien: Esma und Lozano - Pred da se razdeni
Albanien: Adrian Lulgjuraj und Bledar Sejko - Identitet


Na schau mal an, da sind ja dann doch einige Überraschungen bzw. in beiden Gruppen gescheiterte Fanfavoriten dabei. Das geht gleich mit der Slowakei 2010 los. Auch Kroatien 2010, Bulgarien 2011, Finnland 2012, Slowenien 2012 und Serbien 2013 gehören in diese Kategorie. Und dass Dana International sang- und klanglos von beiden Gruppen rausgeworfen wurde ... gibts eigentlich keinen Respekt mehr vor Eurovisionshoheiten, oder wie? Und wie problematisch die Semis in der Zeit für die Letten waren, deutet sich hier ebenfalls an. Auf spezifische Länderproblematiken werden wir aber am Ende auch noch eingehen.

(Kurz noch was in eigener Sache: Da ich übers Wochenende weg bin und hier auch nicht posten kann, geht es hier erst am Sonntagabend weiter.)

Donnerstag, 23. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 2d: Weiterkommer Jury + Televoting 2019-2022

Und die letzten drei Jahre - wir erinnern uns, da war ja was in 2020. Oder vielmehr: Nix.


Erstes Semi 2019:

Zypern: Tamta - Replay
Slowenien: Zala Kralj & Gašper Šantl - Sebi
Tschechien: Lake Malawi - Friend of a Friend
Serbien: Nevena Božović - Kruna
Australien: Kate Miller-Heidke - Zero Gravity
Island: Hatari - Hatrið mun sigra
Estland: Victor Crone - Storm
Griechenland: Katerine Duska - Better Love

Zweites Semi 2019:

Schweiz: Luca Hänni - She Got Me
Schweden: John Lundvik - Too Late for Love
Malta: Michela - Chameleon
Russland: Sergei Lazarev - Scream
Niederlande: Duncan Laurence - Arcade
Nordmazedonien: Tamara Todevska - Proud
Aserbaidschan: Chingiz - Truth

Erstes Semi 2021:

Litauen: The Roop - Discoteque
Russland: Manizha - Russian Woman
Schweden: Tusse - Voices
Zypern: Elena Tsagrinou - El diablo
Israel: Eden Alene - Set Me Free
Ukraine: Go A - SHUM
Malta: Destiny - Je me casse

Zweites Semi 2021:

San Marino: Senhit feat. Flo Rida - Adrenalina
Griechenland: Stefania - Last Dance
Moldau: Natalia Gordienko - Sugar
Island: Daði og Gagnamagnið - 10 Years
Serbien: Hurricane - Loco loco
Portugal: The Black Mamba - Love Is on My Side
Bulgarien: Victoria - Growing Up Is Getting Old
Finnland: Blind Channel - Dark Side
Schweiz: Gjon’s Tears - Tout l’univers

Erstes Semi 2022:

Litauen: Monika Liu - Sentimentai
Ukraine: Kalush Orchestra - Stefania
Niederlande: S10 - De diepte
Portugal: MARO - Saudade, saudade
Island: Systur - Með hækkandi sól
Griechenland: Amanda Georgiadi Tenfjord - Die Together
Norwegen: Subwoolfer - Give That Wolf a Banana
Armenien: Rosa Linn - Snap

Zweites Semi 2022:

Finnland: The Rasmus - Jezebel
Serbien: Konstrakta - In corpore sano
Australien: Sheldon Riley - Not the Same
Estland: Stefan - Hope
Polen: Ochman - River
Belgien: Jérémie Makiese - Miss You
Schweden: Cornelia Jakobs - Hold Me Closer
Tschechien: We Are Domi - Lights Off


Erstaunlich finde ich hier vor allem Estland 2019, Portugal 2021 und Belgien 2022. Die Jahrgänge 2021 und 2022 waren insgesamt die am wenigsten umstrittenen, hier waren sich Jury und Televote dann doch weitgehend einig. 2021 waren sie sich sogar noch einiger, als es hier aussieht. Aber dazu später mehr. Auch 2019 gab es recht wenige Verwerfungen, was umso verwunderlicher ist, als über den Semis ja immer noch der Verdacht liegt, dass da bei den Jurys nicht alles ganz so gelaufen ist, wie es sollte. 

Nun gut. So viel erst mal zu den beiderseitigen Weiterkommern. Schauen wir ab morgen, wie es bei den beiderseitigen Rausfliegern aussieht.

Mittwoch, 22. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 2c: Weiterkommer Jury + Televoting 2016-2018

Weiter gehts mit der dritten Packung, mal sehen, ob wir da spannende Sachen finden und wenn ja was:

Erstes Semi 2016:

Ungarn: Freddie - Pioneer
Kroatien: Nina Kraljić - Lighthouse
Niederlande: Douwe Bob - Slow Down
Armenien: Iveta Mukuchyan - LoveWave
Russland: Sergej Lazarev - You Are the Only One
Zypern: Minus One - Alter Ego
Aserbaidschan: Samra - Miracle
Malta: Ira Losco - Walk on Water

Zweites Semi 2016:

Lettland: Justs - Heartbeat
Serbien: ZAA Sanja Vučić - Goodbye (Shelter)
Litauen: Donny Montell - I’ve Been Waiting for This Night
Australien: Dami Im - Sound of Silence
Bulgarien: Poli Genova - If Love Was a Crime
Ukraine: Jamala - 1944
Belgien: Laura Tesoro - What’s the Pressure

Erstes Semi 2017:

Schweden: Robin Bengtsson - I Can’t Go On
Aserbaidschan: Dihaj - Skeletons
Portugal: Salvador Sobral - Amar pelos dois
Griechenland: Demy - Is this love
Moldau: SunStroke Project - Hey Mamma
Zypern: Hovig - Gravity
Armenien: Artsvik - Fly With Me

Zweites Semi 2017:

Niederlande: O’G3NE - Lights and Shadows
Ungarn: Joci Pápai - Origo
Norwegen: Jowst feat. Aleksander Walmann - Grab the Moment
Belarus: Naviband - Story of My Life
Bulgarien: Kristian Kostow - Beautiful Mess
Israel: Imri Ziv - I Feel Alive

Erstes Semi 2018:

Tschechien: Mikolas Josef - Lie to Me
Israel: Netta - Toy
Estland: Elina Netšajeva - La forza
Bulgarien: Equinox - Bones
Österreich: Cesár Sampson - Nobody But You
Irland: Ryan O’Shaughnessy - Together
Zypern: Eleni Foureira - Fuego

Zweites Semi 2018:

Norwegen: Alexander Rybak - That’s How You Write a Song
Moldau: DoReDoS - My Lucky Day
Australien: Jessica Mauboy - We Got Love
Schweden: Benjamin Ingrosso - Dance You Off
Slowenien: Lea Sirk - Hvala, Ne!
Ukraine: Mélovin - Under the Ladder

2016 kauf ich alles so. 2017 hat zwei kleinere Überraschungen, nämlich Griechenland und Israel. Da hätte ich bei beiden vorher gedacht, dass sie mehr kämpfen müssen. Dafür hat 2018 zwei große Überraschungen, nämlich Slowenien, wo wohl vorher auch keiner mit dem Durchwinken beider Gruppen gerechnet hätte (hier hat mich besonders die Jury überrascht) und Irland. Das im Vorfeld völlig unerwartete Weiterkommen von "Together" hat mir bekanntlich einen meiner schönsten Eurovisionsmomente ever beschert. Ich weiß, dass sich viele darüber heute noch wundern, aber wie Ihr seht: Das waren nicht nur die Jurys, die Televoter hat es ebenfalls überzeugt!

Interessant auch noch, dass sowohl die Ukraine 2018 als auch Schweden 2018 in dieser Liste auftauchen. Wenn Ihr Euch erinnert: Im Finale sind die Ukraine bei der Jury und Schweden beim Televoting ja bekanntlich gnadenlos abgeschmiert. Es kann sich also vom Semi bis zum Finale noch einiges verschieben. Spoiler: Es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir sowas feststellen.

Dienstag, 21. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 2b: Weiterkommer Jury + Televoting 2013-2015

Ab 2013 gab es ja eine Änderung, die durch die gleichzeitige Startreihenfolgenfestlegungfestlegung ein bisschen untergegangen ist, aber letztlich die gravierendere der beiden Änderungen war. Ab 2013 wurden nämlich die Beiträge komplett durchgerankt. Es gab nicht mehr die Plätze 1-10 und alles dahinter ist Platz 11, sondern die Plätze 11 bis 26 wurden ebenfalls ermittelt - mit gewaltigen Folgen, wie wir später noch sehen werden. 

In den Jahren 2013 bis 2015 wurden folgende Beiträge von beiden Gruppen durchgelassen:


Erstes Semi 2013:

Dänemark: Emmelie de Forest - Only Teardrops
Russland: Dina Garipova - What If
Ukraine: Zlata Ognevich - Gravity
Niederlande: Anouk - Birds
Belarus: Alyona Lanskaya - Solayoh
Irland: Ryan Dolan - Only Love Survives
Belgien: Roberto Bellarosa - Love Kills
 

Zweites Semi 2013:

Aserbaidschan: Farid Mammadov - Hold Me
Finnland: Krista Siegfrids - Marry Me
Malta: Gianluca - Tomorrow
Island: Eythor Ingi - Ég á líf
Griechenland: Koza Mostra ft. Agathonas Iakovidis - Alcohol Is Free
Norwegen: Margaret Berger - I Feed You My Love

Erstes Semi 2014:

Armenien: Aram Mp3 - Not Alone
Schweden: Sanna Nielsen - Undo
Island: Pollapönk - No Prejudice
Ukraine: Maria Yaremchuk - Tick-Tock
Niederlande: The Common Linnets - Calm After the Storm
Montenegro: Sergej Ćetković - Moj Svijet
Ungarn: András Kállay-Saunders - Running

Zweites Semi 2014:

Norwegen: Carl Espen - Silent Storm
Österreich: Conchita Wurst - Rise Like a Phoenix
Finnland: Softengine - Something Better
Belarus: Teo - Cheesecake
Schweiz: Sebalter - Hunter of Stars
Griechenland: Freaky Fortune feat. RiskyKidd - Rise Up
Slowenien: Tinkara Kovač - Round and Round
Rumänien: Paula Seling & Ovi - Miracle

Erstes Semi 2015:

Belgien: Loïc Nottet - Rhythm Inside
Griechenland: Maria Elena Kyriakou - One Last Breath
Estland: Elina Born & Stig Rästa - Goodbye to Yesterday
Russland: Polina Gagarina - A Million Voices
Albanien: Elhaida Dani - I’m Alive
Rumänien: Voltaj - De la capăt – All Over Again
Georgien: Nina Sublatti - Warrior

Zweites Semi 2015:

Litauen: Monika Linkytė u. Vaidas Baumila - This Time
Norwegen: Mørland & Debrah Scarlett - A Monster Like Me
Israel: Nadav Guedj - Golden Boy
Lettland: Aminata - Love Injected
Schweden: Måns Zelmerlöw - Heroes
Zypern: John Karayiannis - One Thing I Should Have Done
Slowenien: Maraaya - Here For You


So, hier sieht es doch schon mal gleich spannender aus. Da hätten wir zum Beispiel Bobby Prettypink aus Belgien 2013, den vorher kein Mensch im Finale erwartet hätte. Auch dass der Käsekuchen aus Belarus sowie das Märchenkleid aus Slowenien 2014 von beiden Gruppen das Go bekommen haben, war nicht unbedingt abzusehen. 2015 überrascht hingegen wenig, am ehesten vielleicht noch Griechenland. 

Insgesamt waren sich Jurys und Televoter vor allem 2014 relativ einig - je mehr Beiträge hier aufgeführt sind, desto einiger waren sie sich. Natürlich schauen wir am Ende auch darauf, wo sie sich am einigsten waren und wo die größten Verwerfungen waren. 

Montag, 20. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 2a: Weiterkommer Jury + Televoting 2010-2012

So, dann starten wir mal rein! Ich hab ja schon gesagt, dass es 170 Weiterkommer sind, die sowohl bei reinem Juryvote als auch bei reinem Televote weitergekommen wären. Obwohl das die Fälle sind, die vielleicht etwas weniger spannend sind als die umstrittenen Fälle, wollen wir trotzdem einen Blick darauf werfen. Der eine oder andere davon ist nämlich durchaus interessant und hat sowohl die Bubble als auch die Bookies aber mal sowas von Lügen gestraft. Weil 170 Weiterkommer eine Masse Holz ist, bündeln wir das in vier Teile, damit müsste es noch einigermaßen übersichtlich sein. Wir fangen also an mit den Jahren 2010-2012:


Erstes Semi 2010:

Serbien: Milan Stanković - Ovo je Balkan
Belgien: Tom Dice - Me and My Guitar
Albanien: Juliana Pasha - It’s All About You
Griechenland: Giorgos Alkaios & Friends - OPA
Portugal: Filipa Azevedo - Há dias assim
Island: Hera Björk - Je ne sais quoi

Zweites Semi 2010:

Armenien: Eva Rivas - Apricot Stone
Dänemark: Chanée & N’Evergreen - In a Moment like This
Aserbaidschan: Safura - Drip Drop
Ukraine: Alyosha - Sweet People
Rumänien: Paula Seling & Ovi - Playing with Fire
Zypern: Jon Lilygreen & The Islanders - Life Looks Better in Spring
Georgien: Sofia Nizharadze - Shine
Türkei: maNga - We Could Be the Same

Erstes Semi 2011:

Finnland: Paradise Oskar - Da Da Dam
Island: Sjonni’s Friends - Coming Home
Ungarn: Kati Wolf - What About My Dreams
Aserbaidschan: Ell & Nikki - Running Scared
Griechenland: Loukas Giorkas feat. Stereo Mike - Watch My Dance

Zweites Semi 2011:

Österreich: Nadine Beiler - The Secret Is Love
Ukraine: Mika Newton - Angel
Schweden: Eric Saade - Popular
Slowenien: Maja Keuc - No One
Rumänien: Hotel FM - Change
Dänemark: A Friend in London - New Tomorrow
Irland: Jedward - Lipstick

Erstes Semi 2012:

Griechenland: Eleftheria Eleftheriou - Aphrodisiac
Albanien: Rona Nishliu - Suus
Rumänien: Mandinga - Zaleilah
Zypern: Ivi Adamou - La La Love
Dänemark: Soluna Samay - Should’ve Known Better
Russland: Buranowskije Babuschki - Party for Everybody
Moldau: Pasha Parfeni - Lăutar
Irland: Jedward - Waterline

Zweites Semi 2012:

Serbien: Željko Joksimović - Nije ljubav stvar
Mazedonien: Kaliopi - Crno i belo
Schweden: Loreen - Euphoria
Estland: Ott Lepland - Kuula
Bosnien und Herzegowina: Maya Sar - Korake ti znam
Litauen: Donny Montell - Love Is Blind


Hier gibts jetzt noch nicht sooo viele knackige Überraschungen. Interessant ist vor allem das erste Semi 2011, wo man sieht, dass sich Jurys und Televoter hier doch relativ uneinig waren - je weniger Weiterkommer hier in dieser Rubrik aufgeführt sind, desto größer waren die Diskrepanzen bei Jury und Televote. Allen Unkenrufen zum Trotze sind sowohl Belgien 2010 (war ja sogar Semisieger), Portugal 2010 und Island 2011 allesamt bei beiden Gruppen weitergekommen. Und auch die Wolfkati, deren an sich sehr aussichtsreicher Song durch das Staging restlos ruiniert wurde, ist im Semi noch nicht ins Schwimmen geraten.

Okay, wir sehen, das ist jetzt tatsächlich noch nicht sooo irre spannend. Spannender sind vor allem die, die fehlen. Egal, wir ziehen das jetzt trotzdem durch. Hier kriegt noch jeder Semifinalist seine Würdigung!