Mittwoch, 18. März 2026

Das deutsche Finale 2026 - Nachlese zum Nachlesen, Teil 2: Das Drumherum und Fazit

Mit Spannung haben wir erwartet, was der SWR in seiner ersten Vorentscheidung so veranstaltet, Grund genug, das mal ausführlich nachzubetrachten. Hamses denn gut gemacht? Hamses besser gemacht als ... öh ... Sender, die das früher auch schon mal gemacht haben?

Allein in der Anfangssequenz steckte schon mehr Eurovision als in den VEs der letzten Jahre zusammengenommen. Damit meine ich nicht nur das Medley, sondern ist Euch beispielsweise auch aufgefallen, dass die Vorstellung der Acts mit der Musik von "Building Bridges" vom ESC 2015 in Wien hinterlegt war?

Auch die Idee, den ESC ein bisschen Revue passieren zu lassen, fand ich gut - als Hardcore-Fan lernste da natürlich nix Neues, aber man muss den normalen Zuschauer da abholen, wo er ist, insofern: Grundsätzlich mal Daumen hoch. Ich hätte mir gewünscht, dass da noch Songs wie Arcade oder Zitti e buoni auftauchen, um zu zeigen, dass der ESC auch heute noch große Hits produzieren kann. Na ja, nächstes Mal.

Was mir nicht gefallen hat, war die Präsentation der besten deutschen Beiträge, das war arg lieblos. Wenn man es schon nicht live singt, warum zeigt man dann nicht wenigstens Einspieler? Und wenn man Abor & Tynna schon in der Halle hat, warum dürfen sie ihren Song nicht live singen? Stattdessen ... lassen wir das.

Das internationale Medley war ebenfalls ein guter Ansatz, aber da hätte gern noch mehr kommen können. Wenn man schon Alex Panayi, Margaret Berger und Vaidotas Valiukevicius da sitzen hat, warum werden die nicht am Medley beteiligt? Hätte der Sache überdies gut getan, das von Luca Hänni (kann auch Schlafzimmerblick, und "Hold me now" stand ihm überraschend gut), Destiny (viel besser als das Original; wenn Loreen diesen Auftritt gesehen hat, hat sie sich vermutlich erstmal drei Tage weinend in ihr Zimmer eingeschlossen), Ruslana (armes Waterloo, Dir bleibt nix erspart. Hat Ruslana eigentlich verstanden, was sie da gesungen hat?) und Carla (nix gegen Dich, Liebes, aber an dem Song kann man sich nur verheben) vorgetragene Medley konnte mich nur während der ersten Hälfte überzeugen. 

Natürlich gab es dann auch die üblichen Rückblicke zum Thema "Skurrile Auftritte" und "Skurrile Outfits", aber geschenkt - dafür lieben wir ja diese Veranstaltung. Eine Verunstaltung war einmal mehr das Outfit von Babsi, die aber genug Selbstironie besaß, sich darüber zu amüsieren. Ich wüsste ja wirklich, wirklich, WIRKLICH gern mal, wer sie immer stylt.

Und damit sind wir bei der Moderation. Ich gebe zu, ich bin nicht der größte Hazel-Fan, und die Kombi Barbara + Hazel hätte böse in die Hose gehen können. Ist sie glücklicherweise nicht. Die beiden haben einander nicht eliminiert, sondern sich wirklich gut ergänzt. Gut, Barbara hat halt Barbara-Sachen gemacht, und man wünscht sich als Fan wirklich, dass sie sich endlich mal für das interessiert, was sie da tut. Hazel gehört seit letzten Jahr eindeutig zur ESC-Familie, und die ist jetzt schon tiefer in der Materie drin, als Barbara es jemals sein wird. Ein absoluter Gewinn für die Show, und da haben wir von den Spontan-Interaktionen mit dem Publikum noch gar nicht gesprochen.

Thorsten Schorn hat seine Sache ordentlich gemacht, aber: Warum war er überhaupt als Kommentator da? Wieso braucht es das? Ich hätte ihn nicht gebraucht. Aber ich schau ja auch den ESC im Mai seit vielen Jahren ohne Kommentar. 

Das Sofa war wohl leider unvermeidlich, und auch die Zusammensetzung war nicht geglückt. Hätte ich mir das aussuchen können, hätte ich lediglich Paola behalten (jaaa, Herrgott, von mir aus auch Michael Schulte, auch wenn der nicht viel gesagt hat). Der Herr Bergdoktor war zwar gut für jede Menge zweitklassige Witze über anwesende Ärzte und hat a bissl was über Wien erzählt, aber nichts, was man nicht auch anderweitig hätte lösen können. Was Frau Kebekus, die ich ansonsten sehr mag, auf der Couch zu suchen hatte, erschließt sich mir nicht, zumal man ja über ihren tatsächlichen ESC-Bezug nicht sprechen darf, sonst gibts vermutlich Post vom Anwalt. Diebisch gefreut hab ich mich, dass ihr billiger Witz "Barbara, Hazel und Caro bilden eine Band, haben komische Sachen an und nackte Tänzer mit auf der Bühne" so erbärmlich verpufft ist (außerdem darf man eh nicht nackt auf die Bühne). Statt den drei letztgenannten hätte ich VIEL lieber Abor & Tynna auf dem Sofa gehabt, die ja obendrein auch noch Österreicher sind. 

Dazu kam, dass da wirklich viel zu viel zu VIEL zu viel Gelaber vom Sofa war. Da hätte ich noch lieber mehr Interaktion mit der Jury gehabt, die wurden ja nicht mal alle vorgestellt. Die Jury an sich fand ich gut, auch die Entscheidung der Jury war goldrichtig. Ja, ich weiß, alles wehrt sich dagegen, dass da eine Jury vorgeschaltet wurde, aber mal ehrlich: Wir haben in der Vergangenheit auch und gerade vom deutschen Publikum wirklich genug Fehlentscheidungen erlebt. Wer weiß, ob das Publikum auch die Top 3 auf die ersten drei Plätze gehievt hätte ... Im Grunde war das in diesem Jahr ein No-Brainer, aber wir hatten das auch schon anders. Von daher bin ich nicht so sehr gegen dieses Konzept wie viele andere.

Grundsätzlich kann man sagen, dass da schon viele gute Ansätze drin waren, aber an vielen Stellen muss man nachjustieren. Weniger Gelaber, mehr Fokus auf die Acts (wenn auch bitte nicht mehr in Form von Greenroom-Interviews nach dem Ausscheiden), und vor allem nicht alles so in die Länge ziehen. Außerdem: Bessere Kameraführung und vor allem bessere Tonqualität.

Jetzt hoffe ich mal, dass der SWR nicht glaubt, dass "Fire" in dieser Form fertig und wettbewerbsfähig ist, sondern willens und bereit ist, die notwendigen Verbesserungen vorzunehmen. Was die VE angeht: Gute Sachen behalten, an anderer Stelle nachjustieren. Es war ein Anfang, aber es geht noch besser.

Das deutsche Finale 2026 - Nachlese zum Nachlesen, Teil 1b: Die Superfinalist*innen

Gott, wieso ist denn schon wieder so viel Zeit vergangen? Irgendwie vergeht die Zeit schneller als ich schreiben kann. Anyway, jetzt kommen wir zu was Erfreulicherem. Die drei, die da ins Superfinale gekommen sind, sind dort allesamt absolut zu Recht gelandet, und ganz ehrlich: Dafür hätten wir vermutlich keine Jury gebraucht. Falls die Jurypunkte irgendwann mal öffentlich gemacht werden sollten, wovon ich allerdings nicht ausgehe, würde ich jede Wette eingehen, dass zwischen den Plätzen 3 und 4 eine gewaltige Lücke klafft. Dennoch, die breite Kritik am Verfahren kann ich so nicht teilen, aber dazu später mehr.


7. wavvyboi - Black Glitter

Ein "Oooooh" an alle, die traurig sind, weil sie jetzt alle blöden "Black Smoke meets Blood and Glitter"-Witze nicht machen können. Und ja, ich hätte den natürlich auch gemacht. Blöde Witze hin oder her, das hier war unser absoluter Top-Favorit, das hat alle Boxen getickt, das war einfach toll, geil, super. Wir hätten es soooo gerne gesehen, dass wavvyboi nach Wien fährt. Hat nicht sollen sein. Dem Kind ging es danach wie meiner Wenigkeit vor zwei Jahren. Zugegeben, wavvyboi hat noch stärkere Songs im Repertoire, und nicht jeder Ton saß perfekt (bei beiden Auftritten nicht, aber: Das war hier total egal. wavvyboi ist eine Rampensau vor dem Herrn, hat sich völlig verausgabt und das Publikum im Adlershof und vermutlich auch vor den Bildschirmen mitgerissen. Sieger der Herzen nennt man das wohl. Bitte komm gerne noch mal wieder! Gern auch für Liechtenstein!


9. Molly Sue - Optimist (Ha ha ha)

Da war aber jemand am Anfang ganz schön aufgeregt, aber sie hat sich schnell gefangen und die Aufregung sehr gut überspielt. Erst ganz am Schluss kam das wieder durch. Dazwischen: Ein toller Song, fast während der gesamten Zeit großartig gesungen. In den Strophen klang sie allerdings stellenweise wie Ann-Sophie. Die Tänzerin hätte ich persönlich gar nicht gebraucht, Molly Sue hätte das auch ohne super auf die Bühne gebracht.  Von allen Songs hätte ich diesem im Vorfeld für Wien die besten Chancen ausgerechnet, allerdings dürfte so viel Aufregung im Mai nicht passieren. Und natürlich: Erst Mikro aus, dann weinen, nicht umgekehrt. Egal, das hätte man bis Mai vermutlich noch in den Griff bekommen. Liebe Molly Sue, Du darfst gern noch mal wiederkommen!


8. Sarah Engels - Fire

Nun wirds also die Engels, und das durchaus mit einer gewissen Berechtigung. Sie sieht klasse aus, kann singen, kann sich bewegen, ist eine Rampensau und weiß, wie sie mit der Kamera spielen muss. So weit, so gut. Auf der Sollseite hat das an einigen Stellen noch geknirscht. So war zum Beispiel die Bein-/Fußbekleidung aller Beteiligten äußerst unglücklich gewählt, das wirkte doch sehr plump. Unglücklich auch das Outfit der Tänzerinnen, besonders im Schambereich sah das aus, als hätte man Tante Erna das Miederhöschen weggenommen. Wenn schon sexy, dann richtig. Das da war noch gewollt und nicht gekonnt. Ebenfalls sehr halbherzig: Der Dancebreak, wenn man ihn denn so nennen will. Das haben wir so schon hundertmal gesehen, und besser. Auch hier gilt: Wenn man sowas macht, dann richtig. Hier ist noch Arbeit nötig. Die gesamte Inszenierung sollte bis Mai aufgepimpt werden. Am Song kannste halt leider nix machen. Das sind die schlechten Nachrichten. Die gute Nachricht: Sarah will das unbedingt, sie brennt für den ESC, und: Sie scheint alles andere als beratungsresistent. Das hatten wir in früheren Jahren schon anders. Falls Du das lesen solltest, liebe Sarah: Noch ist Dein Beitrag Work in Progress. Mach was draus! Viel Glück!

Freitag, 6. März 2026

Das deutsche Finale 2026 - Nachlese zum Nachlesen, Teil 1a: Die Songs - Ausscheider vor dem Superfinale

So, das deutsche Finale ist rum, habemus Siegerin, allerhöchste Zeit, das Ganze mal Püree rasieren zu lassen, wie unser Flaverl hier leider schon lange nicht mehr gesagt hat. Fangen wir zunächst mit denjenigen an, die es (allesamt berechtigterweise) nicht ins Superfinale geschafft haben, als da wären (in order of appearance):


1. Bela - Herz

Okay, dass Bela ein unbeschriebenes Blatt ist, wussten wir vorher. Aber dass das sein erster (!) Auftritt auf der großen Bühne war?! Puh. Dafür hat er es super gemacht. Und ja, das kann man so machen, eine gewisse Lena M.-L. hatte in der ersten USFO-Sendung 2010 ebenfalls ihren allerersten großen Bühnenauftritt. Allerdings hat die uns alle von Anfang an weggefegt, und dass Stefan Raab nach der VE mit ihr jeden Auftritt mitgenommen hat, der irgendwie möglich war, hat ihr die nötige Bühnenreife für die große ESC-Bühne gebracht. Ob die SWR-Granden das mit Bela im Falle eines Sieges ebenso gemacht hätten, darf an dieser Stelle getrost bezweifelt werden, zumal er auch nicht mal ansatzweise Star-Appeal hatte.

Die Inszenierung mit der Bushaltestelle kann man so machen, eine Magdi Rusza wird indes nicht daraus. Ich hoffe, er bleibt dran, es war sicher eine tolle Erfahrung für ihn. Lieber Bela, sammle einfach noch eine Menge Erfahrung, und dann komm vielleicht in vier, fünf Jahren mal wieder - und dann bitte auch mit einem für den ESC etwas geeigneteren Song!


2. Dreamboys the Band - Jeanie

Da machen die doch beim Einspieler tatsächlich als Hintergrundmusik "Little Talks", ein Song, der besser ist als alle neun Teilnehmersongs zusammen. ARGH!

Die erkennbar aufgeregten vier Damen machten das ganz okay und würden auf jedem Abiturientenball damit sicher bejubelt werden. Damit dieser Song aber wirkt, muss er wirklich pitch perfect vorgetragen werden. Das hat leider nicht geklappt. Dazu kam das Staging. Tonstudio? Ernsthaft? Das wirkte doch irgendwie sehr lieblos und "in letzter Minute eine Idee gehabt". Viel zu statisch das alles. Das Ganze war zwar von Anfang an auf verlorenem Posten, aber ein bisschen mehr Mühe bei der Inszenierung hätte man sich geben können. Auch hier gilt: Mehr Erfahrung sammeln, später noch mal wiederkommen!


3. Myle - A OK

Nach Babsis Krankenkassenwitz hätte man ja echt die Uhr stellen können. Aber gut - darauf kams jetzt auch nicht an, denn Myle hat seine Chancen eigentlich schon im Einspieler komplett ruiniert. Der ganze Einspieler sendete zwischen den Zeilen nämlich nur eine Botschaft: "Boah, ich seh so geil aus, ich kann nicht fassen, wie geil ich aussehe, findet ihr nicht auch, wie absolut fantastisch ich aussehe?" Vielleicht war das nicht beabsichtigt, aber genau das kam bei mir an. Das passt nach meinem Dafürhalten irgendwie nicht ganz zu einem Song, der eine warme Umarmung sein soll. Es hat dazu geführt, dass ich Myle das einfach nicht abgenommen habe, was er da gesungen hat. Die ihn in wilden Zuckungen umtanzende Tänzerin hat den Auftritt dann endgültig versenkt. Wer immer sich das ausgedacht hat: FEUERN!


4. Ragazzki - Ciao Ragazzki

Nicht feuern, aber zumindest mal dringend Nachhilfe nötig ist auch in Sachen Kameraführung. Da liegt Marti auf dem Tisch und wird später von den Tänzern auf Händen getragen. Und was sehen wir? Es wird von VORNE gefilmt, nicht von oben. Warum?!? Nun, war letzten Endes auch egal, denn auch dieser Auftritt war an der Stelle schon versenkt. Marti und insbesondere David haben mir da einfach zu viel geschrien. Mag sein, dass das ein Partysong ist, mag sein, dass das Volk den mitgrölen soll, aber um bei der größten Musikshow der Welt bestehen zu können, musst du den perfekt auf die Bühne bringen. Das hat hier eher nicht geklappt, auch die Inszenierung an sich fand ich schon sehr, sehr günstig, um es mal vorsichtig auszudrücken. Von allen Auftritten war das hier derjenige, der mich am allermeisten enttäuscht hat.


5. Laura Nahr - Wonderland

Na endlich bewegt sich mal was im Backdrop! Bei den vier Auftritten davor habe ich auf der LED-Wand keinerlei Veränderungen wahrgenommen, was die Auftritte sehr statisch gemacht hat. Bei Laura hat man endlich mal mit dem Licht gespielt. Leider hat die Gute ihren Auftritt ziemlich versemmelt, da saßen doch einige Töne nicht so, wie sie sollten. Dazu kam die völlig unpassende Mimik; wenn ich darüber singe, wie lost ich bin, dann kann ich doch nicht grinsen wie ein Honigkuchenpferd. Selbst wenn das vermutlich der Aufregung geschuldet war: Einfach nur nein. Geht nicht. Was ich übrigens bei Laura ziemlich krass fand, war der Gegensatz Singstimme vs. Sprechstimme. Die Singstimme hörte sich recht kleinmädchenhaft an, während die Sprechstimme eindeutig "erwachsene Frau" signalisierte.


6. Malou Lovis - When I'm With You

Zitat aus dem Einspieler: "Man muss nicht so 'ne riesen Performerin sein, um zum ESC zu fahren, ich glaube, ich kann auch mit meiner Persönlichkeit überzeugen und mit meiner Stimme." Malou, Schätzchen, ich hab Neuigkeiten für Dich: Persönlichkeit und Stimme haben die anderen beim ESC ebenfalls! Da kannste noch so wahnsinnisch audendisch sein, wenn Du nicht performen kannst, gehörst Du nicht auf die Bühne bei der größten Musikshow der Welt! Die Inszenierung mit den Tänzerinnen war ganz okay, das mit der Treppe und den Gardinen sah eigentlich auch ganz gut aus, Malou hat sehr gut gesungen, aber das Lied ist für den ESC immer noch zum Schreien ungeeignet, da machste mit der besten Inszenierung nix. Aus einem Fiat Panda kannste keinen Ferrari machen, und das hier war leider in ESC-Hinsicht maximal ein Bobbycar.