Mit Spannung haben wir erwartet, was der SWR in seiner ersten Vorentscheidung so veranstaltet, Grund genug, das mal ausführlich nachzubetrachten. Hamses denn gut gemacht? Hamses besser gemacht als ... öh ... Sender, die das früher auch schon mal gemacht haben?
Allein in der Anfangssequenz steckte schon mehr Eurovision als in den VEs der letzten Jahre zusammengenommen. Damit meine ich nicht nur das Medley, sondern ist Euch beispielsweise auch aufgefallen, dass die Vorstellung der Acts mit der Musik von "Building Bridges" vom ESC 2015 in Wien hinterlegt war?
Auch die Idee, den ESC ein bisschen Revue passieren zu lassen, fand ich gut - als Hardcore-Fan lernste da natürlich nix Neues, aber man muss den normalen Zuschauer da abholen, wo er ist, insofern: Grundsätzlich mal Daumen hoch. Ich hätte mir gewünscht, dass da noch Songs wie Arcade oder Zitti e buoni auftauchen, um zu zeigen, dass der ESC auch heute noch große Hits produzieren kann. Na ja, nächstes Mal.
Was mir nicht gefallen hat, war die Präsentation der besten deutschen Beiträge, das war arg lieblos. Wenn man es schon nicht live singt, warum zeigt man dann nicht wenigstens Einspieler? Und wenn man Abor & Tynna schon in der Halle hat, warum dürfen sie ihren Song nicht live singen? Stattdessen ... lassen wir das.
Das internationale Medley war ebenfalls ein guter Ansatz, aber da hätte gern noch mehr kommen können. Wenn man schon Alex Panayi, Margaret Berger und Vaidotas Valiukevicius da sitzen hat, warum werden die nicht am Medley beteiligt? Hätte der Sache überdies gut getan, das von Luca Hänni (kann auch Schlafzimmerblick, und "Hold me now" stand ihm überraschend gut), Destiny (viel besser als das Original; wenn Loreen diesen Auftritt gesehen hat, hat sie sich vermutlich erstmal drei Tage weinend in ihr Zimmer eingeschlossen), Ruslana (armes Waterloo, Dir bleibt nix erspart. Hat Ruslana eigentlich verstanden, was sie da gesungen hat?) und Carla (nix gegen Dich, Liebes, aber an dem Song kann man sich nur verheben) vorgetragene Medley konnte mich nur während der ersten Hälfte überzeugen.
Natürlich gab es dann auch die üblichen Rückblicke zum Thema "Skurrile Auftritte" und "Skurrile Outfits", aber geschenkt - dafür lieben wir ja diese Veranstaltung. Eine Verunstaltung war einmal mehr das Outfit von Babsi, die aber genug Selbstironie besaß, sich darüber zu amüsieren. Ich wüsste ja wirklich, wirklich, WIRKLICH gern mal, wer sie immer stylt.
Und damit sind wir bei der Moderation. Ich gebe zu, ich bin nicht der größte Hazel-Fan, und die Kombi Barbara + Hazel hätte böse in die Hose gehen können. Ist sie glücklicherweise nicht. Die beiden haben einander nicht eliminiert, sondern sich wirklich gut ergänzt. Gut, Barbara hat halt Barbara-Sachen gemacht, und man wünscht sich als Fan wirklich, dass sie sich endlich mal für das interessiert, was sie da tut. Hazel gehört seit letzten Jahr eindeutig zur ESC-Familie, und die ist jetzt schon tiefer in der Materie drin, als Barbara es jemals sein wird. Ein absoluter Gewinn für die Show, und da haben wir von den Spontan-Interaktionen mit dem Publikum noch gar nicht gesprochen.
Thorsten Schorn hat seine Sache ordentlich gemacht, aber: Warum war er überhaupt als Kommentator da? Wieso braucht es das? Ich hätte ihn nicht gebraucht. Aber ich schau ja auch den ESC im Mai seit vielen Jahren ohne Kommentar.
Das Sofa war wohl leider unvermeidlich, und auch die Zusammensetzung war nicht geglückt. Hätte ich mir das aussuchen können, hätte ich lediglich Paola behalten (jaaa, Herrgott, von mir aus auch Michael Schulte, auch wenn der nicht viel gesagt hat). Der Herr Bergdoktor war zwar gut für jede Menge zweitklassige Witze über anwesende Ärzte und hat a bissl was über Wien erzählt, aber nichts, was man nicht auch anderweitig hätte lösen können. Was Frau Kebekus, die ich ansonsten sehr mag, auf der Couch zu suchen hatte, erschließt sich mir nicht, zumal man ja über ihren tatsächlichen ESC-Bezug nicht sprechen darf, sonst gibts vermutlich Post vom Anwalt. Diebisch gefreut hab ich mich, dass ihr billiger Witz "Barbara, Hazel und Caro bilden eine Band, haben komische Sachen an und nackte Tänzer mit auf der Bühne" so erbärmlich verpufft ist (außerdem darf man eh nicht nackt auf die Bühne). Statt den drei letztgenannten hätte ich VIEL lieber Abor & Tynna auf dem Sofa gehabt, die ja obendrein auch noch Österreicher sind.
Dazu kam, dass da wirklich viel zu viel zu VIEL zu viel Gelaber vom Sofa war. Da hätte ich noch lieber mehr Interaktion mit der Jury gehabt, die wurden ja nicht mal alle vorgestellt. Die Jury an sich fand ich gut, auch die Entscheidung der Jury war goldrichtig. Ja, ich weiß, alles wehrt sich dagegen, dass da eine Jury vorgeschaltet wurde, aber mal ehrlich: Wir haben in der Vergangenheit auch und gerade vom deutschen Publikum wirklich genug Fehlentscheidungen erlebt. Wer weiß, ob das Publikum auch die Top 3 auf die ersten drei Plätze gehievt hätte ... Im Grunde war das in diesem Jahr ein No-Brainer, aber wir hatten das auch schon anders. Von daher bin ich nicht so sehr gegen dieses Konzept wie viele andere.
Grundsätzlich kann man sagen, dass da schon viele gute Ansätze drin waren, aber an vielen Stellen muss man nachjustieren. Weniger Gelaber, mehr Fokus auf die Acts (wenn auch bitte nicht mehr in Form von Greenroom-Interviews nach dem Ausscheiden), und vor allem nicht alles so in die Länge ziehen. Außerdem: Bessere Kameraführung und vor allem bessere Tonqualität.
Jetzt hoffe ich mal, dass der SWR nicht glaubt, dass "Fire" in dieser Form fertig und wettbewerbsfähig ist, sondern willens und bereit ist, die notwendigen Verbesserungen vorzunehmen. Was die VE angeht: Gute Sachen behalten, an anderer Stelle nachjustieren. Es war ein Anfang, aber es geht noch besser.
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