Sonntag, 16. August 2026

Der ESC 2026 in der Rückschau: Platz 1

1. Bulgarien (516 Punkte (Jury: 204 Punkte (Platz 1), Televoting: 312 Punkte (Platz 1)), 

    im Semi: Platz 1, 278 Punkte (Jury: 94 Punkte (Platz 5), Televoting: 184 Punkte (Platz 1)))

Ich hab ja schon in diesem Artikel hier einiges zum Thema gesagt, aber ich finde, das letzte Wort muss die Siegerin haben, und es gibt auch noch das eine oder andere zu ergänzen.

Jetzt mal Hand aufs Herz und Butter bei die Fische: Wer von Euch hat, nachdem alle Auftritte im Finale durch waren, ernsthaft mit diesem Ergebnis gerechnet? Ich sags, wie es ist: Ich nicht. Ich weiß nicht, womit ich gerechnet habe, aber auf keinen Fall damit. Und mit dem Sieg bei der Jury schon dreimal nicht. Ja, auch nach den Auftritten war ich immer noch blind wie ein Laternenfisch in 7000m Tiefe mit Augenbinde und Licht aus. Dabei hätte man drauf kommen können: Zwei absolut perfekte Auftritte, super originell und mit sehr viel Liebe zum Detail inszeniert, und die Halle ist beide Male komplett ausgerastet. Niemand hat lauteren Applaus bekommen. And rightly so. Dara und ihre Truppe haben das wirklich super gemacht. 

Der Splitscreen am Ende mit dem steigenden Herz war eine supertolle Sache, bitte wieder machen. Der Schrei in der Halle, als das rot-grün-weiße Herz das weiß-blaue Herz überholt hat, war wahrscheinlich eins der lautesten Geräusche, die man je beim ESC hören konnte. Und mir treibts bis heute die Feuchtigkeit in die Augen, wenn ich das sehe und höre, so überwältigend ist das.

Und dann diese Siegerreprise! Das hatten wir auch noch nie, dass die vor der Preisverleihung kam. Kein Häuschen mit Stühlen? Kein Problem! Da nehmen sie halt einfach die Stühle aus dem Green Room und performen dort genauso perfekt wie vorher beim Siegerauftritt. Sehr sehr cool. Kleiner Fun Fact am Rande: Als JJ (der erste Sieger seit diversen Editionen, dessen Performances im Host-Jahr mich überzeugt haben, die Songs haben mir allesamt deutlich besser gefallen als "Wasted Love") den Preis überreicht hat, brüllte er ja für alle hörbar "Bitch, Bitch! I knew it! I knew you would win! I love you so!" Natürlich hat sich die eine oder andere Person darüber aufgeregt, dass man sowas doch nicht zu jemandem sagt, aber ich finde, es war klar zu erkennen, dass die beiden sich super verstehen und dass das ihr normaler Umgangston ist. Nach eigener Aussage (in seinem Podcast zusammen mit Conchita) hat er nicht geschnallt, dass das Mikro an war. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ist aber auch egal. Man sollte das nicht zu hoch aufhängen, wenn es für Dara okay ist, auch wenn ich, um das der Vollständigkeit halber zu erwähnen, diese Ausdrucksweise in diesem Moment vielleicht nicht gewählt hätte. Aber ich bin ja auch schon alt.

Anyway, ist doch einfach toll, wenn einen nach so vielen Jahren als Fan noch mal ein Ergebnis so richtig überraschen kann. Und wenn endlich mal wieder ein Land gewinnt, das vorher noch nie gewonnen hat, und dann auch noch so deutlich. Dara hat allen Ernstes Rybaks Rekord "größter Abstand zum Zweitplatzierten" einkassiert, ihrer war vier Punkte größer als seiner. Auch damit hätte wohl im Vorfeld niemand gerechnet.

Noch toller: Dara war im Frühjahr kurz davor, ihre Teilnahme zurückzuziehen, weil sie so massiv angefeindet wurde, dass sie überlegt hat, dass sie sich das nicht geben muss. Ich finde, sie hat da einen Punkt. Nur weil jemand in der Öffentlichkeit steht, heißt das nicht, dass man demjenigen alles um die Ohren feuern muss. Sachliche Kritik darf sein und muss immer okay sein, aber was man da so teilweise in den (a)sozialen Netzwerken lesen muss, ist absolut unerträglich! Irgendwo ist eine Grenze, und so was ist jenseits von gut und böse. Wie wir wissen, hat Dara nicht zurückgezogen, sondern es allen Kritikern und Bashern auf die bestmögliche Weise gezeigt!

Und dann gabs da noch eine Art Full Circle Moment, der umso schöner war, weil auch er so unerwartet kam. Er betrifft allerdings dieses Mal so ganz direkt nicht Dara selbst, sondern einen Landsmann von ihr, der ebenfalls in der Halle war und beim 70-Jahre-Feier-Pausenact für mich den schönsten und hörenswertesten Teil abgeliefert hat. Klar, insbesondere Lordi und Erika waren superlustig, aber Kristian Kostov hat mich da besonders berührt. So, und warum Full Circle Moment? Stell dir vor, du bist gerade mal 17 Jahre alt, hast beim ESC den Auftritt deines Lebens abgeliefert, kassierst die zu diesem Zeitpunkt zweithöchste Punktzahl in der Geschichte des Wettbewerbs (inzwischen ist es die dritthöchste) und gewinnst nicht nur nicht, sondern die komplette Halle ist auch für deinen Hauptkonkurrenten. Das muss man erst mal wegstecken. In jedem anderen Jahr wäre die "Beautiful Mess" vermutlich ein "Beautiful Winner" gewesen. Kristian war dann auch alles andere als glücklich mit seiner Silbermedaille. Stimmen auf Instagram, die ihm sagten, das sei doch ein Supererfolg, er solle sich nicht so haben, bat er darum, seine Gefühle diesbezüglich zu respektieren. Und das ist auch richtig so, wir stecken alle nicht in seiner Haut und können es allesamt nicht nachvollziehen. Umso toller, dass er ausgerechnet an diesem für Bulgariens ESC-Geschichte so historischen Abend in der Halle war und sich, wie auf einigen Backstage-Videos zu sehen ist, hinter den Kulissen mit einer riesigen Bulgarien-Flagge in den Händen einen Wolf gefreut hat.

Wie gesagt: Die unerwartetsten Geschichten sind die schönsten. Freuen wir uns also jetzt auf Burgas 2027- ja, tatsächlich, Netta hat es im achten Anlauf geschafft, die Gastgeberstadt richtig vorherzusagen! Wer wird denn jetzt unser Kontra-Orakel? Plant Ihr, dort hinzufahren? Ich kann jetzt schon mal sagen, dass es bei uns aufgrund von Terminschwierigkeiten nichts werden wird. Ich wünsche aber allen, die dort hinwollen, schon jetzt viel Erfolg bei der Planung und beim Kartenergattern - es wird bestimmt superspannend!

This completes the Nachlese of the Sixtus-Blog. Habt eine gute Zeit, bis bald!

Samstag, 15. August 2026

Der ESC 2026 in der Rückschau: Platz 23

23. Deutschland

Was reimt sich auf Schland? Genau: Rant. Let's go.

Fangen wir mal am Ende an: Natürlich wurde wieder auf die Bubble draufgehauen, wir wären ja alle nur am meckern und hätten es ja alle wieder gleich gewusst. Aber es ist ja so: Wir HABEN es ja auch alle gleich gewusst. Seit die Songs für das deutsche Finale feststanden, war klar, dass zumindest beim Songwriting keine Exzellenz vorhanden war. Also musste die Exzellenz dann woanders herkommen. 

Das Beste zuerst: Sarah hat sich den Poppes aufgerissen, um für Deutschland eine würdige und begeisterte Repräsentantin zu sein. Sie hat sich mit allem, was sie ist und hat, in diese Erfahrung gestürzt und dabei eine Begeisterung an den Tag gelegt, die ich mir jedes Jahr von unseren Vertreter*innen wünschen würde, und wir wissen alle, diese Begeisterung gab es weiß Gott nicht immer. Sie hat Bühnenerfahrung und -präsenz, eine tolle Stimme, ein umwerfend hübsches Äußeres und jede Menge Follower. Alles mindestens mal keine Nachteile. Dass das international leider überhaupt nichts zu bedeuten hat, konnte man trefflich auf der Wiener Bühne sehen. Denn so super, wie es überall geschrieben wurde, war Sarah leider nicht. Da klemmte dann doch der eine oder andere Ton an einer Stelle, wo er nicht hingehörte, und vor allem klemmte die Atmung. Schaut Euch das mal an, bei der Zeile "Like a vampire, you hide, then come out the night" singt sie das "then" kein einziges Mal, sondern holt tief und hörbar Luft, was sie im VE in dieser Intensität noch nicht gemacht hat. So wirkte es so, als sei sie außer Atem. Auch bei einigen anderen Stellen kam es so rüber, als würde sie nicht alle Wörter singen, die dort vorgesehen sind. Das ist aber für eine solche Performance ein absolutes No-Go. Es soll bittschön leicht wirken! Du darfst sein was du willst, aber nicht außer Puste! Geschnauft wird erst, wenn alles vorbei ist!

Das allein hat genauso wenig wie der Todesslot zu den null Televoting-Punkten geführt. Es gab ein viel gravierenderes Problem, nämlich: Die Kameraarbeit! Wir gehen voooor und zurüüüück und voooor und zurüüüück und zeigen Totaaaaalen und ... ARGH! Wer war dafür verantwortlich? Bitte nie wieder verpflichten und Lohn zurückfordern wegen mangelhafter Erledigung der Aufgabe. Und als wäre das noch nicht genug, ist irgendein Kompetenzsimulant auf die Idee gekommen, im Schnelldurchlauf die Stelle 2:30 zu nehmen - nur weil Alexandra Wolfslast gesagt hat, dass diese Stelle wichtig ist. Ist sie auch, sehr sogar. Aber wenn dieser 2:30-Moment daraus besteht, das Sarah tief Luft holt und das hohe "Fiiiiiireeee" singt, während gleichzeitig die Kamera zurückfährt und uns eine Totale von der Halle zeigt, dann ist die dafür verantwortliche Person vielleicht in einer deutschen Behörde besser aufgehoben. "2:30 ist wichtig und muss deshalb in den Schnelldurchlauf", egal, was da eigentlich passiert. Mir ist echt der Unterkiefer runtergeklappt, so entsetzt war ich.

(Und so, liebe Kinder, sieht ein wirklich guter 2:30-Moment aus, auch wenn er ein kleines bisschen früher kam!)

Der Knaller ist ja, dass es eine andere Stelle gab, die im Schnelldurchlauf viel sinnvoller gewesen wäre, nämlich die, als Sarah vom Podest in die Arme ihrer Tänzerinnen fällt. Warum hat man die nicht genommen? Auch wenn das nicht optimal rüberkam (zumindest bei mir nicht), wäre das um Lichtjahre besser gewesen als der Zoom in die Totale.

Nicht, dass mit der Inszenierung generell viel zu holen gewesen wäre. Ja, es ist weit mehr, als wir schon in vergangenen Jahren hatten (zumindest hatten wir überhaupt mal sowas wie eine Inszenierung), aber im Vergleich zu den anderen ist es leider immer noch bestenfalls drittklassig. Da ist alles schon mal dagewesen. Das Licht wechselt im ersten Refrain von schwarzweiß zu rot, die Wörter vom Text werden im Backdrop eingeblendet, und dann gibts noch Feuer (immerhin). Wenn ich das zB mit Rumänien oder Bulgarien vergleiche, wo jedes Lämpchen, jede Kameraeinstellung, jedes Wimpernzucken genau seinen Platz hatte, könnte ich in den Tisch beißen. Da waren Leute am Werk, die ihr Handwerk im Schlaf beherrschen und genau wissen, was sie tun. Nun gewinnt man allein durch Beherrschung des Handwerks natürlich nicht, aber wenn man da rumschlampert, wirds halt auch nix. Im deutschen Beitrag war alles irgendwie grundsolide, aber es hat keine Geschichte erzählt und war im Vergleich zu den anderen einfach viel zu wenig! Für grundsolide ruft niemand an! 

Und das war in diesem Jahr mal wieder genau das Problem, es wurde bereits nach dem deutschen Vorentscheid überall geschrieben. Nichts davon stach wirklich raus. Nichts davon war so gut, dass es irgendwen dazu bewegen konnte, dafür abzustimmen. Wie oft wollen wir das denn noch durchexerzieren? Wir waren in den Jahren davor auf so einem guten Weg, aber hier wurde mal wieder eine tolle Künstlerin mit einem schwachen Beitrag einfach so verheizt. Ich hab es so satt. Hätte man Sarah einen wirklich guten Beitrag mit ebensolcher Inszenierung gegeben, dann hätte da echt was Tolles rauskommen können.

Lieber SWR, Ihr habt in Eurem ersten Jahr schon vieles besser gemacht als der NDR in den letzten Jahren. Aber es ist noch viel Luft nach oben. Ich zitiere dazu mal aus einem Kommentar, den ich vor einiger Zeit unter einen Beitrag auf ESC kompakt geschrieben habe:

"Mir ist es offengesagt wumpe, wer uns womit nächstes Jahr vertritt und wie der Beitrag ausgewählt wird. Was mir nicht wumpe ist: Wenn der Beitrag intern ausgewählt wird, dann soll er bitte im Jahr 2026 nicht nur irgendwie dabei, sondern wettbewerbsfähig sein! Er soll in seiner Sparte exzellent sein! Was nützt einem denn die tollste Künstlerin, wenn der Song das liedgewordene Äquivalent zu abgestandener Cola light ist und die Bühnenshow nicht so viel rausreißt, dass da noch was geht? Und wenn es eine Vorentscheidung gibt mit, sagen wir mal, zwölf Beiträgen, dann will ich, dass ALLE wettbewerbsfähig sind. Nicht nur die drei Superfinalisten. Oder einer. Oder gar keiner.

Es kann doch nicht sein, dass wir im deutschen Vorentscheid einen Bela haben, der noch nie auf einer größeren Bühne gestanden hat. Oder eine Malou Lovis, die uns allen Ernstes erzählt, man müsse nicht so ne riesen Performerin sein, sie glaube, sie könne auch mit ihrer Stimme und ihrer Persönlichkeit punkten. Von Dreamboys the Band hab ich noch gar nicht angefangen. Bestimmt alles nette Leute und tolle Künstler*innen, aber: Was zur Hölle machen die in einem Vorentscheid für die größte Musikshow der Welt? Und was macht dort ein Beitrag, der von einem an sich großartigen Künstler mal eben so lieblos runtergerotzt wurde, jedweder Substanz und Relevanz entbehrt und obendrein noch viel zu große Ähnlichkeit zum Vorjahresdritten hat? Herr Fischer, ich verehre Sie, aber sorry – ditte war nüscht.

Wenn ich einen Vorentscheid mache, dann muss JEDER EINZELNE VERDAMMTE BEITRAG wettbewerbsfähig sein, weil bei jedem die Möglichkeit besteht, dass er gewinnt. Und wenn Ihr das nicht hinbekommt, dann kassiert den Vorentscheid halt ein und legt den BEitrag intern fest. Aber achtet auf Exzellenz. Auf eine gewisse Bühnenerfahrung (auch dieses Jahr sind wieder einige beim ESC an ihrer Aufregung gescheitert!) – und wenn man so eine Lena findet, die keine hat, dann macht man gefälligst vorher mit ihr die Ochsentour, dass sie dann beim ESC die Bühnenerfahrung hat. Auf einen guten Song, der nicht der dreiundelfzigste Aufguss von irgendwas ist. Und auf ein Staging, dass Eurovisionlands Juroren und Zuschauern Ohren und Augen wegfliegen!"

Also, lieber SWR: Macht es, wie Ihr wollt, aber macht es ordentlich. Nein, nicht ordentlich, EXZELLENT. Und dann ist auch egal, wie es abschneidet.

Mehr wünschen wir uns doch gar nicht.

Freitag, 14. August 2026

Der ESC 2026 in der Rückschau: Platz 2 und 3

3. Rumänien (296 Punkte (Jury: 64 Punkte (Platz 13), Televoting: 234 Punkte (Platz 2)), 

    im Semi: Platz 2, 234 Punkte (Jury: 87 Punkte (Platz 6), Televoting: 147 Punkte (Platz 3)))

Man sagt ja, wenn man geht, dann mit einem Knall. Für den ESC 2026 gilt: Wenn man zurückkommt, dann mit einem Knall. Das gilt auch für die Rumänen, die ihre Abstinenz 2024/5 offensichtlich trefflich genutzt haben. Ich weiß, ich hab den VE-Auftritt nicht allzu gut bewertet, aber das war der VE-Auftritt. Ich hab mir den extra noch mal angeschaut, bevor ich mit diesem Artikel hier begonnen habe, ob ich Alexandra da etwa Unrecht getan habe. Nein, hab ich nicht. Zwischen dem VE-Auftritt und dem, was man in Wien auf der Bühne bestaunen konnte, lagen WELTEN. Beim Semiauftritt, der sogar noch ein bisschen besser war als der Finalauftritt, ist mir einfach nur die Spucke weggeblieben. Da stimmte ALLES. Nicht nur war Alexandras Gesang beide Male absolut perfekt, sondern auch bei der mit sparsamsten Mitteln auskomponierten Inszenierung stimmte jedes Detail, so dass ich Alexandra ihren "Wahnsinn" nicht nur abgenommen habe, sondern auch zum ersten Mal auch verstanden habe, worum es in dem Song eigentlich geht. Die weiße Figur ist in diesem Szenario das "Böse", von dem die Sängerin besessen ist und von dem sie sich befreien will. Das Gegenüber soll also das "Böse" quasi aus ihr rauswürgen, deshalb "Choke me". Am Ende, beim Lichtwechsel, ist sie dann befreit. Apropos Licht: Schaut Euch unbedingt den Auftritt noch mal an und beobachtet, wie viel hier allein mit dem Licht gemacht wird! Es gibt keinen wilden Backdrop, außer den beiden Leuchtkabeln keine großartigen Props, aber das Licht. Das Licht! Und die Kamera! Man kann so unfassbar viel von diesem Beitrag lernen, deshalb, lieber SWR, schaut Euch das an! Eine hochverdiente Bronzemedaille für den düstersten Beitrag im Wettbewerb, die, wäre es nach mir gegangen, gerne eine goldene oder wenigstens eine silberne hätte sein können. Leider haben das die Jurys verhindert. Nein, ich sag es nicht, ich denk es nicht mal.

Nur eins noch: Vor etwa 20 Jahren hab ich eine Prognose gemacht (es war die Zeit von "Let me try" und "Tornero", dass die Rumänen, wenn sie so weitermachen, den ESC in den nächsten 10 Jahren gewinnen werden. Wie wir heute wissen, ist diese Prognose nicht eingetreten, und sie haben nach 2017 auch nicht so weitergemacht, da gings bergab bis zum 23er Totalschaden. Aber: Ich finde, diese Prognose gehört wieder aus der Mottenkiste geholt! Sie haben es weiß Gott noch drauf, und wenn sie so weitermachen, dann wird der ESC spätestens 2036 in Bukarest Rumänien Station machen! Mark my words!


2. Israel (343 Punkte (Jury: 123 Punkte (Platz 8), Televoting: 220 Punkte (Platz 3)), 

    im Semi: Platz 1, 269 Punkte (Jury: 106 Punkte (Platz 3), Televoting: 163 Punkte (Platz 1)))

So, wie kriegt man denn jetzt diesen Absatz hin, ohne den Elefanten im Raum anzusprechen? Vermutlich: Gar nicht. Deshalb bringen wir es kurz hinter uns. Ich werde mich weder hier noch an anderer Stelle in diesem Blog zur besonderen Situation um Israel äußern, sondern Noam Bettan und seinen Beitrag so behandeln wie alle anderen auch. Und ja, mir ist bewusst, dass ich damit barfuß auf der Rasierklinge tanze, aber da müssen wir jetzt alle durch. Ich bitte, von politischen Statements in die eine oder andere Richtung in den Kommentaren abzusehen, ich werde im Zweifelsfall dann auch von meinem Hausrecht hier Gebrauch machen und solche Kommentare nicht freischalten.

Anyway, to business. Noam fischte im gleichen Pool wie Slimane vor zwei Jahren, und er tat das überaus kompetent. Wozu es diesen riesigen Lotus (oder was auch immer das sein sollte) brauchte, erschließt sich mir allerdings nicht. Es hätte auch genügt, Noam einfach auf die Bühne zu stellen und ihn um sein Leben singen zu lassen, also genau das, was er auch getan hat. Der Lotus war völlig unnötig, genauso wie die fünf Tänzerinnen in diesen erstaunlich unschönen Outfits, bei denen zumindest ich mich frage, ob sie von Merci Kaffee Sahne inspiriert sind. Noam hat das großartig gemacht, da beißt die Maus kein' Faden ab. Die Silbermedaille ist für meinen Geschmack zwar entschieden zu hoch gegriffen, aber das hat die Top 5 auf jeden Fall mehr verdient als der, der Omma Ilse die BU verkaufen wollte. Trotzdem darf Israel gerade im Moment gern auch mal wieder einen Beitrag wie diesen hier schicken. Just sayin'. 

Donnerstag, 13. August 2026

Der ESC 2026 in der Rückschau: Platz 4 und 5

5. Italien (281 Punkte (Jury: 134 Punkte (Platz 6), Televoting: 147 Punkte (Platz 6)),

Bevor wir uns mit dem diesjährigen Beitrag der Stiefelländer auseinandersetzen, zweieinhalb Worte vorab. Ich liebe Italien. Ich liebe alles daran. Ihre Sprache ist die schönste, die jemals Menschenohren gestreichelt hat, ihre Kultur so reich und vielfältig, die Landschaft so bezaubernd schön, und ach, erst ihr Essen! Das mit der Kultur macht auch vor den ESC-Beiträgen nicht halt, denn nicht erst seit ihrer Rückkehr liefern sie Qualität in einem Ausmaß wie kaum ein anderes Land, und nicht ohne Grund sind sie immer sehr weit vorne zu finden. Nicht zuletzt haben die Italiener auch meiner bescheidenen Meinung nach den besten Eurovisionsbeitrag aller bisherigen Ausgaben abgeliefert. 

Seit dem Sieg 2021 ist allerdings für mich der Wurm drin. "Brividi" war meiner Meinung nach komplett überschätzt, "Due vite" war noch ganz okay, mit "La noia" bin ich nie warm geworden, und der fünfte Platz für den harten Kerl letztes Jahr war schlicht absurd. Und dann kam 2026. 

Europa, wolltest du uns trollen, oder was war das? Was haben Jurys und Televoter gesehen und vor allem gehört, was ich nicht gesehen und gehört habe? Wieso regnet es so viele Punkte für diesen ranzigen Schlagerquark aus den 80ern? Und Sal da Vinci ist garantiert ein total netter Kerl, hatte aber für mich genau die Ausstrahlung und Aufmachung (mit Ende fuffzich noch ganz in weiß?!), die das Ganze im negativstmöglichen Sinne abrundete, will sagen, er wirkte wie der etwas zu aalglatte Versicherungsvertreter, der jedes Jahr auf Malle Urlaub macht und der 80jährigen Omma Ilse ohne Skrupel noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung verkauft. Ausstrahlung matters, fragt mal Jüri Pootsmann. Aber man sah bei der Performance mehr von Bräutigam und Braut als vom Sänger. Vielleicht hat das die Pöngsen gebracht, eine nette Geschichte wurde ja immerhin erzählt. Eine Farce bleibt der 5. Platz trotzdem. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen.


4. Australien (287 Punkte (Jury: 165 Punkte (Platz 2), Televoting: 122 Punkte (Platz 9)), 

    im Semi: Platz 3, 222 Punkte (Jury: 137 Punkte (Platz 1), Televoting: 85 Punkte (Platz 6)))

Kommen wir mal zu was Schönem. Hier haben wir nämlich den Beitrag, der sich letztlich als meine Jahrgangs-Nummer 1 rauskristallisiert hat (das dauert immer ne Weile, bis sich das alles einsortiert hat) und den ich sehr gern als Gewinner gehabt hätte. Alles an diesem Beitrag wirkte unangestrengt hochwertig. Einige Stimmen meinten ja im Vorfeld, der Song sei altbacken, aber dem kann ich mich nicht anschließen - ich finde ihn einfach zeitlos schön. Delta sah wunderschön aus, ohne aufgetakelt zu wirken, das tolle Kleid unterstrich einfach ihre natürliche Schönheit. Und dann diese STIMME! Da kann ich echt nur dahinschmelzen. Und dann hatten wir noch zwei aufs i-Tüpfelchen perfekte Auftritte mit einer tollen Inszenierung. Die nach oben fahrende Plattform hätte es meiner Meinung nach gar nicht gebraucht, es war so schon fantastisch. Ein Augen- und Ohrengenuss für mich von der ersten bis zur letzten Sekunde. Hätte ich gern noch ein drittes Mal genossen, falls Ihr versteht, was ich meine.

Dienstag, 11. August 2026

Der ESC 2026 in der Rückschau: Platz 6 und 7

Wir machen weiter mit zwei absoluten Bubble-Favoriten, die beide hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind:


7. Dänemark (243 Punkte (Jury: 165 Punkte (Platz 3), Televoting: 78 Punkte (Platz 11)), 

    im Semi: Platz 5, 199 Punkte (Jury: 124 Punkte (Platz 2), Televoting: 75 Punkte (Platz 7)))

Mit diesem Beitrag bin ich ja lange Zeit nicht so recht warm geworden, inzwischen hab ich ihn mir aber schöngehört und lass das Audio ab und zu ganz gern auf meine Ohren. Für das Visual gilt das nicht. Die Inszenierung mit der dampfschwülen Luft im Glaskasten mag noch durchgehen, aber insgesamt war mir das viel zu sinnlich und erinnerte mich stellenweise an "Dizzy", was für mich eindeutig in die Sparte Cringefest gehört. Leider hat man Søren dann zu allem Überfluss auch noch das Finale eröffnen lassen. Dem Beitrag hat das garantiert nicht gerade geholfen, sagt auch Søren selbst. Bezüglich seiner Performance und seiner gesanglichen Leistung muss er sich ganz sicher nichts vorwerfen, das saß beide Male tadellos. Die gute Nachricht ist: In Landessprache können auch die Dänen was reißen. Deshalb: Bitte gerne wieder!


6. Finnland (279 Punkte (Jury: 141 Punkte (Platz 5), Televoting: 138 Punkte (Platz 8)), 

    im Semi: Platz 3, 227 Punkte (Jury: 127 Punkte (Platz 2), Televoting: 100 Punkte (Platz 5)))

Was war das für ein Hype im Vorfeld. Die Frage schien ja nur zu sein, ob es nach Helsinki, Tampere, Turku oder Rovaniemi gehen würde. In der Bubble und bei den Bookies lag "Linkinheitin" praktisch uneinholbar vorne, wer sollte das gefährden? Dazu noch 20 Jahre nach Lordi und mit der Finalstartnummer 17? Nun, erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Ich selber hab diesen Hype ja nie so richtig verstanden, genausowenig wie der Nachwuchs. Wir hatten zum Finaleschauen auch dieses Jahr wieder eine nicht ESC-affine Freundin der beiden da, der wir nicht erzählt haben, wo das Ding in den Wetten und in der Bubble steht. Wir nach dem Auftritt: "Was denkst du?" Sie so: "Hm, na ja, ganz okay." Ich: "Gewinnt das?" Sie schaut mich konsterniert an und sagt dann im Brustton der Überzeugung: "NÄ!" Natürlich haben Linda und Pete das sehr gut gemacht, aber die Inszenierung hab ich bis heute nicht verstanden. In Anbetracht der Vorschusslorbeeren dürfte der sechste Platz schon sehr schmerzhaft gewesen sein, aber mal ganz ehrlich: In diese Region hätte ich den Beitrag im Vorfeld auf jeden Fall eher eingeordnet denn als Erdrutschsieger. Sorry, Finnland. Kleiner Trost: Wenn Ihr so weiter macht, dann werdet Ihr innerhalb der nächsten zehn Jahre auf jeden Fall Euren zweiten Sieg einfahren. Vielleicht sogar auch den dritten oder vierten. Und das hoffentlich sogar mindestens ein Mal in finnischer Sprache, ich fänd es so unfassbar geil. Bis es so weit ist, vergieße ich noch das eine oder andere Tränchen um Antti Paalanen, dessen "Takatukka" mein eindeutiger Jahrgangssieger gewesen wäre, hätte er das Ticket für Wien gelöst.

Der ESC 2026 in der Rückschau: Platz 8-10

So, liebe Freunde, Freundinnen und nichtbinäre Freunde und Freundinnen, es geht weiter! Sorry for the long delay, aber bei der Hitze wirste ja bekloppt. Und an den Tagen, wo keine Hitze war, musste ich mich von den Hitzetagen erholen. Mein Gehirn fühlt sich im Moment an wie Grütze, aber auf vielfachen Wunsch insbesondere eines Einzelnen (Grüße gehen raus) geht es jetzt weiter!


Wir entern jetzt die Top Ten:


10. Griechenland (220 Punkte (Jury: 73 Punkte (Platz 12), Televoting: 147 Punkte (Platz 7)), 

    im Semi: Platz 7, 159 Punkte (Jury: 88 Punkte (Platz 4), Televoting: 71 Punkte (Platz 7(!))))

Hm. Nun kann man natürlich sagen, Platz 10 ist doch ein sehr achtbares Ergebnis, aber eigentlich ist doch die Frage, was zur Hölle hier denn schiefgegangen ist. Denn Akylas stand nicht nur bis kurz vorm ersten Semi auf Platz 2 der Wetten, sondern arbeitete sich in der Siegeswahrscheinlichkeit kontinuierlich nach oben bis auf 21% - das war vor Beginn der ersten Generalprobe. Und Favorit auf den Televoting-Sieg im ersten Semi war er auch. Danach folgte die Talfahrt. Das Erstaunliche ist, dass diese Talfahrt schon während der ersten Generalprobe begann, nicht, wie sonst erst, während der Liveshow. Aber warum? Es ist überhaupt nicht mein Song, zugegeben, aber Akylas war in beiden Performances toll, und das war top inszeniert, inklusive Reminiszenz an Helena Paparizous Siegerperformance. War die Geschichte bzw die Botschaft dann doch zu unverständlich? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, denn spätestens, wo der langsame Teil kommt und im Backdrop der englische Text erscheint, müsste eigentlich jeder kapieren, was Akylas uns sagen will. Und dann gibts ja noch die Kommentator*innen, die sowas auch gerne mal erzählen. War es die Startnummer (hier schwillt der Chronistin Stirnader)? War es zu drüber? Zu viel? Auf einer Metaebene hätte das ja dann auch wieder gepasst. Ich weiß es nicht, echt nicht, und für die Griechen im allgemeinen und Akylas im besonderen tut es mir echt leid, das hätte eigentlich weiter nach oben gehört.


9. Ukraine (221 Punkte (Jury: 54 Punkte (Platz 15), Televoting: 167 Punkte (Platz 5)), 

    im Semi: Platz 6, 174 Punkte (Jury: 75 Punkte (Platz 8), Televoting: 99 Punkte (Platz 4)))

Es gibt offensichtlich Länder im Eurovisionszirkus, die machen können, was sie wollen, es funktioniert immer irgendwie. Dabei hatte ich Leléka nach dem Semiauftritt schon mit einer Pobacke auf dem Schleudersitz gesehen. Der hohe Ton, eigentlich das Glanzstück der Performance, ist ihr nämlich bekanntlich weggekippt, und zu allem Überfluss hatten sie dann auch noch genau diese Stelle im Schnelldurchlauf (im Finale haben sie diesen Fehler nicht mehr gemacht). Aber auch sonst haben die Eurovisions-Inszenierungskönige dieses Mal nicht ihre beste Arbeit abgeliefert, das war alles sehr schlicht und auf Leléka zugeschnitten. Ich hab weder ihr Outfit (im VE viel besser, wenn schon, denn schon!) noch die schwarzen Handschuhe (?) noch den schwarzen Strich am linken Auge verstanden. Die Stoffgardinen könnten immerhin Wasserfälle symbolisiert haben. Der Song allerdings ist nach wie vor toll, und im Finale war auch die Performance perfekt. Das hat dann wohl bei allen eingeschlagen.


8. Moldau (226 Punkte (Jury: 43 Punkte (Platz 17), Televoting: 183 Punkte (Platz 4)), 

    im Semi: Platz 4, 208 Punkte (Jury: 62 Punkte (Platz 8), Televoting: 146 Punkte (Platz 2)))

Dieser Jahrgang hat uns ja nun doch einiges an Überraschungen präsentiert, und auch hier haben wir eine. Moldau war mit Platz 8 der Schwächste (!!) der drei Rückkehrer, wobei "schwach" hier natürlich das völlig falsche Wort ist. Das war bärenstark. Und das alles mit dermaßen einfachen Mitteln! Schaut mal genau hin, außer einem Bandsetting, der Reminiszenz an Aliona Moons Auftritt in Malmö und einem süßen lustigen Background gab es da nur eins: Jede Menge Spaß. Und der hat sich auf alle übertragen, nicht umsonst war das einer der großen Hallenfavoriten. Man hat das Satoshi und seinen Mitstreiter*innen in jeder Sekunde angemerkt, wie sehr sie ihren Auftritt genossen haben. Vielleicht sollten sich drei der Big Five mal beim ärmsten Land Europas abschauen, was einen guten ESC-Beitrag ausmacht. Spoiler: Fette Props und Reißbrettware sind es nicht.