Sonntag, 16. August 2026

Der ESC 2026 in der Rückschau: Platz 1

1. Bulgarien (516 Punkte (Jury: 204 Punkte (Platz 1), Televoting: 312 Punkte (Platz 1)), 

    im Semi: Platz 1, 278 Punkte (Jury: 94 Punkte (Platz 5), Televoting: 184 Punkte (Platz 1)))

Ich hab ja schon in diesem Artikel hier einiges zum Thema gesagt, aber ich finde, das letzte Wort muss die Siegerin haben, und es gibt auch noch das eine oder andere zu ergänzen.

Jetzt mal Hand aufs Herz und Butter bei die Fische: Wer von Euch hat, nachdem alle Auftritte im Finale durch waren, ernsthaft mit diesem Ergebnis gerechnet? Ich sags, wie es ist: Ich nicht. Ich weiß nicht, womit ich gerechnet habe, aber auf keinen Fall damit. Und mit dem Sieg bei der Jury schon dreimal nicht. Ja, auch nach den Auftritten war ich immer noch blind wie ein Laternenfisch in 7000m Tiefe mit Augenbinde und Licht aus. Dabei hätte man drauf kommen können: Zwei absolut perfekte Auftritte, super originell und mit sehr viel Liebe zum Detail inszeniert, und die Halle ist beide Male komplett ausgerastet. Niemand hat lauteren Applaus bekommen. And rightly so. Dara und ihre Truppe haben das wirklich super gemacht. 

Der Splitscreen am Ende mit dem steigenden Herz war eine supertolle Sache, bitte wieder machen. Der Schrei in der Halle, als das rot-grün-weiße Herz das weiß-blaue Herz überholt hat, war wahrscheinlich eins der lautesten Geräusche, die man je beim ESC hören konnte. Und mir treibts bis heute die Feuchtigkeit in die Augen, wenn ich das sehe und höre, so überwältigend ist das.

Und dann diese Siegerreprise! Das hatten wir auch noch nie, dass die vor der Preisverleihung kam. Kein Häuschen mit Stühlen? Kein Problem! Da nehmen sie halt einfach die Stühle aus dem Green Room und performen dort genauso perfekt wie vorher beim Siegerauftritt. Sehr sehr cool. Kleiner Fun Fact am Rande: Als JJ (der erste Sieger seit diversen Editionen, dessen Performances im Host-Jahr mich überzeugt haben, die Songs haben mir allesamt deutlich besser gefallen als "Wasted Love") den Preis überreicht hat, brüllte er ja für alle hörbar "Bitch, Bitch! You did it!" Natürlich hat sich die eine oder andere Person darüber aufgeregt, dass man sowas doch nicht zu jemandem sagt, aber ich finde, es war klar zu erkennen, dass die beiden sich super verstehen und dass das ihr normaler Umgangston ist. Nach eigener Aussage (in seinem Podcast zusammen mit Conchita) hat er nicht geschnallt, dass das Mikro an war. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ist aber auch egal. Man sollte das nicht zu hoch aufhängen, wenn es für Dara okay ist, auch wenn ich, um das der Vollständigkeit halber zu erwähnen, diese Ausdrucksweise in diesem Moment vielleicht nicht gewählt hätte. Aber ich bin ja auch schon alt.

Anyway, ist doch einfach toll, wenn einen nach so vielen Jahren als Fan noch mal ein Ergebnis so richtig überraschen kann. Und wenn endlich mal wieder ein Land gewinnt, das vorher noch nie gewonnen hat, und dann auch noch so deutlich. Dara hat allen Ernstes Rybaks Rekord "größter Abstand zum Zweitplatzierten" einkassiert, ihrer war vier Punkte größer als seiner. Auch damit hätte wohl im Vorfeld niemand gerechnet.

Noch toller: Dara war im Frühjahr kurz davor, ihre Teilnahme zurückzuziehen, weil sie so massiv angefeindet wurde, dass sie überlegt hat, dass sie sich das nicht geben muss. Ich finde, sie hat da einen Punkt. Nur weil jemand in der Öffentlichkeit steht, heißt das nicht, dass man demjenigen alles um die Ohren feuern muss. Sachliche Kritik darf sein und muss immer okay sein, aber was man da so teilweise in den (a)sozialen Netzwerken lesen muss, ist absolut unerträglich! Irgendwo ist eine Grenze, und so was ist jenseits von gut und böse. Wie wir wissen, hat Dara nicht zurückgezogen, sondern es allen Kritikern und Bashern auf die bestmögliche Weise gezeigt!

Und dann gabs da noch eine Art Full Circle Moment, der umso schöner war, weil auch er so unerwartet kam. Er betrifft allerdings dieses Mal so ganz direkt nicht Dara selbst, sondern einen Landsmann von ihr, der ebenfalls in der Halle war und beim 70-Jahre-Feier-Pausenact für mich den schönsten und hörenswertesten Teil abgeliefert hat. Klar, insbesondere Lordi und Erika waren superlustig, aber Kristian Kostov hat mich da besonders berührt. So, und warum Full Circle Moment? Stell dir vor, du bist gerade mal 17 Jahre alt, hast beim ESC den Auftritt deines Lebens abgeliefert, kassierst die zu diesem Zeitpunkt zweithöchste Punktzahl in der Geschichte des Wettbewerbs (inzwischen ist es die dritthöchste) und gewinnst nicht nur nicht, sondern die komplette Halle ist auch für deinen Hauptkonkurrenten. Das muss man erst mal wegstecken. In jedem anderen Jahr wäre die "Beautiful Mess" vermutlich ein "Beautiful Winner" gewesen. Kristian war dann auch alles andere als glücklich mit seiner Silbermedaille. Stimmen auf Instagram, die ihm sagten, das sei doch ein Supererfolg, er solle sich nicht so haben, bat er darum, seine Gefühle diesbezüglich zu respektieren. Und das ist auch richtig so, wir stecken alle nicht in seiner Haut und können es allesamt nicht nachvollziehen. Umso toller, dass er ausgerechnet an diesem für Bulgariens ESC-Geschichte so historischen Abend in der Halle war und sich, wie auf einigen Backstage-Videos zu sehen ist, hinter den Kulissen mit einer riesigen Bulgarien-Flagge in den Händen einen Wolf gefreut hat.

Wie gesagt: Die unerwartetsten Geschichten sind die schönsten. Freuen wir uns also jetzt auf Burgas 2027- ja, tatsächlich, Netta hat es im achten Anlauf geschafft, die Gastgeberstadt richtig vorherzusagen! Wer wird denn jetzt unser Kontra-Orakel? Plant Ihr, dort hinzufahren? Ich kann jetzt schon mal sagen, dass es bei uns aufgrund von Terminschwierigkeiten nichts werden wird. Ich wünsche aber allen, die dort hinwollen, schon jetzt viel Erfolg bei der Planung und beim Kartenergattern - es wird bestimmt superspannend!

This completes the Nachlese of the Sixtus-Blog. Habt eine gute Zeit, bis bald!

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