5. Italien (281 Punkte (Jury: 134 Punkte (Platz 6), Televoting: 147 Punkte (Platz 6)),
Bevor wir uns mit dem diesjährigen Beitrag der Stiefelländer auseinandersetzen, zweieinhalb Worte vorab. Ich liebe Italien. Ich liebe alles daran. Ihre Sprache ist die schönste, die jemals Menschenohren gestreichelt hat, ihre Kultur so reich und vielfältig, die Landschaft so bezaubernd schön, und ach, erst ihr Essen! Das mit der Kultur macht auch vor den ESC-Beiträgen nicht halt, denn nicht erst seit ihrer Rückkehr liefern sie Qualität in einem Ausmaß wie kaum ein anderes Land, und nicht ohne Grund sind sie immer sehr weit vorne zu finden. Nicht zuletzt haben die Italiener auch meiner bescheidenen Meinung nach den besten Eurovisionsbeitrag aller bisherigen Ausgaben abgeliefert.
Seit dem Sieg 2021 ist allerdings für mich der Wurm drin. "Brividi" war meiner Meinung nach komplett überschätzt, "Due vite" war noch ganz okay, mit "La noia" bin ich nie warm geworden, und der fünfte Platz für den harten Kerl letztes Jahr war schlicht absurd. Und dann kam 2026.
Europa, wolltest du uns trollen, oder was war das? Was haben Jurys und Televoter gesehen und vor allem gehört, was ich nicht gesehen und gehört habe? Wieso regnet es so viele Punkte für diesen ranzigen Schlagerquark aus den 80ern? Und Sal da Vinci ist garantiert ein total netter Kerl, hatte aber für mich genau die Ausstrahlung und Aufmachung (mit Ende fuffzich noch ganz in weiß?!), die das Ganze im negativstmöglichen Sinne abrundete, will sagen, er wirkte wie der etwas zu aalglatte Versicherungsvertreter, der jedes Jahr auf Malle Urlaub macht und der 80jährigen Omma Ilse ohne Skrupel noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung verkauft. Ausstrahlung matters, fragt mal Jüri Pootsmann. Aber man sah bei der Performance mehr von Bräutigam und Braut als vom Sänger. Vielleicht hat das die Pöngsen gebracht, eine nette Geschichte wurde ja immerhin erzählt. Eine Farce bleibt der 5. Platz trotzdem. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen.
4. Australien (287 Punkte (Jury: 165 Punkte (Platz 2), Televoting: 122 Punkte (Platz 9)),
im Semi: Platz 3, 222 Punkte (Jury: 137 Punkte (Platz 1), Televoting: 85 Punkte (Platz 6)))
Kommen wir mal zu was Schönem. Hier haben wir nämlich den Beitrag, der sich letztlich als meine Jahrgangs-Nummer 1 rauskristallisiert hat (das dauert immer ne Weile, bis sich das alles einsortiert hat) und den ich sehr gern als Gewinner gehabt hätte. Alles an diesem Beitrag wirkte unangestrengt hochwertig. Einige Stimmen meinten ja im Vorfeld, der Song sei altbacken, aber dem kann ich mich nicht anschließen - ich finde ihn einfach zeitlos schön. Delta sah wunderschön aus, ohne aufgetakelt zu wirken, das tolle Kleid unterstrich einfach ihre natürliche Schönheit. Und dann diese STIMME! Da kann ich echt nur dahinschmelzen. Und dann hatten wir noch zwei aufs i-Tüpfelchen perfekte Auftritte mit einer tollen Inszenierung. Die nach oben fahrende Plattform hätte es meiner Meinung nach gar nicht gebraucht, es war so schon fantastisch. Ein Augen- und Ohrengenuss für mich von der ersten bis zur letzten Sekunde. Hätte ich gern noch ein drittes Mal genossen, falls Ihr versteht, was ich meine.
1 Kommentar:
Schade, dass ich meine Italien Top 5-Prognose, die ich im April noch auf ESC kompakt abgegeben habe, nicht konsequent verteidigt habe. Ja, tatsächlich hatte ich das nahezu von Anfang an auf dem Zettel was die Top 5 angeht. Während der ESC-Woche flachte das jedoch ab, da so viele Länder was den Auftritt angeht einen draufsetzten. Das Televote kann ich ja soweit verstehen. Schon im Februar wirkte er auf mich wie der sympathische Best Ager, welcher den jüngeren Generationen jetzt mal ordentlich zeigt, was echte Lebensfreude ist, ohne es einem unerträglich aufzuzwingen. Das hat man übrigens in der Juryshow gewinnen lassen und wie die Wiener Stadthalle zu dem Playback abgegangen ist war vielleicht mein persönliches Highlight von der diesjährigen ESC-Live-Experience. Einen schöneren Einstieg ins Wochenende hätte es nicht geben können! Und hey, das war immerhin der eine Beitrag dieses Jahr, bei dem meine beiden sich im Rentenalter befindenden Eltern sich einig waren und es beide sehr genossen haben. Bei den Jurys bin ich aber wirklich ein klein wenig sprachlos und für mich war das eigentlich der Knackpunkt, was die Top 5-Platzierung angeht. Aber ne, hat da auch gut abgeliefert. Irgendwie hat es Sal ja verdient. Entgegen so vieler anderer italienischer Acts hat er nie gezögert und versucht, alles aus dieser Erfahrung mitzunehmen. Das merkte ich schon bei der PreParty in Amsterdam.
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