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Montag, 2. Juni 2014

Das Finale, Platz 14-12

14. Polen
Der Herr Sixtus hat gesagt, ich möge doch bitte nur Liebes über diesen Beitrag schreiben. Ich probiers. Aber ich versprech nix.
Wir sehen auf der Bühne: Einen Schreihals im Trachtenmini mit Seitenzopf und Stiefeln, drei sich drehende Trachtenröcke in unterschiedlichen Farben, immerhin waren die dazugehörigen Oberteile unerwartet hochgeschlossen, und zwei Damen Weiber am Arbeiten. Beide haben Dekolletes, wie man das aus dem Preview-Video kennt, soll heißen, sie geizen nicht mit ihren Reizen. Eine stampft mit aufreizender Langsamkeit Butter (oder was sollte das sein?), die andere wäscht in gleicher Manier von Hand ein Wäschestück im Waschzuber - reiner Zufall, dass es weder im Semi noch im Finale geklappt hat, das Oberteil richtig nass zu kriegen. Und sie hats versucht. Bei dem Tempo, in dem die beiden Butter stampfen bzw. Wäsche schrubben, denk ich persönlich an ganz andere Dinge, über die man öffentlich gar nicht reden darf... Die Nummer spricht so ziemlich alle niederen Instinkte des Heteroherrn an, aber ich finds nach wie vor abscheulich. Im Finale wäre es übrigens bei reinem Televoting in der Top Ten gelandet, wurde aber von den Jurys durch die Bank abgestraft. Trotzdem erzielten die Polen ihr bestes Ergebnis seit 1997 2003 (oh welch krasser Gegensatz zu dem genialen "Ale Jestem"- Edit: Da hat der Fehlerteufel zugeschlagen. 2003 gabs mit den ebenfalls genialen Ich Troje noch einen 7. Platz. Merci an Patrick für den Hinweis!). Man fragt sich zwar warum, aber gut - sollnse doch alle machen, was sie wollen. Und der Song is auch nix. Aber mit einem einzigen Akkord sind ja Stojan und Elitza seinerzeit auch auf Platz 5 gekommen...
Verzeih mir, Sixtus, ich habe kläglich versagt.

13. Schweiz
Über Sebalter was Nettes zu schreiben fällt mir hingegen ausgesprochen leicht. Nachdem es gleich mit einem Knalleffekt losging, hatte er direkt die Halle auf seiner Seite, und nachdem er meiner Meinung nach DER männliche Eye Candy in diesem Jahr (obendrein mit Bart!) war und seinen Charme großzügigst versprühte, hatte er im Semi natürlich leichtes Spiel. Und die Entscheidung, das Intro zu pfeifen und nicht von einem anderen Instrument übernehmen zu lassen, war goldrichtig! Das waren insgesamt sechs Minuten Unterhaltung allerbester Sorte, und ich glaube, es war ganz gut, dass man den von Sebalter selbst verbrochenen Text nur marginal verstand, denn (und das ist das einzige, was ich an diesem Beitrag wirklich auszusetzen hab) der passte so GAR NICHT zur Performance... nachdem ich die Zeile "I am the hunter, you are the prey, tonight I'm gonna eat you up" rausgehört hatte, musste ich den Text dann doch mal nachschauen. Sebalter, Du wirktest nun wirklich nicht wie ein Jäger auf Beutejagd, sondern wie ein netter Kerl, der sich mit seinen Freunden auf der Bühne tolle drei Minuten macht. Toll dagegen der Einsatz der Feuerdusche (und der Kamera!!) bei der Zeile "I press my nose to the glass, it's raining outside, it's raining outside". Man muss lange, lange zurückgehen, bis man einen Schweizer findet, der eine bessere Platzierung hingelegt hat, und man wird erst 1991 (!) fündig. Ja, ich weiß, Annie Cotton und Vanilla Ninja, das waren aber beides keine Schweizer! Alles in allem zwei tolle Performances, die nach unserer einhelligen Meinung gern noch besser hätten abschneiden dürfen!

12. Rumänien
Ich sagte ja bereits im Vorfeld, dass Rumänien irgendwann demnächst nochmal gewinnt, aber dass das wohl nicht dieses Jahr sein wird. Hab ich wohl recht behalten, wundert einen aber auch irgendwie nicht, denn an diesem Beitrag war zuviel Licht-und-Schatten-Gemisch, um wirklich punkten zu können. Auf der Habenseite haben wir zwei durchaus attraktive und auf jeden Fall mal hochtalentierte Sänger - Paula dürfte ohne Zweifel in dieser Disziplin die Jahrgangsbeste sein, und den Rekord für den längsten Ton der Eurovisionsgeschichte hat sie auch einkassiert - und einen superstarken Chor, die zusammen für einen runden, vollen Sound sorgten. Das allein reicht aber nicht, liebe Rumänen (und das solltet Ihr eigentlich auch wissen): Der Gimmick mit der Paula-Projektion war ebenso verzichtbar wie das seltsame runde Keyboard (woher habt Ihr das? Ich brauch dringend ne neue Klobrille, ich will das auch!). Der Song bleibt schlecht, und leider gaben Paula und Ovi dieses Mal auch kein überzeugendes Pärchen ab. Da knisterte nix zwischen den beiden. 2010 haben sie gezeigt, dass sie es besser können. Paula, Ovi, kommt bitte gern nochmal wieder, aber dann mit einem absoluten Knallersong - dann holt Ihr die Kiste auch!

Dienstag, 1. April 2014

ESC 2014 Gesamtbetrachtung Teil 4

Und gleich noch ein Semi hinterher:

1. Malta: Firelight - Coming home

Also erstmal: Es gibt nur EIN coming home! Und das stand vor drei Jahren in Düsseldorf auf der Bühne und wurde daselbst unter Wert geschlagen! Das wollen wir hier mal festhalten! Na, das geht ja gut los, Gitarrengeschrammel und Schweinesexten. Bisschen Klavier, bisschen Mundharmonika. Ich liebe ja handgemachte Musik, hab selber in meiner wilden Jugend auch das eine oder andere Mal schon Straßenmusi gemacht, aber: Beim ESC? Mal ganz abgesehen davon, dass mir der lettische Beitrag da deutlich besser gefällt. Das Liedje ist ja ganz nett, aber halt eben nur nett. Anhand des Videos sieht man, dass es ein Lied für Kriegsheimkehrer ist. Ach ja. So hehr die Absicht, das wahre Coming Home geht dennoch "I can't wait for tomorrow to say the things I wanna say, your smile will always lead my way..." *RIESENSEUFZER*
Chancen aufs Finale: Das hängt vom Rest ab, es wird jedenfalls recht eng.
Valletta 2015: Wieder kein Freiluft-ESC nächstes Jahr.
6/10

2. Israel: Mei Feingold - Same heart
Hier hab ich mal wieder das offizielle Video. Mei stolziert sich da in seltsamer Kleidung durchs Video, der Song kracht von Anfang an ganz gut rein. Die Lady verfügt über eine Hammerstimme, hoffentlich auch live. Sie hat was leicht dreckiges in der Stimme, gefällt mir sehr gut. Und nachher muss ich mir unbedingt den Text anschauen, man versteht mal wieder nicht viel, aber das bisschen, was ich verstehe: Huiuiui. Oder sind das wieder die üblichen Fabianschen Verhörer? Egal, das hier hat was und tritt am Samstag nochmal an. Aber Mei: Der Badeanzug bleibt bitte zuhause! Mit so einer Klamotte ist schon Magdalena Tul auf die Nase gefallen. OK, nicht nur mit der Klamotte, aber trotzdem.
Chancen aufs Finale: Drin.
Jerusalem 2015: Nein.
8/10


3. Norwegen: Carl Espen - Silent storm

Letztes Jahr haben mich die Norweger ja bekanntlich aus dem Sekundenschlaf wieder aufgeweckt mit ihrem Kracher, dafür schicken sie in diesem Jahr eine Ballade. Aber was für eine! Ich ziehe unwillkürlich den Vergleich zum Belgier und frage mich, warum mich ersterer so kalt lässt, während mich das hier wirklich berührt. Muss wohl daran liegen, dass Carl Espen mehr daran gelegen ist, seine Botschaft rüberzubringen als seine Stimme zu zeigen. Außerdem ist seine Stimme nicht ganz so perfekt, was aber dem Song noch mehr Eindringlichkeit verleiht. Ich kann das ganze jetzt nur aufgrund des Lyric-Videos beurteilen, da aber hat es mich gepackt! Wunderschön!
Chancen aufs Finale: Aber hoffentlich doch wohl!
Oslo 2015: Könnte eventuell ein Überraschungssieger werden.
10/10


4. Georgien: Mariko Ebralidze & The Shin - Three minutes to earth

Ich möchte ja den Komponisten dieses Beitrags gerne mal befragen, welche Drogen er genommen hat, als er diesen Beitrag geschrieben hat. Immer dann, wenn man denkt, jetzt ist der Beitrag im Fluss, vergreift Gitarrist sich im Akkord und die Sänger singen synchron dazu verkehrt, so dass es wieder passt. Das wäre mal was für ne Abschlussarbeit in Gehörbildung, die Harmonien von diesem Song in der richtigen Reihenfolge sauber aufzuschreiben. Da setz ich mich einmal daheim auf die Klaviertastatur, dann krieg ich das auch. Allerdings wirkt das ganze längst nicht so daneben, wie man nach dieser Beschreibung glauben sollte. Jedenfalls hab ich allen Respekt davor, dass die sich die ganzen Tonfolgen merken können, ohne zu straucheln. Könnt ich nicht. Ich möchte das gerne mal bekifft hören.
Chancen aufs Finale: Uuuh...ööh... weiß nicht. Frag mich nochmal, wenn ich was eingeworfen hab.
Tblissi 2015: Oh nee oh nee...
5/10


5. Polen: Donatan and Cleo – My slowianie

Puh, polnisch klingt ja wirklich heftig... Und da es sonst nix gibt, muss ich mir wieder das bei youtube extrem beliebte Offizielle Video anschauen. Gehört der Alphornschrei auch dazu? Und singen die live auch so schief? Das ist alles laut, schrill, vulgär und im wesentlichen Geschrei von einer Frau im Mini, während drumherum die Dorfmädels in Trachten stehen und klatschen. Die Trachten zeigen übrigens ziemlich viel von den Reizen ihrer Trägerinnen, und ich frage mich, ob sie das in Kopenhagen wohl auch so auf die Bühne bringen wollen. Ich finds grauenhaft, aber es wird sicher seine Fans haben.
Chancen aufs Finale: Wahrscheinlich schon, ja.
Warschau 2015: Bitte nicht!
1/10