Congratulazioni Italia!
Das war überfällig, Ihr hättet seit Eurer Rückkehr schon mindestens dreimal gewinnen müssen! Super!
Und nächstes Jahr haben wir dann Rock am Ring!
Meine Damen, meine Herren und meine diejenigen, die sich nicht festlegen wollen: Es gibt eine Startreihenfolge! Die gucken wir uns jetzt mal an und lassen Frau Anna Lühse sprechen. Dazu gibt es den aktuellen Wettquotenstand (21.05., 8:30 Uhr), damit wir hinterher wieder sagen können, dass die Bookies keine Ahnung haben, und, nur so aus Jux, den Wettquotenstand vor Probenbeginn (07.05., 10:35).
Alle Quoten sind von eurovisionworld.com, Die Reihenfolge bei Oddschecker.com weicht möglicherweise ein bisschen ab, weil beim einen oder anderen die Quoten so gleich sind, dass da nach unterschiedlichen Kriterien sortiert wird. Anyway: Es geht hier jeweils um die Siegerwette. Wenn jemand auf Platz 9 der Wettquoten liegt, heißt das nicht, dass er Neunter wird, sondern das acht andere Länder bessere Siegchancen haben. Einen Hinweis auf das spätere Abschneiden sollte man deshalb daraus nicht ableiten - kann man aber trotzdem.
Ein Wort vorab: Ich bilde mir eigentlich ein, nach so vielen Jahren Fantum eine Startreihenfolge ziemlich gut lesen zu können, insbesondere, was den Sieger angeht, aber in diesem Jahr bin ich absolut ratlos.
Schauen wir trotzdem mal drauf.
1. Zypern
Das ist doch mal ein solider Opener. Neben Serbien und Griechenland eine der drei Optionen auf das Eröffnen der Show. Man muss ja immer mit einer flotten Nummer eröffnen, und die hier stimmt schon mal ein auf die zig ähnlich gelagerten Nummern an diesem Abend. Liegt bei den Bookies derzeit auf Platz 11 mit absteigender Tendenz (vor Probenbeginn: Platz 9), ich denke, sie wird sich aber eher um Platz 15 rum einordnen.
2. Albanien
Schon wieder Albanien auf Platz 2? Warum? Hat man sich nicht getraut, einen der Big 5 da hinzupacken, weil man das ja eigentlich immer macht? Anxhela kann es egal sein, sie hat im Grunde nicht viel zu verlieren und wird das gut machen. Albanien wird ja grundsätzlich unterschätzt, und auch in diesem Falle mal wieder zu Unrecht. Liegt auf Platz 24, wird aber besser abschneiden (vor Probenbeginn: Platz 39) .
3. Israel
Diese Nummer hat Israel doch vor sechs Jahren schon mal ein ziemlich gutes Ergebnis beschert. Überhaupt, auffällig viele Startnummern, die in den letzten Jahren für das jeweilige Land schon mal vergeben wurden. Ich denke aber, dass es dieses Jahr eher ein Nachteil ist, denn vermutlich wird Israel von Belgien überstrahlt werden. Derzeit auf Platz 19 (vor Probenbeginn: Platz 17), und etwa da wird es sich auch einsortieren.
4. Belgien
... sofern man bei einem derart düsteren Beitrag von "überstrahlen" reden kann. Das wird zumindest für die Jurys der erste Höhepunkt werden. Für die Televoter leider eher nicht. War vermutlich ziemlich schwierig, diesen Beitrag adäquat unterzubringen. Liegt derzeit auf Platz 20 (vor Probenbeginn: Platz 19), dürfte aber aufgrund der Klasse und des Jury-Appeals einen Tick besser abschneiden.
5. Russland
Das mit dem schwer unterbringen gilt auch für Manizha. Fürs Televoting auf jeden Fall mal der erste richtige Kracher und ein großartiger Kontrast zu Belgien. Stand vor Probenbeginn und steht auch jetzt auf Platz 15, könnte aber etwas besser abschneiden und sogar an der Top Ten kratzen - wobei, die wird in diesem Jahr für den einen oder anderen echt schwer zu knacken sein.
6. Malta
Destiny stand ja vor Probenbeginn auf Platz 1, inzwischen ist sie auf Platz 3 abgerutscht. Wenn man der Startreihenfolge glauben darf, zu Recht. Sie dürfte sich inzwischen aus dem Kreis der engsten Siegesfavoriten verabschiedet haben, sonst hätte sie eine andere Nummer bekommen. Und ganz ehrlich: Sie ist die einzige von der derzeitigen Bookie-Top-6, mit deren Sieg ich nicht leben könnte. Wird natürlich trotzdem super abschneiden, aber eben nicht gewinnen.
7. Portugal
Wenn mir jemand vor einem Monat gesagt hätte, dass Portugal heute bei den Bookies auf Platz 8 steht, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Vor zwei Wochen war es Platz 24. Ich denke, die Portugiesen werden der Ryan O'Shaughnessy dieses Jahrgangs und werden auch in etwa so abschneiden, dh um Platz 16 rum. Wenn es anders kommt, wäre es natürlich schon sehr, sehr cool. Die Startnummer zwischen den beiden Krachdingern ist jedenfalls nicht schlecht.
8. Serbien
Hurricane tragen die Startnummer von Bojana Stamenov auf und machen nach den Portugiesen wieder richtig Dampf, was beiden nicht schadet. Das wird eine solide Performance, die an der linken Tableauhälfte kratzen könnte. Die Bookies sehen sie mit Platz 18 klar auf der rechten Seite (vor Probenbeginn: Platz 23), aber es ist auch schwierig, bei den ganzen ähnlich gelagerten Beiträgen eine vernünftige Einschätzung hinzukriegen.
9. Großbritannien
Jetzt hat Großbritannien seinen besten Beitrag seit Ewigkeiten und wird dann eingezwängt zwischen zweimal Radau. Unfair, sowas. Da wär ja fast die 2 noch besser gewesen. Trotzdem wünsche ich mir, dass James der Bottom 5 entgeht, verdient wäre es, wird aber schwer. Liegt derzeit hauchdünn außerhalb der Bottom 5 mit Platz 21 (vor Probenbeginn: 22).
10. Griechenland
Uff. Ob das jetzt wirklich so eine gute Startnummer für die Griechen ist? Stefania wird zwar das UK überstrahlen, dafür aber von den beiden nachfolgenden Startnummern pulverisiert werden. Könnte eng werden mit der Top Ten, und wenn man ehrlich ist, gäbe es die auch nur für die Sängerin und die Inszenierung, nicht für den Song. Liegt genau wie vor zwei Wochen auf Platz 14.
11. Schweiz
An Gjon ist ja ziemlich viel rumgemeckert worden in den letzten Tagen, blödes Oberteil, unpassende Bewegungen, bla bla bla. Dabei wird gerne vergessen, dass der Junge einen SONG dabei hat. Und eine STIMME! Natürlich hat er im Semi auch von dem Carcrash vor ihm profitiert, aber den hätte es nicht gebraucht. Möglicherweise der Sieger im zweiten Semi. Lag vor Probenbeginn auf Platz 3, liegt jetzt auf Platz 4 der Quoten und ist beim Rennen um den Sieg noch lange nicht rausgeflogen!
12. Island
Entweder Gjon hat das Semi gewonnen oder die Isländer. Ich hab ja zu den Umständen bereits alles gesagt. die Startnummer deutet darauf hin, dass sie gestern sehr gut abgeschnitten haben. Vor Probenbeginn auf Platz 5, jetzt auf Platz 6, aber die Möglichkeit eines isländischen Sieges ist hiermit nach wie vor noch nicht vom Tisch! Falls Island gewinnen sollte, startet in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Crowdfunding für meine Kneipentouren nächstes Jahr in Reykjavik 😄😄😄
13. Spanien
Ach, Blas. Ach, Blas. Das ist jetzt blöd für Dich. Nach Island und der Schweiz hast Du keine Schnitte und kannst froh sein, wenn Du nicht letzter wirst. Auch die Bookies haben ihn ganz hinten, vor Probenbeginn war es Platz 35. Also chancenlos von Anfang an.
14. Moldawien
Was dieses Ding im Finale macht, begreife ich immer noch nicht. Die Organisatoren vermutlich auch nicht, deshalb hat es auch den schlechtestmöglichen Startplatz bekommen. Liegt jetzt auf Platz 23 (vor Probenbeginn: Platz 20) und wird HOFFENTLICH auch so abschneiden.
15. Deutschland
Umso besser für Jendrik. Ich hab ihm ja im Vorfeld eine Startnummer zwischen 14 und 17 prophezeiht, aber nach Moldawien ist für ihn nicht so schlecht, das wäre schlimmer gegangen. Nach dem moldawischen Kunstprodukt kommt er möglicherweise umso erfrischender und authentischer rüber. Aber: Dafür muss der Auftritt zu 100% sitzen! Nutze Deine Chance, Junge, Du hast eigentlich keine! Vor Probenbeginn auf Rang 28, jetzt auf 25. Ich fürchte, allzu viel mehr ist leider in diesem Feld auch nicht drin.
16. Finnland
YAY sie haben es getan! Mittelfinger und Mittelfinger Rücken an Rücken! Wie geil! Warum die Finnen derzeit auf Rang 7 liegen, verstehe ich allerdings nicht, ich fand sie gestern keineswegs überzeugend und sehe sie auch deutlich außerhalb der Top Ten. Vor Probenbeginn waren sie 11., wenn es das wird, wären sie schon gut bedient.
17. Bulgarien
Victoria hat sich aus dem Rennen um den Sieg auch noch nicht so ganz verabschiedet, allerdings ist diese Startnummer nicht wirklich gut für sie. Die Top Ten wird es aber allemal, vielleicht sogar mehr. Allerdings helfen ihr die beiden nachfolgenden Starter nicht. Lag vor Probenbeginn auf Platz 6, jetzt auf Platz 10. Wird dann wohl Platz 8.
18. Litauen
So, und hier bin ich jetzt ratlos. Warum liegen The Roop bei den Bookies dermaßen unter dem Radar? Sie lagen vor Probenbeginn auf Platz 7, was ich schon ein bisschen weit unten fand, jetzt auf Platz 12?! Was erlauben Bookies? Für einen Sieg ist die Startnummer einen Tacken zu ungünstig, aber doch bitte solide Top 5, oder? Oder seh ich hier was, was sonst keiner sieht?!
19. Ukraine
Alle Jahre wieder gibt es einen Beitrag, mit dem vor Probenbeginn keiner rechnet, der aber dann auf einmal den Turbo zündet. Hier haben wir den diesjährigen - erfreulicherweise. Vor Probenbeginn noch auf Platz 16, jetzt auf 5, und ich würd mir ein Loch in die Mütze freuen, wenn es tatsächlich auch so wird. Dieser Beitrag ist so einzigartig, dass es fast egal ist, wo man ihn hinplatziert. Top 5 sehe ich hier allemal.
20. Frankreich
Hier auch, aber da rechnet ja eigentlich auch jeder mit. Es wird auf jeden Fall Frankreichs bestes Ergebnis seit ... seit ... uff. Damals wie jetzt auf Platz 2, und wenn es der wird, wäre es fantastisch. Wenn es der Sieger wird, wäre es noch fantastischer. Verdient hätten sie es allemal, der Song ist toll, und wie entzückend ist eigentlich Barbara Pravi?!
21. Aserbaidschan
Helfen wird Barbara auch Aserbaidschan nach ihr, damit sieht man nämlich, wie hochklassig der französische Beitrag in diesem Jahr ist. Ich glaube, nach so vielen ähnlich gelagerten Beiträgen werden die Leute sagen "Oh Gott, nicht schon wieder SOWAS" und Aserbaidschan wird abstürzen. Ich kenne eine Menge Leute, die das diebisch freuen wird. Lag vor Probenbeginn auf Rang 18, jetzt auf 17, und viel mehr ist auch nicht drin.
22. Norwegen
Norwegen vor Jeangu starten zu lassen finde ich nicht ganz so geglückt, aber gut - sie spielen beide im Titelrennen keine Rolle. TIX hat den Vorteil, dass er nach Aserbaidschan vermutlich gut und authentisch wirken wird, und wenn er wieder genauso performt wie am Dienstag, ist die linke Hälfte auf jeden Fall in Reichweite. Vor Probenbeginn wars Platz 10, jetzt 16, ich sag, er wird 13.
23. Niederlande
Eigentlich ist die 23 eine gute Nummer, aber nicht in diesem Jahr. Zwischen Norwegen und Italien wird Jeangu leider gnadenlos untergehen. Ich hoffe sehr, dass ich mich da irre! Vor Probenbeginn Rang 30, jetzt Rang 22, viel besser wird es leider auch nicht werden. Sehr schade.
24. Italien
Okay, ich glaube, ich weiß DOCH, wer gewinnt. Diese ganze Startreihenfolge ist schon sehr auf die Italiener zugeschnitten, und auch, wenn sie in der Vergangenheit mit viel besseren Beiträgen (zum Beispiel alles von 2017 bis 2019) nicht gewonnen haben, wird es in diesem engen Feld aller Voraussicht nach klappen. Vor Probenbeginn auf Platz 3 der Wettquoten, jetzt auf der Pole Position.
25. Schweden
Wer hätte das gedacht, dass Schweden mal als Puffer zwischen zwei Top-Favoriten herhalten muss? Ausgerechnet Schweden, das ja per se schon immer einen Bonus vor sich herschleppt. Aber Tusse war im ersten Semi ein Wackelkandidat fürs Weiterkommen, und irgendwo musste man ihn ja unterbringen. Lag vor Probenbeginn auf Platz 8 und jetzt auf Platz 13, und ich denke, dort wird er sich auch einsortieren.
26. San Marino
Apropos Top-Favoriten: Wer hätte jemals gedacht, dass man sowas mal von San Marino sagen würde? Mit dem Sieg wird sie nichts zu tun haben, mit der Top Ten aber sehr wohl, und dafür hätte sie Flo Rida nicht mal gebraucht. Das wird San Marinos mit Abstand bestes Ergebnis. Vor Beginn der Proben auf Rang 12, jetzt auf Rang 9, und etwa dort wird sie auch landen.
Eine große offene Frage bleibt: Wer hat eigentlich das erste Semi gewonnen? Die Startreihenfolge gibt absolut keinen Aufschluss darüber.
Lieber Jendrik: Viel Glück und Erfolg für heute und morgen Abend! Rock die Hütte! Zeig ihnen, dass sie Unrecht haben mit ihrem Geunke! Neben Deutschland liegt mein Augenmerk in diesem Finale besonders auf Litauen (bisheriger Siegertipp), Italien (aktueller Siegertipp), der Ukraine (der eine Lieblingsbeitrag) und natürlich Island.
Ich wünsche Euch und uns allen morgen ein höggschd pläsierliches Finale mit dem richtigen Sieger und keinen weiteren Ausfällen!
So, nachdem die letzten beiden Tage voller unguter Nachrichten waren (wer es noch nicht mitbekommen hat: Auch Duncan wurde positiv getestet und kann am Samstag nicht auftreten), bin ich mit dem Verlauf des zweiten Semis doch sehr happy. Lediglich zwei Trauerfälle und einen Qualifikanten den ich nicht gebraucht hätte - aber der Reihe nach.
San Marino - ja, Bombe, ne? Das war schon weiter, bevor Flo Rida kam. Danach aber dann erst recht. Startet am Samstag in Hälfte 2 (und wird San Marinos bestes Ergebnis einfahren).
Uku sang echt richtig gut, das muss ich ihm lassen, auch wenn ich ihn sonst nicht sonderlich sympathisch finde. Er hatte aber eh keine Chance aufs Weiterkommen.
Tschechien ist leider ebenfalls zu Recht raus. War recht okay, aber das reichte hier nicht. Und warum hat Benny die ganze Zeit an seiner Hose rumgezuppelt?
Der an sich nicht so starke griechische Song war super in Szene gesetzt mit den Green Screens, da merkt man mal wieder, dass es EuroVISION heißt. Stefania war aber auch echt gut. Startet in Hälfte 1.
Österreich ist einer meiner beiden Trauerfälle. Ich vermute mal, dass er nur knapp raus ist, ich fand ihn aber auch heute tatsächlich nicht soooo gut.
Polen - wie lang können eigentlich drei Minuten sein? Poah, war das ZÄH!
Warum Moldawien weitergekommen ist? Keine Eistüten auf der Bühne, zum hundertsten Mal das GeBANGe von Maruv, schiefer Gesang - Kirkorovs Kröten? Oder was? Hätte ich nicht haben müssen. Da hätte ich lieber einen meiner beiden Trauerfälle gehabt! Startet in Hälfte 2, auch das noch.
Island. Ik hou van jou. Til hamingju! Es war so unfassbar gut, die Halle hätte es getragen, wenn es live gewesen wäre, und ganz vielleicht hat es ja sogar das Semi gewonnen...? Die Geschichte geht auf jeden Fall weiter und kann immer noch ein tolles Ende nehmen. Startet in Hälfte 1, leider.
Die Serbinnen haben es einfach drauf. Runder Auftritt, da passte alles. Zu Recht weiter, startet in Hälfte 1.
Tornike war jetzt nicht so schlecht, ich vermute, dass er nicht Letzter geworden ist. Hat natürlich trotzdem nicht gereicht.
Bei Albanien hingegen war uns sofort nach dem ersten Takt klar, dass sie weiterkommt. Mein Gott, hat die toll gesungen! Startet in Hälfte 1.
Und dann die größte Sensation: Ich hätte vor Probenbeginn keinen Pfifferling auf Portugal gewettet. Aber sie hatten eine der stimmigsten Inszenierungen, da passte ebenfalls alles. Startet in Hälfte 1.
Victoria war genauso gut, wie es im Vorfeld erwartet wurde. Ich hatte nach ihrem Auftritt ein bisschen Wasser in den Augen, so sehr hat mich das angefasst. Startet in Hälfte 2.
Und dann das volle Kontrastprogramm. Ich gebe zu, ich war ja nicht so ganz sicher, wer das letzte Ticket bekommt, aber dass die Finnen es bekommen, ist absolut in Ordnung, auch wenn sie mich nicht hundertprozentig überzeugen konnten. Starten in Hälfte 2.
Dass die Lettin es nicht bekommt, war sofort klar. Erstens ist der Song scheußlich, zweitens: Sollte das so schief klingen? Prognose: Letzte in diesem Semi.
Erster in diesem Semi ist möglicherweise dann doch die Schweiz geworden. Das war schon bestechend gut. Die Tanzbewegungen fand ich jetzt nicht soo schlimm, es passt irgendwie. Nee, Leute, Gjon ist nach wie vor im Rennen! Startet aber leider in Hälfte 1.
Und dann: Trauerfall Nummer 2. Wir sind hier abgegangen wie eine Zäpfchenhorde, Das war wohl leider kein Juryfutter. Trotzdem, schade drum.
Jetzt wünsche ich Euch und uns allen ein pläsierliches Finale hoffentlich ohne weitere Coronafälle! Bleibt gesund, schlaft gut, bis morgen (!) - Startnummernannalühse folgt!
Eine Bemerkung vorab: Ich bin gerade sehr traurig. Ihr habt bestimmt schon mitbekommen, dass die Isländer aufgrund eines positiven Corona-Tests eines der Bandmitglieder weder morgen noch bei einem Finaleinzug (wovon ich ausgehe) am Samstag auftreten dürfen. Das hat die EBU heute Nachmittag so bekannt gegeben. Ich bin beim dem Beitrag ja eh schon parteiisch, aber jetzt noch mehr: GO ICELAND! Holt Euch das Mikrofon, das gläserne! Jetzt erst recht!
Anyway, to business. Auch für Semi 2 gibts von mir natürlich wieder eine Prognose.
Sicher weiter:
Auf jeden Fall mal die Schweiz, der Junge kann einfach was und steht nicht umsonst so weit oben in den Quoten.
Gleiches gilt für Bulgarien.
Und ja, natürlich kommen auch die Isländer im Finale, Backup hin, Backup her. Ich habe sie jetzt noch viel lieber als eh schon, und liebe Österreicher und Schweizer: Ruft bitte dafür an! Ich mache sowas sonst nicht, aber bitte bitte unterstützt diese tolle Truppe und diesen tollen Beitrag. Sie haben es echt verdient - wie viel Pech kann ein einzelner Act eigentlich haben?!
Außerdem kommt Griechenland weiter, das Staging passt, wackelt und hat Luft.
Und auch Senhit wird das beste Ergebnis für San Marino ever abliefern.
Und Finnland kommt auch noch weiter. Diese sechs werden auch die TOP 6 in diesem Semi, Reihenfolge weiß ich nicht. Is aber auch egal.
Sicher raus:
Der schöne Uku aus Estland. Dabei find ich den gar nicht sooo schön. Und der Song kann leider genauso wenig wie der vom letzten Jahr.
Ebenfalls raus: Polen und Georgien. Da muss man nicht lange drüber reden, das wird in beiden Fällen nix.
Bleiben wieder acht über, nämlich Tschechien, Österreich, Moldawien, Serbien, Albanien, Portugal, Lettland, Dänemark
Alle tückisch, obwohl ... einige weniger als andere.
Serbien wird weiterkommen.
Albanien wird weiterkommen.
Österreich wird weiterkommen.
Portugal wird weiterkommen.
Tschechien wird weiterkommen.
Dänemark wird weiterkomm... was? Das sind schon dreizehn? Ach geh doch weg.
Lettland wird rausfliegen. Dieses Öh-öh- öh-öh und dazu Samantas Geschrei, das wird nix. Die Letten haben irgendwo in den letzten Jahren den Anschluss verloren. In den Nullern sind sie oft genug mit Beiträgen weitergekommen, die das nicht verdient hatten, in den Zehnern wars umgekehrt. Und in den Zwanzigern schicken sie was, was nicht für meine Mutter ihre Tochter is, und können das Finale am Samstag im Fernsehn angucken. So.
Jetzt noch die anderen sieben. Sackzement, ist das übel.
Ich glaube, dass sowohl Albanien (wird ja grundsätzlich unterschätzt) als auch Serbien ins Finale kommen. Das sitzt einfach beides.
Moldawien - uff. Ich denke, das wird nichts. Dazu hätte sie dann schon die tanzenden Eistüten mitbringen müssen.
Jetzt noch zwei aus Österreich, Portugal, Tschechien und Dänemark.
Ich denke, die vier machen die Plätze neun bis zwölf unter sich aus, wenn nicht noch eine große Überraschung passiert. Hmmmmmmm .... *nägelkau* ...
Tschechien wird es allein schon aufgrund der Startnummer schwer haben. Ich glaube, er schafft es nicht, war wohl eben auch nicht sooo überzeugend.
Österreich ist recht früh dran, aber ich hab bei dieser Nummer nach wie vor Weiterkommer-Vibes. Muss im Juryfinale auch ziemlich toll gewesen sein.
Jetzt noch Portugal und Dänemark. Auf dem Papier eigentlich eine klare Sache, da sind sie beide raus. Andererseits aber spricht für Dänemark die Startnummer und für Portugal, dass sie sich seit Probenbeginn stetig nach oben gearbeitet haben. Es wird .... ene mene miste, es rappelt in der Kiste, ene mene meck und Dänemark ist weg. Der zehnte Finalist wird Portugal.
That makes folgende Weiterkommer in order of appearance:
San Marino
Griechenland
Österreich
Island
Serbien
Albanien
Portugal
Bulgarien
Finnland
Schweiz
Und wie immer erzähle ich euch nach dem Semi, warum es anders gekommen ist.
Ist das nicht ein gigantischtolles Gefühl, endlich wieder eine Eurovisionsveranstaltung sehen zu dürfen? Ich bin so froh und dankbar dafür! Und die Niederländer haben das toll gemacht! Es lief nicht immer alles glatt, zum Beispiel hat man in diesem Jahr deutlich mehr Zeit für die Umbauten gebraucht, was aber vermutlich auch wieder an Corona liegt. Dennoch, mein Kompliment. Hier wurde sich sehr viel Mühe gegeben und versucht, eine ansprechende Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Das ist größtenteils auch gut gelungen.
Ich will jetzt gar nicht so viel übers Drumherum schreiben, sondern direkt zum Punkt kommen. Das war ein durchaus gutes Semi, allerdings im Ergebnis doch recht überraschungsarm:
Litauen war ein grandioser Opener, die Halle ist abgegangen wie Schmitzkatze (und wir hier auch). Kam NATÜRLICH weiter (ich tippe auf Top 3 in diesem Semi) und startet am Samstag in Hälfte 2.
Slowenien gab nach wie vor keine Antwort auf die Frage, warum eine so gute Sängerin einen so schlechten Song bekommt. Das Semiaus war nur folgerichtig. Leider.
Russland - was für eine Frau! Was für eine Performance! Startet in Hälfte 1.
Schwedens Weiterkommen war eine kleine Überraschung, und arg deutlich kann es nicht gewesen sein. Es kann ihm egal sein, er startet am Samstag in Hälfte 2.
Ich hab hier schon kundgetan, dass ich weder Montaigne noch ihren Song mag, aber mein Gott, die hat mir so, so leid getan. Das hier alles mitzukriegen und selbst zuhause bleiben zu müssen ist echt hart. So gesehen tut es mir leid, dass sie es nicht geschafft hat, das war nicht schlecht!
Vasil, heuer als Discokugel verkleidet (kennen wir das nicht irgendwoher?), sang sich die Seele aus dem Leib und machte das auch ziemlich gut. Er hätte halt einen Song mitbringen sollen.
Ach, Irland. Vor allem: Ach, Lesley. Auf dem Papier ein sicherer Weiterkommer, aber diese drei Minuten waren für alle Fans des Songs extrem schmerzhaft mit anzugucken. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie Letzte geworden ist.
Zyperns Weiterkommen war natürlich eine klare Sache, ich fand es aber nicht so überzeugend, wie es mir die Bookies in den letzten Tagen verkaufen wollten. Das kann Top Ten werden (muss aber nicht), ist aber mit Sicherheit nicht der Sieger am Samstag. Startet in Hälfte 1.
Norwegen war toll, hätte ich nie vorher gedacht. TIX sang super und sich die Seele aus dem Leib. Auf der PK wandelte er irgendwo auf dem schmalen Grat zwischen adorabel und komplett verpeilt, ich hab immer noch keine Ahnung, auf welcher Seite er runtergefallen ist. Der ist einfach eine Marke für sich. Startet in Hälfte 2.
Um Kroatien hat es mir ein bisschen leid getan, ich vermute, dass sie knapp Elfte geworden ist. Der Auftritt war bis auf ein, zwei versemmelte Töne gut, aber da noch drei andere im gleichen Gewässer gefischt haben, hatte sie das Nachsehen.
Mit Belgien fischt keiner im gleichen Gewässer. Bekannter Name, makelloser, super inszenierter Auftritt - manchmal braucht man einfach nur Klasse und keinen Schnickschnack drumherum. Super! Startet in Hälfte 1.
Die Israelin war die einzige, die ich bei meinem Weiterkommertipp nicht auf der Rechnung hatte, aber wenn man sich das nochmal durchliest, habe ich sie ja erst in letzter Minute und mit wackeligem Gefühl im Bauch rausgeschmissen. War also keine Überraschung. Sie startet in Hälfte 1.
Dass es Rumänien schrägen würde, war in den letzten Tagen leider abzusehen gewesen. Das war zwar besser als erwartet, aber längst nicht gut genug, um hier mitzuhalten.
Die aserbaidschanische Patentmixtur hat auch dieses Mal wieder bestens funktioniert. Die wissen einfach, wie es geht, da kann der Song noch so vom letzten Jahr kopiert sein. Startet in Hälfte 2.
Und dann, meine Damen und Herren: Für uns der eindeutige Höhepunkt des Abends! War das großartig! Die Ukraine schraubt sich in den Quoten immer weiter nach oben, was zwar nix heißt, aber anscheinend fanden das nicht nur wir super. Startet in Hälfte 2.
Destiny hat natürlich gesanglich alles weggefegt und wird in diesem Semi auch die Top 3 geknackt haben, aber ob das wirklich der Sieger am Samstag ist - ich weiß nicht. Startet in Hälfte 1.
Ha! 9 von 10, und den Zehnten hätte es genauso gut treffen können! Ich bin doch nicht vollkommen ahnungsfrei, und vor allem hab ich mehr Treffer als meine beiden Lieblingssteirer (Sigi hat 7, Sixtus, der alles erst einmal gehört hat, 8). Mal gucken, wie es am Donnerstag wird.
Jetzt erholt Euch erstmal alle gut, wir lesen uns spätestens morgen früh wieder in diesem Theater!
PS: Ich hab dem Teufel meine Seele verkauft. Ich hab vorgestern öffentlich auf ESC kompakt in einem Kommentar verkündet, dass ich "I don't feel hate" einsinge, sollte Jendrik am Samstag die Top Ten erreichen.
Könnt Ihr Euch noch an den 7. November 2012 erinnern? Was es da für einen Aufschrei gab, weil Björkman und Co. beschlossen, dass künftig nicht mehr das Los entscheidet, wer von wo startet, sondern der ausrichtende Sender - mit der kleinen Modifikation, dass zumindest die Hälften noch ausgelost werden?
Heute Morgen haben die Big 5 plus Niederlande ihre zweite Probe absolviert und im Anschluss daran bei der PK (oder wars ein Meet & Greet? Egal) ihre Hälften gezogen. Allerorten las man: "Hoffentlich zieht XY (hier bitte den jeweiligen Lieblingsbeitrag einsetzen) zweite Hälfte!"
Ist das berechtigt?
Ich hab mir gedacht, da heute keine Proben mehr sind, morgen lediglich die Veranstaltung auf dem türkisfarbenen Teppich stattfindet (aufgrund eines positiven Coronatests ohne die polnische Delegation - Daumen sind gedrückt, dass alle PCR-Tests negativ ausfallen, dass es allen gut geht und dass RAFAŁ am Donnerstag performen kann!), füll ich Euch den Abend mal mit ein bisschen Lesestoff zum Thema Startnummern. Angestoßen wurde das durch ein Tubenvideo, wo jemand die Startnummern 2013-2018 analysiert und ihre Durchschnittsplatzierung ausgerechnet hat. Ich hab das mal aufgegriffen und ein bisschen erweitert.
Ist also die handgeklöppelte Startnummernvergabe jetzt besser oder schlechter oder gleich gut wie die geloste? Schauen wir doch mal rein, ohne Euch indes mit Zahlen zu überfordern:
Zunächst die Semis.
Ich habe mal die Durchschnittsplatzierungen der Semis 2008-2012 einerseits und 2013-2019 andererseits angeschaut. Die Jahre 2004-2007 habe ich aufgrund mangelnder Vergleichbarkeit weggelassen - es ist ein großer Unterschied, ob ich zehn Gewinner aus 19 oder aus 28 Beiträgen raussuche.
Schauen wir mal rein. Hier ist eine kleine Grafik mit den entsprechenden Weiterkommerquoten:
Wie man sieht, wirkt die rechte Spalte der Grafik wesentlich "ruhiger" und ausgeglichener als die linke, auch liegen die Zahlen näher beieinander. Die 100% auf der rechten Seite bei der Startnummer 19 ist allein Eleni Foureira geschuldet, niemand sonst hatte in 2013-2019 eine Startnummer 19.
Ein Vorteil ist in jedem Falle nach wie vor die letzte Startnummer, bis auf Triana Park 2017 (die dann aber auch gleich Letzte wurden), ist bis dato jeder von dieser Nummer ins Finale gekommen. Am anderen Ende liegen erwartungsgemäß die Nummern 2 und 3, allerdings sind die Unterschiede zwischen den Nummern längst nicht mehr so krass wie 2008 bis 2012.
In einer weiteren Grafik zeige ich Euch die durchschnittliche Platzierung:
Auch hier wirkt die rechte Seite bis auf den Foureira-Ausreißer ganz unten wieder wesentlich ausgeglichener, man sieht es auch an den Zahlen. Die handgeklöppelte Startreihenfolge wirkt sich meiner Meinung nach hier durchaus positiv aus, die "Gleichberechtigung" der Startnummern ist deutlich gestiegen.
Bitte beachten: Bei der Semi-Auswertung habe ich in den Jahren 2008 und 2009 die drei, die von der Jury gerettet wurden, nicht gesondert behandelt, ich bin nur nach der Platzierung gegangen!
Schauen wir mal aufs Finale. Hier nehmen wir jetzt einerseits die Jahre 1998-2012, also alles, wo es Televoting gab, und die Jahre 2013-2019 getrennt. Auch hier schauen wir wieder auf die Durchschnittsplatzierung nach alt und neu:
Deutschland: Jendrik – I don’t feel hate
Wir machen jetzt alle mal die Augen zu und stellen uns einen Weihnachtsbaum vor. Ja, ich weiß, es passt nicht zur Jahreszeit, aber wir machen das jetzt trotzdem. An dem Baum hängen viele schöne bunte Kugeln in allen Farben, die der Pantone-Katalog hergibt. Und Lametta! Lametta darf nicht fehlen! Irisierendes Lametta natürlich. Viel irisierendes Lametta. Strooohsterne! Von führenden Kindergartenkindern gebastelt. Alle Baumfiguren, die auf den Weihnachtsmärkten der zehn größten deutschen Städte zu finden waren. Aus Holz, Plastik, Glas, was weiß ich noch. Girlanden brauchen wir auch noch, genau wie künstlichen Schnee. Aber halt, der Baum leuchtet ja noch gar nicht! Da machen wir ein paar schöne Wachskerzen drauf. Und LED-Ketten in bunt. Und in weiß. Und in rosa. Und Wunderkerzen!
Falls sich irgendjemand fragen sollte, was diese Assoziation mit dem deutschen Beitrag zu tun hat: Schau Dir doch bitte mal das Video an, und dann stell die Frage nochmal. Ich gehe davon aus, dass diejenigen, die das Video gesehen haben, die Frage nicht stellen.
Ja, es ist too much of everything, alles so schön bunt hier. Aber wisst Ihr was: Scheißegal. Wer diesen Blog aufmerksam verfolgt, wird von mir schon öfter die Forderung an den NDR gelesen haben, sich doch bitte mal was zu trauen und lieber mit Grandezza auf die Fresse zu fliegen als mit Langeweile.
Und anscheinend liest der NDR hier mit, denn zu meiner großen Freude schickt Deutschland diesem Jahr ein Beitrag, bei dem das Polarimeter durch die Decke geht. Entweder man fährt darauf ab wie ein Zäpfchen, oder man hält keine zwanzig Sekunden durch. Dazwischen gibt es relativ wenig.
Ich gebe ganz ehrlich zu, ich gehöre zur keine-zwanzig-Sekunden-Fraktion. Es ist einfach zu viel von allem, zu bunt, zu hibbelig, zu – alles. Vielleicht bin ich inzwischen auch einfach zu alt für sowas. Aber das spielt alles keine Rolle. Jendrik ist ein supersympathischer Flummi, der was ganz Eigenes hat, was kann, dieses Können auch zeigen will und obendrein noch ein Eurovisionista ist. Dazu kommt das Thema seines Songs: »I don‹t feel hate, I just feel sorry« – leider immer noch relevant und immer relevanter werdend, wenn auch der Text stellenweise genauso überdreht ist wie der Sänger selbst. Die Botschaft bleibt dennoch eine wichtige. Dass das Ganze in musikalisch eine nicht zwingend geglückte Symbiose aus den Songs von Aarzemnieki, Gianluca Bezzina und Alf Poier ist – geschenkt. Es wird auffallen, und das ist das, was wir in den letzten Jahren nicht geschafft haben!
Und deshalb, liebe Freunde, beglückwünsche ich den NDR ausdrücklich zu dieser Entscheidung, rolle für unseren supersympathischen Jendrik den roten Teppich aus, drücke ihm alle Daumen und hoffe, dass er viel, viel besser abschneidet, als die Bubble das derzeit glaubt. Auf jeden Fall wünsche ich ihm in Rotterdam eine supergeile Zeit, egal wie das Ganze ausgeht!
Chancen auf die Top Ten: Mach eine solide Top 15 daraus, und wir können drüber reden. Da man nur für und nicht gegen einen Beitrag anrufen kann, wird es besser abschneiden, als alle denken, zumal das ein Beitrag ist, den man inszeniert sehen muss. Bottom 5 wirds auf keinen Fall, und wenn doch: Egal!
Stuttgart 2022: Dort wird dann auch wieder von meinereinen die Eurovisionsklasse getestet. Schleyer-Halle und Porsche-Arena können allerdings weiterhin für andere Dinge gebucht werden.
6/10
Nun noch die gesetzten Finalisten (bis auf einen, der kriegt eine Sonderbehandlung, die hat er sich redlich verdient):
Spanien: Blas Cantó – Voy a quedarme
Uku, tut mir leid, du bist wohl doch nur der zweitschönste Mann in diesem Jahrgang. Blas hat immer noch den schärfsten Schlafzimmerblick des Jahrgangs. So scharf, dass ich ihn gerne mal den finnischen Beitrag singen lassen möchte. Aber natürlich hat der Herr, wie sich das gehört, eine Ballade am Start, die sich schön anhört und mir zum linken Ohr rein und zum rechten wieder raus geht. Man soll ja Leute nicht auf ihre Optik reduzieren, aber manchmal bleibt einem nichts anderes übrig.
Chancen auf die Top Ten: Er kann froh sein, wenn er die Top 20 knackt.
Madrid 2022: Nein.
6/10
Frankreich: Barbara Pravi – Voilà
Oooooh eine Chanson francaise! Je suis enchantée! Das ist so eine Sorte Lied, wie sie nur aus Frankreich stammen kann. Die Bubble ist offensichtlich auch entzückt, und die Bookies führen Frankreich derzeit auf Platz 2 bei der Wette für den Sieg! Das erscheint mir dann allerdings doch zu gewagt, bedenkt man, dass die großartige Patricia Kaas mit dem möglicherweise besten Auftritt der Eurovisionsgeschichte auf einem indiskutablen achten Platz verhungerte. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Barbara hat jedenfalls genügend Stimme und Charisma, um das Ganze zu stemmen – ich bin schon sehr gespannt auf den Auftritt!
Chancen auf die Top Ten: Na, ich hoffe doch!
Paris 2022: Auch wenn die Quote dafür derzeit recht gut steht: So recht mag ich das nicht glauben.
7/10
Italien: Måneskin – Zitti e buoni
Radau aus Italien! Geiler Radau! Womit hab ich so viel Gutes an einem Abend verdient? Das fischt im gleichen Gewässer wie die Finnen, kommt aber fast noch besser: Erstens ist es etwas melodischer, und zweitens hört Italienisch sich einfach geil an. Den optischen Eindruck mag ich jetzt nicht ganz so, aber gut – den von Wig Wam damals mochte ich auch nicht, das hat meiner Liebe zu dem Beitrag keinen Abbruch getan. Also alles cool.
Chancen auf die Top Ten: Es ist Italien. Allerdings werden sie es dieses Jahr schwerer haben als sonst.
Rom 2022: Nein.
8/10
Großbritannien: James Newman – Embers
Hm. So ganz schlüssig bin ich mir noch nicht, was ich davon halten soll. Man hat sich ja in den letzten Jahren angewöhnt, von den Briten beim ESC grundsätzlich nur noch Kandidaten für den letzten Platz zu erwarten, aber so schlecht finde ich das jetzt gar nicht. Ich mag James’s Ausstrahlung und seine etwas rauhe Stimme, er hat schon irgendwie was Eigenes. Der Song ist kein großer Wurf, tut aber auch nicht weh und macht aber gute Laune. Ich hab doch auch keine Ahnung. Es wäre sicher nicht verkehrt, wenn die positive Stimmung aus dem Video mit den Tänzern und den Musikern auch auf die Bühne transportiert werden würde.
Chancen auf die Top Ten: Keine, sorry. Aber vielleicht werden sie ja dieses Mal nicht letzter.
London 2022: No way.
6/10
Niederlande: Jeangu Macrooy – Birth of a new Age
Und nun, meine Damen und Herren: Unsere Gastgeber. »Grow« war ja neben »Solovey« im letzten Jahr mein absoluter Lieblingsbeitrag. Die selbstgelegte Latte für Jeangu Macrooy lag also hoch. »Birth of a new Age« kommt nicht ganz ran, gefällt mir aber auch sehr, sehr gut. Genau wie »Grow« ist auch das ein typischer Heimbeitrag, sprich, hier wird einfach was riskiert, und die Chancen im Wettbewerb sind vollkommen egal, denn man hat ja gerade erst gewonnen. Der Song ist wieder sehr gospellastig und soll Mut machen, hier finden sich Textzeilen wie »your rhythm is rebellion« und »you no man broko mi« (du brichst mich nicht). Und mal ehrlich: Mutmachlieder können wir im Moment alle gut gebrauchen, oder? Nicht nur deshalb mag ich das.
Chancen auf die Top Ten: In den letzten drei Jahren war es für die Heimbeiträge eher schwierig damit. Wird es leider auch für diesen.
Utrecht 2022: Nee.
7/10
13. Bulgarien: VICTORIA – Growing Up Is Getting Old
Irgendwie passiert es in letzter Zeit regelmäßig, dass immer ein Beitrag dabei ist, wo es mich beim Hören plötzlich völlig unerwartet verreißt. Hier ist der diesjährige. (Und es bleibt dann bitte auch bei dem einen, ja? Danke!). Ich habe keine Ahnung, warum das hier mir dermaßen ans Herz geht. Vielleicht, weil Älterwerden einfach eine Bitch ist. Ach, ich weiß es doch auch nicht. Jedenfalls ist das hier supergut, Stimme und Ausstrahlung Hammer, darf gerne weit nach vorne.
Chancen aufs Finale: Ja sicher.
Sofia 2022: Möglicherweise.
9/10
14. Finnland: Blind Channel – Dark Side
Dreizehn Jahre lang hab ich gebittelt und gebettelt, dass die Finnen endlich mal wieder qualifizierten Radau schicken, und ENDLICH hats geklappt! Die Startposition hinter Bulgarien könnte besser nicht sein, das kommt supergut und geht ab wie ein Zäpfchen. Auch textlich passt es wie Faust auf Auge: Singt Victoria davon, dass erwachsen werden alt werden bedeutet, singen Blind Channel davon, dass sie nicht erwachsen werden wollen, ausgestreckte Mittelfinger und Verherrlichung des Club27 inklusive. Also, wir halten fest: Älterwerden ist Mist. Der Song an sich hätte gern in den Strophen noch ein wenig melodischer sein dürfen, aber ansonsten passt das!
Chancen aufs Finale: Ja sicher!
Helsinki 2022: Dazu müssten sie an Maske und Outfit noch was machen.
8/10
15. Lettland: Samanta Tīna – The Moon Is Rising
»Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar ...« Schulligung. Aber wenn ich die Wahl hätte zwischen diesem Lied und dem, was ich hier und jetzt gerade rezensieren muss, wüsste ich aber, wofür ich mich entscheide. Ich fand den lettischen Beitrag im letzten Jahr schon gruselig, aber dieses Jahr ist es noch schlimmer. Da gibt es dieses »öh-öh-öh-öh« im Hintergrund, das macht mich wahnsinnig. Auch sonst ist es einfach nur scheußlich. »The Queeeeen of the night is cooooming.« Tja. Der Hölle Rache kocht in ihrem Herzen, sonst würde sie uns ja diese Ohrenfolter nicht zumuten. Kann ich auch was Positives sagen? Hm. Nö.
Chancen aufs Finale: In einer gerechten Welt nicht, aber was ist schon gerecht?
Riga 2022: Nein!
0/10
16. Schweiz: Gjon’s Tears – Tout l’univers
Wenn es irgendjemanden in diesem Wettbewerbsfeld gibt, der den Schmerz schon im Namen trägt und daher auch für schmerzhafte Lieder prädestiniert ist, ist es sicherlich Gjon. Und auch in diesem Jahr trägt er wieder die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern, zumindest scheint es so. Vom Text verstehe ich leider nicht allzu viel, mein Französisch ist ziemlich eingerostet. Wenn das irgendjemand glaubhaft transportieren kann, dann er. Dazu kommt dann noch diese fantastische Stimme. Zum dritten Mal in Folge ein Siegeskandidat aus der Schweiz – was will man mehr?
Chancen aufs Finale: Gegenfrage: Gewinnt er das Semi?
Zürich 2022: Möglicherweise.
8/10
17. Dänemark: Fyr & Flamme – Øve os på hinanden
Zum Schluss hat es mich dann tatsächlich noch ein zweites Mal zerlegt, dieses Mal aber vor Lachen. Nachdem die Dänen in den letzten drei Jahren akzeptable bis gute Beiträge geschickt haben bzw schicken wollten, haben sie für dieses Jahr beschlossen, endlich mal wieder so richtig ins Klo zu greifen. Hier wurde ein gezielter Angriff auf Europas Geschmacksnerven gestartet und ganz bewusst alles falsch gemacht, was nur geht. Der Song war zu einer Zeit modern, da waren die meisten von uns noch nicht mal geboren. Die Sänger halten sich für Misters Obercool, sind aber nur peinlich, vor allem der ohne die Gitarre. Und dann fängt der auch noch an zu tanzen! This is fucking hilarious und ein krönender Abschluss des zweiten Semis.
Chancen aufs Finale: Natürlich keine!
Kopenhagen 2022: Was?!
5/10 (this has Guilty Pleasure written all over und ich weiß jetzt schon, dass es Zeiten geben wird, wo ich das in Endlosschleife hören werde)
Dann schauen wir doch mal, wer in diesem Semi ins Finale kommt:
San Marino
Griechenland
Österreich
Moldawien
Island
Serbien
Albanien
Bulgarien
Finnland
Schweiz
Hier fand ich es schwerer, zehn zu finden. Serbien und Albanien sind als Wackelkandidaten gerade noch mit reingerutscht. So eine ungleiche Semiverteilung hatten wir doch schon mal in 2018.
Nun gut. Kommt eh alles ganz anders.
9. Serbien: Hurricane – Loco Loco
Verglichen mit dem Vorjahresbeitrag kommt das hier nicht ganz so billig daher, aber immer noch trashiger als alles, was jemals vorher aus Serbien kam (ja, die beiden Barbara-Dex-Award-Preisträger ausdrücklich eingeschlossen!). Und man merkt, dass immer noch Corona ist. Kinder, Dauerwellenflüssigkeit selber auf Haare auftragen kann ganz ganz böse ausgehen, dat sarrich euch! Also lieber den Fachmann machen lassen! Auch sonst ist das Ganze ein visueller Overkill. Der Song nimmt sich nicht viel mit dem Vorjahresbeitrag, sprich, man kann ihn sich anhören, aber wenn man an die Qualität so ziemlich aller anderen serbischen Beiträge denkt, muss man leider ziemlich weinen.
Chancen aufs Finale: Wird möglicherweise Platz 11 im Semi. Alles lassen sich die Leute auch nicht bieten.
Belgrad 2022: Dort wird dann hoffentlich wieder Qualität ausgewählt. Ihr könnt es doch!
2/10
10. Georgien: Tornike Kipiani – You
Alle Jubeljahre wieder kriegt die Wundertüte vom Kaukasus ihre speziellen drei Minuten. Dann haut sie was raus, wo du denkst: »Boah, ist das toll. Aber was macht das beim Contest?« Dieses Jahr ist es nach 2014, 2016 und 2018 mal wieder so weit. Das hier dürfte der Song in diesem Jahr sein, der am allerwenigsten ins Wettbewerbsumfeld passt. Der Anfang klingt ein bisschen wie etwas, was von Henk Hofstede geschrieben worden sein könnte, und das ist ja mindestens mal ein Qualitätsmerkmal. Gegen Ende wird es dann etwas bombastischer, aber es bleibt spannend. Auch rhythmisch ist es ein wenig ungewohnt, es folgt nicht so ganz unseren Hörgewohnheiten. Nicht nur deshalb werden es die Zuschauer abstrafen. Und das ist eine Schande.
Chancen aufs Finale: Keine. Wird nach hinten durchgereicht werden.
Tbilisi 2022: Nein. Aber ich hoffe, dass sie nicht aufhören, weiterhin mutige Sachen zu schicken!
8/10
11. Albanien: Anxhela Peristeri – Karma
Fangen wir mal mit dem Positiven an: Sie singt in Landessprache. Und nach derzeitigem Stand wird das auch so bleiben. Ansonsten same procedure as almost every year, will sagen, schöne stimmgewaltige Frau singt sich durch sperrigen Song. Und dieser ist noch sperriger als »Ktheju tokes«. Sehr viel Balkan-Sound, sehr viel Aufwand nötig, um sich das schönzuhören. So weit bin ich noch nicht. Gebt mir bitte meinen Eugent Bushpepa wieder! Bitte bitte bitte!
Chancen aufs Finale: Grenzwertig, aber könnte klappen.
Tirana 2022: Nein.
3/10
12. Portugal: The Black Mamba – Love Is on My Side
»Love is on my side but maybe not tonight.« Ich krieg ja immer ein bisschen Fremdschamattacken, wenn ich solch selbstreferentielle Textzeilen anhören muss. Herrgott nochmal, Portugal, seid Ihr eigentlich noch bei Trost? Wenn Ihr zum ersten Mal in Eurer Geschichte einen Song komplett auf Englisch schickt, schickt Ihr SOWAS? Aus welchem Jahrhundert stammt das bitte? Warum klingt der Sänger wie ein Frosch mit verklebten Nasenlöchern? Wer hat dem das Singen beigebracht? Mit welcher Gesangstechnik? Wann verklagt der seinen Gesangslehrer? Warum grimassiert der so? Love is definitiv not on your side tonight. Beliff mi. Boah, das macht mich grad voll aggro!
Chancen aufs Finale: KEINE!
Lissabon 2022: Egal was, aber bitte wieder portugiesisch.
2/10
5. Österreich: Vincent Bueno – Amen
Von den beiden Amens in diesem Jahrgang ohne Frage das weitaus bessere, allerdings bin ich etwas unschlüssig, was die Chancen angeht. Es geht um eine gescheiterte Beziehung und (zumindest im Video) die Befreiung aus den Fesseln derselben, wobei sich sehr ruhige und sehr dramatische Passagen abwechseln. Ich finde diesen Song ja absolut großartig, aber das ist sicher nicht ganz einfach auf die Bühne zu bringen. Der Fokus muss hier voll auf Vincent liegen, und er muss einhundertfünfzig Prozent geben. Die Emotionen hier transportieren, ohne zu übertreiben, das ist nicht ganz einfach. Aber ich traue es ihm zu.
Chancen aufs Finale: Chancen ja, aber sicher durch sehe ich ihn noch nicht.
Wien 2022: Nein.
8/10
6. Polen: RAFAŁ – The Ride
Ach. Du. SCHEI**E! Was ist DAS denn? Wir sehen einen in die Jahre gekommenen (ich darf das schreiben, ich bin älter als der!) Typen mit Sonnenbrille, der gerne mal auf cool machen will, aber nur peinlich ist und obendrein zehnmal unsympathischer rüberkommt als Uku Suviste. Was ist das hier bitte? Der feuchte Traum eines Hipsters von vor 20 Jahren? Das ist nix. Das ist GAR nix. Da helfen weder die anderen Tänzer, die du um dich rumzappeln lässt, noch die Neonreklame noch die jungen Frauen mit langen Pferdeschwänzen. Das ist einfach nur meeeeh. Und obendrein riecht das für mich nach Car Crash in der Live Version – worauf ich hoffe, dann hätte es wenigstens noch was Lustiges.
Chancen aufs Finale: Kann froh sein, wenn er nicht letzter wird.
Warschau 2022: Hau ab.
1/10
7. Moldau: Natalia Gordienko – Sugar
Och nee! »Replay« war ein Abklatsch von »Fuego«, und »Sugar« ist seinerseits wiederum ein blasser Abklatsch von »Replay«. Wenn man sich überlegt, dass die Dame bei ihrer letzten Teilnahme drei verschiedene Outfits anhatte, die zusammen angezogen immer noch weniger waren als das, was die meisten anderen Damen üblicherweise auf der ESC-Bühne anziehen, ist es wohl nicht vermessen zu vermuten, dass hier beim Auftritt wohl auch wieder die Sex-Karte gespielt werden wird. Und damit meine ich nicht nur die Outfits, sondern auch das Lippenlecken beim Singen, das wohl lasziv wirken soll, mich persönlich aber in Lichtgeschwindigkeit in die Pipipause treibt. Mach das weg!
Chancen aufs Finale: Ich hasse es. Also kommts weiter.
Chisinau 2022: Bloß nicht!
0/10
8. Island: Daði og Gagnamagnið – 10 Years
Es fällt mir aus zwei Gründen extrem schwer, eine Bewertung für diesen Song abzugeben – nein, eigentlich kann ich es nicht. Aber ich versuch mich trotzdem. Natürlich zieht hier jeder, der beide Songs kennt, den Vergleich zur Vorjahressensation »Think about things«, und allgemein wird behauptet, dass »10 Years« im Vergleich deutlich schwächer sei. Kann ich jetzt so nicht unterschreiben. Ich finde, Daði hat auch in diesem Jahr wieder glänzend abgeliefert und wird sicher ganz vorne mit dabei sein. Dabei ist er seinem Stil und auch den Outfits treu geblieben, so dass böse Zungen sagen, das wär ja nur ein Abklatsch. Aber: Nicht jeder hat das letztes Jahr gesehen, und da man nur für und nicht gegen einen Song anrufen kann, wird das sehr gut abschneiden.
Wenn Ihr es Euch mit mir nicht verderben wollt, dann SOLLTET Ihr auch für den Song anrufen. Denn durch die Tatsache, dass in diesem Jahr ausnahmsweise Background-Gesang vom Band möglich ist, hat Daði die Eurovisionsgemeinde dazu aufgerufen, in seinem Song mitzuwirken und eine kurze Stelle im Background mitzusingen. Im Video ist das die Stelle, wo scheinbar der Kinderchor singt, in Wahrheit sind es aber 1135 Eurovisionsfans aus aller Welt (er hat sie alle genommen, hat er gesagt!), darunter übrigens auch Jendrik Sigwart. Und eben auch meine Wenigkeit.
Chancen aufs Finale: Na, aber hallo!
Reykjavik 2022: Oh Gott, das wär so genial!
10/10
Weiter geht’s mit dem zweiten Semi:
1. San Marino: Senhit – Adrenalina
Und auch das zweite Semi beginnt mit einem Kracher, und zwar mit einem, mit dem wohl kein Mensch ernsthaft gerechnet hätte. San Marino stand ja bisher für Trash irgendwo zwischen Fremdscham und Guilty Pleasure. Allein schon Senhits Vorjahresbeitrag: Cringe vom Feinsten. Und dann das: Hätte ich nicht gewusst, woher dieser Beitrag kommt, hätte ich ihn sofort in Richtung Aserbaidschan verortet. Senhit war wohl ihr Vorjahresdings selbst zu peinlich, so dass sie in diesem Jahr zeigen musste, was sie wirklich drauf hat. Mal sehen, wie sie das umgesetzt kriegen. Das Video war immer noch recht bunt, aber professioneller als alles, was ich bisher aus San Marino gesehen habe. Wenn die so weiter machen, müssen wir wirklich noch Andorra zurückholen!
Chancen aufs Finale: Es wird nicht nur ins Finale kommen, sondern vielleicht sogar die beste san marinesische Platzierung ever werden.
Seravalle 2022: Das wär mir dann jetzt doch ein bisschen zu mutig.
6/10
2. Estland: Uku Suviste – The Lucky One
»Komm, mach aus, das wird nicht besser.« Das waren die weisen Worte von Doktor Irving Wolther zu Beginn des letztjährigen Estland-Reaktions-Videos. Und es ist auch dieses Jahr nicht besser geworden. Obwohl die Esten die Wahl hatten, wählten sie wieder diesen unsympathischen Schönling mit einem erneut strunzlangweiligen Lied. Ja, man kann es sich anhören, aber das ist kein Qualitätskriterium. Und Uku, noch zwei Sachen: Erstens: Wenn man bei der Eurovision gewinnen will und in seinem Video um Wasser rum treibt, ziehe man sich bitte aus, sonst funktioniert das nicht. Zweitens: Nur weil du denkst, dass du jetzt, wo Tom Leeb nicht antritt, der Schönste in der Klasse bist, macht dich das auch nicht sympathischer.
Chancen aufs Finale: Nein. Und zwar völlig zu Recht nicht.
Tallinn 2022: Bitte dann mal wieder einen gescheiten Eesti Laul. Ihr wart einst die Coolsten von allen!
4/10
3. Tschechien: Benny Cristo – Omaga
So, da hat der arme Benny Cristo also den Todesslot erwischt. Dabei macht der Song wirklich gute Laune, und Bennys positive Ausstrahlung tut ein Übriges. Dennoch, es wird sehr schwer werden für die Tschechen. Das Bemerkenswerteste is noch das Wortspiel »Omaga«, was der Aussprache nach zu urteilen wohl »Oh my God« heißen soll. Es wird hier viel davon abhängen, wie sie es auf die Bühne bringen. Die Startnummer nach Estland ist nicht unbedingt ein Nachteil, aber sie müssen schon sehr reinkrachen, um am Ende nicht vergessen zu werden. Ich sehe sie leider eher draußen.
Chancen aufs Finale: Siehe oben. Meiner Meinung nach eher nicht.
Prag 2022: Ich hab zum Geburtstag eine Reise dorthin geschenkt bekommen. Hoffentlich können wir die dann nächstes Jahr machen.
6/10
4. Griechenland: Stefania – Last Dance
Beim Video wurde auch in diesem Jahr wieder alles aufgefahren, was die Fantasie hergibt. Leider lenkt das alles sehr von dem Song ab. Eine Dance-Nummer, die zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgeht, viel, viel glattgebügelter als »Supergirl« letztes Jahr. Es ist der letzte Tanz, soll aber doch nicht der letzte Tanz sein. Geht wohl wieder um Corona. Hier wird alles darauf ankommen, wie das auf die Bühne gebracht wird. Der Song allein wird es nicht reißen.
Chancen aufs Finale: Griechenland und solche Nummern – das wird wohl funktionieren.
Athen 2022: Nein.
5/10
13. Rumänien: ROXEN – Amnesia
So, Freunde. Auch wenn ich mit dieser Meinung auch wieder allein auf weiter Flur stehen sollte: Dark-Horse-Alarm! Das hier ist zurückhaltend geschätzt ungefähr hunderttausendmal besser als der letztjährige Beitrag der Rumänen, da viel, viel glaubwürdiger. Dass Roxen sich vom Leben und von den Umständen herumgeschubst fühlt und die Kontrolle verloren hat, nehme ich ihr viel eher ab als die Tatsache, dass sie in besoffenem Zustand ihren Liebsten anruft. Das verstörende Video tut da noch ein Übriges. Roxen als Künstlerin hat ja sowieso was Einzigartiges, das gilt auch und vor allem für ihre Stimme. Aber, liebe Rumänen: Das unsägliche Kleid aus dem letztjährigen Vorentscheid bleibt bitte in der Altkleidersammlung! Oder noch besser: Verbrennt es, wenn Ihr nicht schon habt!
Chancen aufs Finale: Nach zwei Pleiten geht es für die Rumänen wieder ins Finale. Und zwar nicht knapp, sondern sehr, sehr, deutlich.
Bukarest 2022: Wie gesagt: Dark-Horse-Alarm.
8/10
14. Aserbaidschan: Efendi – Mata Hari
Man kann ja über Aserbaidschan sagen, was man will, aber wie Eurovision geht, wissen sie. Kurz und knackig: Hier wurde alles richtig gemacht. Sie wussten, dass sie letztes Jahr ein sehr starkes Gesamtpaket hatten, deshalb haben sie den diesjährigen Song nicht nur mehr als marginal an den letztjährigen angelehnt, sondern sogar eine raffinierte Referenz eingebaut: »Just like Cleopatrrra the army of lovers ...« Und auch der Refrain ist wieder catchy bis zum Gehtnichtmehr. Am besten gefallen mir zwei Sachen: Erstens hab ich noch nie gehört, wie jemand »desire« auf »liar« gereimt hat, und zweitens kriegen sie mich natürlich spätestens bei dem Teil, wo der Beat auf einmal doppelt so schnell wird. Sie hatten mich aber schon vorher. Mit anderen Worten: Leider geil.
Chancen aufs Finale: Ja sischer dat!
Baku 2022: Es kommt sehr weit nach vorne, aber ich weiß nicht, ob es gewinnen kann.
8/10
15. Ukraine: Go_A – SHUM
Bevor ich zum ersten Mal den letztjährigen Beitrag »Solovey« von Go_A gehört habe, hätte ich nie gedacht, dass ich jemals Gefallen an weißem Gesang finden könnte. Aber Go_A schaffen sogar das. Und mehr noch: »Solovey« war unterm Strich schon mein Lieblingsbeitrag im letzten Jahr, aber »SHUM« finde ich fast noch stärker. Treibende Elektrobeats. Flöten. Landessprache. Ein Lied, um mit Lärm und Tanz den Frühling herbeizusingen. Ich liebe alles daran!
Chancen aufs Finale: Jaaaaaaaaaaaaaaaaa!
Kiew 2022: In einer gerechten Welt, ja. In dieser leider nicht.
10/10
16. Malta: Destiny – Je me casse
Diese Frau ist allen Ernstes erst 18?! Die hätte ich ihr niemals gegeben. Bekanntlich fand ich ihren Vorjahresbeitrag nicht so wirklich prickelnd, ich hätte sie im Gegensatz zu allen anderen nicht mal im Finale gesehen. In diesem Jahr nun singt sie eine Female Empowerment Hymne mit einer französischen Titelzeile und eingestreuten Saxophonsprengseln. Die ist sehr, sehr deutlich an »Toy« angelehnt, hat aber auch thematische Anleihen an »Proud«. Es geht darum, als Frau selbstbewusst und unabhängig zu sein. Destiny hat eine absolute Wahnsinnsstimme, das wird sicherlich Punkte ohne Ende bringen. Darüberhinaus? Man wird sehen. Mich holt es nicht ganz so ab wie alle anderen.
Chancen aufs Finale: Natürlich. Allein schon der Startnummer wegen.
Valletta 2022: Sagen die Bookies. Sag ich nicht. Obwohl ... »I’m not your Toy« versus »I’m not your Baby«? Hm. Weiß nicht.
6/10
Das war es schon mit der ersten Runde! Dann wollen wir doch mal sehen, wer von denen es schaffen könnte.
Ins Finale kommen:
Litauen
Russland
Schweden
Irland
Zypern
Norwegen
Israel
Rumänien
Aserbaidschan
Ukraine
Malta
Ups, das sind 11. Dann muss ich einen streichen. Hmmmmm.... Norwegen oder Israel. Oder doch Russland? Aber mit Aserbaidschan, Litauen und der Ukraine und der Geschichte dahinter müsste Russland es eigentlich schaffen. Nee, ich streiche Israel. Das riecht ja jetzt schon wieder nach Metzelsemi. Mal sehen, ob das zweite einfacher ist.
9. Norwegen: TIX – Fallen Angel
ÖH?! ÖÖÖÖH!? Der hat Keiino rausgeschmissen! Das muss doch gut sein. Das muss d... ÖÖÖCH?! Ich bin verwirrt. Ein sonnenbebrillter Mann mit dem Gesicht des jungen Marius Müller-Westernhagen, dem Geschmeide des gesamten Ponte Vecchio, den Engelsflügeln von Rocco, güldener Gewandung und einem Mantel, bei dem ich nicht weiß, ob er aus Kunstpelz oder aus Trockeneis ist, singt mit toller Stimme einen Song, wo er sagt, dass er ein gefallener Engel ist. Der könnte sich doch eigentlich direkt mit der Zypriotin zusammentun. Wenn man den Berichten glauben darf, ist das einer der größten Stars in Norwegen. Damit wir anderen uns seinen Namen auch merken, hat er ein Stirnband um, wo der Name draufsteht. Der Song an sich gefällt mir durchaus gut, allerdings hat das Ganze visuell was von einem Unfall mit einem Tanklaster. Dass er dabei an jeder Hand drei gefallene Engel (in schwarz) an sich gekettet hat, treibt den Trash-Faktor nochmal zusätzlich in die Höhe. Hm.
Chancen aufs Finale: Fällt halt auf, und auffallen ist nie verkehrt.
Oslo 2022: Nein. Nein, nein, nein!
5/10 (und die alle für den Song!)
10. Kroatien: Albina – Tick-Tock
Vor einiger Zeit wurde die Schmuckgestalter-Welt von einem Erdbeben erschüttert. Swarovski macht seine Do-it-yourself-Linie dicht. Warum erwähne ich das hier? Anscheinend hat es sich auch in die Eurovisionswelt rumgesprochen, denn ich sehe nur Strass, Strass, Strass. Ansonsten ist auch dieser Song wie schon mehrere andere heute aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt. Die Strophen sind etwas beliebig, dafür kracht der Refrain richtig rein und rettet den Beitrag. Speziell nach dem Norweger würde es nämlich sonst schwierig, da die Kroaten rein optisch auf den gleichen Glitzer-Overkill setzen. Der fällt beim Norweger aber mehr auf.
Chancen aufs Finale: Wird schwierig, aber vielleicht klappts.
Zagreb 2022: Nein.
6/10
11. Belgien: Hooverphonic – The Wrong Place
Hooverphonic-Bassist Alex Callier hat sich ja letztes Jahr in der Bubble recht unbeliebt gemacht dadurch, dass Belgien das einzige Land war, das sich dem gemeinsamen Einsingen von »Love Shine a Light« verweigert hat. Zum Glück für ihn wird das außerhalb der Bubble genausowenig interessieren wie die Tatsache, dass Leadsängerin Luka Cruysberghs gegen die kampferprobte Geike Arnaert ausgetauscht wurde. Ich fand ihren letztjährigen Beitrag wunderschön, aber der diesjährige passt tatsächlich viel besser zu Geike als zu der zerbrechlichen, zarten Luka. Der Song ist recht düster, es geht um einen schiefgelaufenen One Night Stand. Musikalisch sind eine Menge spannender Ideen umgesetzt, allerdings muss der Schluss unbedingt nochmal angefasst werden. Dieses Abhacken da am Ende funktioniert überhaupt nicht.
Chancen aufs Finale: Auch das könnte schwierig werden, aber vielleicht klappts
Brüssel 2022: Nein.
7/10
12. Israel: Eden Alene – Set Me Free
Auch hier bin ich mit dem Schluss nicht so zwingend glücklich, aber ansonsten ist diese Startnummer für Eden Alene der Jackpot. Der Song setzt sich maximal von den Belgiern ab. Es beginnt sehr leise, nimmt aber dann schnell Fahrt auf. Die Ethno-Streicher geben dem Song genügend Kante, aber ohne, dass es zuviel wird. Auch hier gibt es wieder jede Menge lustiger Tanzschritte, die man bestimmt auch ohne Wasser nachtanzen kann. Und dann der Schluss, wo Eden nochmal so richtig zeigen kann, was sie stimmlich draufhat. Wow!
Chancen aufs Finale: Ich gehe hier mal wieder nicht mit der Mehrheit konform und sage, dass sie es auf jeden Fall schafft.
Tel Aviv 2022: Nein.
7/10
Weiter gehts:
5. Australien: Montaigne – Technicolour
Bevor ich mich der Interpretin im Allgemeinen und dem Song im Besonderen widme, eine Frage vorab: Habe ich einen Trend verpasst, oder ist es inzwischen wieder en vogue, dass Frau ihr Achselhaar länger als abrasiert trägt? Das hab ich seit der jungen Nena nicht mehr gesehen. Aber gut, to business, Frau Fabian muss ja nicht alles verstehen. Montaigne hat immerhin die Clownsklamotten und das entsprechende Make-up weggeräumt, besser geworden ist aber dadurch nichts. Hier hat man einhundertzweiundelfzig Songs in einen reingepackt, getreu dem Motto »Viel hilft viel.« Na ja. Jeder kann sich mal irren. Für mich ist das alles nur anstrengend und nicht eingängig, da kann Montaigne ihre Stimme noch so akrobatisch präsentieren. Nee, nee, nee. Ganz, ganz, grauenhaft.
Chancen aufs Finale: Wenns Gerechtigkeit gibt, nicht. Aber es gibt keine. Außerdem gibts nur sechs Rausflieger.
Somewhere in Europe 2022: ....? ! ?? :o
0/10
6. Nordmazedonien: Vasil – Here I Stand
Haldor Lægrid reloaded oder Willkommen beim Eurovision Musical Contest. Ich sehe ja ein, dass es nach Würdigung schreit, wenn ein Künstler aus seinem innersten Inneren in Phasen tiefer Bestürzung (nach dem abgesagten Contest letztes Jahr) einen Song schreibt, und ich sehe auch ein, dass ein solcher Song dann gern ein bisschen Pathos haben darf, aber lieber Vasil: Du bist mit dem Song definitiv auf der falschen Veranstaltung. Das gehört als Höhepunkt in irgendein Musical. Hier fehlt leider jedweder Ansatz von Struktur, da ist nichts, woran man sich erinnern kann oder auch nur will. Vasil singt sich natürlich die Seele aus dem Leib, aber er neigt doch sehr zum Überperformen. So ist das leider chancenlos, was mir für ihn natürlich leid tut, aber irgendwen schrägts halt immer. Dabei war sein Vorjahresbeitrag echt schön!
Chancen aufs Finale: Keine. Und hier bin ich mir ausnahmsweise absolut sicher.
Skopje 2022: Wenn überhaupt, dann nur als neues Musical.
3/10
7. Irland: Lesley Roy – Maps
Lesley! Die hatte ich im letzten Jahr schon total ins Herz geschlossen, und auch dieses Jahr liefert sie wieder ab. »Maps« ist sehr eng an »Story of my Life« angelehnt, und das ist sicherlich kein Fehler. Der Song geht sofort ins Ohr und macht zumindest mir supergute Laune. Dazu kommt, dass Lesley wahrscheinlich der größte Sympathiebolzen seit Poli Genova ist. Wenn sie die Inszenierung nicht versemmeln, sehen wir das zweimal.
Chancen aufs Finale: Siehe oben. Ich denke, dass sie es schafft.
Dublin 2022: Nein
9/10
8. Zypern: Elena Tsagrinou – El diablo
Manche Songs machen es einem ein bisschen schwer, sich ihnen zu nähern. Wir haben hier eine recht ausstrahlungsarme, aber sehr gelenkige Interpretin, die uns in grottenschlechtem Englisch einen davon erzählt, dass sie in den Teufel verliebt ist, und er sagt ihr, dass sie sein Engel ist. Sie macht alle möglichen und unmöglichen Verrenkungen dazu, was zugegebenermaßen nicht jeder kann, und wird dabei irgendwann von einer Horde oberkörperfreier Kerle umtanzt. Zwischendrin kommt urplötzlich ein leiser Teil, wo sie ihre Mamacita fragt, was sie tun soll, und am Ende singt ein Chor auf diese Nänänänänäänää-Melodie (die, die man singt, wenn man anderen eine lange Nase dreht) »I love el diablo, I love el diablo«. Was sagt man nun dazu? Am besten: Nichts.
Chancen aufs Finale: Tamta hats geschafft, Eleni hats geschafft, und sie schaffts auch.
Nikosia 2022: Ochi.
4/10
Los gehts mit dem ersten Semifinale:
1. Litauen: The Roop – Discoteque
Und los geht es dann auch gleich mal mit einem Kracher. The Roop gehörten ja im letzten Jahr bekanntlich zu den Top-Favoriten auf den Sieg, und »Discoteque« [sic!] macht da weiter, wo »On Fire« aufgehört hat. Der charismatische Frontsänger und seine Truppe sind allesamt ganz in gelb gewandet, was vermutlich für den Rest der Saison so bleiben wird und vor dem schwarz-weißen Hintergrund super kommt. Dazu gibt es einen guten, abwechslungsreichen Song, dem leider etwas Vergleichbares wie der Instrumentalteil aus »On Fire« fehlt. Aber dafür bekommen wir hier eine Tanzchoreographie, die in die Eurovisionsgeschichte eingehen und dermaleinst der Burner auf allen Euroclub-Tanzflächen sein wird. UND obendrein noch lustige Handbewegungen. Ihr könnt schon mal üben!
Chancen aufs Finale: Die Frage ist doch wohl eher: Gewinnt es das Semi? Und die Ansage mache ich, ohne den Rest gehört zu haben.
Vilnius 2022: Ich denke, das ist auch dieses Jahr möglich. Mal sehen, wie hart die Konkurrenz ist.
8/10
2. Slowenien: Ana Soklič – Amen
An Ana sieht man dann auch gleich sehr gar nicht schön, wo das Problem ist, wenn man direkt im Folgejahr nochmal antritt. Es kommt immer sofort der Vergleich zum Vorjahresbeitrag, und der fällt in diesem Falle leider zu Ungunsten von Amen aus – und ich fand Voda schon nicht so prickelnd. Anas tolle Stimme ist geblieben, das ist aber auch alles. Ansonsten schlonzt sie sich durch ein bombastisches 4-Chord-Stück mit Rückung, leider obendrein noch auf Englisch, und es ist einfach. Nur. Langweilig. Dazu kommt, dass ich bei diesem Song wie auch bei allen anderen das offizielle Video habe, das ist aber mindestens eine halbe Minute zu lang geraten. Ich befürchte, dass die Rückgängig-Machung der Rückung ganz am Ende das ist, was der Schere zum Opfer fallen wird. Fatal, denn das war das Interessanteste am ganzen Song.
Chancen aufs Finale: Glaub ich auch in diesem überschaubaren Feld nicht.
Ljubljana 2022: No.
4/10 (für die gute Sängerin)
3. Russland: Manizha – Russian Woman
Little Big, im letzten Jahr ebenfalls einer der Top-Favoriten auf den Gesamtsieg, sind nicht nochmal angetreten. Als Nachfolgerin kam eine, die den wohl außergewöhnlichsten russischen Beitrag aller Zeiten im Gepäck hat, and that is saying something. Manizha ist Frauenrechtlerin, LGBT-Befürworterin und allein dafür und für die Botschaft ihres Songs (»every russian woman needs to know you’re strong enough to bounce against the wall«) gehört ihr der Lorbeerkranz gewunden. Leider kommt ihr Song an den meisten Stellen zu schräg in meinen Ohren an, auch bin ich ja alles andere als eine Rapfreundin. Der langsame, hymnische Teil ist dann wieder wunderschön. Summa summarum muss man aber immer das Gesamtpaket sehen, und dem ist eine gute Platzierung unbedingt zu wünschen.
Chancen aufs Finale: Es ist Russland. Die kommen immer ins Finale, es sei denn, sie wollen nicht.
Moskau 2022: Das wäre allein schon deshalb super, weil die Homophoben dann dort kollektiv vom Stuhl fallen würden. Wird aber leider nicht passieren.
6/10 (weil wegen Gesamtpaket und so)
4. Schweden: Tusse – Voices
Eigentlich müssten wir ja stinksauer sein auf die Schweden. Die und ihr geheiligtes Mello waren wohl einer der Hauptgründe dafür, warum nicht nochmal alle Vorjahresteilnehmer in diesem Jahr angetreten sind, so dass uns auch die wunderbaren Mamas nicht nochmal beglücken konnten. Die haben zwar beim Mello teilgenommen, mussten sich aber hinter dem Sieger und einem gewissen Eric Saade mit dem dritten Rang begnügen. Aber das, was wir statt dessen bekommen haben, ist ein mehr als adäquater Ersatz. Tusse hat eine unglaublich tolle Stimme, und obwohl das, was er uns da präsentiert, nun weiß Gott das Rad nicht neu erfindet, holt es mich aus irgendeinem Grund sofort ab – und das, wo ich mich doch bisher nun wirklich nicht in Verdacht gebracht habe, schwedische Beiträge in den Himmel zu jubeln. Das hier ist gut. Und wird gut abschneiden. Ist schließlich Schweden!
Chancen aufs Finale: Hömma! Es ist Schweden!
Stockholm 2022: Er wird vorne mitspielen, aber nicht gewinnen.
9/10 (huch?!)
Tach, Gemeinde! Alle wieder aus dem Winterschlaf erwacht? Ich hoffe! Von mir selbst kann ich das leider nicht sagen, aber nachdem ich einen Blick auf den Kalender geworfen und festgestellt habe, dass es schon Mitte April ist, Ostern rum und die Fastenzeit somit beendet, gehen mir allmählich die Ausreden aus.
So ganz bin ich noch nicht zurück in der Spur, obwohl mich der Ausfall des ESCs 2020 wirklich hart getroffen hat, wie wohl viele von Euch. Das Beste, was man über den ESC 2021 sagen kann ist, dass er überhaupt mal stattfindet. In welcher Form das geschieht – we will see. Es gibt verschiedene Szenarien, wie es ablaufen kann, aber welches es dann genau sein wird, werden wir wohl erst sehen, wenn es losgeht, Corona sei Dank.
Zwei Länder werden in diesem Jahr nicht dabei sein, beide aus höchst bedauerlichen und traurigen Gründen:
Die Armenier sahen sich vor dem Hintergrund der erneuten Kämpfe um Berg-Karabach außerstande, einen Song auszuwählen und nach Rotterdam zu schicken.
In Belarus sah das anders aus. Die letztjährigen designierten Vertreter Val sympathisieren mit der Demokratiebewegung in Belarus, selbstverständlich zum Missfallen von Lukaschenko. Der wollte lieber einen regimekonformeren Vertreter beim ESC sehen und ließ deshalb die Band Galasy ZMesta mit dem Song »Ya nauchu teba« (zu deutsch: »Ich bringe dir bei«) antreten. Vordergründig ein harmloser Song, hintergründig aber einer, aus dem man die Botschaft herauslesen kann, die Truppe möchte den Zuhörern Gehorsam gegenüber Lukaschenko beibringen. Das sah dann auch die EBU so, die den Song einkassierte und die Belorussen dazu aufforderte, mit einem neuen, unpolitischeren Text an den Start zu gehen. Der neue Song kam dann auch, der Text aber fiel bei der EBU wieder durch, so dass Belarus beim ESC 2021 nicht an den Start gehen wird.
Da waren es dann nur noch 39. Ich hoffe aber, dass diese 39 uns viel Freude machen werden und dass das größte Problem beim ESC 2021 sein wird, dass das eine oder andere Lied möglicherweise grottenschlecht ist oder zu Unrecht im Semi rausfliegt und dass der völkerverbindende Charakter der ganzen Veranstaltung wieder in den Fokus gerückt wird.
In diesem Sinne wünsche ich Euch und uns allen einen großartigen ESC 2021 – let the Songbesprechung: BEGIIIIIIN!
Zwei Anmerkungen noch in eigener Sache: In den letzten Jahren hatte ich bei der Besprechung ja immer tatkräftige Unterstützung durch den Nachwuchs. Darauf verzichte ich in diesem Jahr, weil ich es sonst schlicht und einfach nicht schaffe. Und, und jetzt möchte ich bitte das eine oder andere Frohlocken hören: Der Hörtest kommt wieder! Nachdem ich mich 2017 ja so blamiert habe, habe ich 2018 und 2019 keinen gemacht, 2020 ja sowieso nicht. Aber 2021 könnte man ja mal wieder ... Deshalb arbeite ich die Beitrge in diesem Jahr auch wieder in Startreihenfolge ab.
Also, ready, steady, go!