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Montag, 18. Oktober 2010

ESC-2010-Nachlese, sechste Runde

12. Irland
Ich hatte Niamh ja einen Durchmarsch ins Finale mit dieser Startposition prophezeiht, und es sagt einiges über die Leistung der Slowenen und über ihre eigene aus, dass dem dann doch nicht so war. Ich vermute aber auch, dass sich kein Kommentator den Hinweis verkniffen hat, dass sie die Chose ja schon mal gewonnen hat, so dass die Erwartungen an ihre stimmliche Leistung beim Televoter wohl höher war als für andere Teilnehmer. Die wohl schönste Stimme im zweiten Semi konnte diese Erwartungen aber leider nicht erfüllen, nach der Modulation hat sie einige Male danebengelegen, und auch der abgewürgte letzte Ton half dem ganzen NICHT. Jetzt muss man den Jurys grad nochmal dankbar sein (ich mag dieses Lied sehr), ts....

13. Bulgarien
Ach wie hübsch, asynchrone Tänzer (die dazu noch in irgendwas gebadet haben, was ich lieber gar nicht kennen will und was mein ästhetisches Empfinden hochgradig beleidigt), das hatten wir auch noch nicht so oft. Normalerweise sinds ja eher asynchrone Töne. Aber das war hier nicht der Fall, das beste an diesem Auftritt war eindeutig Miro selber. Aber warum zur Hölle hat er das meiste auf englisch gesungen? Auf bulgarisch kam das deutlich besser. Optisch wars katastrophal, da war dann leider nix zu holen. Typisch bulgarisch halt.

14. Zypern
Oooooh was war der schnuggelich! Nun ja, nachdem Harel ja dermaßen danebengehauen hat, war der Platz des "Schnuckels des Abends" wieder frei, und Jon machte das gut. Er plierte ansprechend in die Kamera, und, obwohl nicht gerade mit großer Stimmgewalt (und obendrein mit einem hässlichen Chor) gesegnet, sang er sehr ordentlich, was deutlich mehr ist, als man von einigen seiner Mitbewerber sagen kann. Der Finaleinzug war dennoch etwas glücklich.

15. Kroatien
Das war im Vorfeld einer meiner Top-Favoriten auf den Gesamtsieg, und dann kommen die noch nicht mal ins Finale? Ja, ich gebe zu, stimmlich war es teilweise etwas wackelig (das wars aber bei anderen Finalisten auch, und nicht zu knapp!), auch Choreographie und Outfits waren sicherlich nicht in jeder Hinsicht optimal. Wenn man so viel Bein zeigt, dann muss man Stilettos tragen und nicht barfuß gehen (allerdings waren die Ohrringe von allen dreien GEIL, die möchte ich!). Aber der Song! Der Song war doch so stark, dass das eigentlich trotzdem dicke hätte reichen müssen! Möglicherweise ist das aber auch schon direkt beim Einspieler danebengegangen. Zwei Femminems im Hintergrund winken und lachen, die dritte macht mit der Hand ein Herz, schaut dabei aber zum Weglaufen. Vielleicht haben da die Televoter schon beschlossen, dass sie dafür nicht anrufen. Schande über Euch, Televoter. Und Schande über Euch, Jurys!

16. Georgien
Die hatte ich ja im Vorfeld nu gar nicht auf der Rechnung, aber wer bei SO einer Choreographie absolut makellos singt, der hat der Finaleinzug mehr als nur verdient, sei die Dame noch so unsympathisch und die Tänzer noch so sehr augen-bemake-upt, das war schätzungsweise mehr als bei Glam und Martin Stenmarck zusammen. Ich wäre nicht allzu überrascht gewesen, wenn sie das Semi gewonnen hätte. Hat sie bei den Jurys ja auch.

17. Türkei
Wenn es einen Beitrag gibt, der bei mir in der Zeit bis zum ESC kontinuierlich gestiegen ist, dann ist es der türkische. Und auch wenn die Performance nicht unbedingt mein Fall und das ganze sicherlich nix für Epileptiker ist: Der Song ist einfach großartig und mit Sicherheit das modernste, was dieser Abend zu bieten hatte. Von daher kann ich mit dem Sieg der Türken in diesem Semi bestens leben!

Montag, 7. Juni 2010

Der ESC 2010 im Nachtritt. Teil 2

Belgien: Den Auftritt kannten wir im Prinzip schon seit der Vorstellung des Beitrages. Daß die Belgier auch nichts daran geändert haben, tat nur gut, nicht zuletzt an ihrer Mikrofonakrobatik dürfte Kate Ryan gescheitert sein. Wenn das auch für meinen Geschmack bei weitem nicht der beste Beitrag der Belgier ist, freue ich mich doch, daß unser nur allzu oft unterbewerteter Nachbar ins Finale einziehen durfte und dort auch noch die beste Plazierung für Flandern einheimsen durfte (gut, Sechster wurde schon 1959 der Flame Bob Benny, aber damals waren nur elf Teilnehmer am Start). Und ob man Deutschland jetzt Blockabstimmung vorwerfen wird, weil wir doch tatsächlich einen Zwölfer (und dann auch noch den einzigen) an unseren Nachbarn vergeben haben?

Bosnien & Herzegowina: Der Begleitchor war gut. Das ist auch das einzig Positive, was ich diesem uninspirierten Nichts abgewinnen kann. Vukašins Stimme taugt einfach nicht für Rock oder sonstige Musikstile, wo man röhren muß. Im Vergleich zu Mazedonien war dies hier eindeutig der schwächere Beitrag, der Finaleinzug eine einzige Frechheit. Wenigstens wurden die Bosnier dort abgewatscht mit der schlechtesten Plazierung seit der Einführung der Telefonabstimmung.

Bulgarien: Es hat also mal wieder nicht sollen sein. Gesanglich gab es – und das ist nun wirklich erwähnenswert bei Bulgarien – nichts auszusetzen, was aber Miro geritten hat, daß er in letzter Sekunde entschied, das Lied mit einem aufgesetzten englischen Text mittendrin zu zerstören, wird auf ewig sein sahniges Geheimnis bleiben, ebenso wie die Daseinsberechtigung seiner Frisur. Dennoch bleibt der verwehrte Finaleinzug angesichts zum Teil erschreckend miserabel vorgetragener (wo nicht gleich schlecht komponierter) „Balladen“ vor ihm eine Frechheit.

Samstag, 10. April 2010

Bulgarien 2010 – das Video

Eines muß man den Bulgaren lassen: Die Promovideos für ihre ESC-Beiträge sind jedes Mal wenn schon nicht hörens-, so doch unbedingt sehenswert; schon der kalte Kaffe zum Debüt anno 2005 wartete mit einem edel inszenierten Schwulst zum Reimelexikonlied auf; Mariana Popova im Jahre darauf rekelte sich splitternackt in Bergen seidener Bettwäsche, derweil sie darum bat, heulen zu dürfen (wegen der hohen Rechnung für all die Bettwäsche?). Das einzig Teure am Video zum bislang einzigen erfolgreichen bulgarischen Beitrage von Elica & Stojan hingegen dürften die Kosten für das Wasser gewesen sein, das auch im Liede besungen wurde. Die optische Untermalung des 2008er Beitrages ist weniger erwähnenswert (wie auch das Lied), 2009 dürfte jedoch nicht zuletzt wegen seiner Scheußlichkeit beim Gesang und ob der Tatsache im Gedächtnis sein, daß beim Auftritte nahezu alles schiefging, was nur schiefgehen konnte, angefangen vom Gesang bis hin zu geplatzen Hosen. Das Video hierzu war jedoch in gewohnter Weise pompös ausgefallen: Krasimir als kühner Ritter auf seinem Kreuzzuge wider den guten Gesang.
Miro hingegen, der sonst gerne die (nackten) Puppen für sich tanzen läßt, gebärdet sich für sein Video passend als Engel: Noch rauchend vom Übertritt in die Erdatmosphäre muß er zunächst ein wenig singend sich abkühlen, bevor er durch nächtliche Straßen wandelt, Kugelblitze verschickt und dem Rattenfänger von Hameln gleich Heerscharen Volkes hinter sich sammelt, bevor ihm und seinem Gefolge Flügel wachsen und Miro mit Überlichtgeschwindigkeit die Erde verläßt in Richtung Jupiter, den er fortan als Mond (Europa gar?) umkreist.
Wer mit derlei Amüsemang etwas anzufangen weiß, möge bitte den Startknopf für das Video drücken:

Donnerstag, 11. März 2010

Bulgarien: Миро (Miro) – Ангел си ти (Angel si ti)


Bulgarien ist seit seinem Auftauchen bei der Eurovision ein unglücklicher und erfolgloser Teilnehmer. Ein einziges Mal, 2007 nämlich, schafften sie das Wunder, das Semifinale zu überstehen und sogar den fünften Platz zu erhaschen, übrigens das einzige Mal in bulgarischer Sprache. Alle anderen Lieder, auf „Englisch“ oder was man am Schwarzen Meer dafür hält, schieden unter ferner liefen aus – so viel zum Thema „Englisch = Erfolgsgarantie“.
Nachdem die in Bulgarien üblichen Mammutvorentscheide mit Vorrunden, Viertel- und Halbfinalen weder gute Musik noch internationalen Erfolg hervorbrachten, gab sich der bulgarische Sender BNT dieses Jahr bescheiden und stellte lediglich fünf Lieder zur Auswahl (drei auf Bulgarisch, zwei auf Englisch), die auch noch von einem einzigen Sänger vorgetragen wurden.
Miro, bürgerlich Miroslav Kostadinov, einer der erfolgreichsten Sänger des Landes, hat die Ehre, in Oslo das von ihm komponierte „Ангел си ти“ (Angel si ti/Du bist ein Engel) vorzutragen. Ein Lied, das nicht weiter auffällt, weder in positiver, noch – und das ist bei Bulgarien immerhin ein großer Fortschritt – in negativer Hinsicht. Der Refrain besteht im Prinzip nur aus einem langgezogenen „Oh“, was zumindest potentiellen Mit- und Nachsängern, die nicht des Bulgarischen mächtig sind, das Mit- und Nachsingen enorm erleichtern dürfte. Ebenfalls erfreulich ist, daß Miro auch die vorgesehenen Töne trifft, eine Eigenschaft, die bislang ebenfalls nur selten bei eurovisionären Bulgaren vorzufinden war.
Hinsichtlich der Finalchancen jedoch könnte es für Bulgarien wie beinahe immer erneut knapp werden, und ob das Land nach einem erneuten Scheitern überhaupt noch Interesse an einer Teilnahme hat, ist zu bezweifeln.


BUL - Miro - Angel Si Ti

Der Krassimir-Schock muss wohl noch immer sehr tief sitzen bei den Bulgaren, sonst hätten sie nicht der Grinsekatze Miro gleich alle fünf Lieder auf den Leib gezimmert.
Was haben nur alle gegen 'Krassi'? Der Auftritt war wunderbar, das Lied gut und das Video ganz großartig. Ich versteh's nicht.

Zurück zu Miro. Unsympathisch ist er ja nicht wenn er seine blitzblanken Beisserchen in die Kamera hält und stimmlich ist ein Versagen auf großer Bühne mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen.
Unter den fünf Liedern waren zwei sehr schwache Kompositionen (Eagle und Moyat Pogled V Teb), eine (Twist & Tango) die gar nicht zu ihm paßte, aber gut vorgetragen wurde, und eine Ballade (Ostani) die noch am ehesten qualitativ an den Siegertitel heranreichte.
Angel Si Ti stach noch am meisten aus den Allerweltsnummern heraus und man hatte beim Ansehen der Auftritte auch das Gefühl, dass Miro dieses Lied am Herzen lag.
Der zukünftige Beitrag Bulgariens ist schwungvoll, leidet aber an Uhhs und Ahhs, nein, falsch... es sind Ohoooohooos. Und den Weltmeister im Handstand auf Klavieren sollte Miro besser zuhause lassen.
Finaleinzug: nicht ausgeschlossen.