So, nun sind wir so ziemlich durch mit allem, womit man jury-und televotingbezüglich in den Semis 2010-2022 so durch sein kann. Was bleibt denn festzuhalten? Ist es denn nun gut, dass die Jurys in den Semis zurückkommen?
Nuuun ...
Wie mein Leser Lucas schon schrieb: Jeder ESC-Fan hat ein ambivalentes Verhältnis zum Juryvoting. Okay, nicht JEDER, ich kenne mindestens eine sehr bekannte Ausnahme (hallo Oliver, Grüße gehen raus!). Aber wir haben jetzt über die Jahre ziemlich viele Varianten gesehen, wie es nicht geht. Dreimal in Folge Jurys raus aus den Semis, dreimal in Folge gewinnt der Jurysieger das Finale. Von gewissen Wettbewerbsverzerrungen durch die Jurys (nicht über alle wurde sich beschwert) will ich hier gar nicht anfangen.
Wenn man mal auf die Listen 4a und 4b schaut, kommt man dann doch ziemlich ins Grübeln. Wer gegen den Televoter-Willen weitergelassen wurde, hatte im Finale üblicherweise nicht so wirklich gute Karten. Anders sah es bei denjenigen aus, denen das Televoting den Hintern gerettet hat. Da finden sich dann doch etliche wieder, die am Ende in der Top Ten gelandet sind. Das spricht nicht für das Urteilsvermögen der Jurys!
Apropos: Consi saß ja 2021 in der deutschen Jury und hat später im Interview mit Alina und Stefan ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. War sehr interessant. Die Juror*innen bekommen nämlich tatsächlich einen Bewertungskatalog an die Hand, mit dessen Hilfe sie die Beiträge abklopfen sollen, und das ist offensichtlich gar nicht so einfach. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das auch nicht jedem bei jedem Beitrag so gelingt, wie es wünschenswert wäre. Hier wäre es ganz gut, wenn den Juror*innen ein bisschen mehr auf die Finger geschaut würde, wie auch immer das gehen soll.
Was auch ganz gut wäre: Den Einfluss der Jurys grundsätzlich ein wenig zu reduzieren. Die letzten drei Jahre waren in Sachen Finalergebnis absolut verheerend, sowas sollte sich nicht wiederholen. Warum keine 40/60-Lösung? Oder gern auch 25/75? (Fürs Protokoll: Der albanische Zahnarzt wäre in beiden Fällen ins Finale gekommen, das ist also keine Ausrede!) Wenn man schon will, dass wir unsere sauer verdienten Penunzen fürs Televoting rauskloppen, dann soll das auch eine Auswirkung haben. Wenn ein Televotingsieger über 100 Punkte mehr hat als der Jurysieger und es für den Sieg trotzdem nicht reicht, dann läuft einfach gewaltig was schief.
In diesem Jahr wird diese Schieflage so nicht mehr entstehen. Stattdessen dürfen wir uns dann später wieder drüber ärgern, welche aussichtsreichen Beiträge die Jurys im Semi rausgekickt haben :) Im Ernst: Es wäre überaus wünschenswert, dass auch mal wieder der Televotingsieger die Nase vorn hat - und das schreibe ich in dem Bewusstsein, dass meine Top 4 in diesem Jahr aus Australien, Frankreich, Kroatien und Tschechien besteht und zumindest die beiden Erstgenannten ganz gute Chancen auf den Jurysieg haben. Ach, wie de's machs, machse's doch verkehrt.
Und während ich dies hier schreibe, sind in Wien schon die Proben gestartet. Ich wünsche allen Teilnehmer*innen nur das Allerbeste, zeigt uns, was Ihr drauf habt! Und uns allen wünsche ich ein tolles Saisonfinale mit einem würdigen Sieger! Genießt die nächsten beiden Wochen! Wir lesen uns hier spätestens wieder, wenn es in anderthalb Wochen an die toten Servietten geht.
2 Kommentare:
Ich kann Dir nicht genug danken.
Statistik ist zwar nicht meins, aber Du bringst es so rüber, dass sogar ich es verstehe.
Wie immer um diese Zeit hab ich mir (beinahe) alle Lieder schöngehört und bin kaum einer vernünftigen Reihung mächtig (außer in den Top & Flop-Bereichen).
Jetzt heißt es noch eine Woche hart arbeiten, dann geht es in den alljährlichen 'ESC-Urlaub'. Wien - ich komme!
(und im Hintergrund säuselt mit Erika leis' ins Ohr)
Danke von meiner Seite für diese kleine, aber feine Subserie an Artikeln! Hat sehr viel Spaß gemacht, sich da durchzulesen.
Zu Oliver (aufrechtgehn): Auch er hat ein ambivalentes Verhältnis zu Jurys. Beim ESC an sich hat er sie immer gehasst, bei den Vorentscheiden hat er ab 2017 (Stichwort: Salvador Sobral) eine gewisse Toleranz entwickelt.
Meine Hoffnung ist groß, dass Griechenland das Televoting dieses Jahr vor Israel gewinnt. Das ist neben Italien so das einzige Land, dem ich zutraue, Israel zu dort schlagen. Bevor jemand nachfragt: Ich gehe fest davon aus, dass Israel um die 275 Punkte aus dem Televoting schon sicher in der Tasche hat. Und wenn Israel das Televoting gewinnen sollte, sorry, dass ich das hier so klar und deutlich ausspreche, hoffe ich, dass die Jurys das wieder dämpfen werden mit 50 - 100 Punkten. Ich verstehe ja, dass es Leute gibt, die unbedingt wieder einen Televotingsieger als Gesamtsieger haben wollen, aber das Chaospotenzial eines israelischen Siegs sehe ich derzeit als zu hoch. Wer meint, dass das Theater nach der Generalversammlung im Dezember der Hohepunkt (oder für andere auch Tiefpunkt) dieser ganzen Debatte war, ist, zumindest aus meiner Sicht, sehr naiv.
Um versöhnlich zu enden: Eine schöne ESC-Zeit allen, die das lesen!
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