Sonntag, 24. Mai 2026

Der ESC 2026 in der Rückschau: Die Ausscheider des ersten Semifinales

So, dann arbeiten wir uns mal durch die einzelnen Beiträge. Wie sich das gehört, fangen wir mit denjenigen an, die es nicht geschafft haben. Da nehmen wir zuerst diejenigen, die am Dienstag im ersten Semifinale waren:


15. Georgien (5 Punkte (2 Punkte vom Televoting (Platz 15), 3 Punkte von der Jury (Platz 15)))

Au backe. Wenn man vor Probenbeginn als doch schon einigermaßen sicherer Finalist gehandelt wird, um dann schlussendlich mit gerade mal fünf Punkten Letzter im Semi zu werden, dann muss schon einiges schiefgegangen sein. Isses auch. Der Gesang der beiden Mariams lag doch öfter mal ziemlich weit neben dem, was eigentlich gedacht war. Das alleine macht aber noch keinen letzten Platz. Viel katastrophaler als der Gesang der Mädels war die Kameraführung. Wie viele Totalen von der Bühne wolltet Ihr denn haben? Kameraregie so: Ja! Insbesondere im ersten Refrain, wo zum ersten Mal die Hand-Choreo anfängt, sehen wir: Eine Totale. Ja, Eure Cyborgs im Backdrop haben die Handografie auch gemacht, aber da hat doch keiner hingeschaut! Und wenn ich schon dermaßen viele Totalen habe, dann muss auf der Bühne auch mehr passieren. Schaut Euch Eure Mitbewerber*innen an und lernet. Dazu kam das Licht: Wenn ich Leute in Gelb-Schwarz (als charmante Reminiszenz an ihren JESC-Siegerbeitrag, nehme ich an) einkleide, dann kann ich doch kein blaues Licht drauf loslassen! Hier ist leider wirklich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte.


14. San Marino (41 Punkte (TV: 23 (12.), J: 18 (14.)))

Was soll man da sagen? Trash as Trash can. Es glitzert, es blinkt, es glimmert, more is more is more, gilt auch für die auf der Bühne drapierte Raumausstattung. Und dann noch Boy George, dem dieser Auftritt sicher ein Fest war. Er hat übrigens genau wie Senhit auch beim Song mitgeschrieben. Ach, Senhit. Hättest Du Dir doch mal einen ordentlichen Song verpasst. Hättest Du Dir doch mal was geschrieben, dass Dein unbestreitbares Talent mal so richtig rausstellt. Würdest Du Dir doch mal selbst vertrauen, statt Dich auf irgendwelche Boy Georges und Floridas zu verlassen. Boy George hat es nämlich, wie schon im Vorfeld von allen vermutet, hier absolut nicht gebraucht, auch wenn der Hut sehr apart aussah. Na ja, Senhit, nächstes Mal. Irgendwann wird der ESC kommen, wo San Marino seinen Ruf als Eurovisionskatastrophenland Nummer 1 (den übrigens vor noch gar nicht soooo langer Zeit Bulgarien inne hatte - aber dazu später mehr) ablegt und Senhit uns zeigt, wie man einen ESC mit Würde, Grandezza und Talent gewinnt. Einstweilen ... puh.


13. Montenegro (71 Punkte (TV: 45 (10.), J: 26 (13.)))

 Alle Jahre wieder gibt es Semiausscheider, wo man sich fragt, warum sie eigentlich ausgeschieden sind. War Tamara in der Juryshow so schlecht? Aus Kroatien und Serbien gab es von der jeweiligen Jury jeweils genau einen Punkt, und das, wo im Finale allseitig munter die Punkte hin- und herflogen. Im Televoting gabs dann jeweils zehn, was ich viel eher nachvollziehen kann. Tamara und ihre Ladys waren nämlich wirklich gut. Vielleicht war es dieser Kragen (glaub ich eher nicht), vielleicht hat sie zu böse in die Kamera geguckt (lass ich nicht gelten, Rumänien anyone?), vielleicht waren zu wenige Möbel auf der Bühne (Kamera war aber gut!) - aber vermutlich hat niemand die Sache mit den drei Akten verstanden. Trotzdem, ewig schade, Weiterkommen wäre verdient gewesen, und ich hoffe, die Montenegriner verlieren nicht die Lust am ESC!


12. Portugal (74 Punkte (TV: 35 (11.), J: 39 (11.)))

Es gibt Länder, die verbiegen sich bis zum Gehtnichtmehr, und es gibt Länder, die bleiben ihrer Linie treu, komme was da wolle. Zu den letztgenannten gehört auf jeden Fall Portugal. Nun waren ja die Begleitumstände in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, nicht ganz ohne. Portugal hat aber schließlich einen Beitrag entsandt, den viele todlangweilig finden, viele andere aber auch wunderschön. Ich gehöre zur zweiten Fraktion. Mich hat dieser makellos dargebotene, wunderschöne Song direkt in seinen Bann gezogen. Allerdings, und das dürfte hier das Haupthindernis gewesen sein, muss man sich darauf wirklich einlassen, und ich vermute, dass es genau das gewesen sein dürfte, was den Portugiesen letztendlich die Tür zum Finale versperrt hat. 


11. Estland (79 Punkte (TV: 46(9.), J: 33 (12.)))

Obwohl die Estinnen bei reinem Televoting weitergekommen wären, hatte ich sie als sichersten Ausscheider auf dem Zettel. Alles sprach gegen ein Weiterkommen: Ein Song in einem Genre, das beim ESC noch nie was reißen konnte (mir persönlich aber zumindest gute Laune macht) und zudem ziemlich aus der Zeit gefallen ist, ein Bandsetting, was in diesem wilden Feld einfach zu wenig war, ein Songtitel, der sich selbst konterkariert (too epic to be true war da gar nix), und dann auch noch eine Band aus drei Mädels, von denen nur eine wirklich gut singen kann. Das hat aber eine zweite nicht daran gehindert, fast die Hälfte des Songs zu singen. Das verzeiht keine Jury. In Summe war das wohl zu viel. Übrigens auch auffällig: Es ist einer von nur fünf (!!!) Songs in diesem Jahrgang in einer Durtonart. Von diesen fünfen sind vier (Estland, Portugal, Lettland und Luxemburg) im Semi rausgeflogen, der fünfte Song ist aus der Ukraine. Fröhliche Melodeien sind im Moment offensichtlich nicht gefragt - und das schon seit einer ganzen Weile nicht. In den 2000ern gab es genau VIER Sieger in einer Durtonart (2000, 2001, 2011 und 2017), der Rest ist moll, moll, moll. Ich hoffe, hier lesen Komponist*innen mit. Merke: Willst Du beim ESC gewinnen, so musst ein Lied in moll du singen.



2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schön dass du nach langer Zeit wieder eine richtige Nachbetrachtung machst. HIer meine Meinung zu den Ausscheidern.

Georgien: Joa, was soll man da sagen?? Miserabel von Anfang bis Ende. Gesanglich ne Katastrophe, dazu wirkten sie auch nicht wie ne Gruppe sondern eher wie ein Solosänger mit seinen beiden Backgroundsängerinnen. Dazu sah alles sehr improvisiert aus, als ob sie nicht wüssten wohin sie gehen sollen. Insgesamt einfach zu amateurhaft in repetitiv.

San Marino: Wow, das hat sich ja mal so richtig gelohnt Boy George einzukaufen - NICHT!! Ein einziger Unfall von Performance, man will nicht hingucken aber tut es trotzdem. Das Lied ist halt was es ist, da konnte auch der Enthusiasmus von Senhit nix mehr retten.

Montenegro: Die wohlwollenden Kommentare in Teilen der Bubble habe ich nie verstanden, mir war das musikalisch einfach zu aggro und Tamara wirkte auf der Bühne auch eher unsympathisch auf mich. Das Land kann froh sein dass Serbien und Kroatien im gleichen Semi waren.

Portugal: Ich finde das Lied ja sehr schön, aber ich glaube im sehr lauten Umfeld war der Kontrast wohl einfach zu groß. Also dass viele Zuschauer daheim den Song eher genutzt haben Snacks bzw. Getränke zu holen als zuzuhören. Schade, ich hätte es gerne im Finale gesehen.

Estland: Joa, ich war ja damals mit 10/11 großer Fan der vanilligen Ninjas, aber manches wäre doch besser in den 2000ern geblieben, dazu zähle ich auch diesen faden Albumtrack mit völlig ironischem Titel. Sie wirkten außerem eher wie ne Garagenband von Müttern in der Midlife Crisis, und dass Lenna so wenig gesungen hat war auch nicht förderlich. Dass das im Televoting ernsthaft weitergekommen wäre überrascht mich, aber sie hatten wohl auch Glück mit den Ländern die abstimmen durften und einige haben sie wohl aus Nostalgiegründen gewählt. Bei den Jurys hat das aber gerechterweise nicht gezogen.

So, bin gespannt auf die weiteren Kommentare von dir. :-)

Anonym hat gesagt…

San Marino würde ich nicht als Eurovisionskatastrophenland bezeichnen. Die hatten mehr Televotingpunkte als Schweden in diesem Semi!

Und als Besucher der Juryshow des ersten Semis muss ich leider sagen, dass Tamara da wirklich wesentlich schlechter war als am Dienstag. Hatte Montenegro spätestens am Dienstagmorgen rausgetippt gehabt, nur, um mich dann mit Portugal zu vertippen. Argh!

Immerhin hat sich meine Vermutung bei Estland bestätigt, dass das ein Verona 2.0 werden würde. Kann mir durchaus vorstellen, dass der Song außerhalb der ESC-Bubble gut ankam, bloß halt bei den Jurys nicht, die hier zurecht eingegriffen haben. Schade, dass wir mal wieder ein Semi hatten, bei denen die Jurys zwei Beiträge gegen den Willen des Volkes durchgewunken haben, auch wenn ich aus eigenem Geschmack heraus Schweden & Belgien über Estland & Montenegro bevorzugen würde.