Donnerstag, 2. April 2026

ESC 2026, Semi 1, Hälfte 2, Hälfte 2

Montenegro: Tamara Živković - Nova zora

Der Club der Teufelinnen ist alive und well. Und diese Fingernägel! Florence Griffith-Joyner, Gott hab sie selig, hätte sich vor Neid direkt entleibt. Diesen Nägeln möchte ich lieber nicht im Dunkeln begegnen. Aber schön aufpassen, nicht dass da bis Mai was abbricht! Dann wär direkt die ganze Performance im Ar... äh, Eimer. Was? Ich soll über den Song reden? Okay. Am Anfang wirkt es auf uns irgendwie albanisch, kann aber auch am rot-schwarzen Farbschema liegen. Auf jeden Fall ist es anstrengend ohne Ende, aber irgendwie hat es auch was. Tamara guckt jedenfalls so böse, wie es sich für eine ordentliche Teufelin geziemt, and she means business. Großes Plus: Die natürlich auch hier wieder unvermeidlichen Stiefel haben endlich mal solche Killerabsätze, wie man es für solch einen Beitrag erwartet. So muss das! Wenn schon, denn schon! Alle anderen Gestiefelten: Schaut hin und lernt!

Finale? Könnte eng werden, könnte aber klappen. Montenegro hat es ja bekanntlich generell schwer.

Podgorica 2027? No way.

7/10 mit Tendenz dazu, später wie ein Stein zu fallen (Kinder 7 und 7)


Polen: Alicja - Pray

So, da darf sie doch noch auf die große ESC-Bühne, die gute Alicja, nachdem es 2020 ja aus bekannten Gründen nicht geklappt hat. Sie singt ja wirklich gut, auch wenn mir ihre Stimme immer noch nicht zusagt. Aber: was bitte ist das für eine Klamotte? Und was bitte ist das für ein LIED?! 

Finale? In einer gerechten Welt nicht, dank Diaspora wohl leider ja.

Warschau 2027? Oh nee, bitte nicht.

2/10 (Kinder 4 und 4,5)


San Marino: Senhit - Superstar

Ach, San Marino. Du putziges kleines Ländchen. Du Auffangbecken für alle, die sonst nirgendwo landen können. Wobei man der Gerechtigkeit halber sagen muss, dass Senhit immer nur in San Marino landen wollte. Sie hat nach wie vor keinen Klamottengeschmack (oder schlechte Berater), dafür aber eine tolle Stimme und eine ebensolche Ausstrahlung.  Mensch, gebt der Frau doch endlich mal ein anständiges Lied und ein ebensolches Outfit! Das kann doch nicht so schwer sein! Und warum Boy George? Den braucht hier echt kein Mensch. Senhit, Mensch, verlass ich doch einfach mal auf Dein eigenes Können! Oh Mann. Wenn die spannendste Frage ist, ob Boy George wirklich in Wien mit auf der Bühne steht, dann ist das einfach sehr, sehr wenig. Superstar, ja sicher. Ich glaub, ich spinne.

Finale? Es ist San Marino, da kann grundsätzlich alles passieren. Wenn alle anrufen, die Boy George noch kennen und mögen, dann klappts. Allerdings sind die meisten davon schon tot.

Serravalle 2027? Ach, im Läbe net!

4/10 (Kinder 4 und 4,5)


Serbien: Lavina - Kraj mene

Vampires are alive, the legends have to survive ... Tanz der Vampire is alive and well. Aber wenn ich mir schon so einen Krallenhandschuh anziehe, würde ich das Thema dann aber auch konsequent zu Ende denken und mir noch so ein Vampirgebiss zwischen die Kiemen schieben. Ansonsten ist das der düsterste Song in diesem Semi, in dem auch sehr viel (sehr viel!) gegrowlt wird, aber der Song holt uns voll ab.

Finale? Ja, sollte klappen.

Belgrad 2027? Eher nicht.

8/10, allerdings bei mir mit fallender Tendenz (Kinder: 8,5 und 8)


Grundgütiger, was eine zähe Angelegenheit. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so ein schlechtes Semi erlebt zu haben. Ich hätte so gern was gehabt, wo ich mitfiebern kann, aber da ist nix. Nix, nix, nix. Gut, ein paar Beiträge sind okay, aber keiner ist so, dass ich meine Penunzen dafür raushauen würde - war ja klar, dass Schland in diesem Semi abstimmen darf. 

So, das war die erste Runde. Wer kommt denn nun weiter? Mal gucken, ist gar nicht so einfach:

Finnland
Griechenland
Kroatien
Moldau
Schweden
Israel
Litauen
Montenegro
Polen (leider!)
Serbien

So, reicht für heute. Ich muss jetzt erst mal entgiften. Morgen oder übermorgen gehts weiter.


ESC 2026, Semi 1, Hälfte 2, Hälfte 1

Belgien: Essyla - Dancing on the Ice

Och nööö. Außer dem mehrstimmigen Gesang spricht mich absolut nichts an, und den müssen sie auch erst mal ordentlich hinkriegen. Ziemlich monoton, das alles. Und auch irgendwie schon mal dagewesen. Die  Kinder finden es besser als vieles andere. Ich nicht. Schnallt der Guten ein paar Schlittschuhe an und lasst sie wirklich auf einer Eisfläche tanzen. Ansonsten sehe ich hier ziemlich schwarz, zumal Belgien ja so eine Art Patent darauf hat, auch aussichtsreiche Beiträge sang- und klanglos zu versenken. Das hier ist allerdings nicht mal aussichtsreich.

Finale: Mustii hats nicht geschafft, Red Sebastian hats nicht geschafft - merkt Ihr selber, oder?

Brüssel 2027? Ha ha ha.

5/10 (Kinder 5 und 5,5)


Estland: Vanilla Ninja - Too Epic to Be True

Gott, was hab ich "Cool Vibes" geliebt. In so einem saustarken Jahrgang wie 2005 Achte werden muss man auch erstmal schaffen. 2026 macht bis dato jetzt nicht den Anschein, ein saustarker oder auch nur ein einigermaßen starker Jahrgang zu sein. Geht da was für die Esten? Die gute Nachricht: Lenna Kurmaa (auch sie gestiefelt) kann es noch immer. Die schlechte: Die anderen beiden können es leider gar nicht. Was soll eigentlich dieses seltsame Nippelpiercing-Oberteil bei der Gitarristin? Ist das jetzt cool? Ich werde echt alt. Davon ab gefällt mir der Song in melodischer Hinsicht ganz gut, aber es ist die Art von Gefallen, die ich auch bei "Intention" hatte. Mit anderen Worten: Das wird vermutlich eher nix. Die Kinder finden es sowieso meh ("Epic ist daran gar nichts"). Ich will "Cool Vibes" wiederhaben.

Finale? Das wird verdammt eng.

Tallinn 2027? Nein.

7/10 (Kinder: 3,5 und 4)


Israel: Noam Bettan - Michelle

Das Intro zeigt uns direkt, woher dieser Beitrag kommt. Noam fischt gesanglich so ein bisschen im Mon-Amour-Pool, ohne jedoch ranzukommen. Rankommen tut er auch nicht an die Beiträge der letzten beiden Jahre, wiewohl es aber klug ist, in diesem Jahr die Politik auch in Anspielungen völlig außen vor zu lassen. Stattdessen schmachtet er seine angebetete Michelle (ma belle) an und leidet ganz ordentlich dabei. Tanja Hewer gefällt das. Man kann es sich gut anhören, mehr aber auch nicht.

Finale? Dürfte sich wohl ausgehen, wie unsere österreichischen Freunde sagen würden.

Woauchimmer 2027? Nein. Und besser ist das.

6/10 (Kinder: 6 und 5)


Litauen: Lion Ceccah - Sólo quiero más

Die Litauer haben ja ziemlich lange gebraucht, bis sie in eurovisionärer Hinsicht so wirklich aus dem Quark gekommen sind, aber seit 2020 liefern sie zuverlässig Qualität. Dieses Jahr ist da keine Ausnahme. Der Song ist wirklich gut, und Leon singt um sein Leben. Allerdings gibt es ein großes Aber, nämlich die Silberbronze an Kopf und Händen. K1 fühlt sich an einen Glitzer-Voldemort erinnert. Ich weiß nicht, warum man denkt, dass das den Beitrag aufwertet. Andererseits: Lucio Corsi ist ja letztes Jahr mit Mehlschwitze im Gesicht auch Fünfter geworden. Auch hier gibt es wieder spitze breite Schultern, warum auch immer. Was wirklich gut kommt ist der Effekt mit dem zusammenfallenden Umhang. Aber die Mätzchen braucht es eigentlich nicht, der Beitrag ist auch so stark genug.

Finale? Wird knapp, aber wird reichen.

Vilnius 2027? Ich denke, dafür reicht es nicht.

8/10 (Kinder: 7,5 und 7)

ESC 2026, Semi 1, Hälfte 1, Hälfte 2

Moldau: Satoshi - Viva, Moldova!

Ach du je. Der Anfang ist bestechend, aber dann setzt leider der ... äh ... Gesang ein. Und was "singen" die denn bitte da? "Soroca, Europa, Palma de Mallorca, Saluti a tutti, Moldova is on duty"? Ernsthaft jetzt? Mallorca, Moldova, Hauptsache ESC, oder wie? Das ist mir alles doch viel zu dünn und zu billig. Zum Glück haben sie Aliona dabei, die reißt dann doch einiges raus. Aber sonst? Ganz ehrlich: Da hätten wir auch die Ragazzki schicken können, so viel schlechter ist das auch nicht. Vorschlag für Wien: Spielt einfach den Backing Track ab, der ist nämlich wirklich schön, lasst das Geschrei weg und blendet nur den Text auf dem Backdrop ein.

Finale? Vielleicht. Das Televoting wirds schon richten.

Chisinau 2027? Nope.

5/10 (Kinder 3 und 4)


Portugal: Bandidos do Cante - Rosa

Die Jugend wurde hier sehr schnell sehr ungnädig: "Ich hol mir gleich mein Kissen", "Ich schlaf gleich ein" oder "Da passiert ja gar nix" waren da noch die netteren Kommentare. So ganz kann ich das nicht teilen. Der Song ist sehr schön und vor allem bestechend gut gesungen, aber man muss sich eben drauf einlassen. Zum mal eben nebenbei weghören taugt das nicht - Portugal macht halt mal wieder Portugal-Sachen. Allerdings sind die drei Minuten hier schon lang, und in Sachen Outfits sollte bis zum ESC auf jeden Fall noch was passieren. 

Finale? Können froh sein, dass die Jurys da sind, sonst wär wohl leider im Semi Endstation. Andererseits: Napa haben es letztes Jahr bei reinem Televoting nicht nur ins Finale geschafft, sondern auch einen der großen Streaminghits des Jahrgangs abgeliefert. Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Lissabon 2027? No.

6/10 (Kinder 5 und 5)


Schweden: Felicia - My System

Felicia, Schätzchen (ich weigere mich, die Versalien zu benutzen!), hat Dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass die Pandemie vorbei ist? Ja? Wieso trittst Du dann mit Mundschutz auf? Meinst Du, das finden wir gut? Also, ich nicht. Das hier ist ein Girlbop wie aus dem Lehrbuch, sie kann ihn nicht aus ihrem System kriegen, trägt dabei die in diesem Jahr offensichtlich angesagten klobigen Overknees und geht mir mit ihrem doch sehr durchschnittlichen Song ziemlich auf den Keks. 

Finale: Herrschaften, es ist Schweden!

Stockholm 2027? In Anbetracht der Tatsache, dass der beste schwedische Beitrag seit Menschengedenken letztes Jahr nur Vierter wurde, würde ich das als persönliche Beleidigung empfinden. Abgesehen davon, auch wenn es damit nichts zu tun hat: Wer sich auf diese Weise für die WM qualifiziert, der muss nicht auch noch den ESC gewinnen.

5/10 (Kinder: 6,5 und 6,5)


Wird das noch besser, oder bleibt das jetzt so?

ESC 2026, Semi 1, Hälfte 1, Hälfte 1

Los gehts dann gleich mal mit dem Top-Favoriten der Bookies:


Finnland: Linda Lampenius & Pete Parkkonen - Linkieheitin

Ja, Top-Favorit der Bookies. Da frag ich mich nur: Wenn DAS der Top-Favorit ist, was kommt denn dann bitte noch? Und muss ich da jetzt wirklich durch? Okay, das ist zwar nicht direkt eingängig, aber schon schon gut gemacht, ER sitzt auf einer Bank vor einem Fenster und klagt über irgendwas, während SIE sich hinter dem Fenster in silberglänzender wehender Gewandung und überaus merkwürdigem Schuhwerk einen Wolf fiedelt. Gut, Geige geht erfahrungsgemäß immer, aber sooo irre viel bleibt nicht übrig, wenn man sich die Geige wegdenkt. Dann fängt das Fenster an zu brennen (haben sie das von Isaak geklaut?), die Geigerin kommt näher an den Kasten ran, die Windmaschine geht an, und man bangt, dass die Haare anfangen zu brennen. Wäre zwar ein so noch nie dagewesener Effekt, würde allerdings nur einmal funktionieren. Die Symbolik des Ganzen erschließt sich uns nicht so recht. Aber gut, wenn es allen so gut gefällt, sind wohl wir mal wieder die Geschmacksgeisterfahrerinnen. Dazu nur so viel: Kind 1 hat mich gedrängelt, doch bitte das zweitplatzierte Takatukka anzugucken. Hab ich gemacht und muss ein bisschen weinen. Das wäre unser Preis gewesen.

Finale? Joa. Wenn es so vielen Leuten gefällt, wird das wohl ins Finale kommen. 

Helsinki 2027? Wäre grundsätzlich cool, vor allem, weil es auf Finnisch gesungen ist. Allerdings hatten die Finnen in der Vergangenheit doch so einige Beiträge, wo ein Sieg weitaus mehr verdient gewesen wäre.

5/10 (Kinder 5 und 6)


Georgien: Bzikebi - On Replay

Erstmal wow - die sind tatsächlich seit 18 Jahren unverändert in dieser Besetzung zusammen! Aber wie hoch ist wohl die Fallhöhe, wenn man schon mal im eurovisionären Kontext was gewonnen hat - und zwar mit einem der abgefahrensten Beiträge ever, ever, ever? Kann man das noch toppen? Will man das noch toppen, schließlich ist man ja jetzt erwachsen und seriös und so? Nun ja. Der Song ist nicht ganz so abgefahren wie Bzzz, aber immerhin ist die Tanzchoreo ziemlich spannend. Da dürfen die Wienfahrer schon mal die Tänze einüben, das könnte im Eurocolub der Renner werden. Ansonsten has Joost Klein a lot to answer for, was die Schulterpolster angeht. Der Song? Och ... ich war zu abgelenkt vom Video. Dann kanns nix Dolles gewesen sein.

Finale? Könnte schwierig werden.

Tbilisi 2027? Vielleicht. JESC können sie ja ganz gut. Ach, Ihr meint die Veranstaltung im Mai? NÖ!

4/10 (Kinder 3 und 2)


Griechenland: Akylas - Ferto

Was bitte hab ich da gesehen und vor allem gehört? Ein Mensch in grellorangefarbenen Fellmoonboots (!)  und einem großen ebenfalls orangefarbenen Plexiglasherz um den Hals singt /rappt sich durch eine seltsame Mischung aus "Cha Cha Cha", "Gangnam Style", Geräuschen aus einem Computerspiel und Geräuschen, die ein einarmiger Bandit macht, wenn man gewonnen hat. Merkwürdiges Schuhwerk scheint in diesem Jahr auch so ein Trend zu sein. Glücklicherweise nimmt Akylas sich selbst nicht allzu ernst. Und in der Bridge, die einen maximalen Bruch zum Rest bildet, merkt man, dass er richtig gut singen kann. Warum nicht überall so? Die Bridge behalte ich, den Rest brauch ich nicht.

Finale? Ja sichi.

Athen 2027? Ich kann und will es mir nicht vorstellen, aber könnte durchaus passieren. Uff.

4/10 und die nur für die Bridge (Kinder: 3 und 3)


Kroatien: Lelek - Andromeda

Bei der ersten Einblendung der Künstlerinnen fühlte ich mich an Tautumeitas erinnert. Der Song und die Optik von Lelek sind ebenfalls sehr mystisch, aber das hier hat nicht das Elfenhafte von "Bur ma laimi", sondern ist viel düsterer. Was aber nicht heißt, dass es schlecht ist, au contraire. Das holt uns direkt ab. Allerdings muss es pitch perfect auf die Bühne gebracht werden, dann könnte da einiges für Kroatien gehen. Freuen würds uns!

Finale? Wahrscheinlich schon, ja

Zagreb 2027? Nein

8/10 (Kinder. 8 und 7)


Aufi gohts!

Kaum das deutsche Finale hier betrachtet, muss darf ich schon wieder ran, isses denn zu fassen? Wir haben (dieses Mal wieder in der bewährten Dreierrunde) letzte Woche den Eurovisionsjahrgang 2026 unter die Lupe genommen, und was dabei rausgekommen ist, das will ich Euch hier natürlich nicht vorenthalten. Kleine Besonderheit dieses Mal: Zwei Drittel unserer Guckrunde sind noch sehr jung und sehr ungeduldig, so dass dass dritte Drittel lediglich die Punkte notieren und ganz eventuell kurze Notizen machen durfte ("Die Artikel kannst du auch später noch schreiben, Mama!"). Deshalb und weil ich alles schon wieder vergessen habe, schau ich mir während der Artikeltipperei alle Beiträge noch mal an. Ihr bekommt also dieses Mal quasi nicht den Erst-, sondern den Zweiteindruck. An den Punkten vom ersten Hören verändere ich aber nichts, obwohl sich das erfahrungsgemäß im Laufe der Schönhörphase noch verschiebt. Bei manchen Beiträgen ist das gern auch mal eine Hässlichhörphase, aber ich schweife ab.

Zu kompliziert? Egal. Los gehts!