Dienstag, 24. Februar 2026
Das deutsche Finale - Fazit
Das deutsche Finale Teil 3
Ragazzki - Ciao Ragazzki
So, jetzt muss ich ein bisschen aufpassen, was ich schreibe, sonst kriege ich Haue vom Nachwuchs. Das Kind hat das hier nämlich als Guilty Pleasure. Und wie geht es mir damit? Nun, stellen wir uns vor, wir sind auf eine Hochzeit eingeladen. Alles ist nobel rausgeputzt, so dass man sich vor der Trauung schon aufs Essen freut, weil man gehört hat, dass ein Meisterkoch in der Küche zugange ist und dass dem Gaumen da allerlei erlesene Genüsse serviert werden. Und dann ist es endlich halb acht, das Essen kommt, und es gibt: Pommes mit Ketchup. Gut, die Pommes sind handgeschreddert und schmecken hervorragend, der Ketchup ist ebenfalls mit viel Liebe und Finesse von Meisterhand bereitet, und auf der Karte steht auch nicht "Pommes mit Ketchup", sondern "Stäbchen von der Kartoffel an Tomatenjus", aber jeder schmeckt Pommes mit Ketchup raus. Die mag man. Jeder mag die. Aber auf einer Hochzeit?!
Mit anderen Worten: Auch für mich ist es ein Guilty Pleasure, aber für den ESC ist mir das zu wenig. Ich war nach dem Snippet total geflasht (Marti Fischer! Beim ESC! Wie geil ist das denn bitte?!), nach der 30-Sekunden-Version hab ich auf die Vollversion gehofft - aber von der bin ich leider enttäuscht, die bringt nämlich gegenüber den 30 Sekunden nix Neues. Der begnadete Musiker Marti bleibt hier völlig unter seinen Möglichkeiten. Das "Ciao ciao ciao Ragazzki" im Refrain kommt schon sehr oft. Sehr sehr sehr sehr SEHR oft. Der Text ist flach wie eine Flasche leer, hat viel Italienbezug, aber vom angekündigten Polenbezug hört man nur sehr wenig raus. Das ist mir einfach viel zu lieblos. Schade, da wäre mehr dringewesen. Und dass wir uns im Jahr eins nach "Espresso Macchiato" befinden und das Ganze in den Strophen viel zu sehr nach "Woki mit deim Popo" klingt, ist mal mindestens kein Vorteil. Allerdings: Es ist leider geil (ich bin nach wie vor relativ leicht zu bespaßen), geht ins Ohr, wenn ich es einmal gehört hab, muss ich es auch noch fünfundelfzig weitere Male hören (Stand jetzt). Und mit der absoluten Knallerinszenierung geht da auf jeden Fall was. Das letzte "Ragazzki ciao ciao ciao" würde ich aber rausnehmen und direkt davor aufhören. Das braucht es gar nicht.
Chancen aufs Superfinale: Wohl bei keinem Beitrag so schwer vorherzusagen wie bei diesem. Könnte zum Schock einiger rausfliegen. Aber:
Chancen aufs Ticket: Wenn es ins Superfinale kommt, löst es vermutlich auch das Ticket.
Würde in Wien abschneiden wie? Windows95man (Finnland 2024)
PS: Ich gehe davon aus, dass das, egal wie es abschneidet, in Deutschland ein Riesenhit werden wird. Und im übrigen sei an dieser Stelle gesagt, dass ein schlechtes Abschneiden beim ESC für die Karriere mal grad gar nix bedeutet. Habt Ihr die Schlussfeier vorgestern gesehen? Wo unter anderem auch Gabry Ponte und Achille Lauro aufgetreten sind? Seht Ihr?
Sarah Engels - Liar Fire
So, bevor hier jemand wegen der Überschrift meckert: Ich hab, als ich diese Postings vorbereitet hab, aus dem Kopf Interpret und Titel aufgeschrieben. Da hab ich mich in diesem Falle wohl vertan. Aber es liegt auch ziemlich nahe, denn die Ähnlichkeiten zu "Liar" von Silia Kapsis sind schon mehr als augenfällig. Was haben wir denn sonst so? Sarah hat Bühnenpräsenz, kann super singen, kann tanzen, kann sich bewegen und wird die Leute mit ihrer Ausstrahlung schon in ihren Bann ziehen. Was sie nicht hat: Einen guten Song. "Fire" ist leider so was wie die songgewordene Nummer Sicher, inklusive (hoffentlich!) Hupfdohlenchoreo und Dancebreak. Funktionieren tut das, keine Frage, aber ist halt so originell wie Pommes mit Ketchup. Dennoch, es ist der Beitrag, der nächsten Samstag geschlagen werden muss. Blamieren würden wir uns sicher nicht, wenn sie nach Wien fährt. Man hätte so einer tollen Künstlerin trotzdem einen besseren Song gewünscht.
Chancen aufs Superfinale: Wäre schon eine Negativsensation, wenn das nicht reinkäme.
Chancen aufs Ticket: Wenn es ins Superfinale kommt, löst es vermutlich auch das Ticket.
Würde in Wien abschneiden wie? Puh, da ist von Fuego (Zypern 2018) bis Zorra (Spanien 2024) eigentlich alles drin. Ich würd mal sagen, linke Seite ganz unten.
wavvyboi - Black Glitter
Zum Schluss kommt noch mal was richtig Gutes. wavvyboi, nichtbinäre Person aus Liechtenstein (!!!), dürfte auf jeden Fall der Act mit dem größten Glamourfaktor im gesamten Feld sein, mögliche Ausnahme lediglich Sarah Engels. Das ist sicher kein Fehler, wenn man Glamour mitbringt. Dazu kommt ein Song, der sich, wenn ich den Text richtig verstehe, um die eigene Identität, aber auch darum, anderen Mut zu machen, zu sich zu stehen. Die Musik tickt genau meine Boxen, Queen-Gedächtnis-Gitarrenriffs inklusive. Go for it! Wenn Optimist nicht gewinnt, dann soll Black Glitter gewinnen! Und vor allem hätten wir dann endlich, endlich Liechtenstein beim ESC!
Chancen aufs Superfinale: Sehen wir drin.
Chancen aufs Ticket: Wir drücken die Daumen, es wird aber vermutlich schwer.
Würde in Wien abschneiden wie? Silvester Belt (Litauen 2024)
Das deutsche Finale Teil 2
Malou Lovis - When I'm With You
Manchen Beiträgen nähert man sich am besten, indem man über was ganz anderes redet. Mach ich jetzt und hier auch, ich sag jetzt einfach mal eine Zahl und zwar ... und zwar ... Elf komma acht zwei. 11,82. Das eine oder andere Lesy hier kriegt bei der Zahl sofort Puls, Bluthochdruck, Wutpipi inne Augen und Pickelkrätze. Aus Gründen. (Bei wem das nicht so ist oder wer gar mit dieser Zahl nix anfangen kann: Schätz Dich glücklich!) Und, um den Bogen jetzt mal zu Malou Lovis' Song zu schlagen: So ähnlich fühle ich mich auch gerade. Wenn das hier einer der neun Beiträge war, die nach Ansicht der Verantwortlichen am besten für den ESC geeignet sind - wie ungeeignet bitte waren dann die Plätze zehn bis ultimo? Der Song plätschert halt so vor sich hin und stört nicht, im Sinne von: Ich muss ihn nicht ausmachen, wenn er läuft. Ich sehe ja ein, dass es nach Würdigung schreit, wenn hier jemand seine persönliche Geschichte erzählt, und die Stimme ist auch ganz schön, und natürlich hat der Song auch seine Daseinsberechtigung, aber sorry: Das ist sterbenslangweilig, und da kannste auch mit der Inszenierung nichts mehr retten! Wer hat gedacht, dass das es eine gute Idee ist, das potenziell auf die ESC-Bühne zu schicken?
Chancen aufs Superfinale: Gar keine.
Chancen aufs Ticket: Ach, geh doch weg!
Würde in Wien abschneiden wie? PÆNDA (Österreich 2019). Ach so, nee, wir müssen ja nicht durchs Semi. Das Televotingergebnis gäbs trotzdem. Und die gleiche Punktzahl dann noch mal von den Jurys.
Molly Sue - Optimist (Ha Ha Ha)
Bis dato mit Abstand das Beste. Molly Sue hat eine wunderbare Stimmfarbe, der Song ist super abwechslungsreich, so dass sie ihre Stimmgewalt auch voll ausreizen kann. Dazu kommt das Thema des Songs, Umgang mit sichtbaren und unsichtbaren Krankheiten. Wenn das super inszeniert ist und sie es schafft zu berühren und ihre Botschaft rüberzubringen, ohne dass der Holzhammer zum Einsatz kommt, ist das ein gutes Packerl und bisher im Feld auf jeden Fall das chancenreichste. Go for it! Wir finden es gut! Nur eine Bitte haben wir: Macht auf jeden Fall das Ha Ha Ha in der Klammer weg! Das kommt im Song nicht vor, und sowas im Titel wertet den tollen Song eigentlich eher ab. Weg damit! Außerdem erinnert das die Bubble immer an einen gewissen Beitrag einer gewissen San-Marinesin, und wie der war, haben wir alle verdrängt. In dieser Liga spielt der Optimist nicht, und dorthin sollte er sich auch nicht herabbegeben. Also: Weg mit der Klammer!
Chancen aufs Superfinale: So gut wie sicher kommt das ins Superfinale!
Chancen aufs Ticket: Ja, klar.
Würde in Wien abschneiden wie? Wir hatten beim Hören schon Alika-Vibes (Estland 2023), und wenn alles richtig gemacht wird, könnte es tatsächlich auch am Ende in der Gegend landen.
Myle - A OK
Jetzt kommt ein Geständnis: Ich hab einen Soft Spot für diesen Song. Irgendwie ist da ganz viel drin, was wir mögen. Ist wieder einer der leiseren Songs, soll Mut machen und Hoffnung geben. Auch wenn man die Geschichte dahinter nicht kennt, fühle zumindest ich mich beim Hören besser. Vor allem der Teil am Ende, wo die Chorstimmen dazukommen, der ist wirklich toll. Myle ist charismatisch, sieht auch gut aus und hat eine schöne Stimme. ABER: Ob der ESC wirklich die richtige Bühne für diesen Song ist? Da haben wir leider große Zweifel ...
Chancen aufs Superfinale: Eher weniger.
Chancen aufs Ticket: Eher noch weniger.
Würde in Wien abschneiden wie? Joker Out (Slowenien 2023).
Das deutsche Finale Teil 1
Bela - Herz
Oh, das ist speziell. Das Lied können wir uns gut anhören im Sinne von "wir müssen das Radio nicht ausmachen", aber wie es geht, hab ich schon wieder vergessen, bevor es zu Ende ist. Obwohl es nur 2:12 Minuten lang ist, zieht sich das Ganze. Da hilft auch die Landessprache nichts, die ja an sich inzwischen immer ein Pluspunkt ist. Letztendlich hängt in diesem Falle alles von der Inszenierung ab. Wie sollte die aussehen? Keine Ahnung. Das reichlich seltsame Musikvideo gibt dazu nichts preis. Ich hoffe, man hat sich dazu schon einige Gedanken gemacht.
Chancen aufs Superfinale: Minimal bis nicht vorhanden.
Chancen aufs Ticket: Eigentlich keine.
Würde in Wien abschneiden wie? Karmen Stavec (Slowenien 2003). Ihr erinnert Euch nicht? Eben. Wir auch nicht.
Dreamboys the Band - Jeanie
Warum ist das denn alles so kurz heuer? Auch dieser Song ist nicht mal zweieinhalb Minuten lang. Die Band besteht aus vier Mädels, deshalb heißen die auch "Dreamboys the Band". Warum? Mer waaß es net, mer vermuts nur. Lustige Narreteien im Jahr 2026. Sie singen zumindest in der Studioversion sehr schön harmonisch, und irgendwie ist der Song mit seinen mittelschweren 80er-Vibes auch angenehm anzuhören. Allerdings ist der Song insgesamt viel zu schwachbrüstig und für den ESC auch nur dann geeignet, wenn man eine Bombeninszenierung auf die Beine stellt, die von allem anderen ablenkt. Vor allem bleibt die Frage, ob die vier das dann auch live so hinkriegen wie in der Studioversion. Das Carcrash-Potenzial ist hier nämlich enorm. Wenn sie es live genau so bestechend hinbekommen wie in der Studioversion, ist vielleicht noch nicht alles verloren, wenn nicht ... uffffff.
Chancen aufs Superfinale: None whatsoever.
Chancen aufs Ticket: None whatsoever.
Würde in Wien abschneiden wie? Televotingpunkte von Remember Monday (UK 2025), Jurypunkte - da ist von Remember Monday bis Malik Harris (Deutschland 2022) alles drin.
Laura Nahr - Wonderland
Hm. Hm hm hm. Schwierig. Es ist auf jeden Fall schon mal interessanter als die beiden davor zusammen. Es beginnt im Dreiertakt, und gerade wenn man denkt, dass das doch so weitergehen könnte, kommt der erste Refrain und mit diesem Wonderwonderwonderla-hand ein krasser Bruch. Haben diese krassen Brüche eigentlich schon jemals beim ESC wirklich funktioniert? Ich finde eigentlich alles an dem Lied ganz gut bis auf eben dieses Wonderwonderwonderla-hand. Ja, ich weiß, das gibt dem Song eine ordentliche Kante, aber ich stoß mich leider dran, was ja nix Schlechtes heißen muss. Hier kann und sollte man irre viel mit der Inszenierung machen, der Song gibt da sehr viel her.
Chancen aufs Superfinale: 50-50
Chancen aufs Ticket: Außenseiterchancen, hängt davon ab, wer mit ihr im Superfinale ist.
Würde in Wien abschneiden wie? Bei einer guten Inszenierung wie Baller (Deutschland 2025). Bei einer schlechten - reden wir nicht davon.
We're back!
Hallo liebe Gemeinde,
es war jetzt ziemlich lange ruhig hier, da das Jahr 2025 für uns hier ohne Wenn und Aber von vorn bis hinten ein absolut fürchterliches war. Und damit meine ich nicht die Weltpolitik. Danke an alle, die in der Zeit an uns gedacht haben! 💖
Aber zumindest unsere kleine Welt hier ist inzwischen wieder einigermaßen in Ordnung, wenn es schon die große nicht ist. Da kann man dann ja auch mal die Fühler wieder rausstrecken und gucken, was draußen los ist und was sich bei der schönsten Nebensache der Welt so getan hat. Kind 1 und ich haben das deutsche VE-Angebot unter die Lupe genommen und wollen Euch natürlich an unseren Gedanken teilhaben lassen (falls sich jemand fragen sollte, wo Kind 2 ist: Das hat jetzt ein Abitur, studiert far away from home und muss gerade für die eine oder andere Prüfung lernen).
Wir wünschen pläsierliche Lektüre!