Freitag, 6. März 2026

Das deutsche Finale 2026 - Nachlese zum Nachlesen, Teil 1a: Die Songs - Ausscheider vor dem Superfinale

So, das deutsche Finale ist rum, habemus Siegerin, allerhöchste Zeit, das Ganze mal Püree rasieren zu lassen, wie unser Flaverl hier leider schon lange nicht mehr gesagt hat. Fangen wir zunächst mit denjenigen an, die es (allesamt berechtigterweise) nicht ins Superfinale geschafft haben, als da wären (in order of appearance):


1. Bela - Herz

Okay, dass Bela ein unbeschriebenes Blatt ist, wussten wir vorher. Aber dass das sein erster (!) Auftritt auf der großen Bühne war?! Puh. Dafür hat er es super gemacht. Und ja, das kann man so machen, eine gewisse Lena M.-L. hatte in der ersten USFO-Sendung 2010 ebenfalls ihren allerersten großen Bühnenauftritt. Allerdings hat die uns alle von Anfang an weggefegt, und dass Stefan Raab nach der VE mit ihr jeden Auftritt mitgenommen hat, der irgendwie möglich war, hat ihr die nötige Bühnenreife für die große ESC-Bühne gebracht. Ob die SWR-Granden das mit Bela im Falle eines Sieges ebenso gemacht hätten, darf an dieser Stelle getrost bezweifelt werden, zumal er auch nicht mal ansatzweise Star-Appeal hatte.

Die Inszenierung mit der Bushaltestelle kann man so machen, eine Magdi Rusza wird indes nicht daraus. Ich hoffe, er bleibt dran, es war sicher eine tolle Erfahrung für ihn. Lieber Bela, sammle einfach noch eine Menge Erfahrung, und dann komm vielleicht in vier, fünf Jahren mal wieder - und dann bitte auch mit einem für den ESC etwas geeigneteren Song!


2. Dreamboys the Band - Jeanie

Da machen die doch beim Einspieler tatsächlich als Hintergrundmusik "Little Talks", ein Song, der besser ist als alle neun Teilnehmersongs zusammen. ARGH!

Die erkennbar aufgeregten vier Damen machten das ganz okay und würden auf jedem Abiturientenball damit sicher bejubelt werden. Damit dieser Song aber wirkt, muss er wirklich pitch perfect vorgetragen werden. Das hat leider nicht geklappt. Dazu kam das Staging. Tonstudio? Ernsthaft? Das wirkte doch irgendwie sehr lieblos und "in letzter Minute eine Idee gehabt". Viel zu statisch das alles. Das Ganze war zwar von Anfang an auf verlorenem Posten, aber ein bisschen mehr Mühe bei der Inszenierung hätte man sich geben können. Auch hier gilt: Mehr Erfahrung sammeln, später noch mal wiederkommen!


3. Myle - A OK

Nach Babsis Krankenkassenwitz hätte man ja echt die Uhr stellen können. Aber gut - darauf kams jetzt auch nicht an, denn Myle hat seine Chancen eigentlich schon im Einspieler komplett ruiniert. Der ganze Einspieler sendete zwischen den Zeilen nämlich nur eine Botschaft: "Boah, ich seh so geil aus, ich kann nicht fassen, wie geil ich aussehe, findet ihr nicht auch, wie absolut fantastisch ich aussehe?" Vielleicht war das nicht beabsichtigt, aber genau das kam bei mir an. Das passt nach meinem Dafürhalten irgendwie nicht ganz zu einem Song, der eine warme Umarmung sein soll. Es hat dazu geführt, dass ich Myle das einfach nicht abgenommen habe, was er da gesungen hat. Die ihn in wilden Zuckungen umtanzende Tänzerin hat den Auftritt dann endgültig versenkt. Wer immer sich das ausgedacht hat: FEUERN!


4. Ragazzki - Ciao Ragazzki

Nicht feuern, aber zumindest mal dringend Nachhilfe nötig ist auch in Sachen Kameraführung. Da liegt Marti auf dem Tisch und wird später von den Tänzern auf Händen getragen. Und was sehen wir? Es wird von VORNE gefilmt, nicht von oben. Warum?!? Nun, war letzten Endes auch egal, denn auch dieser Auftritt war an der Stelle schon versenkt. Marti und insbesondere David haben mir da einfach zu viel geschrien. Mag sein, dass das ein Partysong ist, mag sein, dass das Volk den mitgrölen soll, aber um bei der größten Musikshow der Welt bestehen zu können, musst du den perfekt auf die Bühne bringen. Das hat hier eher nicht geklappt, auch die Inszenierung an sich fand ich schon sehr, sehr günstig, um es mal vorsichtig auszudrücken. Von allen Auftritten war das hier derjenige, der mich am allermeisten enttäuscht hat.


5. Laura Nahr - Wonderland

Na endlich bewegt sich mal was im Backdrop! Bei den vier Auftritten davor habe ich auf der LED-Wand keinerlei Veränderungen wahrgenommen, was die Auftritte sehr statisch gemacht hat. Bei Laura hat man endlich mal mit dem Licht gespielt. Leider hat die Gute ihren Auftritt ziemlich versemmelt, da saßen doch einige Töne nicht so, wie sie sollten. Dazu kam die völlig unpassende Mimik; wenn ich darüber singe, wie lost ich bin, dann kann ich doch nicht grinsen wie ein Honigkuchenpferd. Selbst wenn das vermutlich der Aufregung geschuldet war: Einfach nur nein. Geht nicht. Was ich übrigens bei Laura ziemlich krass fand, war der Gegensatz Singstimme vs. Sprechstimme. Die Singstimme hörte sich recht kleinmädchenhaft an, während die Sprechstimme eindeutig "erwachsene Frau" signalisierte.


6. Malou Lovis - When I'm With You

Zitat aus dem Einspieler: "Man muss nicht so 'ne riesen Performerin sein, um zum ESC zu fahren, ich glaube, ich kann auch mit meiner Persönlichkeit überzeugen und mit meiner Stimme." Malou, Schätzchen, ich hab Neuigkeiten für Dich: Persönlichkeit und Stimme haben die anderen beim ESC ebenfalls! Da kannste noch so wahnsinnisch audendisch sein, wenn Du nicht performen kannst, gehörst Du nicht auf die Bühne bei der größten Musikshow der Welt! Die Inszenierung mit den Tänzerinnen war ganz okay, das mit der Treppe und den Gardinen sah eigentlich auch ganz gut aus, Malou hat sehr gut gesungen, aber das Lied ist für den ESC immer noch zum Schreien ungeeignet, da machste mit der besten Inszenierung nix. Aus einem Fiat Panda kannste keinen Ferrari machen, und das hier war leider in ESC-Hinsicht maximal ein Bobbycar.