Da im heurigen Vorentscheidungsreigen nur noch Schweden aussteht und von dort eh nichts Gutes zu erwarten ist, wird es einmal Zeit, die diesjährige Saison Püree rasieren zu lassen, um festzustellen, daß die Länder Europas entweder den Grand Prix hassen oder zu arm sind, um ihn auszurichten. Daher wurde in den meisten Vorentscheiden zielsicher der größtmögliche Mist zusammengewählt, damit die Delegationen nicht allzu viel Geld im teuren Düsseldorf lassen müssen. Zeit also zu zeigen, wie schön der Grand Raab hätte werden können, wenn man nicht irgendwelche Juries oder sturzbesoffene Zuschauer hätte abstimmen lassen, sondern nach guter alter gallo- oder italoromanischer Manier einmal kräftig darauf geschissen hätte und ohne irgendwelchen Aristokraturfirlefanz einen echten Künstler mit einem richtigen Lied nominiert hätte.

Beispielhaft soll hier Platz 16 genannt werden: Marsida Saraçi, dem Aussehen nach gestrenge Internatsbetreiberin, wurde zwar mit ihrem Lied „Vetëm s’jemi në botë“ (Wir sind nicht alleine auf der Welt) nur Drittletzte, aber man kann sich vorstellen, wie hoch das Niveau der Beiträge gewesen sein muß, wenn selbst so etwas so weit hinten landet (diesen Satz kann man je nach Bosheit ironisch lesen oder nicht). Leider war dieser Titel für ein Orchester weniger geeignet, in Düsseldorf hätte dieses Lied natürlich von Band viel fetziger geklungen. Wer hören und sehen will, klicke bitte auf den Abspielknopf:

Das Finale geriet dann wie zu erwarten zu einem einzigen musikalischen Desaster, wenngleich auch die raren Gemmen um so deutlicher hervorstachen. Sieger wurde schließlich die Acapella-Gruppe Witloof Bay (Chicorée-Bucht) mit ihrem Titel „With Love Baby“ (Mit Liebe, Schatz), die ohne Instrumente nach Düsseldorf fährt und von dort wenigstens nicht ohne Punkte heimfahren soll. Auf dem zweiten Platz landete die hoffnungsvolle Nachwuchssängerin Sarina Cohn, die aufgrund eines Augenleidens im Laufe ihres kurzen Lebens vollständig erblindete. Ihr Chanson „Rien en apparence“ (Scheinbar nichts) erwies sich jedoch alles andere als ein Nichts und mußte sich nur – leider – den Zichorien geschlagen geben. Wer wissen will, was uns Belgien hätte Gutes tun können, klicke auf den Startknopf:

1 Kommentar:
In Albanien scheint mir, nach mehrmaliger Betrachtung, das richtige Lied gewonnen zu haben. Aurela hat Ausstrahlung und vor allem Stimme. Man wird sehen, ob "Englisch" das Lied nun verschandelt oder nicht.
Im Vorjahr zumindest konnte der Sprachentausch Juliana nichts anhaben.
Auch wenn das Auswahlverfahren in Belgien etwas fragwürdig war, so schlecht wie Du es beschreibst, war die Auswahl nun doch nicht.
Allein bei den DQs kommt mir die Galle hoch, man kann beim besten Willen keine Regelwidrigkeiten politischer Natur entdecken.
Witloof Bay waren meine Favoriten und ich bin superfroh, dass sie nach Düsseldorf fahren dürfen.
Egal, ob ihre Genialität dort erkannt wird oder nicht, über die Jahre werden sie sich zu ESC-Favourites entwickeln.
In Bulgarien habe ich mir andere Sieger gewünscht, aber Poli ist auch "in Ordnung", nicht zuletzt, weil das Lied großteils aus österreichischer Feder stammt ;-)
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