Dienstag, 31. März 2020

Lass Dich überraschen, Teil 3

Frankreich; Tom Leeb - The Best In Me

Uiuiuiuiui, das ist aber ein lecker Bürschchen. Und sehr tolle Kulisse im Video. Er steht oben auf der ersten (oder zweiten?) Plattform des nächtlich beleuchteten Eiffelturms, ganz ohne Netz und doppelten Boden und Sicherung. Hoffentlich hat er keine Höhenangst. Das wie seit einigen Jahren üblich zweisprachige Lied ist sehr schön, plätschert aber vor sich hin, und man wird durch die Optik von Sänger und Restvideo doch sehr davon abgelenkt. Das ist mal mindestens gar nicht mal so richtig positiv für das spätere Ergebnis.

Das wär sein Preis gewesen: Rechte Tabellenhälfte. Schnuckelpunkte hätte er schon kassiert, aber das langt üblicherweise nicht.
7 von 10 (davon mindestens 3 für die Optik. Kinder: 4 und 4 - die springen noch nicht auf die Optik an.)


Georgien: Tornike Kipiani - Take Me As I Am

Die Wundertüte des Kaukasus macht ihrem Namen mal wieder alle Ehre. Wir schwanken noch zwischen seltsam und befremdlich, aber es geht zumindest nicht da rein, da raus. Aber rätselhaft ist es. Ist das jetzt immer derselbe Typ im Video, nur einmal mit Haaren und Bart und einmal ohne? Meine Tochter: "Das sind zwei. Das andere ist ne Frau." Jedenfalls fragt er, why you want him to talk like an Englishman? Ja, warum bitte? Wo er es doch nun wirklich nicht kann? Immerhin, die Kassetten aus dem Video und der Spielzeug-VW-Käfer waren witzig.

Das wär sein (ihr?) Preis gewesen: Wenn schon Finale, dann extrem knapp, aber ich glaube eher, es hätte ihn geschrägt.

3/10 (Kinder 2 und 3)


Griechenland: Stefania - Superg!rl [sic!]

Wow, also DAS nenn ich mal ein gelungenes Video! Die Geschichte ist super erzählt. Stefania gibt uns hier das Supergirl mit übernatürlichen Fähigkeiten, das dadurch zum Star wider Willen wird und ihre Liebe findet. Das Lied ist in den Strophen leider etwas schwach auf der Brust, der Refrain und die nölige Geige (oder was auch immer das für ein Streichinstrument ist) reißen es aber raus. Die Geigeoderwasauchimmer gibt dem Ganzen denn auch einen hinreichend griechischen, eigenständigen Touch. Daumen hoch von uns!

Das wär ihr Preis gewesen: Mit einer ansprechenden Inszenierung, wovon man bei den Griechen ja eigentlich immer ausgehen kann, Top-10-Kandidatin.

7/10 (Kinder: 7 und 7)


United Kingkong: James Newman - My Last Breath

Ich habs GEWUSST! Irgendwann kommt der Moment, wo der Vorjahressieger kopiert wird. Voilà. Wir erinnern uns, dass Duncan Laurence weiland splitternackt im Wasser trieb, was ihm ja bekanntlich nicht geschadet hat. Da dachte man sich im Mutterland der Popmusik, machen wir das doch auch. Aber wir setzen noch einen drauf, wir nehmen gleich gefrorenes Wasser. Duncan hatte keine Zeit, da hat man ein etwas älteres Semester genommen und ihm sicherheitshalber Badeshorts und eine Käppi angezogen. Jetzt läuft er also halbnackt (!) und barfuß (!!) mit seinem Hund durch den Schnee (!!!). Ich hoffe, dass der nicht mit auf die Bühne gedurft hätte (also der Mann, nicht der Hund, der darf ja eh nicht). Das Lied? Uff, da muss ich meine grauen Zellen jetzt aber echt anstrengen. Joo, war besser als die letzten Jahre, aber das heißt ja nix. An den Sänger kann ich mich absolut nicht mehr erinnern. Konnte er singen? Hatte er Ausstrahlung? Mer waaß es net. WAS muss man Ed Sheeran eigentlich zahlen, damit er endlich beim ESC mitmacht?

Das wär sein Preis gewesen: Ohne den nackten Mann: Letzter im Finale. Mit dem nackten Mann: Allerletzter im Finale.

4/10 (weil mir der Song als nicht unangenehm in Erinnerung geblieben ist. Kinder: 3 und 4)


Irland: Lesley Roy - Story Of My Life

Das hier, das hat was. Im Video wird exzessive Celebration von Diversity betrieben, und dazwischen hüpft die fröhliche, frische Lesley Roy und singt uns die Story ihres Lebens vor. Das Lied ist genauso erfrischend wie seine Interpretin. Das Ganze erfindet das Rad nicht neu, aber es macht Spaß und ist mit Sicherheit einer der besseren irischen Beiträge der letzten Jahre. Da die Iren zuweilen bei der Inszenierung von guten Beiträgen auch ein entsprechendes Händchen haben, wäre sie wohl zweimal aufgetreten.

Das wäre ihr Preis gewesen: Wie gesagt: Zwei Auftritte. Im Semi vom Televoting gerettet, am Samstag dann um Platz 17.

8/10 (Kinder: 7,85 und 8 minus)

Samstag, 28. März 2020

Lass Dich überraschen, Teil 2

Bulgarien: VICTORIA - Tears Getting Sober

Die kleine Schwester von Victoria Beckham sitzt mitten in Phantasien auf einer Bank und singt von ihren Tränen, die wieder nüchtern werden sollen. So gesehen hat das ja gigantisches Identifikationspotenzial. Wir kennen das ja alle: Bei Kummer knallt man sich die Birne zu und dann aber Wasser marsch! Sie macht das auch ganz gut, süß ist sie auch, der Song ist auch schön. Es fehlt mir persönlich allerdings ein bisschen der Wumms. Führte bis zur Absage der Show bei den Bookies. So weit würde ich jetzt nicht gehen wollen.
Warum schreibt sie sich eigentlich in Großbuchstaben? Brüllt sie uns mit ihrem Namen an? Victoria, die Siegreiche?

Das wär ihr Preis gewesen: So außergewöhnlich, dass es auf jeden Fall ins Finale gekommen wäre und seine Stimmen auch gesammelt hätte. Als Sieger hätte ich es aber nicht gesehen. Vermutlich untere Final-Top-Ten.

7/10 (Kinder: 7 und 8)


Dänemark: Ben & Tan - Yes

Dänische Beiträge und ich, das ist ja immer so eine Sache. Wenn mir mal einer gefällt, was so ungefähr alle hundert Jahre vorkommt, gefällt er niemand anderem. In diesem Jahr ist es mal wieder soweit: Zwei Menschen, die optisch so gar nicht zusammenpassen wollen (ein Knabe im Karoanzug mit Braver-Buben-Frisur und suboptimal ausgeleuchteter Sehhilfe trifft eine hübsche Frau in Overknees und auch ansonsten knappen Klamotten singen einen schmissigen Song, der mich sofort abholt und mir auch nach dem Hören noch im Ohr ist. Das ist weit mehr, als man von den meisten anderen sagen kann. Daumen hoch!

Das wär ihr Preis gewesen: Das Finale hätten sie meiner Meinung nach bombensicher geknackt. Daselbst knapp Top 15.

8/10 (Kinder: 7 und 8)


Deutschland: Ben Dolic - Violent Thing

Es ist so bitter: Da hat der NDR sich endlich mal die Kritik zu Herzen genommen. Hat sich hingesetzt, gehirnt, eine Menge Geld in die Hand genommen und ein richtig gutes Paket geschnürt. Alles riskiert und eigentlich alles gewonnen. Aber dann kam die Absage der Show. Das hier ist der beste deutsche Beitrag seit "Taken by a Stranger" (ja, ich bin nach wie vor kein Fan von Herrn Schulte!) und hätte bei entsprechender Inszenierung in Rotterdam abgeräumt. Unglaublich schade. Ich hoffe, dass Ben Dolic darauf aufbauen kann. Ich bin zugegebenermaßen nicht unbedingt die Zielgruppe des Beitrags, auch ist mir die Stimme tendenziell zu hoch, aber Herrschaften: Das ist gut.

Das wär sein Preis gewesen: Top 10 im Finale auf jeden Fall möglich, eventuell sogar noch mehr.

7/10 (Kinder: 6 und 9)


Estland: Uku Suviste - What Love Is

Es ist immer ein schlechtes Zeichen, wenn einen irgendwelche Gimmicks vom Lied ablenken. In diesem Falle waren es die Kerzen auf dem Boden. Wie haben sie das gemacht? Wir mussten uns direkt den Anfang nochmal anschauen, um hinter den Trick zu kommen. Aber mehr als die Kerzen war ja eigentlich auch nicht drin. Uku ist jetzt nicht unbedingst der Welt größter Sympathieträger, er singt das ganz ordentlich, aber das ist nicht mehr als Füllstoff für sein Semi. Nun gut, für IRGENDWEN muss die Absage des ESC 2020 ja auch Vorteile haben.

Das wär sein Preis gewesen: Wie gesagt: Semi-Füllmaterial. Samstagabend vor dem Fernseher ist ja auch was Schönes.

6/10 (weil man es sich gut anhören kann und weil ich Kerzen mag - Kinder: 5 und 5)


Finnland: Aksel Kankaanranta - Looking Back

Wenn man sich mal überlegt, was für grandiose Beiträge dieses Land schon zum ESC geschickt hat (auch wenn die nicht immer honoriert wurden), da kann man im Moment nur noch das kalte Grausen kriegen. Aksel bedient die Nische des dicken Versicherungsvertreters, allein, man hat was vergessen: Wenn man so jemanden schickt, dann muss einen die Stimme komplett wegfegen, was sie in diesem Falle nicht tut. So ist es einfach nur langweilig. Dazu kommt, dass seine Klamotten gar nicht mal so richtig sitzen (Hochwasser-Hose und Capri-Ärmel vom Sakko). Ähm? Nein.

Das wär sein Preis gewesen: Auch er hätte wohl den Samstag vor der Glotze verbracht.

5/10 (Kinder: 4,5 und 4,45)

Donnerstag, 26. März 2020

Lass Dich überraschen, Teil 1

Albanien: Arilena Ara - Fall From The Sky

Sie singt davon, dass sie "destined to fly" ist, was bei dem Nachnamen ja kein Wunder ist. Wenn ich hintenrum heißen würde wie ein Papagei, würde ich auch fliegen wollen. Ansonsten liefert Albanien wieder mal seine Kernkompetenz: Schöne Frau kreischt sich mit einem sperrigen Song die Seele aus dem Leib - soviel zum Thema "Screaming inside". Die Dame is definitiv screaming outside. Guuut, es ist jetzt nicht soooo schleeeecht, man kann sichs anhören, aber es ziiiieht sich.
Lieber Eugent Bushpepa, hast Du eigentlich im Mai 2021 schon was vor?

Das wär ihr Preis gewesen: Knapper Finaleinzug, daselbst dann auf den hinteren Plätzen.
5/10 (Kinder: 5 und 5)


Armenien: Athena Manoukian - Chains On You

Ach, der Schatten der Eleni Foureira reicht weit, weit, weit. Viele versuchen es in diesem Schatten, so auch diese junge Dame hier, allein, sie kann es nicht. Sie hat weder die Ausstrahlung noch die (ohnehin schon dünne) Stimme der Foureira. Dat is doch nix. In grottigem Englisch wird hier über Diamanten salbadert (dabei trägt sie doch Perlen) und darüber, dass sie es an die Spitze bringen will.  Vom Rest des Textes hab ich nicht allzu viel verstanden. Liebsteken, an die Spitze hättest Du es damit vermutlich nicht gebracht. Der Song? Mach weg, nächster.

Das wär ihr Preis gewesen: Nach zweimal Semi-Aus (von denen mindestens anderthalb unverdient waren), hätte es in diesem Jahr die Inszenierung schon gerichtet. Mehr ist ja auch nicht dran.

2/10 (Kinder: 2 und  2)


Aserbaidschan: Samira Efendi - Cleopatra

Drei Minuten können so verdammt lang sein. Man versteht kein Wort, außer "and it sounds like this". Das, nach was es da soundet, hat uns erstmal aus den Schuhen gekippt. Die Dame ist mit einigen anderen Damen und Herren in der Wüste und umtanzt Autos. Vom Song hab ich außer "Lalalala lalalala lalalala, la Cleopatrrra" nichts mitgenommen. Mach das bitte auch weg. Wenn es schon Cleopatra beim ESC sein soll, dann sei an dieser Stelle auf den besten griechischen Beitrag aller Zeiten verwiesen.
Das wär ihr Preis gewesen: Herrgott, ja es ist Azedaze. Die Schmach eines erneuten Semi-Aus hätte die Inszenierung dann schon erfolgreich verhindert.

2/10 (Kinder: 3 und  3)


Australien: Montaigne - Don't Break Me

Ein grenzdebil rumzappelnder Clown, stimmlich ein Totalausfall, jault praktisch die ganze Zeit nur "Don't break me". Also mal abgesehen davon, dass ich Clowns leidenschaftlich hasse: Liebe Australier, Ihr habt doch nun wirklich eine geniale Musikszene. Was bitte sollte das? Wie kann man sich für sowas entscheiden? Waren die anderen alle noch schlechter, oder was war los? "I can't stand it any more." Ich auch nicht, Schätzchen, ich auch nicht.

Das wär ihr Preis gewesen: Der mit Abstand schwächste australische Beitrag hätte die Immer-Weiterkomm-Strähne krachend beendet.

3/10 (Kinder 2 und 2)


Belgien: Hooverphonic - Release Me

Hooverphonic! In dem Moment, wo klar war, dass die Belgien vertreten sollen, hab ich angefangen zu hyperventilieren. Das konnte doch nur gut werden. Okay, es ist nicht so ein Brett wie das legendäre "Sometimes", aber sehr, sehr schön. Sehr sanft, sehr melancholisch, das lassen wir uns alle gern gefallen.

Das wär ihr Preis gewesen: Entweder linke Hälfte im Finale oder Schock-Aus im Semi. Dazwischen gibt es nichts. Beiträge dieser Strickart fallen gern mal unter den Tisch, allein, da sei in diesem Falle die Bekanntheit der Künstler vor.

8/10 (Kinder 6 und 6)

Wir lassen uns das Lästern nicht verbie-ten!

Tja, Ihr lieben Menschen da draußen, Ihr habt es alle mitbekommen: Unser aller liebste, tollste, schönste, beste Fernsehsendung von draußen ist dieses Jahr gecancelt. Is nich. Gibt kein Eis. Ein Jahr ohne ESC, das erste Mal seit Bestehen desselben.

So sehr das schmerzt und so bitter das für alle Beteiligten ist, ist das aus jetziger Sicht sicher die richtige Entscheidung gewesen. Was es bringt, werden wir noch sehen. Einstweilen hoffe ich, dass es Euch da draußen allen gut geht und dass Ihr bisher vom Coronavirus verschont worden seid und das auch so bleibt. Bleibt bitte alle gesund, das ist im Moment das Wichtigste.

Wie es so meine Gewohnheit ist, hab ich mir das Anhören und Anschauen der Beiträge auch in diesem Jahr aufgespart, bis alles feststeht. Aus jetziger Sicht kann ich nur sagen: Eine selten dämliche Entscheidung. Ich mach es nächstes Jahr wieder so. Aber was soll man jetzt belästern, wenn es doch alles nur Makulatur ist? Ich glaub, ich lasse das und mache nächstes Jahr wei- äh, was?

Das geht aber gar nicht? Was wäre ein Eurovisionsjahr ohne unsere fachkundefreie Verurteilung? Das wär ja wie ein Melodiefergevaltigen ohne 4-Chord-Song, wie Alexander Rybak ohne Geige, wie Verka ohne Stern?

Jepp. Genau das haben meine Kinder auch gesagt, sie drängeln mich seit Tagen,  dass wir uns den Jahrgang jetzt endlich mal geben. Und wer wäre ich, mich den Wünschen meiner Kinder zu verschließen?

Also, gehn mer's an. Oder, um es mit den Worten eines einstmaligen niederländischen (!) Eurovisionsteilnehmers zu sagen: "Lass Dich überraschen!"

Sonntag, 16. Juni 2019

ESC-2019-Nachlese - Consis beste Sprüche

Constantin Zöller, wo warst Du bisher in meinem Leben? Oh mein Gott, ich werde hier gerade zum Fangirl. Hab entgegen meiner Gewohnheit doch mal in den youtube-Kanal von eurovision.de geschaut, und was ich da von dem coolen, supersexy seienden und sensationell witzigen Consi in Songchecks und Reaktionsvideos gesehen und gehört habe, hat mir in den letzten Tagen einen Lachflash nach dem anderen beschert.

Gestatten?

"Das ist wie so 'ne Kinder-CD, wo der Song runtergeklaut wurde. Als ob man Katzenbabys in Zuckerguss ertränken möchte." (Dänemark)

"Man kommt sich ein bisschen vor, als wäre man gerade in einem Bewerbungsgespräch bei der Sparkasse Osnabrück." (Dänemark)

"Die zwei Typen sehen aus, als wären sie gerade morgens um vier Uhr dreißig aus'm Swingerclub rausgekommen." (Norwegen)

"Die bewegen sich auf der Bühne wie die Bon-Jovi-Coverband in Erkenschwick." (Norwegen)

"Er fängt an zu jodeln, was sich anhört […] wie Herbert Grönemeyer, der sich gerade an einem Stück Blutwurst verschluckt." (Norwegen)

"Frisch von der Fummel-Playlist runter auf Platz Nummer 7: Slowenien." (er stellt seine Top Ten vor)

"Hallo Ingeborg, hey, Walter, grüß dich! So kommt der Joci vermutlich auch in Tel Aviv an, weil, er kennt ja vermutlich einfach schon alle." (Ungarn)

"Ich weiß auch gar nicht, was er singt. Er singt ja in seiner Muttersprache und kann uns irgendwas von Spülmaschinentabs erzählen, mir auch egal, ich glaub dem das." (Ungarn)

"Also, wenn der Italiener an der Ecke endlich seine Eros-Ramazotti-CD mal austauschen möchte: Wie wärs denn mit einem Album von Mahmood?" (Italien)

"Ladies and Gentlemen: Despaschwizo." (Schweiz)

"Also, meine schwulen Freunde haben jetzt schon Sabberfäden bis zum Boden." (Schweiz)

"Aber siehste mal, war DSDS doch noch für irgendwas gut!" (Schweiz)

"Mit diesem Song ist es so ein bisschen wie mit einem Feuerwerkskörper: Man zündet die Zündschnur an, es zischt, und es passiert: Nichts." (Österreich)

"Das in Dauerschleife - ich kann mir gut vorstellen, dass man in Polen seine politischen Gegner so foltern könnte." (Polen)

"Meine Damen und Herren: Victor's Secret." (Kroatien)

"Ich glaube, ich bin allein durchs Anschauen nochmal schwuler geworden." (Kroatien)

"Ich glaub dem das, dass der die auch sonst an hat. Ich seh den damit einkaufen gehen. Er greift nach 'ner Dose Thunfisch und räumt derweil vier andere Regale ab mit diesen Flügeln, aber er lebt es, verdammt, und darum geht es." (Kroatien)

"Wandertag im Kitkat-Club. Ist das nicht fantastisch?" (Island)

"Finale! Bitte! Schon alleine, dass sich Annegret Kramp-Karrenbauer an ihrem Eckes-Edelkirschlikör verschluckt, wenn die auf die Bühne kommen!" (Island)

"Irgendwo zwischen Comic-Heldin und Abi-Ball. Auch diese Stäbe an den Armen - wie praktisch, oder? Können die anderen Künstler direkt ihre Jacken dran aufhängen." (Serbien)

"Vielleicht ist es so ein bisschen der Gedanke, was man aus Fondue-Stäben alles machen kann." (Australien)

"Also, wenn die Veranstalter vom Kinder-Fußballturnier in Bietigheim-Bissingen noch einen Song für die Halbzeitpause brauchen: Wie wär's hiermit?" (Spanien)

"Vier Schnaps, vier Bier, danke, und dieser Song." (Spanien)

"Kann mir bitte irgendjemand den Kopf streicheln, während wir diesen Song hören?" (Griechenland)

"Also, das ist 1:1 der Titelsong einer Telenovela. Wahnsinn. Du kriegst auch in 30 Sekunden eine Bullshit-Bingo-Karte voll." (Moldawien)

"Also, prinzipiell lern ich Leute ja gern in Klamotten kennen." (Aserbaidschan)

"Der Typ ist ja auch ganz nett, aber ich krieg da halt emotional leider keinen hoch." (Estland)

"Also, das hat ja Unterhaltungswert und ist auch alles schön und gut, aber leider nur ironisch. Sorry, Meister Proper." (San Marino)

"Wenn große schmale Menschen tanzen, dann sieht das halt gerne mal so aus wie Olivia, die bei Popeye um Hilfe ruft." (Tschechien)

"Also, mit diesem Song ist es auch wie mit so 'nem Brennen beim Wasserlassen. Man ignoriert's erstmal und hofft, dass es von alleine weg geht. Aber es wird vermutlich nicht passieren." (Montenegro)

"Bei ihr frag ich mich: Ist sie hauptberuflich Pflegerin in 'nem Altenheim, oder was soll dieser Sitztanz da die ganze Zeit?" (Rumänien)

"So stell ich mir 'ne Ehe vor, ne? Am Anfang noch ganz nett, und dann verliert es sich in Wiederholungen." (Belgien)

"Selbst ein Backstein an einer Schnur würde sich auf einer Bühne mehr bewegen als Balkan-Leonardo-di-Caprio." (Litauen)

"Das ist so, wie wenn du richtig Heißhunger hast. Und dann kriegst du eine Hand voll Puffreis. Und danach geht es dir genau so wie davor." (Litauen)

"Ich finde, die könnten auch so'n tantrischen Massagesalon irgendwo haben - sehr sinnlich. Sie heißt Aloe Vera, er heißt Ayurveda." (Lettland)

"Man darf nicht nackt auf die Bühn… oooch, was mach ich das hier? Scheiß-Wettbewerb!" (Niederlande)


Was muss man machen, dass der mit schnellstmöglicher Wirkung die Nachfolge vom Urban antritt?

Samstag, 15. Juni 2019

ESC-2019-Nachlese - Nochmal Platz 25

Nein, es ist wirklich nicht leicht, in Zeiten wie diesen ein deutscher ESC-Fan zu sein. Das Desaster mit den Sisters war ebenso abseh- wie vermeidbar, worauf ich in diesem Posting noch ein bisschen näher eingehen möchte.

Zunächst die beiden Mädchen. Ich finde Laura und Carlotta nach wie vor nicht besonders sympathisch, sie tragen aber an der ganzen Misere am allerwenigsten Schuld. Wenigstens sind sie, soweit ich das gesehen habe, eher nicht dafür verantwortlich gemacht worden, der Shitstorm, der bereits nach der Vorentscheidung ausbrach, traf komplett den NDR, wo er auch hingehört.

Wenn dann nach Probenbeginn so gut wie alle internationalen Blogger Deutschland bretthart auf dem letzten Platz sehen, dann hat das nichts mit Böswilligkeit zu tun, sondern damit, dass das, was man da dem internationalen Zuschauer geboten hat, schlichtweg nicht gut oder auffällig genug ist. Ich bin mir sicher, dass "Sister" bei kaum jemandem wirklich auf dem letzten Platz rangierte. Aber das reicht nicht. Damit ich für einen Beitrag anrufe, muss er bei mir auf Platz 1 liegen. Nur dann nehme ich dafür Geld in die Hand. So sind die null Punkte im Televoting nur folgerichtig.

Aber woran liegt das? Und woran lag es, dass Michael Schulte im letzten Jahr ohne Probleme einen vorderen Platz erreichen konnte?

Ganz einfach: Am Gesamtpaket. Man kann den Schultemichel mögen oder nicht (meineeine mag ihn bekanntlich nach wie vor nicht), aber er hatte ein rundes Gesamtpaket. Da stand jemand auf der Bühne, der genau wusste, was er wollte, der SEIN Ding gemacht hat und sich nichts hat aufdrücken lassen. Gleiches gilt für alle Sieger seit mindestens mal Conchita. 

Und die Sisters? Kriegen einen Song aus dem Songwriting-Camp untergejubelt in der Hoffnung, dass sie das irgendwie hinkriegen. Kriegten sie auch, aufgrund bekannter Vorgänge. Aber international war damit nix zu holen.

Deshalb, lieber Thomas Schreiber und lieber NDR: Hört doch endlich auf, alles schönzureden. Steht doch einfach mal zum dem Mist, den Ihr gebaut habt. Das hier war ein hausgemachtes Versagen. Unterschwellig hörte man bereits im Vorhinein Kritik an Song und Verfahren (ja, auch von Peter Urban!). Es braucht kein neues Auswahlverfahren, sondern das bestehende muss einfach umgesetzt werden. Ohne Wildcard. Ohne Songs, die irgendwem aufgedrückt werden. Und MIT einer Vorauswahl der Genres, damit wieder Vielfalt einzieht im deutschen Vorentscheid! Der Weg dieses Jahr war schon gar nicht schlecht, wenn nicht die Startnummer 7 gewesen wäre. 

Und lieber Thomas Schreiber: Für den Supersong, den Sie da für 2020 noch in der Schublade haben, gibt es genau zwei Möglichkeiten. Entweder Sie geben ihn den Songschreibern, damit er von denen 2020 performt wird, immer unter der Voraussetzung, dass sich damit ein schlüssiges Gesamtbild ergibt - oder Sie geben ihn der Papiertonne. Ohne eine Einheit aus Song, Interpret und Performance hat das Ganze nämlich keine Chance!

Dass die Briten das gleiche Problem haben, ist übrigens kein Trost. Lest mal folgenden Brief von Roy D. Hacksaw: https://oneurope.co.uk/eurovision/an-open-letter-to-bbc-eurovision-2/
Da kann man eigentlich fast alles unterschreiben.

Also: Kein neues Konzept, sondern das bestehende einfach mal leben. Mut zur Vielfalt. Wie ich vor längerer Zeit schon mal schrob: Ich sehe mein Land lieber mit Grandezza untergehen als mit Langeweile. Aber wenn man diese Einheit schafft zwischen Song, Interpret und Performance, dann muss es überhaupt nicht zum Untergang kommen!


Freitag, 14. Juni 2019

ESC-2019-Nachlese - Platz 1

1. Niederlande - 498 Punkte

Televoting:  261 Punkte (Platz 2)
Jury: 237 Punkte (Platz 3)

Oh, was haben sie sich alle schon das Maul zerrissen. "Blasser Verlegenheitssieger", "schäbigen Gesamtsieg erschlichen", "nur Keiino sind die einzig wahren Sieger" und so weiter und so fort. Alles Bullshit! Erstens hat sich Duncan nichts "erschlichen", sondern seinen Song performt (und das herausragend gut) und dafür von Jurys und Televotern eine Bewertung kassiert, die zweitens den Regeln gemäß zum Sieg geführt hat. That's it. De Regels sind de Regels. Und wie ich finde: Hochverdient und auch nicht so wirklich unerwartet. Okay, er war vermutlich nicht nur aufgrund des Songs, sondern vielleicht zu einem klitzekleinen Winzteilchen auch aufgrund des Komplett-Blankziehens im Video fast durchgehend auf der Pole Position der Wettquoten - aber dieser Position musste er auch erstmal gerecht werden. Und das ist ihm gelungen. Er ist so sehr für seine Inszenierung kritisiert worden, aber im Grunde brachte er durch das Kauern (Sitzen kann man das nicht nennen) genau die Verletzlichkeit rüber, die dieser Song braucht (und die im übrigen auch durch seine Nacktheit im Video unterstrichen wurde). Dazu zweimal makellose Gesangsleistungen, bis auf Italien keine wirkliche Konkurrenz - fertig ist der Sieger.
Überdies ein sehr sympathischer, bodenständiger, aber auch selbstbewusster Typ, der den Sieg meiner Meinung nach unbedingst verdient hat (immerhin hab ich meine 20 SMSe an ihn verballert!). Van harte gefeliciteerd, Nederland! Ich freu mich auf die Sause nächstes Jahr bei Euch!

Sonntag, 9. Juni 2019

ESC-2019-Nachlese - Platz 2-6

2. Italien - 472 Punkte

Televoting:  253 Punkte (Platz 3)
Jury: 219 Punkte (Platz 4)

Ich sage es nochmal: Auch wenn viele "Soldi" als besten italienischen Beitrag aller Zeiten sehen, kommt er meiner Meinung nach nicht an "Occidentali's Karma" (das leider nicht gut gealtert ist) und vor allem nicht an "Non mi avete fatto niente" ran. Aber dennoch war das hier natürlich hochklassig und hat völlig verdient die Silbermedaille kassiert. Im Gegensatz zu ihren sonstigen Gewohnheiten brachten die Italiener dieses Mal Tänzer auf die Bühne. Mahmood war wütend, sehr wütend und hielt das auch bis zum Schluss durch. Bei der Danksagung brach dann die Freude über den gelungenen Auftritt aus ihm heraus. Ich mag weder seine Stimme noch seine Optik, aber das war schon großes Kino. Italien, Ihr seid jetzt so langsam mal fällig!


3. Russland - 370 Punkte

Televoting:  244 Punkte (Platz 4)
Jury: 126 Punkte (Platz 9)

Erwartungsgemäß fuhren die Russen mal wieder ganz große Geschütze auf: Spiegelwand, Hologramme, Duschkabine mit echtem Wasser. Passte trotzdem leider nicht zum Song, da war das Video viel stimmiger. Dass das nicht leicht werden würde, wenn man ein solches Kunstwerk auf die Bühne bringen will, war klar. Trotzdem, Sergey hat sich bestimmt mehr erhofft als schon wieder Platz 3, dieses Mal sogar mit wesentlich schlechteren Einzelergebnissen. Allerdings muss man auch sagen, dass er im Finale das Ende ziemlich versemmelt hat, warum auch immer. Dennoch: Man muss ihm huldigen. Nicht nur, weil es der am schwierigsten zu singende Song in diesem Jahr war, sondern weil er auch der einzige ist, der sich von Kirkorov bei den PKs nicht die Schau stehlen lässt.
Alles in allem hätte ich mir hier mehr gewünscht und hätte ihm auch den Sieg sehr gegönnt.


4. Schweiz - 364 Punkte

Televoting: 212 Punkte (Platz 5)
Jury: 152 Punkte (Platz 7)

Da muss erst ein DSDS-Sieger kommen, um für die Schweiz nach 26 Jahren mal wieder die Top 5 zu knacken! Und der erste Schweizer seit 33 Jahren! Céline Dion und Annie Cotton stammen ja bekanntlich aus Kanada. Herrlich, für diesen an Absurditäten nicht gerade armen Jahrgang ausnahmsweise mal eine schöne Absurdität. Und so verdient: Im Semi war Lucas Auftritt klar der beste, selbst wenn man mal ein paar scheppe Töne abzieht. Aber er sieht klasse aus, er strahlte, er tanzte großartig und regierte die Bühne. Irgendwo schrieb jemand, das hier sei Fuego 2019. Is was dran. Im Finale war dann auch der Gesang besser. Lieber Luca, Du kannst wirklich stolz auf Dich sein! Chapeau, Schwiiz!


5. Schweden - 334 Punkte

Televoting: 93 Punkte (Platz 9)
Jury: 241 Punkte (Platz 2)

Zwei von der ersten bis zur letzten Sekunde absolut perfekte Auftritte, wie nicht anders zu erwarten. Langweilig, könnte man meinen. Aber da war der Interpret davor. John ist superniedlich, charismatisch, singt toll und hatte bei beiden Auftritten von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß. Dazu kamen seine Mamas, genauso liebenswert und den wohl besten Chor des Jahrgangs bildend. Am Ende hat er mir ein bisschen leid getan. Als es um den Sieg zwischen ihm und Duncan ging, haben sie ihn ja ewig zappeln lassen, nur um dann das ganze mit den 93 Punkten quasi implodieren zu lassen. Das hat er nicht verdient. Ich bin trotzdem froh, dass er nicht gewonnen hat, dazu ist der Song dann doch zu sehr Nummer sicher. Der fünfte Platz geht vollauf in Ordnung.


6. Norwegen - 331 Punkte

Televoting:  291 Punkte (Platz 1)
Jury: 40 Punkte (Platz 18)

Was war nicht vorher alles über diesen Song geschrieben worden. Euro-Trash (stimmt, aber beim ESC will, darf und soll man sowas hören), das will man nicht (stimmt nicht), und dieser Joik, den will man erst recht nicht (stimmt erst recht nicht!) Dabei hat man eine Sache aber übersehen: Wenn man in einem Jahrgang, der zu 90 Prozent sehr dröge ist, einen Song hat, der von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß macht und dazu von drei supersympathischen, erkennbar nahbaren Interpreten gesungen wird, dann macht man nicht so irre viel falsch. Der Sieg im Televoting im Semi und im Finale war dennoch eine Überraschung, zumal ich den Finalauftritt nicht so wirklich berauschend fand und deshalb meine SMSe auch nicht für Norwegen auf die Reise geschickt habe, obwohl es mein Jahrgangsliebling ist. Umso schöner der Moment, als sie ihre Punktzahl gesagt bekommen haben. Apropos Punktzahl: Das nenn ich mal eine krasse Verwerfung!
He lo e loi la!

ESC-2019-Nachlese - Platz 7-11

7. Nordmazedonien - 305 Punkte

Televoting:  58 Punkte (Platz 12)
Jury: 247 Punkte (Platz 1)

So, so schade, dass man Tamara um ihren großen Moment gebracht hat. Das tut einem in der Seele weh. Da singt sie sich selbige aus dem Leib, schafft das beste Ergebnis für ihr Land überhaupt (und die erste Top Ten Platzierung), gewinnt das verdammte Juryvoting - und wird nicht gewürdigt dafür. Schande über Dich, EBU! Und Schande über Euch, Zweifler! Wie konntet Ihr ernsthaft glauben, dass das nicht ins Finale kommt? Wir wissen doch, dass sie singen kann, und wir wussten auch, was sie für eine grandiose, glaubwürdige (! Sieh her, NDR, so macht man das!) Botschaft hat. Gibt es eigentlich irgendwo eine Aufdröselung der Jurystimmen in Männlein und Weiblein? Ich möchte ja wetten, dass sie ihre Punkte hauptsächlich aus der Damenwelt (und der LGBT-Welt) kassiert hat


8. Aserbaidschan - 302 Punkte

Televoting:  100 Punkte (Platz 8)
Jury: 202 Punkte (Platz 5)

Meine Damen und Herren, hier ist er: Der Song, der mir 2019 auch nach dem zweiundelfzigsten Hören nicht im Ohr geblieben ist. Ist ja auch kein Wunder, denn das beste an diesem Beitrag ist der Body von Chingiz. Der weiß das auch. Boah, seh ich gut aus! Guck mal, seh ich nicht gut aus? Ich zeig dir auch gern meine Muckis, hier (bei der Finalistenverkündung)! Jetzt guck doch mal! Scheißegal, dass ich kein Wort Englisch kann und keinen blassen Dunst davon habe, was ich da eigentlich singe. Ich bin so schön, ich bin so toll, ich bin dein Jurowischen-Proll! Also, mir gibt der Typ GAR nix.
Die Inszenierung mit den Roboterarmen mag ja toll sein, aber ich finde sie gruselig. Da hat man mal wieder jede Menge Energie in die Inszenierung gesteckt und eine Operation am offenen Herzen simuliert. Ging natürlich schief, denn: Herz hat das hier keins. Seele auch nicht.


9. Australien - 284 Punkte

Televoting: 131 Punkte (Platz 7)
Jury: 153 Punkte (Platz 6)

Was! Für! Eine! Endsgeile! Inszenierung!!! Und dazu dann noch Kates makelloser Gesang (im Finale noch besser als im Semi), ihre gewinnende Ausstrahlung - das machte die Popera dann doch fast schon wieder vergessen. Das Genre ist nach wie vor nicht so meins, aber das hier war absolut grandios. Man hatte zwar gegen Ende immer ein bisschen Angst, ob die drei Grazien nicht doch irgendwann mal zusammenstoßen (einen Zusammenstoß mit Kates Krone stelle ich mir ziemlich schmerzhaft vor), aber mein lieber Herr Gesangverein, was war das klasse! Schade, dass es nur Platz 9 geworden ist, klar unterbewertet. Und das Mucki-Dschinghis vor ihr gelandet ist, ärgert mich kolossal!


10. Island - 232 Punkte

Televoting: 186 Punkte (Platz 6)
Jury: 46 Punkte (Platz 15)

Normalerweise, wenn ich einen Beitrag so richtig hasse, fällt es mir recht leicht, ihn zu schmähen. Mit meinen Tiraden gegen "Wars for nothing" und "You let me walk alone" lassen sich ganze Bücher füllen. Hier gelingt mir nicht mal das, weil das ganze einfach so unfassbar scheußlich ist, dass mir da die Worte fehlen. Dazu kommt, dass ich erstens Dystopien grundsätzlich nicht mag. Die meisten malen nur den Teufel an die Wand, ohne sich um Lösungen Gedanken zu machen. Das ist mir zu wenig. Zweitens nehme ich den Hataris ihre Botschaft auch nicht wirklich ab. Das ist alles so aufgesetzt und kommt mir persönlich vor wie Provozieren um des Provozierens willen. Dazu passt das Zeigen der Palästinenserflagge im Greenroom bei der Bekanntgabe der Televoting-Punkte auch ganz gut. Im letztmöglichen Moment, wo einem nix passieren kann, wie mutig. Ihr habt doch sicher die Palästinensergebiete besucht, oder? Habt Ihr nicht? Na sowas aber auch..
Wie man die Falsettgesänge von Klemens als "Engelsgesang" oder "Feengesang" bezeichnen kann, erschließt sich mir übrigens nicht. Und was ich höre, wenn Matthías seine Tiraden ins Mikro brüllt, bekommt Ihr dann demnächst (ja, man kann auch mit Hassbeiträgen phonetische Übersetzungen machen, wenn es sich gar zu sehr aufdrängt).
Ist das Kunst oder kann das weg? Ich finde nach wie vor: Kann weg.


11. Tschechien - 157 Punkte

Televoting:  7 Punkte (Platz 24)
Jury: 150 Punkte (Platz 8)

Dass es einem Beitrag im Televoting das Genick bricht, kommt öfter mal vor. Aber selten ist der Grund so klar zu benennen wie in diesem Fall. Ich sag nur: "Ladies and gentlemen watching Eurovision! We are Lake Malawi from the Czech Republic!" Warum, Albert, warum? Und dann auch noch in jedem verdammten Schnelldurchlauf ausgerechnet diese Stelle? Dabei wart Ihr vorher und nachher so, so gut. Die Inszenierung mit den drei leuchtenden Türrahmen war simpel, aber extrem effektiv, der Effekt mit dem Einblenden der Türen vor schwarzem Hintergrund kam supergut. Der Song ist auch toll, und Albert aka der Flummi in Gelb versprühte Leichtigkeit und Charme ohne Ende. So, so schade, das hätte zwingend die Top 10 knacken müssen!

ESC-2019-Nachlese - Platz 12-16

Uff, ich komm grad echt nicht hinterher … aber ich versuch mein Bestes. Weiter geht's mit dem Finale:


12. Dänemark - 120 Punkte

Televoting:  51 Punkte (Platz 15)
Jury: 69 Punkte (Platz 12)

Puh, Leonora, da hast Du aber Schwein gehabt. Ein Punkt vor Litauen, und den auch mit Fragezeichen. Meine Güte, war die verkrampft, im Semi noch weit mehr als im Finale. Irgendwie finde ich ihren starren Blick schon ein bisschen scary. Deshalb bin ich auch nicht sicher, ob das Lied wirklich so ihrs war. Das Lied erfordert Leichtigkeit, und davon besitzt Leonora leider nur sehr wenig. Dass es trotzdem gerade noch das Finale schaffte und dort bis auf Platz 12 segelte, hat meiner Meinung nach zwei Gründe: Die Inszenierung mit dem Stuhl und dem Wolkenhintergrund war genau richtig, und vor allem: Die Leichtigkeit war da! Nämlich in Form der beiden entzückenden Backings Sofie Niebuhr McQueen (die mit der Brille) und vor allem Andrea Heick Gadeberg (die mit dem rotblonden Pferdeschwanz - und ihr habt gedacht, Annett Louisan wär niedlich). Die haben alles rausgerissen. Mein Lieblingsmoment: Als die beiden männlichen Tänzer die Leiter erklommen hatten, begrüßte Andrea ihren Nebensitzer mit einem deutlich hörbaren "Hei!" und zog ihn in den Arm (vor allem beim Semiauftritt sehr gut zu sehen). Herrlich. Ich bin sicher, hätte Andrea den Song gesungen, wäre er locker in die Top 10 gekommen.


13. Zypern - 109 Punkte

Televoting:  32 Punkte (Platz 20)
Jury: 77 Punkte (Platz 11)

Ich habs versucht. Wirklich. Ich wollte hier über Tamtas Song, ihre Performance, ihre Gesangsleistung und so weiter schreiben. Allein, es gelingt mir nicht. Der Song ist meeh, stimmlich wars zumindest im Finale okay, tanzen kann sie sowieso, die Bühne rocken auch. Aber all das geriet zur Nebensache.
WAS BITTE hatte sie da AN? Kann mir das irgendwer schlüssig erklären?
Oder anders gefragt: Ist es so eine tolle Idee, vor dem Auftritt noch schnell im Rotlichtbezirk shoppen zu gehen? Gebt Euch aber keine Mühe, der Body, den man nach dem Entfernen der Jacke sieht, ist hautfarben gefüttert. Aber diese … äh … Beinbekleidung! Die Handschuhe! Und dann noch die halbnassen Haare, ungefönt! Und dann nur der zweite Platz beim Barbara Dex Award?
Diese andorranischen Schneider sind aber auch echt ein Pack!


14. Malta - 107 Punkte

Televoting: 20 Punkte (Platz 22)
Jury: 87 Punkte (Platz 10)

Uff, ich glaube, ich bin einfach zu alt für diesen Song und die ganze Performance. Es gibt mir nix, ich find das Outfit unmöglich, die Stimmfarbe und die Frisur im Semi sind auch nicht meins, und der Song sowieso nicht. Und ausgerechnet bei DIESEM Song hat sich am Tag des Semis rausgestellt, dass eine meiner längstjährigen Freundinnen mit Michela verwandt ist. Ich möge doch bitte für Malta anrufen. Nun ja. Michela machte das ja durchaus gut und hatte auch Spaß auf der Bühne, mir war das aber alles zu viel und zu bunt. Ich sag ja: Ich werde alt.


15. Slowenien - 105 Punkte

Televoting: 59 Punkte (Platz 11)
Jury: 46 Punkte (Platz 16)

Bei der EMA hat "Sebi" mich bekanntlich so gar nicht abgeholt. In Tel Aviv dagegen war es nicht mehr ganz so leblos wie dort, nur um Nuancen, aber die haben es ausgemacht. So konnte sich das Mystisch-Verträumte dieses Songs voll entfalten. Planet Zala-Gasper ganz allein in der Galaxie. Magisch. Das gegenseitige Befingere ist vermutlich nicht durchchoreographiert, kam den beiden aber trotzdem locker von der Hand. Denn: Sie sind seit drei Jahren zusammen. Den Berichten aus Tel Aviv zufolge haben sie jeden Moment, wo die Kamera aus war, mit Knutschen verbracht. Eine großartige Bereicherung des Starterfeldes, und in echt sind sie, wenn man die Sieger-PK nach dem ersten Semi als Maßstab nimmt, genauso verpeilt wie auf der Bühne. Klasse!


16. Frankreich - 105 Punkte

Televoting:  38 Punkte (Platz 18)
Jury: 67 Punkte (Platz 13) 

Wow. This man meant business, and it showed. Bilal brachte zwei Tänzerinnen mit, eine füllige, die trotzdem leicht wie eine Feder über die Bühne schwebte, und eine taubstumme. Das nenn ich mal mutig. Und es funktionierte blendend. Alles an diesen drei Minuten war einfach großartig, auch wenn Bilal in der zweiten Hälfte des Songs stellenweise etwas überambitioniert rüberkam. Aber trotzdem: Super. Hätte gern etwas besser bewertet werden dürfen, vor allem im Televoting. Ich hoffe, dass das seiner gesammelten Haterschaft jetzt trotzdem das Maul gestopft hat!

Donnerstag, 6. Juni 2019

ESC-2019-Nachlese - Platz 17-21

17. Albanien - 90 Punkte

Televoting:  47 Punkte (Platz 17)
Jury: 43 Punkte (Platz 17)

Habt Ihr mal auf Jonidas Kleid geschaut? Das sieht von vorne aus, als ob da zwei Giraffen links und rechts aus der Arche Noah gucken. Ihr Finaleinzug war für mich die größte Überraschung des zweiten Semi, denn dafür, dass sie ja ach so gut singen kann, lag sie teilweise ganz schön daneben, insbesondere in der zweiten Strophe und im zweiten Refrain. Aber gut, wir wollen nicht motzen, irgendwer musste ja auch im Finale auf die Startnummer 2. Dort war der Gesang etwas besser als im Finale. Mit ihrem Dank auf hebräisch hat sie jede Menge Punkte beim Hallenpublikum gesammelt. Der Beitrag bleibt in meinen Ohren dennoch hauptsächlich anstrengendes Geschrei.
Übrigens, Albanien, ich hab eine Challenge für Euch. Versucht doch mal, einen Beitrag OHNE rot, OHNE schwarz und OHNE Adler auf die Bühne zu bringen. Schafft Ihr das?


18. Serbien - 89 Punkte

Televoting:  54 Punkte (Platz 13)
Jury: 35 Punkte (Platz 19)

Nevena hat ja beim ESC schon mal was gewonnen. Okay, war nur der Barbara Dex Award, aber trotzdem. Dieses Mal machte sie so ziemlich alles richtig, die Robe mit dem hohen Beinschlitz sah klasse aus. Allein über ihr Schmuckauswahl sollte sie nochmal nachdenken, die war nämlich eher seltsam zu nennen. Aber Schmuck alleine macht noch keinen Barbara Dex Award. Nebenbei hat sie ihre tolle Balkanballade sehr kompetent und schnörkellos vorgetragen. Tolle Bühnenpräsenz, nix zu meckern - okay, der englische Teil hätte nicht sein müssen, aber sonst wars sehr gut. War allerdings im Finale zwischen zwei Top-Favoriten sehr unglücklich platziert, was auch erklärt, warum sie insgesamt leicht unter Wert geschlagen wurde. Und warum nur 35 Punkte von der Jury?


19. San Marino - 77 Punkte

Televoting: 65 Punkte (Platz 10 (!))
Jury: 12 Punkte (Platz 23)

Es passiert nicht oft, dass Beiträge honoriert werden, die sich so ungefähr allem verweigern, was man machen muss. Aber Serhat ist Kult. Das hier ist so dermaßen ungenierter Trash, dass man sich einfach mit Grausen abwenden muss - von wegen. Guilty Pleasure vom feinsten. Scheißegal, dass man ab einem gewissen Alter kein Weiß mehr tragen soll (und schon gar nicht kurze Hosen zu weißen Socken), scheißegal, dass die Backings im ersten Semi "Say Na Na Na" sangen, während Serhat simultan dazu das Lied ein paar Töne nach oben transponierte. This is trash at its best und höchstgradig unterhaltsam. Allein für die Semigewinner-PK hat es sich gelohnt, ihn weiterzulassen. Aber dass er dann tatsächlich die Televoting-Top-Ten entert..!
Say na na na!


20. Estland - 76 Punkte

Televoting: 48 Punkte (Platz 16)
Jury: 28 Punkte (Platz 20)

Die wohl größte Überraschung aller Weiterkommer, ohne jeden Zweifel. Und das noch nicht mal knapp, sondern richtig deutlich!
Ich hab drei Theorien, was es gewesen sein könnte:
1. Er sieht schnuckelig aus. Aber nicht mein Typ, außerdem war mir die Postkarte mit den leicht bekleideten Badenixen viel zu macho - dennoch, seine Erleichterung, es geschafft zu haben, hat ihn dann wieder sehr sympathisch gemacht.
2. Inmitten des Wahnsinns der zweiten Hälfte des ersten Semis dürstete es den Feldwaldwiesenzuschauer nach ein wenig Normalität
3. Der Trick mit der verschwindenden und wieder auftauchenden Gitarre hat die Leute beschäftigt. Ich frage mich immer noch, wie sie das gemacht haben (obwohl ich es weiß, aber man erkennt es absolut nicht, wenn man es nicht weiß). Kein Wunder, dass das in den Proben so viele Probleme gab, das ist ja auch echt ambitioniert. Obendrein lief dann im Finale noch eine Kamera durchs Bild, wo man keine sehen sollte.
Was es nicht war:
1. Der Song (oh oh oh, lasst das nicht meine Tochter hören, die reißt mir den Kopf ab, wenn sie das liest, sie findet "Storm" supertoll)
2. Die stimmliche Leistung. Im Finale besser als im Semi, aber immer noch nicht gut. Mit den Höhen des Songs war er eindeutig überfordert, das klang ziemlich angestrengt.
Bleibt nur noch eine Frage: Wo sind die Katzen?


21. Griechenland - 74 Punkte

Televoting:  24 Punkte (Platz 21)
Jury: 50 Punkte (Platz 14)

Das hier wirft bei mir eine Menge Fragen auf:
- Zwei Florette pro Nase, ist das nicht jeweils eins zu viel?
- Ohne Visier?
- Mein Bastelladen bietet Tüll mit extra schwer entflammbarer Ausrüstung an, heißt das, dass er ansonsten gut brennen würde?
- Wenn ja: Warum hat das noch niemand in seine Bühnenshow eingebaut?
- Warum hat man den Song so verschlimmbessert?
- Warum hat Katarine sich Strasstränchen unter die Augen geklebt?
- Warum hat sie im Semi mit angezogener Handbremse gesungen?
- Und im Finale stellenweise ziemlich schief?
- Warum hat sie ihren Gesangslehrer immer noch nicht öffentlichkeitswirksam verklagt? Wie wir seit der Semigewinner-Pressekonferenz wissen, ist ihre Stimme ganz normal und ihre Sangestechnik das Problem.
Leider alles in allem ein recht fragwürdiger Kunstgenuss.

ESC-2019-Nachlese - Platz 22-26

Schauen wir mal auf die Finalbeiträge!

Ich berücksichtige hier schon die korrigierte Wertung.

22. Spanien - 54 Punkte

Televoting:  53 Punkte (Platz 14)
Jury: 1 Punkt (Platz 25)

Ach Mensch, Spanien. Da habt Ihr einen Crowdpleaser vor dem Herrn, der in diesem doch eher drögen Jahrgang zumindest im Televoting eine sichere Bank hätte sein sollen. Einen niedlichen Sänger, der lustig durch die Gegend zappelt und seinen Song kompetent genug vorträgt, dass das Ganze Mörderspaß macht. Und dann das: Die Damen und Herren sind zu Anfang in einem Haus, dessen Existenz durch absolut nichts gerechtfertigt wird, und nach dem ersten Refrain wird der Blick wider Willen auf eine gigantische aufblasbare Puppe gelenkt, die da ebenfalls überhaupt nix zu suchen hat. Warum, Spanien, warum? Warum nicht einfach in der Gegend rumhopsen vor dem völlig ausreichenden regenbogenbunten Background? Ich bin sicher, dann hätte es mit der Top 20 auch geklappt.
Ach ja, und Miki: Wenn Du das nächste Mal nach der Performance dieser Nummer in Tränen ausbrichst, mach vorher das Mikrofon aus.


23. Israel - 35 Punkte

Televoting:  35 Punkte (Platz 19)
Jury: 0 Punkte (Platz 26)

Miki war übrigens nicht der Einzige, der nach seinem Auftritt geheult hat. Natürlich hat auch Kobi danach angefangen zu flennen, aber da war man ja bereits vorgewarnt. Im Greenroom-Interview im ersten Semi hat er das ja offen zugegeben und uns aufgefordert, beim Grand Final alle auf die Startnummer 14 zu schauen, wenn wir ihn weinen sehen wollen. Und er hat geliefert. In den drei Minuten davor hat er erwartungsgemäß alle Register gezogen, um seinen Tränenzieher an den Mann und an die Frau zu bringen und ebenso erwartungsgemäß dabei maßlos übertrieben. Wovon nur war dieser Mann so ergriffen? Leider konnten seine Backings da beim besten Willen nicht mithalten. Das und die komplett Over-the-Top-Performance werden wohl auch die Jurys zu ihrer Null bewogen haben - denn eigentlich ist das ja klassisches Juryfutter. Nun ja.


24. Weißrussland - 31 Punkte

Televoting: 13 Punkte (Platz 23)
Jury: 18 Punkte (Platz 22)

Von Rechts wegen sollte das hier eigentlich gar nicht besprochen werden, denn wenn alle Juroren in der Lage wären, ihre Punkte auch so abzugeben, wie sie das geplant haben, wären anstelle von Zena die Polinnen ins Finale gezogen. Ihr Rausschmiss wäre auch völlig zu Recht erfolgt, denn die Gesangsleistung im Semi war eher unterirdisch. Auch ihren Schneider (aus Andorra?) sollte sie schleunigst feuern. Immerhin kann die junge Dame sich bewegen. Und macht, dass ich mir unendlich alt vorkomme. Im Finale war der Gesang zwar besser, aber immer noch nicht gut. Also, wenn das meine Tocher wär, die dürfte das aber nicht, dat sarrich Euch!


25. Deutschland - 24 Punkte

Televoting: 0 Punkte (Platz 26)
Jury: 24 Punkte (Platz 21)

Ich widme dem deutschen Beitrag demnächst noch ein eigenes Posting. Das hat er sich redlich verdient.
Hier und jetzt im Moment nur so viel: Deutscher Eurovisionsfan zu sein macht ungefähr so viel Spaß wie Fan des VfB Stuttgart zu sein - die Parallelen sind mal wieder erschreckend. Immerhin, wenn wir Deutschland mit dem VfB Stuttgart vergleichen wollen, dann ist das nachfolgend genannte Land der HSV. Schlimmer geht immer. 


26. Großbritannien - 11 Punkte

Televoting:  3 Punkte (Platz 25)
Jury: 8 Punkte (Platz 24) 

Queen. Kate Bush. Annie Lennox. Amy Winehouse. Ed Sheeran. George Ezra. Joe Cocker. The Beatles. The Rolling Stones. Jethro Tull. Simple Minds. Simply Red. Mike Oldfield. Elton John. Phil Collins. James Blunt. David Bowie. Supertramp. Sophie Ellis-Bextor. Alan Parsons Project. Marillion. Dire Straits. The Beautiful South. Jamiroquai. Alison Moyet. Coldplay. Pink Floyd. Radiohead. ELO. Robbie Williams. Rod Stewart. The Who. Sting. Ellie Goulding. Eric Clapton. Fairground Attraction … (to be continued ad so ziemlich infinitum)
Wie verdammt nochmal könnt Ihr es WAGEN, angesichts dieser Fülle an großartigen Künstlern, die Euer Land hervorgebracht hat, Jahr für Jahr irgendeinen Ausschuss von der Resterampe zum ESC zu schicken und dann allen Ernstes Euer Versagen mit dem Brexit oder sonstigen politischen Fehlleistungen zu erklären?!
Um es mal ausnahmsweise mit William Lee Adams zu sagen: "If this is bigger than us, then we are very, very small."
Nuff said.

Mittwoch, 5. Juni 2019

ESC-2019-Nachlese - Eröffnungen und Pausenprogramm

Was soll man zu den Eröffnungssequenzen und dem Pausenprogramm sagen? Überwältigend ist hier glaub ich ein ganz gutes Wort.

Der Anfang des ersten Semis mit der kleinen Netta treibt mir bei jedem Anschauen immer noch zuverlässig das Wasser in die Augen, das war einfach ganz, ganz toll. Nicht minder toll war dann die große Netta, der man die Begeisterung für das Ganze in jeder Sekunde angemerkt hat. Die war so stolz und so happy darüber, dass sie den Contest nach Tel Aviv geholt hat. Fürwahr a beautiful creature.

Dana Internationals Auftritt mit der Kiss Cam war ebenfalls großartig. Man hat hier natürlich sehr viel auf die Kernzielgruppe zugeschnitten, aber auch das war sehr bewegend und hat mich sofort abgeholt. Man mag das alles etwas over the top finden, aber meine Güte, wir sind beim ESC! Wenn da nicht mehr mehr ist, wo denn bittschön dann? Liebste, Deinen Friseur verklagst du aber noch, ja?

Auch Shalva, der Pausenact im zweiten Semi, war ganz großes Kino. Herzerwärmend und völlig zu Recht als bester Auftritt des Abends gefeiert.

Das absolute Highlight der Semis waren für mich allerdings die Zusammenschnitte von Kutiman. Ganz, ganz großes Tennis. Die kann ich mir in Endloswiederholung anschauen und finde immer noch was Neues. Schade, dass sie nicht länger sind, das macht süchtig

Auf den Mentalist Lior Suchard hätte ich allerdings verzichten können. Immerhin war es nett, dass so einiges nicht mit den aufgerufenen Kandidaten abgesprochen war. Das Gesicht von Jurijus im zweiten Semi war absolut unbezahlbar, und Sarah, Paenda und Sergey hatten ordentlich Spaß an der Sache.

Im zweiten Semi sparte man ein bisschen Puste bei der Eröffnung und ließ lieber das erste nochmal Revue passieren. Kann man machen, muss man nicht, aber die Eröffnung des Finales entschädigte für so ungefähr alles. Das war mit Abstand die beste, warmherzigste, mitreißendste Eröffnung, die ich jemals gesehen habe. Ja, auch besser als Düsseldorf 2011, Malmö 2013, Kopenhagen 2014 und Wien 2015. Man weiß echt nicht, wo man anfangen soll mit Loben, deshalb bemühe ich mich auch gar nicht erst, sondern möchte einfach jedem diese unfassbar großartigen 11 Minuten ans Herz legen. Wird sehr schwer für die Niederlande, da nächstes Jahr ranzukommen.

Herausheben möchte ich generell die Hommagen an verdiente Größen des Landes, alle vier Sieger hatten ihren Platz in den Shows, genau wie Ilanit, Nadav Guedj und, die viel zu früh gestorbene Ofra
Haza. Absolut zum Niederknien.

Das Idan Reichel Project brachte im Finale ein bisschen israelische Ethno-Sounds in die Hütte, die aber aufgrund des Hypes um einen gewissen anderen Pausenact etwas untergingen. Schade, das hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Gleiches gilt für Nettas neuen Song, auch wenn ich den nicht so stark finde wie "Toy".

War noch was? Hab ich noch was vergessen? Ach ja. La Ciccone. Vielleicht der überflüssigste Auftritt der Eurovisionsgeschichte. Warum traut man denn seinen eigenen Produkten nicht, die ja nun weiß Gott zahllose Highlights boten? Aber nee, stattdessen ließ man sich von der Dame nach allen Regeln der Kunst am Gängelband herumführen: Geschlagene zwei Tage (!!!) vor der Show war der Vertrag unter Dach und Fach, bei den Proben von Madame mussten alle die Halle verlassen, das Greenroom-Interview mit Assi war schon sehr grenzwertig, und obendrein musste irgendein armes Schwein auch noch 1,15 Millionen dafür abdrücken. Und dann das: Madonna sang wie Maradona, die groß angekündigte Sensation erwies sich als kompletter Rohrkrepierer. Ich hoffe, dass diese Geschichte allen weiteren ESC-Ausrichtern eine Lehre sein wird. Diese Art von Pausenacts sind überflüssig wie ein Kropf und taugen vor allem für Pipipause, vor allem, wenn man in der Halle ist. Wann immer es Euch schlecht geht: Denkt daran, dass es jemanden gibt, der für diesen Auftritt 1,15 Millionen bezahlt hat - es wird Euch sofort besser gehen!

Alles andere ist mit so viel Liebe und Überlegung auf die Beine gestellt worden - hätte Madonna einen guten Auftritt hingelegt, wäre es komplett entwertet worden. So gesehen war es gut, dass das so in die Hose gegangen ist. Außerdem mag die Schreiberin dieser Zeilen Madonna sowieso nicht.

Und das schöne ist, dass da fünf Leute auf der Bühne waren, die ihr amtlich die Show gestohlen haben. Das Tauschkonzert von Conchita, Monz, Eleni,Verka und Gali Atari war ohne jede Frage der Höhepunkt des gesamten ESC-2019-Beiprogramms. Über die Outfits von Conchita und Eleni reden wir jetzt mal nicht, aber ansonsten war das superklasse. Und noch schöner: Diese Idee lutscht sich auch nicht aus, das kann man gerne in den nächsten Jahren noch öfter machen.

Alles in allem haben die Israelis das gesamte Drumherum unglaublich toll gemacht, das kann man gar nicht hoch genug loben.

Montag, 3. Juni 2019

ESC-2019-Nachlese - Die Ausscheider des 2. Semis

18. Irland - 16 Punkte

Televoting: 3 Punkte (Platz 17)
Jury: 13 Punkte (Platz 18)

Wollt Ihr wissen, wie man im Semi garantiert Letzter wird? Man nehme: Eine Stimme, die bei DSDS gerade noch so eben den Recall geschafft hat, danach aber rausgeflogen ist. Eine Blondine mit der Attitüde der durchschnittlichen GNTM-Teilnehmerin, der .. ahem... sympathischen Ausstrahlung einer x-beliebigen Bachelor-Kandidatin und der Bühnenpräsenz eines Wassereimers. Dazu noch ein dünnes Plätscherliedchen, einen kribbelbunten 50er-Jahre-Hintergrund und zwei ebenfalls blonde Milchshake-Schlürferei simulierende Schicksen an einem Tresen, auf den sich unsere Irland-sucht-Irelands-Next-Bachelorette dann auch mal räkeln darf - fertig ist der letzte Platz im Semi. Bitte, gerne.


17. Österreich - 21 Punkte

Televoting: 0 Punkte (Platz 18)
Jury: 21 Punkte (Platz 16)

Ich habe diesen Song ja inzwischen sehr ins Herz geschlossen, aber es war klar, dass es nicht einfach werden würde. In den Proben hat PAENDA regelmäßig Tränen vergossen, das wäre hier vielleicht auch nochmal hilfreich gewesen, um wenigstens nicht die Null im Televoting zu kassieren. Auch die Kameraführung war nicht immer optimal, und von ihrem unmöglichen Oberteil haben wir noch gar nicht gesprochen. Trotzdem schade, sie hat das doch sehr schwierige Lied gut gesungen. Aber das allein ist wohl zu wenig.


16. Armenien - 49 Punkte

Televoting: 23 Punkte (Platz 15)
Jury: 26 Punkte (Platz 15)

Ach du je. Ich hätte ja Stein und Bein schwören können, dass wir das im Finale wiedersehen, aber nicht nach diesem Auftritt. Srbuk hatte sich dann glücklicherweise doch gegen den Hosenanzug entschieden und die Overknees angezogen, aber warum hat sie oder wer auch immer sich gegen Tänzer entschieden? So wirkte sie etwas verloren auf der Bühne. Auch ihr Make-Up fand ich nicht besonders geglückt, bei hellem Licht sah das doch sehr ungesund aus. Dazu kam dann noch, dass sie stellenweise mit angezogener Handbremse zu singen schien und auch teilweise die Töne nicht traf. Da muss man sich nicht wundern, wenn es so deutlich nicht reicht.


15. Lettland - 50 Punkte

Televoting: 13 Punkte (Platz 16)
Jury: 37 Punkte (Platz 13)

Manche Beiträge gehören schon sehr augenfällig nicht auf die Eurovisionsbühne. Der diesjährige lettische Beitrag gehört unbedingt dazu, so sehr ich das Liedje auch mag. Aber sorry, das war nix. Wenn man von Anfang bis Ende so tut, als würde man in einer verrauchten Spelunke in Riga stehen und den letzten Gästen nach dem zweiundelfzigsten Whisky noch was vorsingen, dann hat das wenig mit dem zu tun, was man eigentlich in einem Eurovisionssemi erwartet. Sabine gab sich dann auch keine Mühe, in irgendeiner Weise so rüberzukommen, als wolle sie gern ins Finale. Das war alles viel zu lässig und zu - ja, was? Wohl einfach: ungeeignet. Trotzdem: Ein schöner Song.


14. Kroatien - 64 Punkte

Televoting: 38 Punkte (Platz 12)
Jury: 26 Punkte (Platz 14)

Zagreb-Süd, Mitte April. Roko: "Ich zieh die Dinger nicht an! Hab mich schon beim Vorentscheid genug blamiert!" Jacques: "Das ist jetzt mein letztes Wort. Zieh die Dinger an, oder du bleibst zuhause!" Roko: "Ich zieh sie aber nicht an!" Jacques: "Du ZIEHST die an, beliff mi." Roko: "Ich zieh die nicht an. Sieh doch zu, wie du sie an mich rankriegst. Sing den Scheiß doch selbst." Jacques: "Nee, so einen Scheiß sing ich nicht. Ich krieg die schon an dich dran, verlass dich drauf, mein Freund. Zur Strafe darfst du am Anfang erstmal dreißig Sekunden im Trockeneis liegen, und wenn ich auch nur EIN HÜSTERCHEN hör, dann ist was los, verstanden?" Rokos Papa: "Komm, Junge, sei lieb, tu, was der nette Onkel sagt, die Mama und ich wollen doch so gern mal nach Tel Aviv!"
Lieber Roko, ich weiß, Du bist noch jung, und da macht man oft, was die Großen einem sagen. Aber, und das ist jetzt ein Tipp fürs Leben: Du musst nicht ALLES mitmachen. Du hast so eine tolle Stimme, setz die doch bitte beim nächsten Mal für ein Lied ein, das weniger over the top ist und wo man Dir auch keine Engelsflügel umhängt. Dann klappts auch mit dem Finale.


13. Rumänien - 71 Punkte

Televoting: 24 Punkte (Platz 14)
Jury: 47 Punkte (Platz 10)

Vampires are alive, the legends have to surv… scusi. Ich hab mich gerade im Song vertan. Aber eigentlich weiß man doch, dass das mit Vampiren und der Eurovision nur so semi gut läuft,es sei denn, man heißt Cezar Ouatu - okay, nach Rumänien scheint sich das tatsächlich noch nicht rumgesprochen zu haben. Anyway, das war irgendwie alles nicht muh und nicht mäh. Ester wurde von ihrem Kerl verlassen (an einem Sonntag im April, oder so), und sitzt nun in schwarzer Gewandung auf dem Grund des Ozeans (oder was auch immer) und erzählt uns einen über ihren Liebeskummer. Die Pyros (unter Wasser?) rissen das ganze dann auch nicht raus. Tja, Rumänien. Ist wohl echt vorbei mit der Dauerqualifikation. Habt Ihr die Wiwis eigentlich inzwischen geteert und gefedert?


12. Moldawien - 85 Punkte

Televoting: 27 Punkte (Platz 13)
Jury: 58 Punkte (Platz 8)

Na, das war ja schon ganz schön dreist. Wenn wir schon sonst nix haben, zum Beispiel eine tolle Sängerin oder einen guten Song oder so, probieren wir es doch einfach mit was, was schon mal funktioniert hat. Hmmm, was könnten wir da nehmen? Sand? Nein, nehmen wir lieber Schnee, dann merkt keiner, dass wir das geklaut haben. Mal bei der Ksenija Simonova fragen, ob sie Zeit hat. Sie hat Zeit? Wie cool! Aber steckt das bloß nicht der Mika Newton! Die ist da nur gebremst begeistert! Und am besten zeichnen wir das direkt auf, was wir haben, haben wir. Hamwer denn noch Klamöttels für unsere Sängerin? Nee? Na, dann nehmen wir halt irgendein altes Brautkleit und schneiden was ab. Dazu noch ein bisschen aufdonnern, feddich is. Vielleicht reichts ja doch fürs Finale.
(Spoiler: Es hat nicht gereicht.)


11. Litauen - 93 Punkte

Televoting: 77 Punkte (Platz 8)
Jury: 16 Punkte (Platz 17)

Hei jei jei, da hat sich aber jemand gewaltig auf seine körperlichen Vorzüge verlassen. Als da wären: Blaue Augen, hübsches Gesicht, ein Lächeln, von dem ihm wohl mal irgendwann irgendwer gesagt haben muss, dass es umwerfend ist, definierte Oberarmmuckis im knappen T-Shirt. Das wird schon bei dem einen oder der anderen den Sabber zum Laufen gebracht haben. Bei mir nicht. Für mich ist der nix, und insgesamt war mir das auch zu statisch und zu halbherzig. Run wild? Run with the lions? Und wo waren dann die Lions? Da hätte ich ja dann schon mal ein bisschen Action im Background erwartet, aber nee - nix.



Die weiteren Platzierungen:
10. Dänemark - 94 Punkte (TV: 41 (11), J: 53 (9) )
9. Albanien - 96 Punkte  (TV: 58 (9), J: 38 (12) )
8. Malta - 157 Punkte  (TV: 50 (10), J: 107 (4) )
7. Norwegen - 210 Punkte  (TV: 170 (1), J: 40 (11) )
6. Russland - 217 Punkte  (TV: 124 (4), J: 93 (7) )
5. Aserbaidschan - 224 Punkte  (TV: 121 (5), J: 103 (5) )
4. Schweiz - 232 Punkte  (TV: 137 (3), J: 95 (6) )
3. Schweden - 238 Punkte  (TV: 88 (6), J: 150 (2) )
2. Nordmazedonien - 239 Punkte  (TV: 84 (7), J: 155 (1) )
1. Niederlande - 280 Punkte  (TV: 140 (2), J: 140 (3) )

Samstag, 1. Juni 2019

ESC-2019-Nachlese - Die Ausscheider des 1. Semis

So, dann kommen wir mal zu den Beiträgen. Wir sind ja schließlich nicht zum Vergnügen hier!

Da meine Blitznachlesen nach den Semis ja dann doch immer sehr kurz und knapp ausfallen, will ich es mir nicht nehmen lassen, mir die angetretenen Recken und Reckinnen noch mal ein bisschen ausführlicher zur Brust zu nehmen.

Fangen wir mal mit denen an, die es im ersten Semi geschrägt hat:

17. Finnland - 23 Punkte

Televoting: 14 Punkte (Platz 17)
Jury: 9 Punkte (Platz 16)

Tja. Es reicht halt nicht, sich nur auf einen großen Namen zu verlassen, man braucht auch einen Song. Darude klimperte nett im Hintergrund, und der arme Sebastian marschierte reichlich verloren über den Catwalk. Das einzige, was an diesem Beitrag ein wenig zu fesseln vermochte, war die grüne Tänzerin. Der Effekt mit dem Verschwinden von der Eisscholle und Auftauchen auf der Leinwand (und vice versa) war ja ganz nett, aber das allein reicht halt nicht, obwohl es das angesagte Thema "Rumtreiben im Wasser" trefflich aufgegriffen hat. Und so hehr auch der Anspruch des Liedes, war die Musi dann doch so ausgelutscht und die Performance so unterwältigend, dass es erwartungsgemäß nicht gereicht hat.


16. Montenegro - 46 Punkte

Televoting: 15 Punkte (Platz 16)
Jury: 31 Punkte (Platz 13)

Guck an, guck an. Da haben doch alle Stein und Bein geschworen, dass die Montenegriner Letzte in diesem Semi werden, und dann werden sie nur Vorletzte. Lag wahrscheinlich an der markerschütternden Textzeile "I got used to feelin' naked", womit wohl auf die Preview-Videos etwas erfolgreicherer Acts in diesem Bewerb angespielt wurde. Siehste, am Ende gibt dann doch alles einen Sinn. Keinen Sinn ergab hier die Bühnenshow, das war mehr so Nachwuchs des Gesangvereins Hintertupfingen-Süd, der aus Versehen in den Recall bei DSDS gekommen ist. Geil, ich bin im Fernsehen! He, Kameramann, guck mich an! Nein, nicht den Schmierlappen da mit dem komischen Seitenscheitel, MICH! Ich hab extra mein Hemd ganz weit auf! Und ich hab ne Timoschenko-Frisur! Heee, halloooo! ICH war noch gar nicht im Bild! Weg da! Guck mal, wir haben auch genau hingeschaut, wie andere das machen. Mit den Händen und so. Und mit dem Rumgewackel und so. Wenn die glorreichen Sechs sich und uns einen Gefallen tun wollen, treten sie bitte nie nie NIE wieder in dieser Kombination auf. Schade übrigens um den Song, der hat mir nämlich durchaus gefallen. Aber ich glaube, da bin ich so ungefähr die Einzige.


15. Portugal - 51 Punkte

Televoting: 43 Punkte (Platz 12)
Jury: 8 Punkte (Platz 17)

Liebe Portugiesen, wenn man einen solchen Hochrisikobeitrag hat, dann muss man die Reise konsequent zu Ende machen! Wo waren die weißen Outfits? Wo die Scherenhände? Wo die Mehrfachstürze? Wo die Löffel im Gesicht? Nein, dieser seltsame schwarze Plastikbart ist genauso wenig ein Ersatz wie die merkwürdigen grünen Stoffgewandungen, mit denen sogar halbnackte gut gebaute Tänzer Scheiße aussehen und die Euch letztlich auch den Barbara Dex Award eingebracht haben. And that is sayin' something, denn Ihr hattet wirklich harte Konkurrenz, aber dazu später mehr. Möglicherweise hat auch die Startreihenfolge eine Rolle gespielt, Ihr wart ja mittendrin im Wahnsinn dieser zweiten Hälfte des ersten Semis - zu dem Ihr allerdings auch nicht unwesentlich beigetragen habt. Also, zum Wahnsinn. Vielleicht waren die Zuschauer von den Isländern schon so abgestumpft, dass für Euch nichts mehr übrig blieb. Die Jurys waren es auf jeden Fall.


14. Georgien - 62 Punkte

Televoting: 33 Punkte (Platz 13)
Jury: 29 Punkte (Platz 14)

Uff. Eine Höllenfahrt wurde uns im Vorfeld angekündigt, aber trotz der Pyros und dem Hintergrund wurde es dann doch keine solche. Auch hier fehlte mir die letzte Konsequenz. Freunde, merkt Euch mal, bei der Eurovision gilt nicht: "weniger ist mehr", sondern "mehr ist mehr"! Das heißt, WENN man schon alle in die Hölle schicken will, dann muss ALLES stimmen, umso mehr, wenn ich einen dermaßen sperrigen Song habe. Da muss dann die Inszenierung so sein, dass den Leuten Hören und Sehen vergeht. Und die Töne sollten übrigens auch sitzen. Das ist hier alles leider nur zum Teil gelungen. Schade.


13. Belgien - 70 Punkte

Televoting: 20 Punkte (Platz 15)
Jury: 50 Punkte (Platz 12)

Das Erste, was mir weiland beim Begutachten des belgischen Beitrags durch den Kopf ging, war, ob Eliot das denn auch live stemmen könne. Nun kennen wir die Antwort. Auch sonst wurde so ungefähr alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Wer zur Hölle hat den armen Kerl denn in diese Klamotte geschossen? Wer ist für die Riesentrommeln verantwortlich, bekanntlich immer ein Signal dafür, dass man dem Ganzen ansonsten nix zutraut? Und wer war der Meinung, dass es reicht, einen guten Song (der Song in seiner Ansichichkeit gehört meiner Meinung nach immer noch zu den besten des Jahrgangs) und einen blutjungen, durchaus niedlichen Sangesversucher (Sänger?) zu haben, wenn sonst wirklich GAR NIX stimmt? Ach Belgien. Dabei wart Ihr so gut unterwegs in den letzten Jahren!


12. Ungarn - 97 Punkte

Televoting: 32 Punkte (Platz 14)
Jury: 65 Punkte (Platz 10)

Auch das ist ein unumstößliches Eurovisionsgesetz: Jedes, jedes, jedes Semi bringt mindestens einen Trauerfall hervor. Woran es gelegen hat? Ich habe keine Ahnung. Mir gefällt "Az en apam" um einiges besser als "Origo" (auch da bin ich vermutlich wieder die Einzige), und ich weiß auch nicht, was Joci hätte anders machen sollen. Für mich ein klarer Finalanwärter, aber Platz 14 im Televoting spricht leider eine überdeutliche Sprache. Warum nur, warum?


11. Polen - 120 Punkte

Televoting: 60 Punkte (Platz 8)
Jury: 60 Punkte (Platz 11 - wären bei korrekter Abgabe der tschechischen Jurywertung eigentlich im Finale gewesen)

Obwohl ich diesen Song eigentlich nicht leiden kann, fällt auch er in die Kategorie "Trauerfälle", denn auf diese Weise sollte niemand ausscheiden. Ich habe mich ja schon ausführlich darüber echauffiert, deshalb will ich hier von weiteren Tiraden absehen. Und die Mädels waren echt gut! Dieser Schreigesang ist ja so gar nicht meins, aber bei ihrem Auftritt haben sie es geschafft, dass es tatsächlich sehr harmonisch rüberkam. Der Song bleibt immer noch nicht meins, und über die Outfits schweigt der Chronistin Höflichkeit. Dennoch bleibt ein ganz übler Nachgeschmack.


Die weiteren Platzierungen:
10. Weißrussland - 122 Punkte (TV: 44 (11), J: 78 (6) wäre bei korrekter Abgabe der tschechischen Jurywertung nicht im Finale gewesen)
9. Zypern - 149 Punkte (TV: 54 (10), J: 94 (4) )
8. San Marino - 150 Punkte (TV: 124 (4), J: 26 (15) )
7. Serbien - 156 Punkte (TV: 65 (7), J: 91 (5) )
6. Slowenien - 167 Punkte (TV: 93 (5), J: 74 (7) )
5. Griechenland - 185 Punkte (TV: 54 (9), J: 131 (2) )
4. Estland - 198 Punkte (TV: 133 (3), J: 65 (9) )
3. Island - 221 Punkte (TV: 151 (1), J: 70 (8) )
2. Tschechien - 242 Punkte (TV: 85 (6), J: 157 (1) )
1. Australien - 261 Punkte (TV: 140 (2), J: 121 (3) )

Donnerstag, 23. Mai 2019

ESC-2019-Nachlese - Jurys sind ...?

Jeder ESC hat seine Skandale, das war in diesem Jahr nicht anders. Sei es das Zeigen von Palästina-Schals seitens der Isländer, sei es Madonnas übersichtliche Gesangsleistung (zu beiden Punkten in späteren Postings mehr), die ja tagelang durch alle Medien ging, sei es der Rückzug der Ukraine. Dennoch, der größte Skandal bleibt die Jurywertung, und zwar sowohl in den Semis als auch im Finale.

Sowohl im ersten als auch im zweiten Semi gab es jeweils eine Jurorin, die offensichtlich zu dämlich war, ihr Ranking in der richtigen Reihenfolge abzugeben, und es stattdessen in umgekehrter Reihenfolge abgegeben hat. Im ersten Semi hatte das gravierende Folgen, so zog statt der eigentlich qualifizierten Polinnen Weißrussland ins Finale ein.

Während des Juryfinales kam es beim norwegischen Beitrag mehrfach zu Bildstörungen. Die norwegische Delegation bat darum, den Auftritt wiederholen zu dürfen, was aber nicht erlaubt wurde. Da Norwegen aber sowohl im Finale als auch im zweiten Semi das Televoting gewann, konnte ihnen das nichts anhaben, ein Geschmäckle bleibt dennoch.*

Noch vor dem Finale plauderte der weißrussische Jury-Vorsitzende aus, wie er und seine Kollegen im ersten Semifinale abgestimmt hatten. Das ist aber nach den Statuten der EBU verboten, so dass die weißrussische Jury disqualifiziert und statt dessen für das Finale eine Ersatzwertung vorgenommen wurde. Das sah folgendermaßen aus: Die Wertungen der im gleichen Lostopf bei der Auslosung befindlichen Länder (Aserbaidschan, Armenien, Georgien und Russland, eigentlich wäre auch noch die Ukraine dabei gewesen, aber die hatte ja zurückgezogen) wurden addiert und gemittelt und daraus eine fiktive Wertung gezimmert. So weit, so gut.

Jetzt wird es jedoch pikant: Statt der ersten zehn dieser Wertung bekamen die letzten zehn am Finalabend die Punkte, und zwar in umgekehrter Reihenfolge! Das heißt, Platz 25 der Liste bekam die 12 Punkte, Platz 24 10 usw. Die weißrussische Wertung sorgte am Samstagabend schon für reichlich Befremdung, da die Spitze überhaupt nicht bedacht wurde und fast nur Länder auf der rechten Seite des Scoreboards Punkte erhielten. Insbesondere erhielt Mitfavorit Russland aus Weißrussland keinen einzigen Punkt. Spätestens da hätte die EBU stutzig werden müssen.

Wurde sie aber nicht. Jon Ola Sand verkündete am Samstag wie immer, dass man ein valid result habe.

Die Bubble aber lief heiß. Der portugiesiesche Eurovisionsfan Bruno, nicht faul und nicht dumm, machte sich daran, die tatsächliche Wertung mit dem zu vergleichen, was man aufgrund der Regularien eigentlich erwartet hatte. Und wurde am Sonntagabend auch fündig:

https://twitter.com/euro_bruno/status/1130171806512500738

Die Wiwis berichteten es als erstes, danach drehte es die Runde durch die gesamte Landschaft. Gestern Abend nun reagierte die EBU dann endlich und veröffentlichte ein korrigiertes Resultat, das im wesentlichen folgende Auswirkungen hatte:

- Nordmazedonien gewinnt die Jurywertung (so schade für Tamara, dass man sie um diesen großen Moment gebracht hat!) und wird Siebter, Aserbaidschan wird Achter

- Schweden wird Fünfter, Norwegen Sechster

- Israel wird Juryletzter mit null Punkten (Schwein gehabt, da haben sie wenigstens einen schönen Moment in der Halle gehabt)

- Malta und Zypern rutschen jeweils zwei Plätze nach oben, Slowenien und Frankreich je zwei nach unten

- Albanien und Serbien sowie San Marino und Estland sowie Weißrussland und Deutschland tauschen die Plätze. Die Erstgenannten rutschen jeweils um einen Platz nach oben. Deutschland ist somit Vorletzter.

Glücklicherweise ändert sich am Sieg von Duncan Laurence nichts, die Folgen wären echt heftig gewesen.

Sind sie aber auch so schon. Sowas darf beim besten Willen nicht passieren, und die Frage muss schon gestattet sein, was für Leute man da eigentlich in die Jurys lässt.

Aber auch das Juryvoting selbst stößt mir bitter auf. In vielen Fällen ließen sich die Punkte mal wieder exakt vorhersagen. Waren die Jurys nicht eigentlich wieder installiert worden, um dem Diasporavoting Einhalt zu gebieten und eine "objektive" Meinung zu liefern?

Natürlich kann man über Musik nicht vollkommen objektiv urteilen. Es macht ja auch einen großen Reiz des ESC aus, dass man hier Dinge vergleicht, die eigentlich nicht zu vergleichen sind. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Jurys ihren Aufgaben immer weniger gerecht werden. Als Jurymitglied bin ich dazu verpflichtet (oder sollte es zumindest sein), die Qualität und das Chartpotenzial eines Beitrags über meinen eigenen Geschmack zu stellen. Ja, auch das Chartpotenzial. Der ESC braucht Hits, um überleben zu können.

Das heißt, ich muss zum Beispiel das Potenzial in "Euphoria" sehen und entsprechend bewerten, auch wenn ich den Song selbst vielleicht gar nicht so mag. Ich muss sehen, dass "Era stupendo" (der Beitrag, der mir nach wie vor lieber ist als jeder andere) grottenschlecht auf die Bühne gebracht wurde und gesanglich auch ausbaufähig war, und dann darf ich das eben nicht auf Platz 1 meiner Liste setzen.

In der Vergangenheit ist das bedingt gelungen, so haben die Jurys beispielsweise "Madness of love" anno 2011 völlig verdient gewinnen lassen - ich weiß, die meisten ESC-Fans goutieren das nicht, aber musikalisch spielte das in einer ganz eigenen Liga, und sowas gehört honoriert. Sie haben das Chartpotenzial von "Heroes", "Calm after the storm", "Only Teardrops" und so weiter erkannt und bepunktet. Bei "If I were sorry" war es dann schon grenzwertig, und spätestens letztes Jahr ging es endgültig den Bach runter. Einen Beitrag wie "Non mi avete fatto niente" auf Rang 17 (in Worten: SIEBZEHN) zu setzen wird dem Auftrag der Jurys in keinster Weise gerecht.

Und wenn die Jurymitglieder nur nach eigenem Geschmack werten und obendrein zu doof sind, sich an die Regeln zu halten oder ihr Voting richtig abzugeben - wozu braucht man sie dann noch?

Es gibt also zwei Möglichkeiten:

Entweder werden die Jurys wieder abgeschafft. Ersatzlos gestrichen. Weg. Und damit wir dann nicht wieder die Verhältnisse der Jahre bis 2007 bekommen, wird das Televoting auf einen Anruf pro Anschluss begrenzt. Aus die Maus. Das wird wohl nicht passieren, da den Herrschaften bei der EBU das Geld aus dem Televoting lieb und teuer ist.

Zweite Möglichkeit: Man gibt den Juroren einen Katalog mit an die Hand, anhand dessen sie die Beiträge bewerten. Man könnte dort solche Punkte wie "Qualität der Komposition", "Qualität des Textes", "Anspruch", "Staging", "Stimmliche Leistung" und was weiß ich nicht noch alles abklopfen und auf einer Skala von 1-10 bewerten. Das zählt man dann zusammen und bekommt schlussendlich die Punkte. Und hier sollte auch jemand da sein, der den Juroren auf die Finger schaut und sich auch diese "Einzelnoten" vorlegen lässt!
Falls es das schon gibt: Warum hält sich dann keiner dran? Und warum macht man dann diese Skalierung nicht transparent? Gut, das wird zwei gewisse Kaukasusländer vor Probleme stellen, aber wisst Ihr was: Das ist, wie ich immer so schön sage, ein PAL. PAL? Problem anderer Leute.
Auf jeden Fall wäre so eine granulare Wertung mal einen Versuch wert. Beim Eiskunstlaufen haben sie es nach dem Wertungsskandal in Sotschi ja auch hinbekommen!

Egal, was kommt, so wie im Moment kann es nicht bleiben mit den Jurys. Oder wie seht Ihr das?

*In einer früheren Version dieses Beitrags habe ich geschrieben, dass die Bildstörungen im zweiten Semi waren. Sie waren aber im Finale. Ich bitte, diesen Fehler zu entschuldigen.

Dienstag, 21. Mai 2019

ESC-2019-Nachlese - Moderation, Bühne, Postkarten

Die Israelis haben ja schon anno 1999 bewiesen, dass sie einen ESC mit viel Liebe und Herzblut hosten können (1979 war noch vor meiner Zeit, deshalb kann ich dazu nix sagen), und dieses Jahr haben sie das wieder gemacht.

Vier Moderatoren waren möglicherweise einer oder zwei zu viel, aber alle vier führten mit viel Herzlichkeit und Sachkenntnis durch die Sendung. Gut, Assi war zuweilen ein wenig überdreht, Erez gab den ernsten Nachrichtenmann, dessen Gags nicht immer zündeten, und Lucy war zwar eine Augenweide, blieb aber blass. Die positive Überraschung bei der Moderation war für mich tatsächlich Bar Refaeli - schau her, Natalia Vodianova (aka se mohst bjutiful göhl in se wöhld, wie der Malakhov jetzt gesagt hätte), man kann Top-Model sein UND moderieren können! Das geht!

Ein besonderes Highlight waren die Postkarten. Ich hätte ja nicht gedacht, dass man die legendären 2014er noch toppen kann, aber es ging. Toll, wie man für jeden Act eine individuell passende Tanzmöglichkeit gefunden hat - und tanzen (bzw im Boot sitzen, aber dazu später mehr) konnten sie alle. Großartig!

Auch die Bühne fand ich richtig, richtig toll, genau wie die Begeisterung des Publikums.

Auch wenn nicht jeder Übergang saß und man die eine oder andere Panne dann doch mitbekommen hat: Das schmälerte das Vergnügen an der liebevollen Organisation in keiner Weise, und da haben wir über die Pausenacts noch gar nicht gesprochen.

Sehr gut gemacht, Israel!

ESC 2019 Nachlese - Vorabgeplänkel

Das war mal wieder eine Verlustigung erster Kajüte in diesem Jahr! Wo soll man da bloß anfangen mit der Nachlese?

Vielleicht mit dem Allerwichtigsten: Ich bin froh, dass nichts passiert ist. Dass alles friedlich über die Bühne ging, keine Leute auf der Bühne, die da nicht hingehörten, keine sonstigen Störungen. Nachdem ja nun kurz vor dem ESC die Gewalt in Israel wieder aufgeflammt ist, war das keine Selbstverständlichkeit. Daneben verblasst alles andere.

So konnten wir in den letzten zwei Wochen mal wieder fröhlichem Eskapismus frönen, auch wenn sich mein Mulm nicht so ganz verabschieden wollte. Jeder, der selbst mal in der Bubble war, weiß, was das heißt (also der Eskapismus, nicht der Mulm)!

Also dann: Rein in die Nachlese!

Sonntag, 19. Mai 2019

Tami sagt...

… herzlichen Glückwunsch, lieber Duncan! Hochverdient und mich sehr glücklich machend!

(im Laufe der nächsten Woche dann mehr zu allem - ich muss erstmal wieder runterkommen, ausruhen und so weiter. Ihr kennt das.)

Samstag, 18. Mai 2019

Sixtus sagt Prost!

Kurz vor dem Finale noch meine Einschätzung bezüglich des Ausganges der Wahl des Siegers des Eurovision Song Contest 2019.

So wird es kommen (oder anders)

1. Niederlande
2. Australien
3. Italien
3. Russland
4. Schweiz
5. Frankreich
6. Schweden
7. Aserbaidschan
8. Island
9. Nordmazedonien
10. Serbien

24. Deutschland
25. San Marino
26. Großbritannien

Ich wünsche allen ESC-Fans ganz viel Spaß!