Samstag, 19. März 2022

ESC 2022: Zweite Hälfte der ersten Hälfte des ersten Semis

Niederlande: S10 - De diepte

Auch die Niederlande seit 2010 zum ersten Mal wieder in Landessprache. Überhaupt, eine erfreuliche (wenn auch nicht unerwartete) Fülle an landessprachlichen Beiträgen. Der Kontrast zu 2010 ist allerdings krass, denn das hier geht heftig unter die Haut. Wenn ich den Text richtig verstehe, geht es um eine gescheiterte Beziehung, die die Sängerin nicht loslassen will. Den Schmerz transportiert das Lied vortrefflich, es war hier drei Minuten lang still. Und das Beste: Man kann hier bei der Bühnenshow nur wenig falsch machen, wenn man das Lied einfach wirken lässt. Das ist sehr, sehr gut!

Chancen aufs Finale? Was heißt da Chancen? Das ist ganz sicher drin.

Amsterdam 2023? Dark Horse.

9/10 (Kinder 9 und 8,5)



Schweiz: Marius Baer - Boys Do Cry

Nach drei grandiosen Jahren geht es für die Schweiz wieder ins Niemandsland. Zumindest fürchte ich das. Wir waren nach dem Hören des Songs allesamt erstmal eine Runde ratlos. Ja, das Lied ist schön und ist auch schön melancholisch, aber die Messlatte liegt nach den letzten beiden Jahren diesbezüglich extrem hoch. An Gjon kommt Marius weder optisch noch stimmlich annähernd ran, obwohl er ebenfalls eine schöne Stimmfarbe hat. Aber der Song ist leider ein bisschen langweilig.

Chancen aufs Finale? Das dürfte sehr eng werden.

Zürich 2023? Nein.

6/10 (Kinder 5,5 und 5,5)



Slowenien: LPS - Disko

Kommentar meiner Tochter: "Das fängt an wie das Intro zu einer Talkshow". Oh ja. Mit dem ganzen Song könnte man eine Samstagabendshow untermalen. Dabei gibt es eine ganze Menge Gutes: Das Lied ist in Landessprache, und es passiert auch jede Menge im Song. Von Langeweile kann also beim besten Willen keine Rede sein. Ob der doch schon sehr altmodische Sound bei der abstimmenden Masse so gut ankommt? Da bin ich mir nicht sicher ...

Chancen aufs Finale? Puh.

Ljubljana 2023? Nein.

6/10 (Kinder 6 und 5)



Ukraine: Kalush Orchestra - Stefania

(Anmerkung: Wir behandeln diesen Beitrag hier zunächst wie alle anderen. Es kommt nachher noch ein gesonderter Artikel dazu)

Wenn man sich  mal überlegt, dass das hier "nur" der Zweite der ukrainischen VE war (die Erstplatzierte hat zurückgezogen), dann kann man nur sagen: Respekt. Die haben echt immer Hochkaräter am Start. Auch in diesem Jahr. Der Beitrag ist wieder in Landessprache (auch die Ukraine ist diesbezüglich inzwischen auf den Geschmack gekommen) und verbindet Folk- mit Rapelementen. Die wollen es mal wieder wissen, und wenn ich mir überlege, wie die Ukraine üblicherweise ihre Beiträge auf die Bühne bringt, dann haben wir hier einen sehr ernsthaften Anwärter für die Krone. Das ist grandios!

Chancen aufs Finale? Die Frage ist doch wohl eher, ob sie das Semi gewinnen.

Kyiv 2023? Das ist ein ernsthafter Siegesanwärter, ja.

8/10 (Kinder 8-9 und 8-9)

ESC 2022: Erste Hälfte der ersten Hälfte des ersten Semis

Albanien: Ronela Hajati - Sekret

Albanien macht was, was es nachgewiesenermaßen richtig gut kann: Einen Song mit einer laut singenden Frau bringen, der beim ersten Mal supersperrig ist und sich danach mööööglicherweise richtig gut in die Gehörgänge fräst. Vielleicht aber auch nicht, das kann ich noch nicht sagen. Jedenfalls hätte man den Wechsel ins Englische lieber sein und den ganzen Song auf Albanisch lassen sollen. Man merkt eh keinen Unterschied. Das offizielle Video ist ziemlich irritierend ("das Beste ist die Burg"), man wird sehen, wie das Ganze dann auf der Bühne umgesetzt wird. Ronela means business, ich denke, sie wird eine sehr gute Bühnenpräsenz haben (ähnlich wie Anxhela letztes Jahr). Im Dunkeln möchte ich ihr trotzdem nicht begegnen.

Chancen aufs Finale? Wenn sie es nicht versemmeln, ja.

Tirana 2023? Dafür ist es zu sperrig.

5 /10 (Kinder 4 und 4)



Bulgarien: Intelligent Music Project - Intention

War das da SIMON PHILLIPS im Video?! Frau Fabian ist gerade mal eine Runde starstruck. Davon ab: Das fing genau wie was an, was ich supergern höre, allerdings kam es danach nicht so richtig aus dem Quark und entwickelte sich nicht. Ausnahme: Die Bridge, die fanden wir richtig gut. Aber alles in allem muss man sagen: Das wird leider nix. Schade. 

Kleine Randnotiz: Zwischenzeitlich schnellte Bulgarien mal für ein Stündchen auf Platz 3 der Quoten - weil irgendein frustrierter Fan auf dem offiziellen Twitterkanal des Senders das Gerücht kolportiert hatte, dass IMP durch Kristian Kostov ausgetauscht würde. Leider nur ein Gerücht. Hallo Sender aus Bulgarien, wir winken dann mal alle mit Zaunpfählen!

Chancen aufs Finale? Die Erfolgssträhne wird wohl enden. Leider. 

Sofia 2023? Nope.

7 /10 (Kinder 7 und 7)



Lettland: Citi Zēni - Eat Your Salad

Pollapönk meets Stefan Raab. So doof, dass es schon wieder gut ist. Die Letten stehen ja bekanntlich nach ein paar sehr erfolgreichen Jahren am Anfang im Grunde seit 2009 mit dem Rücken zur Wand. Bis auf die beiden Aminata-Jahre gelang kein Finaleinzug mehr, stattdessen sammelte man letzte Plätze im Semi. Also dachte man sich, was solls, hauen wir doch einfach auf den Putz, wenigstens Spaß gehabt dabei. Und Spaß machts. Selbst wenns ein Guilty Pleasure vor dem Herrn ist. Darauf ein Salatblatt!

Die Kinder hauen mir gerade jede Menge Herr-der-Ringe-Parodie-Zitate um die Ohren: "Ihich? Soll Salat essen? Scheiße, nein! Ich bin hier, um am Pool zu chillen, und dann .... Was machen eigentlich die Hobbits?"

Chancen aufs Finale? Wohl eher was für die Sammlung, siehe oben. Andererseits: Pollapönk hatte ich seinerzeit auch nicht auf dem Zettel.

Riga 2023: Jepp. Aber nur für die lettische Vorentscheidung. Sonz nich.

7 /10 (Kinder 7 und 6)



Litauen: Monika Liu - Sentimentai

Nach Aussage der Kinder könnte dieses Lied prima als Hintergrundmusik bei einem (Zitat) Mordkrimi laufen. Monika singt diesen sehr, sehr klassischen Eurovisionssong in litauischer Sprache sehr kompetent. Die Frisur ist gewöhnungsbedürftig, hat aber weiland Mireille Mathieu auch nicht geschadet. Nur die "huuuhs" und die Publikumsanimation sollte sie lassen. Meins ist es nicht, aber das ist typisches Juryfutter. 

Chancen aufs Finale? Die Jurys werdens richten. Bei den Televotern wird es eher keine Rolle spielen.

Vilnius 2023: Nein.

5/10 (Kinder 5 und 4-)



Moldawien: Zdob și Zdub & Frații Advahov - Trenulețul

Es kommt ja selten vor, dass ich einen nichtdeutschen Song vor dem ersten Hören hier schon kenne. Den hier hatte ich allerdings schon mal gehört. Der hat mich beim ersten Hören mitgerissen, und beim zweiten direkt nochmal. Zdob si Zdub are back, und nach dem unsäglichen "So lucky" vor elf Jahren geben sie uns dieses Mal die volle Folklore in der Bahn von Chisinau nach Bukarest, und wir lieben jede Sekunde davon! 24 rumänische Punkte sind damit schon mal sicher - im Finale wohlgemerkt. Den Rest wird die Bühnenpräsenz des immer durchgeknallter werdenden Roman Iagupov und die Erfahrung seiner Truppe richten. We like a lot!

Chancen aufs Finale? Aber sowas von!

Chisinau 2023? Das glaub ich nicht.

9/10 (Kinder 8-9 und 7)

Mir san am Start...

 ... Klunker vierazwanz Karat, unser Bier hat ans-zwa Grad ...

Jawoll, dieses Jahr sind wieder WIR am Start. Nachdem meine Kinder sich letztes Jahr bitter beschwert haben, dass ich sie nicht in die Songbesprechung mit reingezogen habe, dürfen / müssen sie dieses Jahr wieder mit ran. Daher werden wir das ganze auf die nächsten Tage strecken, mehr als neun Songs auf einmal schaffen wir in dieser Konstellation nicht am Tag. Aber das macht nix, so habt Ihr länger was davon. Bier haben wir keins, aber wir können das selbstverfreilich auch ohne.

Also denn, meine Damen und Herren, bringen Sie Ihren Sitz in eine aufrechte Position und befestigen Sie Ihren Sicherheitsgurt, denn jetzt geht! Es! LOOOOOOOOOOS!

Samstag, 5. März 2022

DVE 2022: Viele Tiefen und ein Höhepunkt

Im Moment sind die Zeiten bekanntlich sehr schwierig und düster. Und so durfte man sehr gespannt sein, wie man denn in solchen Zeiten eine deutsche Vorentscheidung zum ESC gestaltet. Das ist sicherlich keine einfache Aufgabe gewesen. Ist sie denn unter den Umständen gut gelöst worden? Schauen wir mal.

Positiv ist sicher, dass die Show von der Sendung "Solidarität mit der Ukraine" (Name aus dem Gedächtnis zitiert, ich hab sie nicht gesehen) umrahmt wurde. Man hat das Thema nicht totgeschwiegen (was weder möglich noch angemessen gewesen wäre), sondern versucht, es so gut wie möglich irgendwie in die Show zu integrieren. Auch die vielen vielen Solidaritätsgesten von Künstlern und Publikum (die Masken!) sind mir sehr positiv aufgefallen.

Das war es aber leider auch schon fast mit den guten Eindrücken. Moderation und der größte Teil des Rahmenprogramms vermochten mich leider so gar nicht zu überzeugen - nein, auch das ins Medley eingebettete "Ein bisschen Frieden" nicht. Und wenn Gitte Haenning schon als Überraschungsgast auftritt, täte man gut daran, sie nicht im Vorspann zu erwähnen.

Breiten wir über das Drumherum lieber den Mantel des Schweigens - wobei wir den nachher nochmal kurz lupfen werden. Aber bevor wir das tun, ein Blick auf die Beiträge.

Ich hab es ja in meinem vorvorletzten Posting schon geschrieben, dass ich die Auswahl der Beiträge milde gesagt problematisch finde. Durchhörbarer Radiopop, zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Das heißt, man hatte als Zuschauer wirklich nur die Wahl zwischen lauter Optionen, die eigentlich keine waren.

Schauen wir sie uns an:

1. Malik Harris - Rockstars

Malik ist sympathisch, hat Stimme, Ausstrahlung und Bühnenpräsenz. Die Musik seines Songs erinnert mich SEHR an "Teenage Life" von Daz Sampson (UK 2006), In der ersten Minute des Songs bediente er drei verschiedene Instrumente. Kann man machen, muss man nicht. Trotzdem war das so weit okay und hat dann schlussendlich auch gewonnen. Ein Sieger mit dem ich gut leben kann. Bis Turin kann man an der Bühnenshow noch feilen, auch wenn Malik sagt, dass er das gar nicht kann ohne die Instrumente. Da müssen sie ihn noch ein bisschen aus seiner Komfortzone rausholen. Blamieren werden wir uns mit diesem Paket in Turin nicht, auch wenn ich nicht glaube, dass es im derzeitigen Zustand eine Chance auf die Top 20 hat. Aber daran kann man ja noch arbeiten.

Auf jeden Fall mal: Herzlichen Glückwunsch, lieber Malik!


2. Mael & Jonas - I Swear to God

Jede Menge sympathisches Koblenzer Chaos und zu meiner gigantischen Überraschung die eindeutigen Sieger des Radiovotings, dazu später noch mehr. Leider ist der Song zumindest in musikalischer Hinsicht nach einer Minute auserzählt, und deshalb haben sich die drei Minuten auch ziemlich in die Länge gezogen. Aber die beiden sind sympathisch, hatten Spaß auf der Bühne und haben keinen unangenehmen Eindruck hinterlassen. Mehr kann man nicht wollen. Schade, dass sie nicht mit dem Bulli auf die Bühne fahren durften. Aber ich vermute, das wäre in Turin auch nicht gegangen. Den Hinweis, dass auch Thomas Anders aus Koblenz stammt, hätte sich Babsi übrigens besser gespart.


3. Eros Atomus - Alive

Einen Song mit dem Text "it's great to be alive" zu singen ist im Moment sicherlich auch nicht ganz unproblematisch. Zum Glück hat Eros sein Einspielfilmchen gerettet, wo er erklärt hat, was ihn zu dem Song inspiriert hat. Er wirkte auch sehr sympathisch auf der Bühne, allerdings hatte ich insbesondere im Refrain das Gefühl, dass er mit angezogener Handbremse singt. War das die Abmischung oder war das die Tatsache, dass er wirklich nur 75% gegeben hat? Junge, bei so einem Event muss man Vollgas geben! 100%! 120%! 150 %!


4. Emily Roberts - Soap

Wo soll man da anfangen? An ihrem Kleid scheiden sich die Geister, an ihrem Liedchen auch, die Inszenierung mit den Tänzern in den Seifenblasen war zwar gut gemeint, verpuffte aber vollends. Im ersten Refrain verlor sie auf der Suche nach den Tönen die Orientierung, und in der zweiten Strophe war der Text weg. Das hab ich auch seit Steffi Hinz 1986 nicht mehr erlebt. Das sind so Momente, wo es einem auch als Zuschauer die Sprache verschlägt. Das darf nicht passieren, vor allem darf man nicht so damit umgehen. Als Krönung thematisiert sie diesen Aussetzer auch noch im Gespräch mit Babsi nach ihrem Auftritt. Leute, das ist hier kein Nachwuchswettbewerb, sondern die Ernennung des deutschen Vertreters für die größte Musikshow der Welt!

Liebe Emily, falls Du das hier lesen solltest, mal ein paar Ratschläge von jemandem, der fast 20 Jahre länger Musik macht, als Du überhaupt auf der Welt bist: Egal was Du auf der Bühne machst, mach es mit Überzeugung! Wenn Du schief singst, muss es so klingen, als ob das so sein soll! Wenn Du den Text der zweiten Strophe vergisst, sing die erste! Und vor allem: Thematisiere Deine Aussetzer um Gottes Willen nicht auch noch!


5. Felicia Lu - Anxiety

Meine Favoritin im Vorfeld, und sie bekam auch meine Stimme im Onlinevoting. Ja, sie wollte das unbedingt und ja, sie hatte den interessantesten Song im Wettbewerb. Der war auch gut inszeniert, aber dennoch leider nur der Einäugige unter den Blinden. Auch bei Felicia hätte ich mir gesanglich viel mehr Wumms und eine weniger hohe Quote von nicht genau getroffenen Tönen gewünscht. Wir fanden es das beste Gesamtpaket, waren aber nicht 100% überzeugt. Dass sie trotzdem nur Vierte geworden ist und im Televoting gar nur Fünfte, ist schon echt arg. Ich hoffe, sie kommt nochmal wieder, dann aber mit einem Killersong!


6. Nico Suave und Team Liebe - Hallo Welt

"Hallo Welt", ja sind wir denn ein Computer? Jeder, der mal programmiert hat, kennt diesen Satz, aber aus ganz anderen Zusammenhängen. Dieser Song war indes nichts für Nerds. Eher für Leute, die sich mal richtig schön fremdschämen wollen. Warum dieser Song überhaupt im Aufgebot gelandet ist - man weiß es nicht. Auf Deutsch, 30 Sekunden zu lang, benutzte Markennamen, und der Text "Hallo Welt, wie geht's dir, warum so down, warum gibst du negativen Vibes nur so viel Raum" wurde zwei Tage später passend zur aktuellen Situation umgeschrieben. Letzter Startplatz, einziger deutschsprachiger Song, Text passend zum Krieg hingeschnitzt - die Befürchtungen waren gigantisch, dass das am Ende noch durchmarschiert. Der Auftritt war dann auch einer der besseren, leider, oder vielmehr, glücklicherweise hat man vom Rapteil kaum was verstanden. Letztendlich ist der Kelch den Votern sei Dank an uns vorübergegangen.


Apropos Voting: 50% der Punkte wurden im Vorfeld beim Online-Voting ermittelt, 50% beim Televoting in der Sendung. Und das Online-Voting sah so aus:

Mael & Jonas: 8 x 12 Punkte, 1 x 10 Punkte

Malik Harris: 7 x 10 Punkte, 1 x 8 Punkte, 1 x 12 Punkte

Felicia Lu: 8 x 8 Punkte, 1 x 10 Punkte

Nico Suave und Team Liebe: 9 x 7 Punkte

Eros Atomus: 8 x 6 Punkte, 1 x 5 Punkte

Emily Roberts: 8 x 5 Punkte, 1 x 6 Punkte

Irgendwie war man sich da schon sehr sehr SEHR einig. Was davon zu halten ist? Ich weiß es nicht. Angeblich wurde ja immer nur eine Stimme pro Nase gezählt, aber irgendwie ist das Ergebnis doch schon leicht fischig. Darüber wird sicher noch zu reden sein.

Das Televoting hat es dann nochmal etwas auf den Kopf gestellt. Die Anrufe wurden ebenfalls in Punkte umgerechnet, und zwar entsprechend der Anteile aus 432 Punkten (in Summe waren es am Ende durch die erfolgten Rundungen 433 Punkte, aber who cares). 

Das führte letztendlich zu folgendem Gesamtklassemang:

1. Malik Harris 208 Punkte (90 vom Online-Voting + 118 vom Televote)

2. Mael & Jonas 185 Punkte (106 + 79)

3. Nico Suave und Team Liebe 155 Punkte (63 + 94)

4. Felicia Lu 139 Punkte (74 + 65)

5. Eros Atomus 123 Punkte (53 + 70)

6. Emily Roberts 53 Punkte (46 + 7).


Alles in allem war das ein Abend, wo mich sehr vieles enttäuscht hat und kaum was begeistern konnte. Insbesondere von den Teilnehmern selbst habe ich keinen gesehen, der derzeit international mithalten könnte.

Aber einen Auftritt gab es dann doch noch, der für ein bleibendes Momentum gesorgt hat. Jamala, ESC-Siegerin von 2016, sang nochmal ihren Siegerbeitrag und gab danach auch noch ein kurzes Interview. Ehrlich, ich hab "1944" nie besonders gemocht, aber vorhin bei ihrem Auftritt hab ich geheult. Das war einer der intensivsten und bewegendsten Auftritte, die ich je gesehen habe. Durch den Krieg hat das Lied nochmal eine furchtbare Aktualität bekommen. Jamala selbst ist erst vor ein paar Tagen aus Kiew mit ihren Kindern zu ihrer Schwester nach Istanbul geflohen. Ihren Mann musste sie in der Ukraine zurücklassen. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass es in der Ukraine bald wieder friedlich ist und sie nach Hause zurückkehren kann.

Hoffen wir das beste. Vielleicht sieht die Welt im Mai ja schon wieder besser aus.

Freitag, 25. Februar 2022

Russland ist raus!

 Nun haben sie die Kurve doch noch bekommen bei der EBU. Vor etwa einer Stunde wurde folgendes Statement veröffentlicht:

"The EBU has announced that no Russian act will participate in this year’s Eurovision Song Contest. 

The Executive Board of the EBU made the decision following a recommendation earlier today by the Eurovision Song Contest's governing body, the Reference Group, based on the rules of the event and the values of the EBU. The Reference Group recommendation was also supported by the EBU’s Television Committee.

The decision reflects concern that, in light of the unprecedented crisis in Ukraine, the inclusion of a Russian entry in this year’s Contest would bring the competition into disrepute. 

Before making this decision the EBU took time to consult widely among its membership.

The EBU is an apolitical member organization of broadcasters committed to upholding the values of public service. 

We remain dedicated to protecting the values of a cultural competition which promotes international exchange and understanding, brings audiences together, celebrates diversity through music and unites Europe on one stage."

(Quelle: https://www.ebu.ch/news/2022/02/ebu-statement-on-russia-in-the-eurovision-song-contest-2022=

Eine ausführliche Übersetzung findet sich bei ESC kompakt. Der wesentliche Punkt des Statements ist aber, dass man sich Zeit für ausführliche Beratungen genommen hat und befürchtet, dass der ESC aufgrund der aktuellen Situation bei einer Teilnahme Russlands in Verruf gerät. 

Die Entscheidung wird auch von ARD und ZDF begrüßt (genaues Statement ebenfalls im oben verlinkten Artikel).

So leid es mir für potenzielle russische Künstler tut, es ist die einzig richtige Entscheidung. Falls sich die Situation wieder ändert, kann / sollte das alles wieder neu verhandelt werden. Einstweilen bleiben meine Gedanken bei den Menschen in der Ukraine. Ich hoffe inständig, dass man bald an den Verhandlungstisch zurückkehrt.

Unpolitisch politisch

 Ihr Lieben, ich möchte Euch in diesen traurigen Tagen gern einfach mal alle virtuell in den Arm nehmen. Mir war gestern so hundeelend, dass ich erstmal eine Nacht über alles schlafen wollte und vielleicht auch insgeheim gehofft habe, dass ich heute aufwache und alles nur ein böser Traum war. Meine Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine und auch bei denen in Russland, von denen viele, viele, viele überhaupt nicht wollen, was da passiert. Das ist nicht Russlands Krieg. Das ist Putins Krieg.

Die UEFA hat gerade das Champions-League-Endspiel von St. Petersburg nach Paris verlegt. 

Der internationale Ski-Verband FIS hat sein Snowcross-Weltcup-Rennen in Russland fürs Wochenende NICHT abgesagt. Soeben war die Quali - mit rein russischer Beteiligung. Alle anderen Verbände haben zurückgezogen.

Der EBU hat Russland trotz einer entsprechenden Bitte aus der Ukraine bisher noch nicht vom ESC ausgeschlossen. Der ESC sei ein nichtpolitisches kulturelles Event, man werde die Lage aber weiter genau beobachten. Glücklicherweise gab es schon die ersten Proteste dagegen (zB aus Schweden), weitere werden hoffentlich folgen. Der EBU könnte etwas Ähnliches blühen wie der FIS und sie kommt hoffentlich mit ihrer derzeitigen Haltung nicht durch! 

Ich hab es hier schon verschiedentlich geschrieben, und auch im Brief des ukrainischen Senders steht es zu lesen: Der ESC wurde nach dem zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen, um Europa in einem friedlichen Wettstreit zu vereinen. Ein Land, das in dieser Weise das Völkerrecht verletzt (und dann auch noch gegen ein anderes EBU-Mitglied), hat bei diesem Wettstreit nichts verloren. Der ESC war nie unpolitisch, auch wenn die EBU das immer so gern behauptet. Man kann nicht über Dinge singen, die einen bewegen, und dabei die Politik komplett außer acht lassen, und das passiert auch und gerade in den letzten Jahren immer weniger. Dass man nicht Tür und Tor aufmacht, damit jeder jeden munter diffamieren kann, ist eine begrüßenswerte Haltung. Aber mit dem Einmarsch Russlands in und den Angriffen auf die Ukraine wurde eine Grenze überschritten.

Hier muss die EBU eine klare Kante zeigen und den russischen Sender bis auf weiteres ausschließen. Damit ist dann auch eine Teilnahme am Eurovision Song Contest nicht möglich.

Es heißt bei der Punktevergabe nicht "...and 12 points go to Artist XY", sondern "12 points go to Russia". Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Egal, wie der teilnehmende Künstler zu dem steht, was die Regierung seines Landes da tut, er würde damit gemein gemacht. Da ist eigentlich so gut wie niemandem zuzumuten, der nicht gerade Kreml-Hardliner ist. Und einen solchen wollen wir in Turin auf der Bühne ohnehin nicht sehen, denn dann können wir davon ausgehen, dass der ESC für lustige Propaganda missbraucht wird und der Kreml sich mal wieder als Gewinner fühlt. Anderswo wird der Wettbewerb um einiges ernster genommen als bei uns, und ich bin mir sicher, man hätte im Kreml nichts dagegen, die EBU mal eine Runde am Gängelband durch die Arena zu führen. 

Natürlich ist es nur ein Song Contest, und außerhalb der Bubble interessiert das wahrscheinlich gerade kaum jemanden. Dennoch wäre ein Ausschluss Russlands ein Zeichen dafür, dass man sich zu den Werten bekennt, auf deren Basis der ESC einst ins Leben gerufen wurde. Ein Nichtausschluss würde wohl eher auf das Gegenteil hindeuten ...

Ich hoffe inständig, dass die Frage "kommt Russland zum ESC oder nicht" uns in der nächsten Zeit überhaupt noch interessiert und nicht von viel schlimmeren und drängenderen Dingen überlagert wird.

Sonntag, 13. Februar 2022

Und darum hack ich mein Radio klein

 Es gibt Länder, da ist es eine Wonne, ESC-Fan zu sein. Da hat man nicht die Wahl der Qual, sondern die Qual der Wahl. Da ist fast jeder Schuss ein Treffer, und selbst wenn es dann beim ESC nicht immer für Zählbares reicht, empört man sich ob dieser Tatsachen und nicht darüber, dass das ja eigentlich abzusehen war.

Und dann gibt es Länder, wo es nachhaltig den Charakter formt, ESC-Fan zu sein. 

Ich bin seit über 40 Jahren eingefleischter Fan dieser über alle Maßen wunderbaren Veranstaltung, und mein Charakter hat in den letzten Jahren einen Sixpack entwickelt, auf dem man Gemüse raspeln kann.

Seit drei Tagen tobt nun der Shitstorm gegen den NDR im Netz, ein Ende ist nicht abzusehen. Wir erinnern uns: Am Donnerstag gab der NDR die sechs Künstler und Songs bekannt, die am 4.3. die deutsche Vorentscheidung bestreiten dürfen. Nicht dabei: Die allgemein hoch favorisierte Metalcore-Band Eskimo Callboy, die zwei Songs im Rennen und ihre Bewerbung im Gegensatz zu den meisten anderen öffentlich gemacht hatte. Der NDR indes fuhr die Schiene, dass die auszuwählenden Songs auch im Radio gut anzukommen hätten. Böser Fehler, wissen wir doch alle, dass man radiotaugliche Songs auch mit "da rein, da raus" kategorisieren könnte. Mit anderen Worten: Die Songs der bedauernswerten Auswahlgewinner (dazu gleich mehr), sind zwar (fast) alle ganz nett, aber genau durch diese Durchhörbarkeit beim besten Willen nicht für den ESC geeignet. Nun, NDR-Programmdirektor Frank Beckmann hat ja schließlich auch die Devise ausgegeben (O-Ton): "Hauptsache nicht Erster." Werter Herr Beckmann, DARUM müssen Sie sich absolut keine Sorgen machen.

Sorgen und ihrer Wut Luft machen sich aber die Fans. Seit Donnerstag gibt es eine Petition, die eine Wildcard für Eskimo Callboy fordert und Stand jetzt gerade fast 80000 Unterschriften hat. Natürlich gibt der NDR dieser Petition zu diesem Zeitpunkt nicht nach. Die wunderbaren Blogger von ESC kompakt haben diesbezüglich nachgefragt und ein entsprechendes Statement vom NDR bekommen. 

Folgendes geht dabei in mir vor:

1. Im Statement heißt es am Ende: "Und nun lasst uns die sechs Künstlerinnen und Künstler, die in den Wettbewerb um das ESC-Ticket gehen, mit aller Kraft unterstützen!“ Ah ja, lieber NDR. Das hat ja in den letzten Jahren immer super geklappt. Die Leute waren mehr oder weniger auf verlorenem Posten (Michael Schulte mal ausgenommen, aber der hat seine Vorstellungen meines Wissens auch mehr oder weniger im Alleingang umgesetzt und dabei ein glückliches Händchen bewiesen), im Gegenteil, Ihr wart ja sogar froh, wenn die Künstler schon eine Idee für ein Konzept hatten und habt das dann 1:1 übernommen. Bloß keine Hilfe, das kann der diesbezüglich komplett unerfahrene Jendrik schon allein. Und wenn er sich nach seinem vorletzten Platz mit null Televoting-Punkten die Kante und in dem Zustand dann auch noch Interviews gibt, ist das natürlich vollkommen okay. Die deutsche ESC-Geschichte hat mit dieser Sache den Nadir noch längst nicht erreicht, schlimmer geht immer. Ich weiß nicht, ob ausgelotet werden soll, wie viel schlimmer, aber in der Haut der Vorentscheidungsteilnehmer und vor allem dann des Siegers möchte ich nicht stecken.

2. Der NDR kann natürlich machen, was er will. Er kann auch den Vorentscheid canceln und Barbara Schöneberger per Direktnominierung mit einer Maxi-Version von "Wer hat die schönsten Schäfchen" nach Turin schicken. Wir haben weder Anspruch auf einen Vorentscheid noch darauf, dass der nach unseren Wünschen durchgeführt wird. Wir haben aber das Recht, die Art und Weise, wie der NDR seit Jahren die deutsche Teilnahme an der größten Fernsehshow der Welt vor die Wand fährt, zum Kotzen zu finden, darunter zu leiden und unserem Frust und unserer Wut auch Ausdruck zu geben. Der NDR hat keinen Anspruch auf unsere Zustimmung für den Mist, den er da seit Jahren verzapft!

3. Die Wut richtet sich gegen den NDR, nicht gegen die sechs ausgewählten Künstler. Die tun mir persönlich wahnsinnig leid. Sie können bei der Sache nur verlieren. Ihre Lieder sind fast alle ganz okay, aber eben durch die Bank nicht ESC-tauglich, aber das ist nicht ihnen anzulasten, sie haben das getan, wozu sie aufgefordert wurden (wie übrigens seinerzeit auch Jendrik!). Die groß angekündigte Rotation im Radio besteht daraus, dass jeder Song sage und schreibe einmal in 24 Stunden gespielt wird. So generiert man Hits. Nicht. Ich drücke allen Sechsen die Daumen, dass sich daraus was Gutes entwickeln kann und sie vielleicht sogar ein gutes Staging und so weiter bekommen (vielleicht regnets auch eines Tages Buttermilch), aber ich bin sehr, sehr pessimistisch.

4. Ja, es gibt im Moment einige, die ihren Frust in nicht sehr wohlgesetzten Worten rauslassen. Der überwiegende Teil stürzt sich aber dabei auf die haarsträubenden Fehlentscheidungen des NDR (WER hat die Radiosender reingelassen? WER?). Diese Äußerungen als "Hatespeech" oder "Rumgemotze" zu geißeln, ist meiner Meinung nach unterirdisch. Viele (ich auch), sind seit vielen, vielen Jahren ESC-Fans, mit Herzblut und Engangement dabei, und wir leiden, wie gesagt, auch dieses Jahr mal wieder wie die Hunde. Wir lieben diese Veranstaltung und wir wollen, dass unser Land gut und würdig in derselben vertreten wird! Wenn das Jahr für Jahr mit Füßen getreten wird und uns statt der angekündigten Diversität mal wieder nur sechsmal seichter Radiopop serviert wird, der ja in der Vergangenheit auch schon soooo erfolgreich war, und zwar sowohl beim ESC als auch im Radio, dann sind wir frustriert und wütend und wir haben auch jedes Recht, das dann mal rauszulassen! Wer darf denn da wütend sein, wenn nicht wir Fans? 

5. Ich frage mich, was passieren würde, wenn die gesamte Truppe nach der VE den Kümmert machen würde. 

6. Wie gründet man eigentlich einen Fernsehsender?

Sonntag, 13. Juni 2021

ESC 2021 - Nachlese: Plätze 23-26

 Ich habe lange überlegt, wie ich die Nachlese in diesem Jahr aufziehen soll. Es fällt mir nicht ganz so leicht wie sonst, weil es so unendlich viele Geschichten gibt und weil man denen gar nicht wirklich Rechnung tragen kann, wenn man die Beiträge einzeln betrachtet. Ich versuch es trotzdem.

Die Überschrift dieser Geschichte hier lautet: Televoter sind Wichser.


26. Vereinigtes Königreich - 0 Punkte

Jury: 0 Punkte (Platz 26)
Televoting: 0 Punkte (Platz 23 geteilt)

Ich gestehe, mir geht es wie Graham Norton. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Der Song ist ein ordentliches Stück Britpop, von dem sehr sympathischen Knuddelbär James kompetent vorgetragen. Okay, der Beitrag war jetzt nicht so, dass man sagen konnte, alles hat gestimmt. Far from it. Das Outfit war suboptimal, die Riesentröten hätte es nicht gebraucht, und auch die Schnelldurchlaufstelle hätte man etwas sorgfältiger wählen können - das gilt übrigens für alle vier Televoting-Nuller. Aber, verdammich, das rechtfertigt nicht die völlige Punktefreiheit in diesem Falle, so heftig war das doch nun wirklich nicht! James hat ordentlich abgeliefert, da gibt es wenig zu meckern! Und wisst Ihr was: Ich hoffe, dass er aus dieser WC-Hygiene jetzt mindestens genauso viel macht wie weiland Jahn Teigen (bei dem ich die Null im Gegensatz zu James absolut verstehen konnte!)!

Eins noch: Könnte mir bitte irgendjemand in leicht verständlichen Worten erklären, warum James aus Polen keine Jurypunkte bekommen hat? Hier ist die Tabelle mit den aufgedröselten Jurypunkten. Der Durchschnittsrang für James ist klar besser als der für die Russin, die einen Punkt bekommen hat. Please explain.


25. Deutschland - 3 Punkte

Jury: 3 Punkte (Platz 25)
Televoting: 0 Punkte (Platz 23 geteilt).

I just feel sorry.

Hier war ich überrascht über die Jurypunkte, ich hab eigentlich fest mit einer brettharten Null gerechnet. Denn mal ehrlich: Das hier war Dorfverein in der Champions League. Eddie Edwards bei den Olympischen Spielen in Calgary. Hauptsache dabei gewesen. Nur: Bei Olympia mag das noch angehen, beim ESC nicht. Aber das ist eine andere Geschichte und soll in einem anderen Beitrag erzählt werden. Zum Auftritt nur dies: Man wusste aus den Proben, dass das eine enge Kiste wird. Es war nicht ganz so schlecht wie erwartet, aber läääängst nicht auf dem Niveau wie die Mitbewerber. Jendrik war bereits vor der ersten Strophe aus der Puste. Der Mittelfinger bzw die Dame darin (Sophia, glaub ich), wird sich einst fragen lassen müssen, welcher Teufel sie geritten hat, um sich freiwillig in dieses Ding schießen zu lassen. Und ja, da kann sie noch so oft den Arm ausstrecken, das war ein Mittelfinger! Immerhin bewies Jendrik, dass er Ukulelenweitwurf einwandfrei drauf hat. Ukulele. Ein Instrument, das ich nie wieder beim ESC sehen möchte, egal, ob mit Strass oder ohne. Aber wenn man ihnen das jetzt sagt, kommen sie nächstes Jahr alle mit Tenorhörnern um die Ecke. Lieber nicht. Der Background ging übrigens auch überhaupt nicht. Wer hat den zu verantworten? Ganz am Ende ein dickes "HATE", das zwar kaputtging, aber außer Stinkefinger und Beleidigungen nix gewesen. I don't feel hate. I just feel embarrassed.


24. Spanien - 6 Punkte

Jury: 6 Punkte (Platz 24)
Televoting: 0 Punkte (Platz 23 geteilt)

Uff. Bei Blas kann ich die Null im Televoting noch am ehesten nachvollziehen. Er war eigentlich derjenige, den ich auf dem letzten Platz erwartet habe. Hier stimmte leider so einiges nicht. Schlechteste Stelle im Schnelldurchlauf (wieder mal), Falsettgesänge, das Lied ist zwar schön, aber sehr langweilig, und wenn man nicht weiß, worum es geht (wovon ich bei 95% der Abstimmenden ausgehe), dann geht es links rein, rechts raus. Und wenn man weiß, worum es geht, wundert man sich, warum der Cantó ein Liebeslied für seine Oma singt, dass eigentlich eher einer Geliebten zu Gehör gebracht werden sollte. Anyway, DIESE Null kann ich einigermaßen unterschreiben. Riesige Monde als Props auf der Bühne gab es jetzt meiner Erinnerung nach zweimal: Bei Nathan Trent 2017 und hier bei Blas. In Summe haben die beiden null Punkte im Televoting kassiert. Wir lernen daraus: Keine Monde. Keine Ukulelen. Keine Riesentröten. Und, wie wir gleich sehen werden, keine Wörter, die ganz Europa zu Verhörern einladen.


23. Niederlande - 11 Punkte

Jury: 11 Punkte (Platz 23)
Televoting: 0 Punkte (Platz 23 geteilt)

Kommen wir nun zum letzten und meiner Meinung nach unglücklichsten der Televotingnuller. Auch hier natürlich wieder die Frage, woran es gelegen haben könnte. Bin noch unschlüssig. Der Song ist echt toll. Und es geht hier auch um etwas Größeres als eine Eurovisionsteilnahme. Der sanfte Revoluzzer hat denn auch ein paar Worte auf dem in Suriname gesprochenen Sranantongo in seinem Song gehabt. Leider ist das europäische Publikum zu blöd, sich die Worte "Yu no man broko mi" adäquat zu übersetzen und denkt dabei an was ganz Anderes. Leider half auch der Tänzer im roten Gewand nicht viel, und die Stelle im Schnelldurchlauf war auch falsch gewählt. Die choreographischen Mätzchen hatte der Song eigentlich nicht nötig, und vermutlich haben sie sich damit auch keinen Gefallen getan. Aber dennoch: Ein krass unverdientes Ergebnis für einen der besten Heimbeiträge der letzten Jahre!


Leider spricht die Statistik auch gegen unsere vier Jungs. Nix mit "immer knapp Elfter geworden" und so. Die Durchschnittsrankings beim Televoting sehen folgendermaßen aus:

Deutschland: 17,42; 33x in der TOP 20 (immerhin!)

Spanien: 22,95; fünfmal in der TOP 20

Niederlande: 23,21; viermal in der TOP 20

UK: 23,42; fünfmal in der TOP 20.

Bei einer anderen Zählweise hätte Jendrik noch am ehesten Punkte bekommen, aber bei den anderen war nichts drin. Insbesondere der arme Jeangu hatte keine Chance, sein bester (!) Rankingplatz war 18. Die Televoter wussten die Beiträge einfach so gar nicht zu schätzen.

Ich hab es schon gesagt, und ich sag es auch nochmal: Televoter sind Wichser. Okay, Jurys auch, aber Televoter in diesem Jahr eindeutig schlimmer. So eine Situation gab es noch nie. Wir haben hier gesessen und den Mund nicht mehr zugekriegt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals beim ESC so schockiert gewesen zu sein, zumal ich von den Nullen auch nur eine ansatzweise nachvollziehen kann. 

Was ich ganz, ganz schlimm fand: Jeder der vier wurde groß eingeblendet und musste gute Miene zum bösen Spiel machen. Zum Glück gab es das Publikum in der Halle, dass alle unterstützt hat, sei es durch Applaus bei James Newman oder Unmutkundtuung bei Jeangu Macroy. Und diese Unterstützung haben alle verdient! Unsere vier Jungs, insbesondere der bedauernswerte James Newman, haben gerade die größte Demütigung kassiert, die man in der Unterhaltungsbranche kriegen kann. Vermutlich wird außer Gabriela Guncikova, Nathan Trent und den Sisters niemand nachvollziehen können, wie sie sich damit fühlen, aber die wurden allesamt wenigstens nicht eingeblendet. Bei James, Jendrik, Blas und Jeangu dagegen hielt die Kamera drauf. Kein Wunder, dass die beiden Erstgenannten blau wie die Haubitzen waren, bei den anderen beiden konnte ich das nicht erkennen. Ich habe in allen vier Fällen größten Respekt davor, mit wie viel Würde und Grandezza sie das Ergebnis angenommen haben. 

Und an alle, die jetzt wieder sagen, man möchte doch bitte in so einer Situation angemessen niedergeschlagen sein: Was sollen sie denn machen? Losheulen? Nein! Aufrechtgehn (pun intended) und sich dem ganzen trotzig entgegenstemmen, egal wie heftig man in die Fresse bekommt! Und deshalb: Ihr vier seid toll! Und Televoter sind Wichser! So! 

James, Jendrik, Blas und Jeangu: Ihr seid alle tolle Jungs, und ich hoffe und wünsche Euch, dass Ihr das gut verpackt!

Donnerstag, 10. Juni 2021

ESC 2021: Zwei Gimmicks, um das Warten aufs Finale zu verkürzen

 Sodele, das waren die Semis! 

Da ich in den nächsten Tagen viel zu tun habe und noch nicht weiß, wie schnell ich zur Besprechung der Finalisten komme, hab ich hier noch zwei nette Sachen für Euch.

Das eine - nun, die Performance kennt Ihr ALLE. Aber guckt trotzdem mal rein, ich fand es sehr lustig. Here you go!

Und das zweite, noch interessanter, ist der Podcast von Thomas Mohr und Marcel Stober auf eurovision.de. Falls Ihr den noch nicht gehört habt, hört insbesondere mal in die Folge vom 29.5. rein. Dort haben sie nämlich Consi zu Gast und unterhalten sich mit ihm über seine Jurorentätigkeit, und endlich, endlich, endlich bekommen wir von ihm auch die zumindest von mir so schmerzlich vermissten Einschätzungen zu allen Finalisten!

Here you go!

ESC 2021 - Nachlese: Die Ausscheider des zweiten Semis

17. Lettland - 14 Punkte


Televoting: 10 Punkte (Platz 16)
Jury: 4 Punkte (Platz 16)

"Ist das ein Scheibenwischer?" kam es direkt am Anfang von der weniger wohlmeinenden meiner Töchter. Nun ja, der "Scheibenwischer" erwies sich dann im Laufe der nächsten Sekunden als das kleinste Problem, denn dann betrat Ihro Majestät die Königin der Nacht die Bühne. Samanta hatte sich vorher das Video vom ersten Semi 2019 reingezogen und besonders bei San Marino genau hingeschaut. "So mach ich das auch!", hat sie gedacht. Gedacht, getan. Sie stellte sich auf die Bühne, gab alles und versuchte, ihren Song in einer anderen Tonart zu singen als das Backing Tape vorgab. Bei Serhat hatte das ja auch geklappt! Krassimir Avramov dürfte nach dieser Performance den Champagner geköpft haben., sein Beitrag ist nicht mehr der härteste Carcrash der ESC-Geschichte. Das waren drei Minuten blanke Pein, die vom Publikum auch kaum beklatscht wurde und mit 14 Punkten noch gut bedient war. Eigentlich hätte das die erste Gesamtnull werden müssen. 


16. Georgien - 16 Punkte

Televoting: 15 Punkte (Platz 14)
Jury: 1 Punkt (Platz 17)

Och, das hat er schon nett gemacht, der Tornike. Aber das ist eben genau das Problem: Alles hier war nur nett. Und das vom schlimmsten Bad Boy des Jahrgangs, das muss man sich mal vorstellen. Er hat halt einfach nur keinen Bad-Boy-Song mitgebracht, sondern was Langsames, Leises, das man entweder von vornherein mag (so wie ich) oder bei dem man nie eine Chance entwickelt, es mehr als nett zu finden. Angerufen hätte ich für ihn dennoch nicht. Georgien, normalerweise habt Ihr ja immer die Reihenfolge "Ein Löffel für Georgien, ein Löffel für den ESC". Nach mehreren Löffeln für Georgien hintereinander wäre jetzt dann doch mal wieder der ESC dran. Oder hat irgendjemand ernsthaft damit gerechnet, dass das hier nur den Hauch einer Finalchance hatte? Eine Frage zum Schluss: An einer Stelle saß Tornike auf dem Hocker und bekam Schrift auf sich draufprojiziert. Sollte das so? Sah seltsam aus. Seltsam ist leider nicht gut genug.


15. Tschechien - 23 Punkte

Televoting: 0 Punkte (Platz 17)
Jury: 23 Punkte (Platz 13)

Benny ist ja wirklich ein Süßer, und in der Studioversion ist der Song gut anzuhören. Die Liveperformance war allerdings gar nichts. Ich kann meinen Finger nicht drauf legen, woran das eigentlich lag, er hat ja schon die Töne alle getroffen, aber mit Sparflammenstimme. Und dann natürlich diese scheußliche gelborange Lurexjacke (aus Andorra?)! Sowieso hatte der gute Benny ein Klamottenproblem. Oder war das so geplante Choreographie, dass Herr Cristo sich ständig und permanent die Hosenbeine hochgezogen hat? Kerl, wenn die Hose zu lang ist, dann schneid VOR DEM AUFTRITT die Beine ab! Oder zieh gleich Hotpants an! Das war noch schlimmer als die Hosenträger von Jahn Teigen, Gott hab ihn selig. And that is sayin' something. Speziell im Vergleich zu Lettland finde ich die Null im Televoting zwar hart, aber letztlich leider nachvollziehbar.


14. Polen - 35 Punkte

Televoting: 17 Punkte (Platz 12)
Jury: 18 Punkte (Platz 14)

Spaßeshalber habe ich gerade mal auf die Ergebnisseite von eurovision.tv geschaut. Polen ist im zweiten Semi erwartungsgemäß letzter in Griechenland geworden. Kein Wunder. Rafał zeigte fast die ganze Zeit über eine Geste, die vermutlich ganz Griechenland als Moutza interpretiert hat. Immer schön mit den ausgestreckten Handflächen direkt rein in die Kamera - wer bitte war der Meinung, dass das eine gute Idee ist? Sogar ich fand das unangenehm, und ich hab keinen Tropfen griechisches Blut in mir. Dazu war hier auch alles mäßig, was vorher schon mäßig war. Rafał, auch hier wieder als möchtegerncooler Oppa verkleidet, wird in diesem Leben kein Sympathievoting mehr gewinnen, der Song kann nix, die Tänzer haben mit ihren blöden Taschenlampen genervt (hatte Rafał deshalb die Sonnenbrille an?), mal gabs Pyros, mal gabs Trockeneis und das alles ohne Sinn und Zusammenhang. Und zur Krönung vergaß der Herr dann auch noch vor lauter Publikumsanimation (Du! Sollst! Das! Publikum! Nicht! Animieren!) das Singen. Nee, nee, nee, das war nix für meine Töchter ihre Mutter!


13. Estland - 58 Punkte

Televoting: 29 Punkte (Platz 12)
Jury: 29 Punkte (Platz 12)

Apropos Sympathiewettbewerb, Uku wird auch keinen mehr gewinnen. Er sieht aber besser aus als der Pole, vor allem diese kristallblauen Augen sind schon sehr schick, auch wenn er nicht mein Typ ist. Leider weiß er das auch, also, dass er gut aussieht, und feuert das aus jeder Pore. Hier auch wieder. Er machte das solide, aber mein Gott, Versicherungsvertreter sind auch solide. Und diese offene Fliege ummen Hals ist doch so 2014! Es war von Anfang an klar, dass das nix werden würde. Wurde ja auch nix. Kann ich bestens mit leben!


12. Österreich - 66 Punkte

Televoting: 13 Punkte (Platz 15)
Jury: 53 Punkte (Platz 11)

Nicht so richtig gut leben kann ich hingegen mit dem Ausscheiden von Vincent. Ich hätte es ihm sehr, sehr gegönnt, wenn er ins Finale gekommen wäre, und es gibt mindestens einen Finalisten, der das Weiterkommen weniger verdient gehabt hat als er, dazu später mehr. Aber ich müsste lügen, wenn ich schreibe, dass ich komplett überrascht war. Irgendwas hat gefehlt. Er sah super aus und hat großartig gesungen, aber an manchen Stellen insbesondere am Anfang hatte ich den Eindruck, dass er den Song nicht so richtig fühlt und dass er sich darauf konzentriert, alles richtig zu machen. Aber allein für den Schluss hätte er weiterkommen müssen! Da HAT er den Song gefühlt, und da kams auch entsprechend rüber. Echt schade.



11. Dänemark - 89 Punkte

Televoting: 80 Punkte (Platz 8)
Jury: 9 Punkte (Platz 15)

Der Trauerfall des zweiten Semis. Ja, ich gebs ja zu, ich hab es bei sämtlichen Tipps auch nicht im Finale gesehen - aber gewünscht hab ich mirs! Es ist eins der größten Guilty Pleasures der ESC-Geschichte, und man muss nicht in den 80ern aufgewachsen sein, um damit Mordsspaß zu haben. Die Performance war genauso überdreht und lustig und gelungen wie in der VE. Warum hätte man auch was ändern sollen? Das hat gepasst! Ihr hättet mal sehen sollen, was in den drei Minuten hier los war! Dass der Sessel, auf dem wir zu dritt gehockt, pardon, gewippt sind, nicht umgekippt ist, war alles! Drei Minuten Hardcore-Spaß, die ich genau wie die Televoter gern im Finale gehabt hätte. Allein: Jurys sind? Ihr wisst schon. Obwohl, kann man nach so langer Zeit auch mal wieder ausschreiben: Jurys sind Wichser! Das wird wohl leider das letzte Mal für die nächsten 24 Jahre gewesen sein, dass die Dänen sich in Landessprache in den ESC trauen. Menno!
PS: Bevor jemand fragt: Ja, ich hab es mir inzwischen schon ein paarmal in Endlosschleife gegeben. 



Die weiteren Platzierungen:
10. Albanien - 112 Punkte (TV: 38 (11), J: 74 (8) )
9. San Marino - 118 Punkte  (TV: 42 (10), J: 76 (7) )
8. Serbien - 124 Punkte  (TV: 68 (9), J: 56 (10) )
7. Moldau - 179 Punkte  (TV: 123 (4), J: 56 (9) )
6. Griechenland - 184 Punkte  (TV: 80 (7), J: 104 (5) )
5. Finnland - 234 Punkte  (TV: 150 (1), J: 84 (6) )
4. Portugal - 239 Punkte  (TV: 111 (5), J: 128 (4) )
3. Bulgarien - 250 Punkte  (TV: 101 (6), J: 149 (2) )
2. Island - 288 Punkte  (TV: 148 (2), J: 140 (3) )
1. Schweiz - 291 Punkte  (TV: 135 (3), J: 156 (1) )


Mittwoch, 9. Juni 2021

ESC 2021 - Nachlese: Die Ausscheider des ersten Semis

 Los geht's mit den Ausscheidern des ersten Semis:

16. Irland - 20 Punkte

Televoting: 4 Punkte (Platz 15)
Jury: 16 Punkte (Platz 15)

Ach, Lesley. Ach, Lesley! Da haben die einen wirklich tollen Song, einer meiner absoluten Lieblingssong in diesem Jahr, sowie eine sympathische Interpretin und ein wirklich niedliches Staging, das es so noch nie gab und das unter normalen Umständen hätte einschlagen können wie eine Bombe. Da hat man sich bei RTÉ wirklich Gedanken gemacht. Diese Papier-Miniaturwelt war wirklich allerliebst. Leider war Lesley mit der ganzen Sache hoffnungslos überfordert und vergeigte ihren Auftritt TOTAL. Das wirkte viel zu angestrengt und ich-probier-es-jetzt-mit-der-Brechstange-ig. Bereits vorher in den Proben hatte sie wohl schon erkennbar Probleme gehabt, ich habe aber bis zuletzt gehofft, dass sie es hinbekommt. Allein, wir wussten direkt, dass das nichts werden kann. Lesley hat es auch gemerkt, die fing schon beim letzten Ton an zu weinen, und zwar, wie ich vermute, nicht aus Überwältigung, sondern wohl tatsächlich aus Trauer um die vergeigte Performance. Ach, Lesley. Komm. Aufstehen, Krönchen richten!


15. Nordmazedonien - 23 Punkte

Televoting: 11 Punkte (Platz 13)
Jury: 12 Punkte (Platz 16)

Man musste ja allein schon aufgrund der Vorgeschichte mit den ganzen Anfeindungen Team Vasil sein, aber ich muss zugeben, so recht wollte mir das nicht gelingen. Dazu ist der Song einfach zu uneingängig. Ich glaube, den hätte ich nicht mal im Hirn, wenn ich ihn selbst einsingen würde. Aber er ist nicht nur nicht eingängig, sondern hat auch, Leben hin, lassen her, auf dieser Bühne beim besten Willen nichts zu suchen und wurde ja auch nicht honoriert. Der Effekt mit Vasil als lebender Discokugel war zwar nett, ist aber für den eingeweihten Mellofan bekanntlich keine Neuigkeit mehr. Immerhin, Vasil sang makellos, wenn auch mit deutlichem Hang zum Überperformen. Na ja, passt ja auch zum Song. Haldor Laegrid hat sich im Angesicht dieser Performance vermutlich vor Neid entleibt.


14. Australien - 28 Punkte

Televoting: 2 Punkte (Platz 16)
Jury: 26 Punkte (Platz 14)

Ich hab ja im letzten Posting davon geschrieben, dass es in diesem Jahr unglaublich viele Geschichten gab. Hier ist auch eine, wenn auch keine schöne. Ich bin ja nun weiß Gott kein Fan von Montaigne, aber bittschön: Das muss sowas von hart gewesen sein. Alle anderen sind in Rotterdam und machen Party, und sie durfte nicht, weil sie aus Coronarisikogründen in Australien geblieben ist. Es gibt ein Instagram-Video von ihr, wo sie darüber berichtet, wie es ihr damit geht: Überhaupt nicht gut. Nun gut, glücklicherweise gab es die Regelung, dass es im Falle eines coronären Ausfalls ein vorher aufgenommenes Backup-Tape eingespielt wird. Und nein, es lag nicht am Zeigen desselben, dass Australien es erstmals nicht ins Finale geschafft hat. Die Backup-Performance war bis auf zwei, drei überangestrengte Töne sehr gut, aber der Song ist halt einfach too much of everything, und Montaigne wirkt leider auf mich nach wie vor sehr anstrengend und nicht wie jemand, mit dessen Person und Werk ich mich in irgendeiner Weise auseinandersetzen will. Und nochmals die Frage: Trägt Frau ihr Achselhaar jetzt wirklich wieder lang?


13. Slowenien - 44 Punkte

Televoting: 8 Punkte (Platz 14)
Jury: 36 Punkte (Platz 13)

Keine Geschichte dagegen in diesem Falle. Wir haben auf der Habenseite eine attraktive Blondine mit einer wirklich tollen Stimme. Und das wars. Das reicht nicht, zumal mit Startnummer 2. Liebe Ana, ich möchte Dich wirklich nochmal gern auf der ESC-Bühne sehen, aber bitte bring dann auch einen Song mit, der nicht einfach nur tödlich langweilt. Bitte im Titel keine religiösen Bezüge, es gibt keinen ESC-Gott, (na ja, obwohl: Halleluja? Hard Rock Hallelujah? Molitva? Ach, egal!) und bitte keine, keine, keine Publikumsanimation. Es ist ein Fernsehcontest! Wenn Du das alles beherzigst, darfst Du gern nochmal wiederkommen. Sonz nich.



12. Rumänien - 85 Punkte

Televoting: 27 Punkte (Platz 12)
Jury: 58 Punkte (Platz 9)

Roxen, meine Süße, es gibt eine Sache, die Du wirklich ganz ganz GANZ dringend brauchst, und das ist ein ordentlicher Stylist. Ich weiß nicht, wer Dich immer so zurechtmacht, wie Du zurechtgemacht wirst, aber die Person solltest Du ganz dringend feuern! Dieses Mädel ist so unfassbar hübsch, aber sie / ihr Stylist / ein andorranischer Schneider tut alles dafür, um das zu verbergen. So gesehen war der hüfthohe Trockeneisnebel am Anfang des Auftritts durchaus eine gute Idee, so konnte man wenigstens das furchtbare Kleid nicht sehen. Der Hoodie aus den Proben wäre entschieden besser gewesen. Apropos: Die Probenberichte ließen Schlimmstes befürchten. Es war dann besser als befürchtet, aber noch lange nicht gut. Und habt Ihr mal den Gesichtsausdruck von dem etwas größeren Tänzer mit dem Bart und den langen Haaren gesehen? Dem will ich aber nicht allein im Dunkeln begegnen. Im Brotberuf ist der bestimmt Vampir. Is ja auch Rumänien. Anyway, schade um meinen persönliches Dark-Horse-Tipp, aber leider nicht unverdient ausgeschieden.



11. Kroatien - 110 Punkte

Televoting: 53 Punkte (Platz 9)
Jury: 57 Punkte (Platz 10)

Das eherne Eurovisionsgesetz, dass jedes Semi mindestens einen Trauerfall hervorbringt, is alive and well. Hier ist der für dieses Semi. Und es war so knapp! Nur fünf Punkte hinter dem direkt vor ihr startenden TIX, in beiden Rankings in der Top Ten, und dann hat es in der Summe doch nicht gereicht. So bitter. Dabei wäre das Weiterkommen absolut verdient gewesen, sie hat bis auf den hohen Ton am Ende der ersten Strophe toll gesungen, das war mitreißend und mit Sicherheit (zumindest im Refrain) einer der besseren Dancesongs in diesem Jahr. Allerdings gab es da etwas, was mich extrem abgelenkt hat, und je mehr ich draufgeguckt hab, desto mehr hat es mich abgelenkt. Liebe Kroaten, könnte es ganz eventuell sein, dass Ihr vor dem ESC irgendwo in den Pyrenäen shoppen wart? Just asking? Wer hat insbesondere die Tänzer in diese Klamotten geschossen? Dritte beim Barbara-Dex-Award hinter TIX und Roxen. Tja. Schade auch.



Die weiteren Platzierungen:
10. Norwegen - 115 Punkte (TV: 77 (8), J: 38 (12) )
9. Belgien - 117 Punkte  (TV: 47 (11), J: 70 (7) )
8. Aserbaidschan - 138 Punkte  (TV: 91 (6), J: 47 (11) )
7. Schweden - 142 Punkte  (TV: 51 (10), J: 91 (6) )
6. Zypern - 170 Punkte  (TV: 78 (7), J: 92 (5) )
5. Israel - 192 Punkte  (TV: 93 (5), J: 99 (4) )
4. Litauen - 203 Punkte  (TV: 137 (3), J: 66 (8) )
3. Russland - 225 Punkte  (TV: 108 (4), J: 117 (2) )
2. Ukraine - 267 Punkte  (TV: 164 (1), J: 103 (3) )
1. Malta - 325 Punkte  (TV: 151 (2), J: 174 (1) )


Dienstag, 8. Juni 2021

ESC 2021 - Nachlese: Ein bisschen Vorgeplänkel

Tja, Ihr lieben Menschen da draußen, jetzt ist der ESC 2021 schon wieder seit zweieinhalb Wochen Geschichte. Ich bin diesbezüglich immer noch ziemlich voll mit Eindrücken und Emotionen, aber so langsam wird es Zeit, das Ganze mal in Ruhe Püree rasieren zu lassen, wie unser Flaverl jetzt sagen würde. 

Hach, war DAS nicht toll? Endlich wieder einen ESC haben? Endlich wieder mitfiebern? Endlich wieder rein in die Blase und mal ein paar Tage (okay, in meinem Falle wohl eher ein paar Wochen) mal an GAR NIX denken außer an das eine? Die Veranstaltung in diesem Jahr war ja aus verschiedenen Gründen nicht so ganz unumstritten, einige Entscheidungen hätte man sicherlich anders treffen können und müssen, und so ganz wollte ein gewisser Mulm auch bis zum Schluss nicht weichen aber: War das toll oder war das toll?

Die Moderatoren haben mich allesamt überzeugt, die haben das großartig gemacht, Edsilia und Nikki noch ein bisschen mehr als Chantal und Jan. Ob es jetzt immer vier Moderatoren sein müssen, da kann man drüber streiten, aber sei es drum, sie waren alle klasse.

Und ansonsten: Eine tolle Bühne, trotz der Begleitumstände originelle und witzige Postkarten, ein supertolles, sehr ESC-betontes Pausenprogramm  ohne unnötigen Schnickschnack von außen, genau das Richtige für den in den letzten zwei Jahren komplett ausgehungerten Fan. 

Und Geschichten. Geschichten, Geschichten, Geschichten. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich dieses Jahr besonders intensiv in der Bubble rumgehangen habe, aber mir ist, als hätte es noch nie so viel über den ESC zu erzählen gegeben wie in diesem Jahr. Ich versuche, hier auch ein paar der Geschichten aufzugreifen, erhebe aber selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 

Bevor ich gleich mit den Ausscheidern des ersten Semis einsteige, möchte ich an dieser Stelle allen Bloggern und Kommentatoren von esckompakt ein aus tiefstem Herzen kommendes Danke aussprechen. Ihr wart in den vier Wochen vor und während dem ESC sowas wie mein Dreh- und Angelpunkt und der Garant dafür, im echten Leben den Kopf über Wasser zu behalten. Tausend, tausend Dank dafür!

And now: To business!

Sonntag, 23. Mai 2021

 Congratulazioni Italia!

Das war überfällig, Ihr hättet seit Eurer Rückkehr schon mindestens dreimal gewinnen müssen! Super!

Und nächstes Jahr haben wir dann Rock am Ring!

Freitag, 21. Mai 2021

Startnummernanalyse und Wettquotenstand

Meine Damen, meine Herren und meine diejenigen, die sich nicht festlegen wollen: Es gibt eine Startreihenfolge! Die gucken wir uns jetzt mal an und lassen Frau Anna Lühse sprechen. Dazu gibt es den aktuellen Wettquotenstand (21.05., 8:30 Uhr), damit wir hinterher wieder sagen können, dass die Bookies keine Ahnung haben, und, nur so aus Jux, den Wettquotenstand vor Probenbeginn (07.05., 10:35).

Alle Quoten sind von eurovisionworld.com, Die Reihenfolge bei Oddschecker.com weicht möglicherweise ein bisschen ab, weil beim einen oder anderen die Quoten so gleich sind, dass da nach unterschiedlichen Kriterien sortiert wird. Anyway: Es geht hier jeweils um die Siegerwette. Wenn jemand auf Platz 9 der Wettquoten liegt, heißt das nicht, dass er Neunter wird, sondern das acht andere Länder bessere Siegchancen haben. Einen Hinweis auf das spätere Abschneiden sollte man deshalb daraus nicht ableiten - kann man aber trotzdem. 

Ein Wort vorab: Ich bilde mir eigentlich ein, nach so vielen Jahren Fantum eine Startreihenfolge ziemlich gut lesen zu können, insbesondere, was den Sieger angeht, aber in diesem Jahr bin ich absolut ratlos.

Schauen wir trotzdem mal drauf.


1. Zypern

Das ist doch mal ein solider Opener. Neben Serbien und Griechenland eine der drei Optionen auf das Eröffnen der Show. Man muss ja immer mit einer flotten Nummer eröffnen, und die hier stimmt schon mal ein auf die zig ähnlich gelagerten Nummern  an diesem Abend. Liegt bei den Bookies derzeit auf Platz 11 mit absteigender Tendenz (vor Probenbeginn: Platz 9), ich denke, sie wird sich aber eher um Platz 15 rum einordnen.


2. Albanien

Schon wieder Albanien auf Platz 2? Warum? Hat man sich nicht getraut, einen der Big 5 da hinzupacken, weil man das ja eigentlich immer macht? Anxhela kann es egal sein, sie hat im Grunde nicht viel zu verlieren und wird das gut machen. Albanien wird ja grundsätzlich unterschätzt, und auch in diesem Falle mal wieder zu Unrecht. Liegt auf Platz 24, wird aber besser abschneiden (vor Probenbeginn: Platz 39) .


3. Israel

Diese Nummer hat Israel doch vor sechs Jahren schon mal ein ziemlich gutes Ergebnis beschert. Überhaupt, auffällig viele Startnummern, die in den letzten Jahren für das jeweilige Land schon mal vergeben wurden. Ich denke aber, dass es dieses Jahr eher ein Nachteil ist, denn vermutlich wird Israel von Belgien überstrahlt werden. Derzeit auf Platz 19 (vor Probenbeginn: Platz 17), und etwa da wird es sich auch einsortieren.


4. Belgien

... sofern man bei einem derart düsteren Beitrag von "überstrahlen" reden kann. Das wird zumindest für die Jurys der erste Höhepunkt werden. Für die Televoter leider eher nicht. War vermutlich ziemlich schwierig, diesen Beitrag adäquat unterzubringen. Liegt derzeit auf Platz 20 (vor Probenbeginn: Platz 19), dürfte aber aufgrund der Klasse und des Jury-Appeals einen Tick besser abschneiden.


5. Russland

Das mit dem schwer unterbringen gilt auch für Manizha. Fürs Televoting auf jeden Fall mal der erste richtige Kracher und ein großartiger Kontrast zu Belgien. Stand vor Probenbeginn und steht auch jetzt auf Platz 15, könnte aber etwas besser abschneiden und sogar an der Top Ten kratzen - wobei, die wird in diesem Jahr für den einen oder anderen echt schwer zu knacken sein.


6. Malta

Destiny stand ja vor Probenbeginn auf Platz 1, inzwischen ist sie auf Platz 3 abgerutscht. Wenn man der Startreihenfolge glauben darf, zu Recht. Sie dürfte sich inzwischen aus dem Kreis der engsten Siegesfavoriten verabschiedet haben, sonst hätte sie eine andere Nummer bekommen. Und ganz ehrlich: Sie ist die einzige von der derzeitigen Bookie-Top-6, mit deren Sieg ich nicht leben könnte. Wird natürlich trotzdem super abschneiden, aber eben nicht gewinnen.


7. Portugal

Wenn mir jemand vor einem Monat gesagt hätte, dass Portugal heute bei den Bookies auf Platz 8 steht, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Vor zwei Wochen war es Platz 24. Ich denke, die Portugiesen werden der Ryan O'Shaughnessy dieses Jahrgangs und werden auch in etwa so abschneiden, dh um Platz 16 rum. Wenn es anders kommt, wäre es natürlich schon sehr, sehr cool. Die Startnummer zwischen den beiden Krachdingern ist jedenfalls nicht schlecht.


8. Serbien

Hurricane tragen die Startnummer von Bojana Stamenov auf und machen nach den Portugiesen wieder richtig Dampf, was beiden nicht schadet. Das wird eine solide Performance, die an der linken Tableauhälfte kratzen könnte. Die Bookies sehen sie mit Platz 18 klar auf der rechten Seite (vor Probenbeginn: Platz 23), aber es ist auch schwierig, bei den ganzen ähnlich gelagerten Beiträgen eine vernünftige Einschätzung hinzukriegen.


9. Großbritannien

Jetzt hat Großbritannien seinen besten Beitrag seit Ewigkeiten und wird dann eingezwängt zwischen zweimal Radau. Unfair, sowas. Da wär ja fast die 2 noch besser gewesen. Trotzdem wünsche ich mir, dass James der Bottom 5 entgeht, verdient wäre es, wird aber schwer. Liegt derzeit hauchdünn außerhalb der Bottom 5 mit Platz 21 (vor Probenbeginn: 22).


10. Griechenland

Uff. Ob das jetzt wirklich so eine gute Startnummer für die Griechen ist? Stefania wird zwar das UK überstrahlen, dafür aber von den beiden nachfolgenden Startnummern pulverisiert werden. Könnte eng werden mit der Top Ten, und wenn man ehrlich ist, gäbe es die auch nur für die Sängerin und die Inszenierung, nicht für den Song. Liegt genau wie vor zwei Wochen auf Platz 14.


11. Schweiz

An Gjon ist ja ziemlich viel rumgemeckert worden in den letzten Tagen, blödes Oberteil, unpassende Bewegungen, bla bla bla. Dabei wird gerne vergessen, dass der Junge einen SONG dabei hat. Und eine STIMME! Natürlich hat er im Semi auch von dem Carcrash vor ihm profitiert, aber den hätte es nicht gebraucht. Möglicherweise der Sieger im zweiten Semi. Lag vor Probenbeginn auf Platz 3, liegt jetzt auf Platz 4 der Quoten und ist beim Rennen um den Sieg noch lange nicht rausgeflogen!


12. Island

Entweder Gjon hat das Semi gewonnen oder die Isländer. Ich hab ja zu den Umständen bereits alles gesagt. die Startnummer deutet darauf hin, dass sie gestern sehr gut abgeschnitten haben. Vor Probenbeginn auf Platz 5, jetzt auf Platz 6, aber die Möglichkeit eines isländischen Sieges ist hiermit nach wie vor noch nicht vom Tisch! Falls Island gewinnen sollte, startet in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Crowdfunding für meine Kneipentouren nächstes Jahr in Reykjavik 😄😄😄


13. Spanien

Ach, Blas. Ach, Blas. Das ist jetzt blöd für Dich. Nach Island und der Schweiz hast Du keine Schnitte und kannst froh sein, wenn Du nicht letzter wirst. Auch die Bookies haben ihn ganz hinten, vor Probenbeginn war es Platz 35. Also chancenlos von Anfang an.


14. Moldawien

Was dieses Ding im Finale macht, begreife ich immer noch nicht. Die Organisatoren vermutlich auch nicht, deshalb hat es auch den schlechtestmöglichen Startplatz bekommen. Liegt jetzt auf Platz 23 (vor Probenbeginn: Platz 20) und wird HOFFENTLICH auch so abschneiden.


15. Deutschland

Umso besser für Jendrik. Ich hab ihm ja im Vorfeld eine Startnummer zwischen 14 und 17 prophezeiht, aber nach Moldawien ist für ihn nicht so schlecht, das wäre schlimmer gegangen. Nach dem moldawischen Kunstprodukt kommt er möglicherweise umso erfrischender und authentischer rüber. Aber: Dafür muss der Auftritt zu 100% sitzen! Nutze Deine Chance, Junge, Du hast eigentlich keine! Vor Probenbeginn auf Rang 28, jetzt auf 25. Ich fürchte, allzu viel mehr ist leider in diesem Feld auch nicht drin.


16. Finnland

YAY sie haben es getan! Mittelfinger und Mittelfinger Rücken an Rücken! Wie geil! Warum die Finnen derzeit auf Rang 7 liegen, verstehe ich allerdings nicht, ich fand sie gestern keineswegs überzeugend und sehe sie auch deutlich außerhalb der Top Ten. Vor Probenbeginn waren sie 11., wenn es das wird, wären sie schon gut bedient.


17. Bulgarien

Victoria hat sich aus dem Rennen um den Sieg auch noch nicht so ganz verabschiedet, allerdings ist diese Startnummer nicht wirklich gut für sie. Die Top Ten wird es aber allemal, vielleicht sogar mehr. Allerdings helfen ihr die beiden nachfolgenden Starter nicht. Lag vor Probenbeginn auf Platz 6, jetzt auf Platz 10. Wird dann wohl Platz 8.


18. Litauen

So, und hier bin ich jetzt ratlos. Warum liegen The Roop bei den Bookies dermaßen unter dem Radar? Sie lagen vor Probenbeginn auf Platz 7, was ich schon ein bisschen weit unten fand, jetzt auf Platz 12?! Was erlauben Bookies? Für einen Sieg ist die Startnummer einen Tacken zu ungünstig, aber doch bitte solide Top 5, oder? Oder seh ich hier was, was sonst keiner sieht?!


19. Ukraine

Alle Jahre wieder gibt es einen Beitrag, mit dem vor Probenbeginn keiner rechnet, der aber dann auf einmal den Turbo zündet. Hier haben wir den diesjährigen - erfreulicherweise. Vor Probenbeginn noch auf Platz 16, jetzt auf 5, und ich würd mir ein Loch in die Mütze freuen, wenn es tatsächlich auch so wird. Dieser Beitrag ist so einzigartig, dass es fast egal ist, wo man ihn hinplatziert. Top 5 sehe ich hier allemal.


20. Frankreich

Hier auch, aber da rechnet ja eigentlich auch jeder mit. Es wird auf jeden Fall Frankreichs bestes Ergebnis seit ... seit ... uff. Damals wie jetzt auf Platz 2, und wenn es der wird, wäre es fantastisch. Wenn es der Sieger wird, wäre es noch fantastischer. Verdient hätten sie es allemal, der Song ist toll, und wie entzückend ist eigentlich Barbara Pravi?! 


21. Aserbaidschan

Helfen wird Barbara auch Aserbaidschan nach ihr, damit sieht man nämlich, wie hochklassig der französische Beitrag in diesem Jahr ist. Ich glaube, nach so vielen ähnlich gelagerten Beiträgen werden die Leute sagen "Oh Gott, nicht schon wieder SOWAS" und Aserbaidschan wird abstürzen. Ich kenne eine Menge Leute, die das diebisch freuen wird. Lag vor Probenbeginn auf Rang 18, jetzt auf 17, und viel mehr ist auch nicht drin.


22. Norwegen

Norwegen vor Jeangu starten zu lassen finde ich nicht ganz so geglückt, aber gut - sie spielen beide im Titelrennen keine Rolle. TIX hat den Vorteil, dass er nach Aserbaidschan vermutlich gut und authentisch wirken wird, und wenn er wieder genauso performt wie am Dienstag, ist die linke Hälfte auf jeden Fall in Reichweite. Vor Probenbeginn wars Platz 10, jetzt 16, ich sag, er wird 13.


23. Niederlande

Eigentlich ist die 23 eine gute Nummer, aber nicht in diesem Jahr. Zwischen Norwegen und Italien wird Jeangu leider gnadenlos untergehen. Ich hoffe sehr, dass ich mich da irre! Vor Probenbeginn Rang 30, jetzt Rang 22, viel besser wird es leider auch nicht werden. Sehr schade.


24. Italien

Okay, ich glaube, ich weiß DOCH, wer gewinnt. Diese ganze Startreihenfolge ist schon sehr auf die Italiener zugeschnitten, und auch, wenn sie in der Vergangenheit mit viel besseren Beiträgen (zum Beispiel alles von 2017 bis 2019) nicht gewonnen haben, wird es in diesem engen Feld aller Voraussicht nach klappen. Vor Probenbeginn auf Platz 3 der Wettquoten, jetzt auf der Pole Position. 


25. Schweden

Wer hätte das gedacht, dass Schweden mal als Puffer zwischen zwei Top-Favoriten herhalten muss? Ausgerechnet Schweden, das ja per se schon immer einen Bonus vor sich herschleppt. Aber Tusse war im ersten Semi ein Wackelkandidat fürs Weiterkommen, und irgendwo musste man ihn ja unterbringen. Lag vor Probenbeginn auf Platz 8 und jetzt auf Platz 13, und ich denke, dort wird er sich auch einsortieren.


26. San Marino

Apropos Top-Favoriten: Wer hätte jemals gedacht, dass man sowas mal von San Marino sagen würde? Mit dem Sieg wird sie nichts zu tun haben, mit der Top Ten aber sehr wohl, und dafür hätte sie Flo Rida nicht mal gebraucht. Das wird San Marinos mit Abstand bestes Ergebnis. Vor Beginn der Proben auf Rang 12, jetzt auf Rang 9, und etwa dort wird sie auch landen.


Eine große offene Frage bleibt: Wer hat eigentlich das erste Semi gewonnen? Die Startreihenfolge gibt absolut keinen Aufschluss darüber.

Lieber Jendrik: Viel Glück und Erfolg für heute und morgen Abend! Rock die Hütte! Zeig ihnen, dass sie Unrecht haben mit ihrem Geunke! Neben Deutschland liegt mein Augenmerk in diesem Finale besonders auf Litauen (bisheriger Siegertipp), Italien (aktueller Siegertipp), der Ukraine (der eine Lieblingsbeitrag) und natürlich Island.

Ich wünsche Euch und uns allen morgen ein höggschd pläsierliches Finale mit dem richtigen Sieger und keinen weiteren Ausfällen!

Donnerstag, 20. Mai 2021

Blitznachlese Semi 2

 So, nachdem die letzten beiden Tage voller unguter Nachrichten waren (wer es noch nicht mitbekommen hat: Auch Duncan wurde positiv getestet und kann am Samstag nicht auftreten), bin ich mit dem Verlauf des zweiten Semis doch sehr happy. Lediglich zwei Trauerfälle und einen Qualifikanten den ich nicht gebraucht hätte - aber der Reihe nach.

San Marino - ja, Bombe, ne? Das war schon weiter, bevor Flo Rida kam. Danach aber dann erst recht. Startet am Samstag in Hälfte 2 (und wird San Marinos bestes Ergebnis einfahren).

Uku sang echt richtig gut, das muss ich ihm lassen, auch wenn ich ihn sonst nicht sonderlich sympathisch finde. Er hatte aber eh keine Chance aufs Weiterkommen.

Tschechien ist leider ebenfalls zu Recht raus. War recht okay, aber das reichte hier nicht. Und warum hat Benny die ganze Zeit an seiner Hose rumgezuppelt?

Der an sich nicht so starke griechische Song war super in Szene gesetzt mit den Green Screens, da merkt man mal wieder, dass es EuroVISION heißt. Stefania war aber auch echt gut. Startet in Hälfte 1.

Österreich ist einer meiner beiden Trauerfälle. Ich vermute mal, dass er nur knapp raus ist, ich fand ihn aber auch heute tatsächlich nicht soooo gut.

Polen - wie lang können eigentlich drei Minuten sein? Poah, war das ZÄH!

Warum Moldawien weitergekommen ist? Keine Eistüten auf der Bühne, zum hundertsten Mal das GeBANGe von Maruv, schiefer Gesang - Kirkorovs Kröten? Oder was? Hätte ich nicht haben müssen. Da hätte ich lieber einen meiner beiden Trauerfälle gehabt! Startet in Hälfte 2, auch das noch.

Island. Ik hou van jou. Til hamingju! Es war so unfassbar gut, die Halle hätte es getragen, wenn es live gewesen wäre, und ganz vielleicht hat es ja sogar das Semi gewonnen...? Die Geschichte geht auf jeden Fall weiter und kann immer noch ein tolles Ende nehmen. Startet in Hälfte 1, leider.

Die Serbinnen haben es einfach drauf. Runder Auftritt, da passte alles. Zu Recht weiter, startet in Hälfte 1.

Tornike war jetzt nicht so schlecht, ich vermute, dass er nicht Letzter geworden ist. Hat natürlich trotzdem nicht gereicht.

Bei Albanien hingegen war uns sofort nach dem ersten Takt klar, dass sie weiterkommt. Mein Gott, hat die toll gesungen! Startet in Hälfte 1.

Und dann die größte Sensation: Ich hätte vor Probenbeginn keinen Pfifferling auf Portugal gewettet. Aber sie hatten eine der stimmigsten Inszenierungen, da passte ebenfalls alles. Startet in Hälfte 1.

Victoria war genauso gut, wie es im Vorfeld erwartet wurde. Ich hatte nach ihrem Auftritt ein bisschen Wasser in den Augen, so sehr hat mich das angefasst. Startet in Hälfte 2.

Und dann das volle Kontrastprogramm. Ich gebe zu, ich war ja nicht so ganz sicher, wer das letzte Ticket bekommt, aber dass die Finnen es bekommen, ist absolut in Ordnung, auch wenn sie mich nicht hundertprozentig überzeugen konnten. Starten in Hälfte 2.

Dass die Lettin es nicht bekommt, war sofort klar. Erstens ist der Song scheußlich, zweitens: Sollte das so schief klingen? Prognose: Letzte in diesem Semi.

Erster in diesem Semi ist möglicherweise dann doch die Schweiz geworden. Das war schon bestechend gut. Die Tanzbewegungen fand ich jetzt nicht soo schlimm, es passt irgendwie. Nee, Leute, Gjon ist nach wie vor im Rennen! Startet aber leider in Hälfte 1.

Und dann: Trauerfall Nummer 2. Wir sind hier abgegangen wie eine Zäpfchenhorde, Das war wohl leider kein Juryfutter. Trotzdem, schade drum.

Jetzt wünsche ich Euch und uns allen ein pläsierliches Finale hoffentlich ohne weitere Coronafälle! Bleibt gesund, schlaft gut, bis morgen (!) - Startnummernannalühse folgt!


Mittwoch, 19. Mai 2021

Dem Tod seine Serviette, Semi 2

Eine Bemerkung vorab: Ich bin gerade sehr traurig. Ihr habt bestimmt schon mitbekommen, dass die Isländer aufgrund eines positiven Corona-Tests eines der Bandmitglieder weder morgen noch bei einem Finaleinzug (wovon ich ausgehe) am Samstag auftreten dürfen. Das hat die EBU heute Nachmittag so bekannt gegeben. Ich bin beim dem Beitrag ja eh schon parteiisch, aber jetzt noch mehr: GO ICELAND! Holt Euch das Mikrofon, das gläserne! Jetzt erst recht!

Anyway, to business. Auch für Semi 2 gibts von mir natürlich wieder eine Prognose.

Sicher weiter: 

Auf jeden Fall mal die Schweiz, der Junge kann einfach was und steht nicht umsonst so weit oben in den Quoten.

Gleiches gilt für Bulgarien.

Und ja, natürlich kommen auch die Isländer im Finale, Backup hin, Backup her. Ich habe sie jetzt noch viel lieber als eh schon, und liebe Österreicher und Schweizer: Ruft bitte dafür an! Ich mache sowas sonst nicht, aber bitte bitte unterstützt diese tolle Truppe und diesen tollen Beitrag. Sie haben es echt verdient - wie viel Pech kann ein einzelner Act eigentlich haben?!

Außerdem kommt Griechenland weiter, das Staging passt, wackelt und hat Luft.

Und auch Senhit wird das beste Ergebnis für San Marino ever abliefern.

Und Finnland kommt auch noch weiter. Diese sechs werden auch die TOP 6 in diesem Semi, Reihenfolge weiß ich nicht. Is aber auch egal.

Sicher raus: 

Der schöne Uku aus Estland. Dabei find ich den gar nicht sooo schön. Und der Song kann leider genauso wenig wie der vom letzten Jahr.

Ebenfalls raus: Polen und Georgien. Da muss man nicht lange drüber reden, das wird in beiden Fällen nix. 

Bleiben wieder acht über, nämlich Tschechien, Österreich, Moldawien, Serbien, Albanien, Portugal, Lettland, Dänemark

Alle tückisch, obwohl ... einige weniger als andere. 

Serbien wird weiterkommen.

Albanien wird weiterkommen.

Österreich wird weiterkommen.

Portugal wird weiterkommen.

Tschechien wird weiterkommen.

Dänemark wird weiterkomm... was? Das sind schon dreizehn? Ach geh doch weg.

Lettland wird rausfliegen. Dieses Öh-öh- öh-öh und dazu Samantas Geschrei, das wird nix. Die Letten haben irgendwo in den letzten Jahren den Anschluss verloren. In den Nullern sind sie oft genug mit Beiträgen weitergekommen, die das nicht verdient hatten, in den Zehnern wars umgekehrt. Und in den Zwanzigern schicken sie was, was nicht für meine Mutter ihre Tochter is, und können das Finale am Samstag im Fernsehn angucken. So.

Jetzt noch die anderen sieben. Sackzement, ist das übel.

Ich glaube, dass sowohl Albanien (wird ja grundsätzlich unterschätzt) als auch Serbien ins Finale kommen. Das sitzt einfach beides.

Moldawien - uff. Ich denke, das wird nichts. Dazu hätte sie dann schon die tanzenden Eistüten mitbringen müssen.

Jetzt noch zwei aus Österreich, Portugal, Tschechien und Dänemark. 

Ich denke, die vier machen die Plätze neun bis zwölf unter sich aus, wenn nicht noch eine große Überraschung passiert. Hmmmmmmm .... *nägelkau* ...

Tschechien wird es allein schon aufgrund der Startnummer schwer haben. Ich glaube, er schafft es nicht, war wohl eben auch nicht sooo überzeugend.

Österreich ist recht früh dran, aber ich hab bei dieser Nummer nach wie vor Weiterkommer-Vibes. Muss im Juryfinale auch ziemlich toll gewesen sein.

Jetzt noch Portugal und Dänemark. Auf dem Papier eigentlich eine klare Sache, da sind sie beide raus. Andererseits aber spricht für Dänemark die Startnummer und für Portugal, dass sie sich seit Probenbeginn stetig nach oben gearbeitet haben. Es wird .... ene mene miste, es rappelt in der Kiste, ene mene meck und Dänemark ist weg. Der zehnte Finalist wird Portugal.

That makes folgende Weiterkommer in order of appearance:

San Marino

Griechenland

Österreich

Island

Serbien

Albanien

Portugal

Bulgarien

Finnland

Schweiz

Und wie immer erzähle ich euch nach dem Semi, warum es anders gekommen ist. 

Blitznachlese 1. Semi

Ist das nicht ein gigantischtolles Gefühl, endlich wieder eine Eurovisionsveranstaltung sehen zu dürfen? Ich bin so froh und dankbar dafür! Und die Niederländer haben das toll gemacht! Es lief nicht immer alles glatt, zum Beispiel hat man in diesem Jahr deutlich mehr Zeit für die Umbauten gebraucht, was aber vermutlich auch wieder an Corona liegt. Dennoch, mein Kompliment. Hier wurde sich sehr viel Mühe gegeben und versucht, eine ansprechende Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Das ist größtenteils auch gut gelungen.

Ich will jetzt gar nicht so viel übers Drumherum schreiben, sondern direkt zum Punkt kommen. Das war ein durchaus gutes Semi, allerdings im Ergebnis doch recht überraschungsarm:

Litauen war ein grandioser Opener, die Halle ist abgegangen wie Schmitzkatze (und wir hier auch). Kam NATÜRLICH weiter (ich tippe auf Top 3 in diesem Semi) und startet am Samstag in Hälfte 2.

Slowenien gab nach wie vor keine Antwort auf die Frage, warum eine so gute Sängerin einen so schlechten Song bekommt. Das Semiaus war nur folgerichtig. Leider.

Russland - was für eine Frau! Was für eine Performance! Startet in Hälfte 1.

Schwedens Weiterkommen war eine kleine Überraschung, und arg deutlich kann es nicht gewesen sein. Es kann ihm egal sein, er startet am Samstag in Hälfte 2.

Ich hab hier schon kundgetan, dass ich weder Montaigne noch ihren Song mag, aber mein Gott, die hat mir so, so leid getan. Das hier alles mitzukriegen und selbst zuhause bleiben zu müssen ist echt hart. So gesehen tut es mir leid, dass sie es nicht geschafft hat, das war nicht schlecht!

Vasil, heuer als Discokugel verkleidet (kennen wir das nicht irgendwoher?), sang sich die Seele aus dem Leib und machte das auch ziemlich gut. Er hätte halt einen Song mitbringen sollen.

Ach, Irland. Vor allem: Ach, Lesley. Auf dem Papier ein sicherer Weiterkommer, aber diese drei Minuten waren für alle Fans des Songs extrem schmerzhaft mit anzugucken. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie Letzte geworden ist.

Zyperns Weiterkommen war natürlich eine klare Sache, ich fand es aber nicht so überzeugend, wie es mir die Bookies in den letzten Tagen verkaufen wollten. Das kann Top Ten werden (muss aber nicht), ist aber mit Sicherheit nicht der Sieger am Samstag. Startet in Hälfte 1.

Norwegen war toll, hätte ich nie vorher gedacht. TIX sang super und sich die Seele aus dem Leib. Auf der PK wandelte er irgendwo auf dem schmalen Grat zwischen adorabel und komplett verpeilt, ich hab immer noch keine Ahnung, auf welcher Seite er runtergefallen ist. Der ist einfach eine Marke für sich. Startet in Hälfte 2.

Um Kroatien hat es mir ein bisschen leid getan, ich vermute, dass sie knapp Elfte geworden ist. Der Auftritt war bis auf ein, zwei versemmelte Töne gut, aber da noch drei andere im gleichen Gewässer gefischt haben, hatte sie das Nachsehen.

Mit Belgien fischt keiner im gleichen Gewässer. Bekannter Name, makelloser, super inszenierter Auftritt - manchmal braucht man einfach nur Klasse und keinen Schnickschnack drumherum. Super! Startet in Hälfte 1.

Die Israelin war die einzige, die ich bei meinem Weiterkommertipp nicht auf der Rechnung hatte, aber wenn man sich das nochmal durchliest, habe ich sie ja erst in letzter Minute und mit wackeligem Gefühl im Bauch rausgeschmissen. War also keine Überraschung. Sie startet in Hälfte 1.

Dass es Rumänien schrägen würde, war in den letzten Tagen leider abzusehen gewesen. Das war zwar besser als erwartet, aber längst nicht gut genug, um hier mitzuhalten.

Die aserbaidschanische Patentmixtur hat auch dieses Mal wieder bestens funktioniert. Die wissen einfach, wie es geht, da kann der Song noch so vom letzten Jahr kopiert sein. Startet in Hälfte 2.

Und dann, meine Damen und Herren: Für uns der eindeutige Höhepunkt des Abends! War das großartig! Die Ukraine schraubt sich in den Quoten immer weiter nach oben, was zwar nix heißt, aber anscheinend fanden das nicht nur wir super. Startet in Hälfte 2.

Destiny hat natürlich gesanglich alles weggefegt und wird in diesem Semi auch die Top 3 geknackt haben, aber ob das wirklich der Sieger am Samstag ist - ich weiß nicht. Startet in Hälfte 1.

Ha! 9 von 10, und den Zehnten hätte es genauso gut treffen können! Ich bin doch nicht vollkommen ahnungsfrei, und vor allem hab ich mehr Treffer als meine beiden Lieblingssteirer (Sigi hat 7, Sixtus, der alles erst einmal gehört hat, 8). Mal gucken, wie es am Donnerstag wird.

Jetzt erholt Euch erstmal alle gut, wir lesen uns spätestens morgen früh wieder in diesem Theater!


PS: Ich hab dem Teufel meine Seele verkauft. Ich hab vorgestern öffentlich auf ESC kompakt in einem Kommentar verkündet, dass ich "I don't feel hate" einsinge, sollte Jendrik am Samstag die Top Ten erreichen.  


Montag, 17. Mai 2021

Dem Tod seine Serviette, Semi 1

Prognose-Time! Herrgott, wie hab ich das vermisst! Das Semi ist gar nicht so einfach, schauen wir mal, wer es ins Finale schafft:

Sicher ist wie immer nix, aber man hat ja mindestens vier Richtige dieses Mal. 

Gucken wir mal auf die, die sicher weiter sind:

Litauen ist nicht nur sicher weiter, sondern wird sich auch um den Sieg in diesem Semi (und um den am Samstag kloppen). Nach derzeitigem Stand mein Top-Favorit für Samstag.

Russland kommt trotz Todesslot sicher ins Finale. Allein die Geschichte drumherum sollte die Leute in Scharen zum Anrufen und die Jurys zum Bepunkten animieren, aber egal, was man vom Song hält: Das ist einfach saugut.

Die Ukraine kommt natürlich weiter, nicht nur wegen der 20 SMSe, die ich darauf verballern werde.

Zypern hat ja in der Bubble inzwischen einen gewaltigen Hype ausgelöst, aber natürlich kommt auch das weiter. Das Rezept funktioniert ja immer noch ganz gut.

Malta? Klare Sache. Ich sehe sie zwar nicht als Sieganwärterin, aber das Finale sollte kein Problem sein.

Und, Recycling hin oder her, auch Aserbaidschan kommt weiter. Das Gesamtpaket ist leider geil, und die meisten werden nicht wissen, dass der Song fast genau so letztes Jahr schon mal am Start war.

Sicher raus:

Slowenien. Nur gute Stimme allein reicht nicht. Eine Schande, eine so gute Sängerin an so schwaches Songmaterial zu verschwenden!

Genauso raus ist Nordmazedonien. Dabei war der Beitrag letztes Jahr so gut, aber den dieses Jahr kann ich mir immer noch nicht merken. Pathetisches Musicalgeschwurbel, sorry. Dat wird nix.

So, und da verließen sie sie. Jetzt muss ich mir noch vier raussuchen aus Schweden, Australien, Irland, Norwegen, Kroatien, Belgien, Israel und Rumänien.

Hm. Schwierich.

Kroatien ist von den obigen meines Erachtens noch der sicherste Weiterkommer. Das Einzige, was ihr das Genick brechen kann, sind die vielen ähnlich gelagerten Beiträge. Angeblich können die gar nicht alle weiterkommen. Doch. Ich denke, sie wird es schaffen, das hier ist solide und dürfte nach Norwegen ziemlich gut kommen.

Australien ist meines Erachtens raus. Diese Art von Songpuzzelei ist immer problematisch. Dazu kommt, dass die Dame zumindest mir zum Schreien unsympathisch ist. Leider ist sie bekanntlich auch nicht vor Ort - auch kein Vorteil. Wenn es weiterkommt, dann nur, weil es Australien ist.

Irland. Uff. Schwierig. Eigentlich auf dem Papier ein sicherer Weiterkommer, aber man hat ihr eine Choreo aufgedrückt, die leicht in die Hose gehen kann. Auch war sie in den Proben stimmlich nicht gut drauf, und nach allem, was ich weiß, muss sie es im Juryfinale wohl ziemlich versemmelt haben. Das wird nichts. Leider.

Belgien ist schwierig. Hooverphonic ist eine Hausnummer mit einer gewissen Fanbase, die wissen genau, wie man sowas machen muss. Sie müssen im Juryfinale brilliant gewesen sein. Das greife ich dann mal auf und sage: Kommt durch.

Rumänien hatte die gesamte Woche über dermaßen große Probleme, dass ich glaube, es das wird nix. Im Juryfinale durfte sie wegen technischer Probleme zweimal ran. Der erste Durchgang war gar nix, der zweite auch nicht ohne Probleme. Ist leider raus, dabei habe ich mir davon so viel versprochen ...

Jetzt muss ich noch einen von Norwegen, Schweden oder Israel raussschmeißen. Poah, das ist sackschwer. Auf dem Papier wäre es Norwegen, aber sowohl Schweden als auch Israel haben stimmlich im Juryfinale nicht optimal abgeliefert, was bei beiden immens wichtig ist, zumal Schweden bei den Televotern zunehmend in Ungnade fällt. Dazu kommt, dass Tix seine Sonnenbrille abgesetzt hat, was vielleicht doch für einen ungeplanten Überraschungseffekt sorgen könnte. Alle drei haben jemanden vor sich, von dem sie überstrahlt werden, aber keinen nach sich.  Ich entscheide mich dann mal rein aus dem Bauch raus für die beiden Skandinavier.


That makes the following qualifiers (in order of appearance on stage):

Litauen
Russland
Schweden
Zypern
Norwegen
Kroatien
Belgien
Aserbaidschan
Ukraine
Malta

Und übermorgen früh erzähle ich Euch dann, warum alles ganz anders gekommen ist.

Samstag, 15. Mai 2021

Startnummernvergabe alt, neu und überhaupt

Könnt Ihr Euch noch an den 7. November 2012 erinnern? Was es da für einen Aufschrei gab, weil Björkman und Co. beschlossen, dass künftig nicht mehr das Los entscheidet, wer von wo startet, sondern der ausrichtende Sender - mit der kleinen Modifikation, dass zumindest die Hälften noch ausgelost werden?

Heute Morgen haben die Big 5 plus Niederlande ihre zweite Probe absolviert und im Anschluss daran bei der PK (oder wars ein Meet & Greet? Egal) ihre Hälften gezogen. Allerorten las man: "Hoffentlich zieht XY (hier bitte den jeweiligen Lieblingsbeitrag einsetzen) zweite Hälfte!"

Ist das berechtigt? 

Ich hab mir gedacht, da heute keine Proben mehr sind, morgen lediglich die Veranstaltung auf dem türkisfarbenen Teppich stattfindet (aufgrund eines positiven Coronatests ohne die polnische Delegation - Daumen sind gedrückt, dass alle PCR-Tests negativ ausfallen, dass es allen gut geht und dass RAFAŁ am Donnerstag performen kann!), füll ich Euch den Abend mal mit ein bisschen Lesestoff zum Thema Startnummern. Angestoßen wurde das durch ein Tubenvideo, wo jemand die Startnummern 2013-2018 analysiert und ihre Durchschnittsplatzierung ausgerechnet hat. Ich hab das mal aufgegriffen und ein bisschen erweitert.

Ist also die handgeklöppelte Startnummernvergabe jetzt besser oder schlechter oder gleich gut wie die geloste? Schauen wir doch mal rein, ohne Euch indes mit Zahlen zu überfordern:

Zunächst die Semis. 

Ich habe mal die Durchschnittsplatzierungen der Semis 2008-2012 einerseits und 2013-2019 andererseits angeschaut. Die Jahre 2004-2007 habe ich aufgrund mangelnder Vergleichbarkeit weggelassen - es ist ein großer Unterschied, ob ich zehn Gewinner aus 19 oder aus 28 Beiträgen raussuche.

Schauen wir mal rein. Hier ist eine kleine Grafik mit den entsprechenden Weiterkommerquoten:


Wie man sieht, wirkt die rechte Spalte der Grafik wesentlich "ruhiger" und ausgeglichener als die linke, auch liegen die Zahlen näher beieinander. Die 100% auf der rechten Seite bei der Startnummer 19 ist allein Eleni Foureira geschuldet, niemand sonst hatte in 2013-2019 eine Startnummer 19.

Ein Vorteil ist in jedem Falle nach wie vor die letzte Startnummer, bis auf Triana Park 2017 (die dann aber auch gleich Letzte wurden), ist bis dato jeder von dieser Nummer ins Finale gekommen. Am anderen Ende liegen erwartungsgemäß die Nummern 2 und 3, allerdings sind die Unterschiede zwischen den Nummern längst nicht mehr so krass wie 2008 bis 2012. 

In einer weiteren Grafik zeige ich Euch die durchschnittliche Platzierung: 


Auch hier wirkt die rechte Seite bis auf den Foureira-Ausreißer ganz unten wieder wesentlich ausgeglichener, man sieht es auch an den Zahlen. Die handgeklöppelte Startreihenfolge wirkt sich meiner Meinung nach hier durchaus positiv aus, die "Gleichberechtigung" der Startnummern ist deutlich gestiegen.

Bitte beachten: Bei der Semi-Auswertung habe ich in den Jahren 2008 und 2009 die drei, die von der Jury gerettet wurden, nicht gesondert behandelt, ich bin nur nach der Platzierung gegangen!


Schauen wir mal aufs Finale. Hier nehmen wir jetzt einerseits die Jahre 1998-2012, also alles, wo es Televoting gab, und die Jahre 2013-2019 getrennt. Auch hier schauen wir wieder auf die Durchschnittsplatzierung nach alt und neu:


Und hier wird es jetzt richtig interessant. Es ist so zu lesen: Je blauer, desto besser. Je röter, desto weniger gut. Wir sehen auf der linken Seite einen eindeutigen Vorteil bei den Nummern ganz hinten. Vorne sieht es eher mau aus. Das heißt, wer beim Losverfahren eine niedrige Startnummer gezogen hat, war bedenklich im Nachteil, und es hat in Jahren, wo es eng war, vermutlich mehr als einen guten Beitrag den Sieg gekostet. Ich bin immer noch überzeugt, dass der Sieger 2011 bei anderer Startnummernvergabe nicht Aserbaidschan geheißen hätte (und der 2001 nicht Estland!).

Auf der rechten Seite sehen wir, dass es zum Ende der Hälften hin, also Startnummern 9-13 und alles ab 22 immer blauer wird. Die Hälften haben sich einander angeglichen, es spielt also für das Abschneiden kaum noch eine Rolle, ob man erste oder zweite Hälfte zieht. Das zeigt sich auch in den letzten beiden Zeilen: Gab es zwischen 1998 und 2012 noch einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Hälften (zweite Hälfte schnitt durchschnittlich mehr als zwei Plätze besser ab!), so hat sich dieser Unterschied seit 2013 komplett marginalisiert. Und das ist auf jeden Fall erfreulich. Es gibt also keinen Grund zur Panik, wenn der eigene Favorit für das Finale die erste Hälfte zieht.

Wie kommt es nun, dass seit Festlegen der handgeklöppelten Startreihenfolge die späten Startnummern der jeweiligen Hälften so signifikant besser sind? Haben diejenigen, die spät in ihrer Hälfte starten, nicht einen ungerechtfertigten Vorteil?

Natürlich haben sie den. Aber nicht wegen der Startnummer, sondern sie bekommen die Startnummer wegen ihres Vorteils, dh wegen ihres Semi-Ergebnisses bzw ihrer Wettquoten. Beim Festlegen der Finalstartreihenfolge sollen ja möglichst alle Acts im besten Licht präsentiert werden, und das heißt dann auch, dass ein potenzieller Siegersong nicht die Startnummer 2 zugeschustert bekommt, die sich nun endgültig als Todesslot etabliert hat.

Schauen wir mal die Nummern der Top-5-Absolvierer in den einzelnen Jahren an:

2013: 18 - 20 - 22 - 24 - 10

2014: 11 - 24 - 13 - 7 - 21

2015: 10 - 25 - 27 - 13 - 12

2016: 21 - 10 - 18 - 8 - 9

2017:  11 - 25 - 7 - 23 - 34

2018: 22 - 25 - 5 - 11 - 26

2019: 12 - 22 - 5 - 24 - 9

Wie man sieht, tummelt sich das bis auf ganz wenige Ausnahmen immer in der hinteren Hälfte seiner Hälfte.

Insgesamt finde ich das neue Verfahren durchaus gut, auch wenn damit ein kleines bisschen Spannung wegfällt. Man kann an der Finalstartreihenfolge immer schon ganz gut ablesen, wem der Gesamtsieg zugetraut wird. Ich wusste 2019 nach dem Anschauen der Finalstartreihenfolge sofort, dass Duncan das gewinnen wird. 2013 ist die große Ausnahme in diesem Reigen, denn Emmelie war in ihrer Hälfte mit der 18 sehr früh dran. Zwei Punkte sind hier aber bedenkenswert: Sie hat sich im Finale gegenüber dem Semi so enorm gesteigert, dass der Sieg zwingend war, und außerdem war es das erste Jahr, wo man mit der Reihenfolge rumgespielt hat. Inzwischen hat man schon mehr Routine, so dass ich auch in diesem Jahr hoffe, dass man eine Reihenfolge zusammenbaut, die jeden Act strahlen lässt! 

Annalühse gibts dann wie inzwischen schon gewohnt wieder hier!

Bis dahin: Viel Spaß mit den restlichen Proben, Servietten des Todes nicht vergessen!

Freitag, 7. Mai 2021

Um kurz vor Probenbeginn die Langeweile zu vertreiben ...

... könnt Ihr jetzt über die besten ESC-Beiträge aller Zeiten abstimmen (Stand 2019, der 2021er ist noch nicht drin, kennen wir ja noch nicht, 2020 war nie auf der ESC-Bühne zu sehen). 

Ich verlinke Euch hier die Abstimmung und hier den entsprechenden Artikel auf eurovision.de, wo Ihr noch ein bisschen was zum Prozedere erfahrt. Hurtig, hurtig, am Samstag beginnen die Proben, da sind wir alle anderweitig busy. Die Abstimmung läuft aber dennoch bis zum 14. Mai. Man darf zwischen drei und 15 Songs zu seinen All-Time-Favoriten küren. Fünfzehn ist natürlich viel zu wenig für den Hardcore-Eurovisionista, aber wir müssen alle Opfer bringen.

Anyway, macht mit, es macht superviel Spaß und man kann sich auch dort alle Songs nochmal anhören. Ich versacke dort gerade, hab aber meine TOP 15 natürlich längst abgeschickt. 

Was?

Was is los?

Was meine Top 15 ist?

Ach kommt, das wollt Ihr gar nicht wissen. Ich erzähls Euch trotzdem. 15 sind übrigens viel! zu! wenig! Oder schrob ich dat schon?


Wer sich schon immer bestätigt wissen wollte, dass die Frau Fabian eh keinen Musikgeschmack hat, darf jetzt über meinen Olymp lästern (ich geb Euch auch gleich alle, nicht nur die Top 15):

1. Ermal Meta & Fabrizio Moro – Non mi avete fatto niente (Italien 2018) 
2. Eugent Bushpepa – Mall (Albanien 2018) 
3. Paolo Meneguzzi – Era stupendo (Schweiz 2008) 
4. Wig Wam – In my dreams (Norwegen 2005) 
5. Texas Lightning – No no never (Deutschland 2006) 
6. Anabel Conde – Vuelve conmigo (Spanien 1995) 
7. Sandrine Francois – Il faut du temps (Frankreich 2002) 
8. Umberto Tozzi & Raf – Gente di Mare (Italien 1987) 
9. Johnny Logan – Hold me now (Irland 1987) 
10. Katrina and the Waves – Love shine a light (UK 1997) 
11. Maribelle – Ik hou van jou (Niederlande 1984) 
12. Hoffmann & Hoffmann – Rücksicht (Deutschland 1983) 
13. Hanna Pakarinen – Leave me alone (Finnland 2007) 
14. Ryan O’Shaughnessy – Together (Irland 2018) 
15. Eythor Ingi Gunnlaugsson – Eg a lif (Island 2013) 

und noch die aus dem Olymp, für die es leider nicht gereicht hat (so lächerlich! 15 ist zu wenig!):

Sjonni’s Friends – Coming Home (Island 2011) 
Anouk – Birds (Niederlande 2013) 
Anonymous – Salvem el Mon (Andorra 2007) 
Nusa Derenda – Energy (Slowenien 2001) 
Michelle – Out on my own (Niederlande 2001) 
Saskia & Serge – Tijd (Niederlande 1971) 
Anna Oxa & Fausto Leali – Avrei voluto (Italien 1989) 
Anna Maria Jopek – Ale jestem (Polen 1997) 
Edsilia – Hemel en Aarde (Niederlande 1998) 
Cleopatra – Olou tou kosmou i elpida (Griechenland 1992) 
Maggie McNeal – Amsterdam (Niederlande 1980)

Danke an den ESCkompakt-Leser robba für den Hinweis. ESCkompakt being neben aufrechtgehn.de bestes Eurovisionsseite von allen, wenn Ihr noch nicht da wart, hingehen, gucken, toll finden und nie wieder weggehen!