Sonntag, 24. März 2019

Eurovision 2019, die letzte

Nun noch die Big 5 plus Israel:

Deutschland: S!sters - Sister

Schon erstaunlich: Wenn man den deutschen Beitrag in Zusammenhang mit den anderen Beiträgen sieht und merkt, was da teilweise für ein Schrott (Verzeihung!) geschickt wird, dann entwickelt der eigenen Beitrag auf einmal ganz neue Qualitäten. Allerdings gibt es eine Menge, was schiefgehen kann: Die Kameraarbeit muss SEHR gut geprobt werden, da werden die Trauben in Tel Aviv viel höher hängen als in Berlin. Carlotta muss ihre Aufregung im Griff haben, und über die Klamotten sollte man auch nochmal nachdenken. Wenn das alles stimmt, kann das aber ein sehr guter Auftritt werden. Gewinnen wird es natürlich nicht, aber wenn alles gut läuft, sollte in einem dermaßen schwachen Feld eine gute Mittelfeldplatzierung drin sein. Und das wäre nach den Ergebnissen der letzten Jahre doch schon mal wieder ganz schön.

Chancen auf die Top Ten? Eher so auf Platz 15.
Berlin 2020? Vorentscheid? Joo, könnte man wieder machen. Hauptevent wohl eher nicht.
6/10 (Kinder 6 und 6)


Frankreich: Bilal Hassani - Roi

Celebrate Diversity! Bilal, der sich seines Anders-Aussehens sehr bewusst ist, thematisiert genau das in seinem kämpferischen zweisprachigen Song. "Du willst, dass ich bin wie du ... ich bin nicht reich, aber ich scheine hell, ich kann nun mein Königreich sehen, wenn ich träume, bin ich ein König." Das ist eine sehr starke Botschaft und wird durch Sänger und Song alleine schon gut rübergebracht. Das Video braucht es dafür gar nicht. Alles in allem ein sehr stimmiges, wenn auch polarisierendes Gesamtpaket, gäbe es da nicht einen kleinen Wermutstropfen: In den Höhen ist Bilals Stimme zu dünn und droht des Öfteren zu kippen. Daran muss dringend gearbeitet werden. Hier braucht er wirklich Wumms, um uns so richtig aus den Socken zu hauen. Dann kommt das supergut! Was übrigens überhaupt nicht geht, sind die Anfeindungen gegen ihn. Aber das wird ihn noch stärken - und einem gewissen Tom Neuwirth hat das seinerzeit ja auch nicht geschadet.

Chancen auf die Top Ten? Borderline, könnte aber klappen.
Paris 2020? Ich fürchte, dazu ist es zu speziell.
7/10 (Kinder 6 und 7)


Großbritannien: Michael Rice - Bigger than us

Wenn man sich mal überlegt, was uns dieses Land schon für großartige Künstler geschenkt hat, spritzen einem die Tränen angesichts der Eurovisionsbeiträge wirklich waagerecht aus den Augen. Wollen sie unbedingt auch vom Eurovisionshof gescheucht werden, oder was? Die Briten haben in diesem Jahr Dudley Dursley am Start, der sich schnell noch ein paar zünftige Tattoos verpassen ließ, ein Wochenende lang einen Gesangsworkshop gemacht hat und jetzt glaubt, er könne auf der Eurovisionsbühne bestehen. Nein nein, mein Lieber. Ein bisschen mehr Bühnenpräsenz als die eines durchschnittlichen Wassereimers darf schon sein. "It's bigger than us." Wahrere Worte haben die Briten abgesehen von "Don't play this song again" nie gesungen.

Chancen auf die Top Ten? Oh sod off. Das wird vermutlich genauso zementhart Letzter wie weiland Josh Dubovie.
London 2020? Manche Fragen ignoriert man am besten.
3/10 (aber die nur, weil ich mir das Lied halbwegs anhören kann. Kinder 5 und 5)


Israel: Kobi Marimi - Home

Ein Breitwandschlonz vor dem Herrn. Was der Brite zu wenig hatte, ist hier eindeutig zuviel. Kobi singt davon, dass auch er wer ist, und bricht dabei vor Ergriffenheit schier zusammen. Das Ganze ist mindestens drei Nummern zu dick aufgetragen und lässt leise Zweifel daran aufkommen, ob es ernstzunehmen ist oder eher doch nicht. Es ist eine Mischung aus Haldor Laegrid und Didrik Solli-Tangen, wobei ich davon ausgehe, dass Kobi das im Gegensatz zu letzterem auch live stemmen wird. Mal sehen, ob das goutiert wird - kann ich mir eigentlich wenn überhaupt nur als ironisch gebrochenes Guilty Pleasure vorstellen.

Chancen auf die Top Ten? Auch wenn viele das anders sehen: Eher weniger.
Tel Aviv 2020? Nope. Würden sie aber ja eh nicht machen, oder?
6/10 (Kinder 5 und 4)


Italien: Mahmood - Soldi

Puh. Italien macht mal wieder das, was es am besten kann: Einfach einen Scheiß drauf geben, was den Rest von Europa interessieren könnte, und macht einfach sein Ding. In diesem Falle in Form von Mahmood, dessen Lied eine bittere Abrechnung mit seinem Vater ist, der ihn und seine Mutter hat sitzen lassen und jetzt wiederkommt und Geld haben will. Die Frage ist hier, wie diese doch sehr persönliche Botschaft auf der Bühne rübergebracht wird. Davon wird auch abhängen, wo es schlussendlich landet. Für Italien ist ja immer eine gute Platzierung drin, so auch dieses Mal. An die beiden Beiträge aus 2017 und 2018 (für mich jeweils der klare Jahrgangsssieger) kommt "Soldi" für mich aber nicht ran.

Chancen auf die Top Ten? Es ist Italien! Natürlich kommt das in die Top Ten.
San Remo 2020? Uff. Keine Ahnung. Glaub nicht. Bin aber nicht sicher.
7/10 (Kinder 5 und 6)


Spanien: Miki - La Venda

Ich fühle mich gerade ein wenig an 2011 erinnert. Der Song ist natürlich nix Hochwertiges und vereinigt so ziemlich alle Latinohits der letzten Jahre in sich. Aber: Der superniedliche Miki, der in diesem Jahr vermutlich sämtliche Schnuckelpunkte abräumen wird, hat gemeinsam mit seinen lustigen Begleiterinnen mächtig Spaß auf der Bühne und wird in Tel Aviv die Halle zum Kochen bringen. Das dürfte der größte Hallenburner des Jahres werden. Und in einem Jahr wie diesem ist man für so wenig schon so dankbar - und Spaß haben auf der Bühne ist ja nun nicht das Verkehrteste. Good Luck, Espana!

Chancen auf die Top Ten? Nein. Untere Top 20, würde ich sagen. Is aber egal, Hauptsache Schbahs!
Barcelona 2020? No, senor!
8/10 (Kinder 6 und 7)

PUH, DURCH!

Kommentare:

Volkisistan hat gesagt…

Krass; ich weiß nicht, ob wir schon einmal so wenig konform waren.
Den Hype um die Niederlande kann ich in keinster Weise nachvollziehen, ich find es langweilig und uninspiriert. Aber hey, natürlich dürfen die Niederländer gern mal wieder gewinnen, wäre zwar mit dem falschen Song, aber trotzdem hochverdient.
Norwegen ist für mich ein ernstgenommenes "Love Love Peace Peace" - now bring in the Sami Yodler. Das kommt auch in der Bubble sehr gut an, was mE das Problem des ESC zeigt: Die Bubble liebt den Trash, über den sich der Rest der Welt lustig macht.
Und Frankreich: Ich hasse es, und zwar auch, weil ich weiß, dass die Community ungeachtet aller Makel wild dafür anrufen wird. Ich persönlich empfinde Zeilen wie "You cannot change me, boo!" oder "You will not change me, nana" als Zumutung, und der schwache Gesang tut sein Übriges. Mir ist bewusst, dass es beim ESC nicht unbedingt um den Song geht, aber so ein bisschen sollte er doch in die Wertung einfließen...

Ansonsten bleibt nur ein dickes "DANKE!" für deine wie immer sehr unterhaltsamen Bewertungen. Bei mir läuft die Schönhörphase, und es funktioniert auch in diesem Jahrgang. Zehn Mann für Punkte werde ich schon zusammenkratzen können...

Liane Bäuml-Dinges hat gesagt…

Liebe Tamara!

Das war mal wieder seeehr unterhaltsam - ich danke somit dir und deinem Kids-Panel für die Einwertungen dieses Jahrgangs.
Bei mir sind in diesem Jahr die Jubelschreie insgesamt auch nicht zu hoch. Loads of superlangweilig (Sebi) vs. superkünstlerisch (Telemoveis) vs. Voll-auf-die-Zwölf (Replay) und ich find mich da kaum wieder.

Am Ende hat mit Duncan mit Arcade gerettet - I love it! Und ich liebe auch Bilal mit Roi und die süße Leonora mit Love is forever ist für mich ein wunderschönes Stück Musik. Russland ist diesmal das erste Mal seit langem nicht letzter und würde im Mittelfeld landen. Schweden finde ich nicht weltbewegend aber supercatchy. Und Rumänien hab ich mir versehentlich "schön gehört". Ansonsten liegen bei mir noch Norwegen, Spanien, die Schweiz, Italien, Tschechien und auch UK bei mir vorne. Knapp dahinter denn Australia (ich mag doch garkeine PopOpera), Ungarn und Azerbaijan. Garnicht läuft es neben Portugal bei mir mit Polen, Island und Georgien dieses Jahr.

Ich hoffe nun mal innigst auf einen Niederländischen Sieg in diesem Jahrgang!!! Und dann vielleicht am Ende auf die Chance, doch mal wieder live dabei sein zu können bei einem Song Contest im Nachbarland. Man wird ja noch träumen können...

Liebste Grüße aus Hessen!!
Liane

Marko und Niko hat gesagt…

Gerade deine Blog über eine andere Seite entdeckt und fast mit einem Dauerlächeln deine Bewertungen gelesen.

Dieses Jahr tun wir uns das ESC im Vorfeld an, weil wir in den letzten Jahren es immer getroffen haben. Am Finaletag in einem Hotel übernachten und auf alle Sender läuft das ESC. Auch dieses Jahr wird das wieder der Fall sein. Hura!

2018 fanden wir schlimm - die beiden Halbfinales haben wir nicht einmal eine Stunde durchgehalten. Dagegen sind die Songs für dieses Jahr in unseren Ohren halb so wild. Zumindest hatten wir nirgendwo Bedarf das Gerät auf Lautlos zu schalten. ;-)

Potenzieller Gewinner sind für uns doch die Niederlande, weil der Song unter die Haut geht.

Grüße