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Mittwoch, 4. Juni 2014

Das Finale Platz 8-6

8. Norwegen
Dieser Beitrag teilt die Gemeinde streng in zwei Hälften: Die einen sind zu Tränen gerührt, die anderen lässt es vollkommen kalt. Ich persönlich gehöre zur ersten Gruppe, schon bei den ersten Tönen empfange ich einen feinen Florettstich mitten ins Herz. Und wenn dieser Bär von Mann dann anfängt, mit brüchiger Stimme sein Innenleben bloßzulegen, steht mir das Wasser in den Augen und das Herzblut fließt in Strömen. Ab der zweiten Strophe packt er dann den Turbo aus und hat auch noch ein Geigenballett mitgebracht, dass von dem einen oder anderen als over the top empfunden wurde - bittschön, andere haben Hamsterräder, Wippen, Rollkunstlauf, Trampolins oder Trapezgeturne! Man kann das natürlich auch anders performen, der Song ist in jedem Falle stark genug. Aber gerade durch den krassen Gegensatz zwischen Carls Erscheinung und der brüchigen und nicht unbedingt perfekten Stimme, mit der er den Anfang gesungen hat, hat dem ganzen eine emotionale Tiefe gegeben, die mich mehr berührt hat als alle anderen Songs 2014. Das war dann auch nach Montenegros eher suboptimaler Performance am Samstag mein Finalfavorit, und ich hätte es liebend gern siegen sehen.

7. Russland
So, liebe Tolmachevy-Schwestern, jetzt will ich mal eins von Euch wissen: Waren das wirklich EURE Haare, oder waren das Extensions? Wenn das Eure Haare waren, Respekt. Das hätte ich mich nicht getraut. Aber der Auftritt warf auch noch andere Fragen auf: Warum schwang die Wippe nicht sofort zurück, als die eine von Euch sie verlassen hatte, sondern senkte die andere Seite nur gaaaanz langsam ab? Wie habt Ihr das gemacht? Normale Wippen benehmen sich anders. Das sind so die Dinge, die mir beim Auftritt durch den Kopf gingen. Man wurde ja weder durch das Lied noch durch den Gesang sonderlich abgelenkt, wenn man mal von dieser "Jodelstelle" nach der Rückung absieht, die sowohl im Semi als auch im Finale böse danebengegangen ist. Es war halt nix Besonderes; verdienter Finaleinzug, unverdienter 7. Platz, das hätte bestenfalls irgendwo ins Mittelfeld gehört.
PS: Für alle, die in der Halle und vorm Bildschirm gebuht haben, bitte hier gucken, Text anhören und verinnerlichen. Nuff said.

6. Ukraine
Im Gegensatz zum 7. Platz für die Russinnen ist der 6. Platz für die Ukraine hochverdient. Mariya sah SUPER aus, sicherlich eine der schönsten Frauen im Wettbewerb, und das geschlitzte Kleid bewies einmal mehr, dass Erotik sehr viel mit gekonntem Verhüllen zu tun hat (lest Ihr mit, Polinnen?). Zudem sang Mariya sowohl im Semi als auch im Finale viel viel besser, als ich ihr das jemals zugetraut hätte. Der mystische Anfang, bevor der Beat einsetzt, war wirklich großartig umgesetzt, allein das dösige Hamsterrad störte. Das hat nun wirklich kein Mensch gebraucht und ich bin fest davon überzeugt, dass sie auch ohne das Hamsterrad (was wohl ein Rhönrad sein sollte, aber de facto ein Hamsterrad war) zwei tolle Auftritte hingelegt hätte. Ich mag das Lied immer noch nicht besonders, und der Chor war mir stellenweise auch zu laut, aber nichtsdestotrotz ein Ergebnis, das völlig in Ordnung geht.

Dienstag, 1. April 2014

ESC 2014 Gesamtbetrachtung Teil 2

Weiter im 1. Semi:

7. Russland: Tomalchevy Twins  -Shine

Der wohl schwierigste Beitrag im gesamten Umfeld, und ich muss mich ebenfalls zwingen, die Politik außen vor zu lassen. Der Text ist aber arg doppeldeutig, die Musi hat was von Julia Savicheva. Grundsätzlich geschickter Schachzug von den Russen, zwei süße Sechzehnjährige zu schicken. Der Song ist leider strunzlangweiliger Radiopop, aber da wird in diesem Jahr ja eh kein Mensch drauf achten. Ganz ehrlich: Ich möchte nicht in der Haut der beiden stecken, wenns in Kopenhagen auf die Bühne geht. Und darf man überhaupt dafür anrufen? Ich würde sagen: Das muss jeder mit seinem eigenen Gewissen ausmachen!
Chancen aufs Finale: Natürlich kommen die ins Finale, Krim hin, schlechter Song her
Moskau 2015: Das mögen bitte alle, die es in der Hand haben, verhindern! Aber wird auch in diesem Jahr nicht passieren.
5/10


8. Aserbaidschan: Dilara Kazimova – Start a fire

Es gibt ja Länder, wo man sich jedes Jahr wünscht, sie würden endlich mal was Gescheites schicken. Und dann gibts Länder wie dieses hier, bei denen man sich jedes Jahr wünscht, sie würden mal Mist schicken. Und beides passiert nicht. Aserbaidschan schickt mal wieder eine wunderschöne Frau mit großartiger Stimme (kann sie das auch live?), die mit einer Ballade aus schwedischer Hand antritt. Der Song ist auch wieder das ganz große Tennis, trotzdem kömmt er irgendwie überhaupt nicht aus dem Quark, und sowas wie Struktur kann ich auch nicht erkennen. Das pathetisiert da irgendwie vor sich hin und ist bestimmt alles unheimlich wichtig, wenn die Interpretin aus dem Land of Fire ein ebensolches starten will, aber es geht komplett an mir vorbei, da können die Instrumente noch so schön sein.
Chancen aufs Finale: Azedaze kommt immer ins Finale.
Baku 2015: Bitte in den nächsten 1000000 Jahren nicht wieder.
6/10


9. Ukraine: Maria Yaremchuk – Tick Tock

Da haben die Dänen aber ne knackige Startreihenfolge hingelegt. Russland - Aserbaidschan - Ukraine zeugt schon von einem merkwürdigen Humor. Die Ukraine schickt mal wieder eine atemberaubend attraktive Lady mit einem absoluten Sch****-Song. Singen kann se ja, aber das können die ja irgendwie alle. Aber das ist schon deutlich jenseits von meiner Schmerzgrenze. Mal sehen, wie sie das wieder aufpimpen. Da wird alles drin sein, was ukrainische Beiträge in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat. Trotzdem hoffe ich, dass die Mitleidspunkte (für eine Janukowitsch-Befürworterin!!!!!!) nicht ausreichen werden, um das ins Finale zu hieven. Nää nää nää!
Chancen aufs Finale: Die Ukraine kommt immer ins Finale. Voter Europas, habt ein Einsehen!
Kiew 2015: No no never
1/10


10. Belgien: Axel Hirsoux - Mother

Ein korpulenter Mann auf so einer Bühne ist ja auch eher eine Seltenheit, und der hier hat eine grandiose Stimme - wenn man sowas mag. Mir ist das alles ein bisschen zuviel und die Stimme extrem zu hoch, ich hab lieber Bässe. Bei den Schwenks ins Publikum sieht man, wie der Lebensgefährte des Sängers Rotz und Wasser plärrt und nicht nur er. Die besungene Mutter steht da wie die Salzsäule. Autsch, jetzt tuts aber in den Ohren weh. So ganz sauber ist das nicht. Ich schau das hier gerade auf aufrechtgehn.de, und unter dem Video steht: "Rührt zu Tränen oder zum Kübeln - aber er rührt". Nun ja. Es ist nicht ganz so zum Fremdschämen, wie ich dachte, weil man vor lauter Stimmen-Show-Off vom Text überhaupt nix versteht. Aber ich glaub, das ist auch ganz gut so. Mich rührt das weder zu Tränen noch zum Kübeln, mich lässt das schlicht und einfach: KALT!
Chancen aufs Finale: Da er alle Leute polarisiert außer mir, wird er am Samstag auch nochmal auftreten.
Brüssel 2015: Ja. Nein. Weiß nicht. Mir ist dieser Beitrag soooo egal! Allerdings: Wenn er gewinnen würde, wärs die erste offene Schwuppe, die den ESC gewinnt. Das wärs fast wert, aber nur fast.
4/10


11. Moldawien: Cristina Scarlat- Wild soul

Bei Moldawien muss ich leider wieder aufs offizielle Video zugreifen. Dieses Jahr gibts das Kontrastprogramm zur elfenhaften Aliona Moon. Hui, ist der Song düster. Die Sängerin hat eine schöne Stimmfarbe in den Tiefen, gefällt mir sehr gut. Ich mag ja sehr gerne tiefe Stimmen. Das ist alles schon ziemlich spannend musikalisch gesehen, zum Text kann ich nix sagen, alldieweil man mal wieder kein Wort versteht. Dürfte aber insgesamt zu sperrig sein, um im Finale groß mitmischen zu können - wenn es das Finale überhaupt von innen sieht, was nur mit einer absolut fulminanten Performance möglich ist. Wünschen würd ich das mir!
Chancen aufs Finale: Siehe oben. An der Grenze, würde ich sagen.
Chisinau 2015: Nein
7/10