Mittwoch, 29. April 2026

Die Jurys zurück im Semi! - Eine kleine Betrachtung. 5b: Wen die Jurys auf dem Gewissen haben

Nun wirds Zeit für Eure Blutdrucktabletten. Und meine.

Die Jurys haben gegen den Willen der Televoter folgende Beiträge rausgekegelt:


Finnland 2010: Kuunkuiskaajat - Työlki ellää

Litauen 2010: InCulto - East European Funk

Schweden 2010: Anna Bergendahl - This Is My Life

Norwegen 2011: Stella Mwangi - Haba haba

Armenien 2011: Emmy - Boom Boom

Türkei 2011: Yüksek Sadakat - Live It Up

Belarus 2011: Anastasia Vinnikova - I Love Belarus

Schweiz 2012: Sinplus - Unbreakable

Niederlande 2012: Joan Franka - You and Me

Bulgarien 2012: Sofi Marinova - Love Unlimited

Kroatien 2013: Klapa s mora - Mižerja

Montenegro 2013: Who See ft. Nina Žižić - Igranka (lag im Televoting auf Platz 4!)

Bulgarien 2013: Elitsa Todorova und Stoyan Yankulov - Samo shampioni

Schweiz 2013: Takasa - You and Me (lag im Televoting auf Platz 5!)

Portugal 2014: Suzy - Quero ser tua

Irland 2014: Can-Linn feat. Kasey Smith - Heartbeat

Finnland 2015: Pertti Kurikan Nimipäivät - Aina mun pitää

Tschechien 2015: Marta Jandová u. Václav Noid Bárta - Hope Never Dies

Bosnien und Herzegowina 2016: Dalal & Deen feat. Ana Rucner & Jala - Ljubav je…

Belarus 2016: Ivan - Help You Fly

Mazedonien 2016: Kaliopi - Dona

Finnland 2017: Norma John - Blackbird

Schweiz 2017: Timebelle - Apollo

Estland 2017: Koit Toome & Laura - Verona

Griechenland 2018: Gianna Terzi - Oniro Mou

Polen 2018: Gromee feat. Lukas Meijer - Light Me Up

Polen 2019: Tulia - Fire of Love (Pali się)

Litauen 2019: Jurij Veklenko - Run with the Lions

Dänemark 2021: Fyr og Flamme - Øve os på hinanden

Albanien 2022: Ronela Hajati - Sekret

Zypern 2022: Andromache - Ela

 

Na, noch wer Schnappatmung angesichts dieser Liste? Da weiß man echt gar nicht, wo man anfangen soll. Deshalb fang ich lieber auch gar nicht an damit, sondern beschränke mich auf einige generelle Anmerkungen.

Der krasseste Fall in dieser Liste ist ohne Frage Montenegro 2013, gefolgt von der Schweiz 2013. Wer auf Platz 4 im Televoting liegt und trotzdem rausfliegt, hat ein ganz besch!")(/§$() Votingsystem erwischt. Eigentlich dürfte es sowas gar nicht geben. Uneigentlich auch nicht. Für die Schweiz 2013 mit Platz 5 im Televoting gilt dasselbe. Man kann von denen halten, was man will, aber was Recht ist, muss Recht bleiben.

Natürlich gibt es auch in dieser Liste welche, wo die Jury dann doch ausgleichendes Korrektiv war. Türkei und Armenien 2011 kommen da als erstes in den Sinn. Und was Schweden 2010 angeht: Ich kann mich noch erinnern, dass viele damals gesagt haben, dass sie es eigentlich draußen sehen, aber is ja Schweden. Nun, mit reinem Televoting lägen die Schweden noch heute bei 100% (und die Ukraine nicht). So ändern sich die Zeiten.

Aber genug davon. Ein Semibeitrag fehlt nämlich noch, aber dessen Schicksal ist so tragisch, dass mir das einen eigenen Beitrag wert ist.

5 Kommentare:

Zwelfbungt - Lucas hat gesagt…

Ja endlich! 2010 wirkt auf mich rückblickend betrachtet wie ein Paradoxon. Schweden scheitert im Halbfinale an den Jurys(!!!), Deutschland gewinnt und Rumänien in der Top 10.

Fairerweise muss man aber sagen, dass Schweden 2008 ja ohne den Juryjoker auch das Halbfinale nicht gerissen hätten (Frage am Rande, weil du 2008 sicherlich aktiverer ESC-Fan warst, als der zehnjährige Bengel aus der Nachbarschaft: Warum gab es 2008 einen Juryjoker pro Halbfinale? Die haben ja sonst nix entschieden in dem Jahr!), aber klar, liegt außerhalb des Bewertungsrahmens 2010 - 2022. Trotzdem halten wir fest: Seit 2009 hat sich Schweden immer mit dem Televoting qualifiziert und das einzige mal, wo sie dies nicht geschafft haben, waren sie auf Startnummer #2...hmmm ;-)

Tamara Fabian hat gesagt…

Ich nehme an, das hat mit dem 2007er Resultat zu tun. Die "Traditionsländer" mit Ausnahme von Griechenland und der Türkei (man beachte, dass das zwei Länder mit einem potenziell gigantischen Migrationsbonus sind, was sich in den Punktevergaben auch klar ablesen ließ) haben nämlich in dem Jahr massiv geschwächelt. Dazu kam dieses riesige Semi mit 28 Startern. Weiterkommer damals (in order of appearance): Bulgarien, Belarus, Georgien, Moldau, Serbien, Mazedonien (wie es damals noch hieß), Ungarn, Slowenien, Türkei und Lettland. Wir sehen: Außer der Türkei kein Traditionsland dabei. Im Finale dasselbe Bild: Türkei Vierter, Griechenland Siebter, und ALLE anderen Traditionsländer auf den Plätzen 17-24. Das ging so weit, dass unsere damals noch einzige Eurovisionssiegerin in der BILD auf Seite 1 über dem Bruch schreiben ließ: "Stoppt den Schummel-Grand Prix!" Eine ziemliche Unverschämtheit, wenn man mal ein bisschen drüber nachdenkt. Bis auf Finnland und vielleicht Deutschland hatte in dem Jahr auch keins der Traditionsländer eine bessere Platzierung verdient. Man musste allerdings die Traditionsländer im allgemeinen und die (damals noch) Big 4 im besonderen irgendwie bei Laune halten. Deshalb die zwei Semis und der Juryjoker und dann später auch die komplette Rückkehr der Jurys. Fun Fact: In den Jahren 2004-2007 war Mazedonien immer einer der Weiterkommer, was mit Ausnahme von 2004 nie so ganz unkritisch gesehen wurde. In den beiden Jahren, wo es dann den Juryjoker gab, waren sie in beiden Jahren einer der Leidtragenden.

Zwelfbungt - Lucas hat gesagt…

Ich bin ehrlich: Das mit Nordmazedonien habe ich mir auch schon gedacht und ich meine, dass das aufrechtgehn ja auch in seinen Artikeln zu den entsprechenden Wettbewerben geschrieben hatte. Wie die zwischen 2004 und 2007 immer geradeso durchgerutscht sind, ist schon erstaunlich. 2006 übrigens nur, weil Serbien & Montenegro sein Stimmrecht behalten durfte. Dass se danach aber nur zwei Finalqualifikationen in 14 Jahren packten, ist mir ein Rätsel und teilweise lief das ziemlich blöd. 2008/09 wurden se vom Juryjoker ausgestochen. 2010 und 2014 waren dann die Televoter nicht mehr auf ihrer Seite und 2022, das ist jetzt nur ne Annahme von mir, wurden se durch die Jurykorruption wohl über den Tisch gezogen, auch wenn man fairerweise dazu sagen muss, dass es hier kaum Televotingpunkte für die arme Andrea gab. Vom im Fernsehen gestohlenen Jurysieg 2019 mal ganz zu schweigen.

Tamara Fabian hat gesagt…

Teilweise lief das blöd, aber teilweise waren sie auch einfach nicht gut ... ich müsste echt überlegen, wen ich von den Beiträgen, die es zwischen 2010 und 2022 nicht geschafft haben, weitergelassen hätte. Klare Antwort: Keinen! 2015 mag ich eigentlich total gerne, aber bitte: Was war DAS denn für ein Auftritt? Über 2017 kann man noch reden, aber ich hatte das nie auf dem Weiterkommerzettel. Das mit dem im Fernsehen gestohlenen Jurysieg ist einfach nur eine Riesensauerei - warum hat das von der EBU niemand gemerkt?!?

Interessant übrigens noch Deine Anmerkungen oben zu Rumänien. In den Nullern war das nämlich ein Powerhouse (gelegentliche Ausrutscher inklusive, 2004 war schon schlimm). Schau Dir mal die Beiträge von 2005 und 2006 an! Und bis einschließlich 2017 haben sie jedes Jahr geliefert. Ja, auch 2016 - mir tut der gute Ovidius Anton heute noch leid, ich bin mir sicher, das wäre im Finale in die Top Ten gekommen. 2018 war dann auf einmal Schluss. Roxen hatte leider das falsche Staging, ich hab da eigentlich ein Dark Horse gesehen. Wenn man mir Mitte der Nuller gesagt hätte, dass die Rumänen, denen ich damals prophezeit habe, dass sie die Kiste innerhalb der nächsten 10 Jahre gewinnen, mal sowas wie 2023 auf die Bühne bringen, hätte ich wohl erst ungläubig geschaut und mich dann kringelig gelacht. DGT ist für mich offiziell das schlimmste Gesamtpaket der Eurovisionsgeschichte, und ich hoffe, dass ich diesen Auftritt nie wieder sehen muss.

Sixtus hat gesagt…

DGT ist 'guilty pleasure' ;-)